31.03.2005 | 12:39 Uhr

Neuer HP-Chef Hurd ein Dell-Fan?

Mark Hurd (48), vor zwei Tagen zum neuen HP-Chef ernannt, hat sich in einem 2003 bei Bloomberg Press veröffentlichten Buch positiv über den größten Mitbewerber Dell geäußert. Manche Passagen lesen sich auch wie eine Kritik an HP. Doch bei seiner Ernennung fand er auch lobende Worte für seinen neuen Arbeitgeber.

"Dell ist Meister der Effizienz - durch Minimierung von Lagerrückständen in seiner Lieferkette und Reduzierung seiner gesamten Betriebskosten", heißt es frei übersetzt an einer Stelle des zusammen mit seinem Ex-Arbeitgeber NCR-Chairman Lars Nyberg geschriebenen Buch namens "The Value Factor" (Der Faktor Wert). Dell wird in dem Werk als Beispiel eines Unternehmens mit guter Kontrolle über sein "Ökosystem" hingestellt. Das letzte Kapitel konzentriert sich auf Visionen und Strategien, also ausgerechnet auf den Punkt, den Analysten wie Steve Milunovich von Merril Lynch bei HP vermissen. Weiter heißt es in dem Buch von Hurd und Nyberg, dass Dell nicht annehme, sondern begreife, was die Kunden wünschten. Auch dieser Punkt liest sich wie eine Kritik an HP.

Bevor Hurd am 29. März 2005 als Nachfolger der vor sieben Wochen gechassten Carly Fiorina neuer HP-CEO wurde, war er 25 Jahre lang bei dem Kassensystem- und Data-Warehousing-Anbieter NCR Corp. beschäftigt, in den letzten zwei Jahren als President und CEO.

Hurd wurde beim nunmehr nur noch zweitgrößten PC-Anbieter eingestellt, um HP wieder auf die richtige Spur zu bringen und die Unternehmensmoral neu zu beleben. Wie Kritiker der vorherigen HP-Führung vorwerfen, war ihr die Übersicht und das Ruder entglitten, was drei Gewinnwarnungen und wiederholt Produktionsverzögerungen zur Folge hatte. Unter Fiorinas Amtszeit hat HP 18,9 Milliarden Dollar für die Übernahme von Compaq bezahlt und dann die Ziele verfehlt.

Unter anderem wurde Fiorina vorgeworfen, zu sehr über den Dingen zu schweben und den "HP Way" zu ignorieren, ein Handbuch, in dem die Gründer 1957 die Unternehmenswerte definierten. Teil des HP Way ist, dass das Top-Management sich auch mal in den Gängen und in der Kantine blicken lassen sollte, was Fiorina offenbar nicht getan hat, HP-Chairwoman Patricia Dunn Hurd aber durchaus zutraut.

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