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20.09.1978 - 

Computerwoche-Umfrage zur Detailuntersuchung der Bundesanstalt für Arbeit:

0,4 Prozent DV-Arbeitslose signalisieren "Überbeschäftigung"

NÜRNBERG/MÜNCHEN - Arbeitslosigkeit in der DV-Branche heißt gegenwärtig: Menschlich nicht qualifiziert zu sein - wobei der Alkohol eine große Rolle spielen dürfte. Eine Umfrage der COMPUTERWOCHE bei der Industrie zur Sonderuntersuchung der Bundesanstalt für Arbeit über arbeitslose Datenverarbeitungsfachleute liefert Hinweise, daß das Potential Beschäftigungsloser den Anforderungsprofilen der Unternehmen vor allem von der Persönlichkeit her nicht entspricht.

Ende Mai 1978 waren zwar nur 1626 arbeitslose DV-Fachleute registriert: 204 weniger als im September 1977 und 655 weniger als im Mai vor einem Jahr. Gemessen an den rund 400 000 EDV-Profis die es bei Herstellern und Anwendern in der Bundesrepublik gibt, ist eine Arbeitslosenquote von 0,4 Prozent sogar nur ein Hinweis auf das Florieren der Branche. Sonst wird ja selbst bei einer Arbeitslosigkeit von 3,5 Prozent noch von "Vollbeschäftigung" gesprochen.

Logisch, daß Karlheinz Voll, Personalchef bei der Nixdorf Computer AG, folgert, "ein Potential arbeitsloser DV-Fachleute ist in nennenswerter Zahl nicht vorhanden".

Auszugehen ist aber davon, daß auch für dieses kleine Häufchen rund 25 bis 30 Millionen Mark jährlich an Arbeitslosenunterstützung aufgewendet werden müssen und feststeht, daß sich die Anzahl der über ein Jahr arbeitslosen DV-Spezialisten tendenziell gegenüber den rezessiven Jahren 1975/76 nur langsam verringert. Ende Mai waren 21,8 Prozent der Beschäftigungslosen Datenverarbeiter länger als ein Jahr arbeitslos.

Obgleich die Unternehmen "intensiv dabei sind, auch die letzten eventuell noch vorhandenen Reserven an EDV-Fachpersonal zu erfassen und auszuschöpfen", wie es Dr. Elmar Bauer, Personalleiter des Siemens Unternehmensbereichs Daten und Informationssysteme formuliert, ist anscheinend im Bereich der Arbeitslosen nur wenig geeignete Mannschaft zu rekrutieren. Dabei weiß Nixdorfs Voll "aus Gesprächen mit Kollegen, daß die händeringend Leute suchen und bereit sind, auch in Leute, die nicht mehr auf dem neuesten Stand sind, zu investieren". Siemens statuierte für den Bereich München ein Exempel und ließ sich die Unterlagen aller arbeitslosen Ingenieure, die in dieser Region gemeldet waren, kommen. Bauers Resümee: "Aus dieser großen Anzahl kam nur

eine kleine Zahl für unsere Zwecke in Betracht."

Horst Höhlscher, der sich bei Digital Equipment mit Personalproblemen herumschlägt, sagt's drastisch: "Da ist schon mal ein einzelner guter Mann unter den Arbeitslosen. Aber wenn der zum Beispiel als DV-Verkäufer arbeitslos wurde, da gab ja der Erfolg den Ausschlag."

Obgleich DEC (wie Siemens, Nixdorf oder Honeywell Bull) eng mit den Arbeitsämtern zusammenarbeitet: Denn die Arbeitsämter als Vermittler von arbeitsuchenden DV-Profis, haben öfter mal Perlen auf Lager. Seien es junge Akademiker, die sich vorsorglich beim Arbeitsamt melden oder Leute, die einfach den Job wechseln wollen. Nur: Die Arbeitsuchenden haben mit den Arbeitslosen (statistisch) nichts zu tun.

Bei der Frage, welche menschlichen Mängel eine Einstellung verhindern, schweigen sich die Personalchefs diskret aus. Doch ein Problem scheint bei einer Anzahl von Dauerarbeitslosen darin zu bestehen, daß sie durch Alkohol aus der Bahn geworfen wurden.

Ein zwischenmenschliches Hindernis hat allerdings Dr. Peter Schnupp von Softlab entdeckt "Wir fragen einen Vierzig- oder Fünfzigjährigen knallhart, ob er bereit ist, auf das Kommando einer 25jährigen zu hören." Das kann und will offensichtlich nicht jeder.