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20.06.1997 - 

Telefonsupport für 3,60 Mark pro Minute

0190-Line versüßt Microsofts Geschäft

22.00 Uhr - Prime-Time für die rund 40 Anbieter der knapp 1500 telefonbasierten Sex-, Flirt- und Kontakt-Lines in Deutschland. Zwischen 80 Pfennige und 3,60 Mark pro Minute investieren balzfreudige Zeitgenossen Nacht für Nacht in solche Gespräche. Das Geschäft mit 0190-Nummern boomt - neuerdings wollen auch DV-Anbieter davon profitieren.

Unter der Telefonnummer 0190/88 80 00 betreibt die Unterschleißheimer Microsoft-Dependance gemeinsam mit der 1 & 1 Serviceline aus Montabaur eine neue gebührenpflichtige Hotline. Hier sollen Anwender der Desktop- und Home-Produkte Microsofts nach Ablauf ihrer auf 90 Tage befristeten standardmäßigen Supportvereinbarungen "schnell und unproblematisch Hilfe bei anfallenden DV-Fragen erhalten" - und das für stolze 3,60 Mark pro Minute.

Nepp mit Nummern?

Geprüfte Experten beantworten technische Fragen zu Microsoft-Produkten wie Office, Money oder Publisher, Betriebssystemen wie Windows 95, Home-Paketen, aber auch Internet-Applikationen wie etwa Explorer, lautet Microsofts vollmundige Werbung für den heißen Draht.

"Die 0190-Hotline ist länger erreichbar als der Standard-Support", verteidigt Service-Marketing-Manager Thomas Wittig die Anwendung des hierzulande höchsten Telefontarifs. So könnten Anwender auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten Unterstützung bekommen. Den Vorwurf entrüsteter Anwender, es handle sich bei der neuen Support-Line um Nepp mit Nummern, mag Wittig nicht gelten lassen. "Wir haben mehr als 200 Mitarbeiter für den Bereich Unterstützung", erklärt der Microsoft-Manager. Microsoft stecke viel Geld in Support und Services.

"Das ist doch reine Geldschneiderei", empört sich hingegen Kurt Theurer, Manager des User-Supports beim Europäischen Patentamt in München, über die neuen Gepflogenheiten des Softwaregiganten. Mit der Tatsache, daß DV-Hersteller keine einwandfreien Produkte abliefern, hat sich der Bayer längst abgefunden. Daß nun ein Anbieter aus den oft unverständlichen Handbüchern auch noch Kapital schlage und gebührenpflichtige Hotlines einrichte, sei allerdings unzumutbar. "Microsoft konnte uns bei Problemen nie weiterhelfen", beschwert sich der Münchner DV-Experte. Auch eine 0190-Nummer wird diesen Zustand, so die Vermutung Theurers, kaum verbessern.

In dieselbe Kerbe schlägt Manfred Keul, Geschäftsführer der gleichnamigen GmbH aus Köln, die PC-Datentechnik und Kopierschutz anbietet: "Ich finde das mit den 0190-Nummern unmöglich." Es sei schlichtweg eine Unverschämtheit, komplexe Produkte wie Software mit solchen Supportkonzepten auszustatten. Keuls Fazit: "Wenn ein Anwender bei einer 0190-Nummer anrufen muß, falls er ein Problem mit einer Textverarbeitung hat, wird er stinksauer."