Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

24.02.1995

1. ComMunic-Online-Fachkongress Deutsches Schaulaufen neuer und kuenftiger Online-Anbieter

24.02.1995

MUENCHEN (gh) - Das kuenftige interaktive Multimedia-Geschaeft wird von zwei Entwicklungen getrieben (werden): Globale, vorwiegend auf die PC-Klientel zielende Online-Services und interaktive Video- und Fernsehdienste. Mit dieser nicht gerade neuen Erkenntnis gingen die Besucher des von der Muenchner ComMunic GmbH veranstalteten 1. Online-Fachkongresses nach Hause.

"Interactive Services" hiess das Motto, fuer das der Veranstalter im Muenchner Hotel Vier Jahreszeiten mehrere hundert Teilnehmer gewinnen konnte. Und darueber hinaus vor allem die Vertreter aller potentiellen Online-Anbieter, die mit deutschen Anwendern schon im Geschaeft sind - oder selbiges demnaechst vorhaben. Zum Beispiel Europe Online, der Online-Dienst "von Europaeern fuer Europaeer", wie Produkt-Manager Karsten Weide es formulierte. Das sich im Mehrheitsbesitz des Muenchner Burda-Verlages und der Londoner Pearson-Gruppe befindende Online-Unternehmen wird Weide zufolge in der zweiten Jahreshaelfte "definitiv an den Start gehen" und sich dabei hauptsaechlich auf den Home- and Small-Office-Markt fokussieren.

Seine Premiere feiern soll Europe Online mit einem WWW-Browser als Zugriffsmoeglichkeit zum Internet; ansonsten wird es im Menue der von Ziff Davis gekauften Steuersoftware "Interchange" die derzeit uebliche Online-Alltagskost - also E-Mail-Kommunikation und mehr oder weniger interessante Nachrichten - geben. Das Ganze zunaechst dreisprachig (in Deutsch, Englisch, Franzoesisch), wie auch demnaechst neben dem Luxemburger Firmensitz von Europe Online jeweils nationale Tochtergesellschaften in besagten Laendern gegruendet werden sollen.

"Wir wollen in Europa fuehrend sein im Hinblick auf das Preis- Leistungs-Verhaeltnis", gab sich Weide selbstbewusst, ohne allerdings schon genaue Tarife nennen zu koennen. Gleiches gilt auch fuer die meisten Content-Provider, mit denen man offensichtlich erst noch verhandeln muss. Eines ist fuer den Europe- Online-Manager jedoch klar: Erst zehn Prozent aller PCs in Deutschland sind mit einem Modem ausgestattet - eine Zahl, die sich aendern lassen muss und wird. Wachstum heisst also die Devise in Luxemburg, was in "konservativen" Schaetzungen bedeutet: 90000 Europe-Online-Nutzer noch 1995, eine Million in fuenf Jahren.

Nicht ganz so sicher ist sich indes Mitchell Wolfson, verantwortlicher Microsoft-Manager fuer das "Microsoft Network" (MSN), jenem zunaechst 35 Laender umfassenden und spaeter irgendwann einmal globalen Online-Dienst, mit dem Bill Gates Compuserve, America Online, Prodigy 38; Co. das Fuerchten lehren will. Die beiden letztgenannten Anbieter liebaeugeln uebrigens, wie bei dem Event in Muenchen deutlich wurde, mit einem Einstieg in den deutschen Markt. Doch zurueck zu Microsoft: Der Account fuer MNS wird, wie seit laengerem bekannt, im Bundle mit Windows 95 ausgeliefert werden, und aehnlich wie das tatsaechliche Verfuegbarkeitsdatum des neuen Desktop-Hoffnungstraegers stehen ja auch die Erfolge neuer, zusaetzlicher Online-Dienste in den Sternen. "Alle potentiellen Anbieter laufen momentan Gefahr, Geld aus dem Fenster zu werfen", redete Wolfson ueber das eigene Business hinaus Tacheles. Schliesslich habe man es nicht nur mit dem Mangel an Kontrollmoeglichkeiten, sondern vor allem mit fehlenden attraktiven Inhalten zu tun. Das im Multimedia-Geschaeft sattsam bekannte Henne-Ei-Problem also, oder wie Wolfson es ausdrueckte: "Der Markt ist noch nicht da."

Praesent, und dies schon lange, ist indes Btx beziehungsweise Datex-J - mittlerweile sogar erfolgreich, wie Eric Danke nicht ohne Stolz berichtete. Fuer den "Online-Papst" der Telekom heisst dies in erster Linie 730000 Anwender - Tendenz steigend. Mit neun Anschluessen je tausend Bundesbuerger sei man statistisch momentan der "erfolgreichste Online-Dienst" ueberhaupt, koenne sich also, gemessen an internationalen Massstaeben, ein "gutes Selbstbewusstsein" leisten. Zurueckzufuehren sei der Erfolg auf eine neue Konzeption und neues Marketing, bei dem man das eigene Angebot hauptsaechlich "ueber die PC-Zeitschriften lanciert" habe.

Aber auch fuer Danke gibt es in Zukunft noch genug Aufgaben. Zum Beispiel eine neue grafische Datex-J-Oberflaeche, einen Zugang zum Internet sowie hoehere Geschwindigkeiten - auch wenn die alten 2400-Bit/s-Zeiten endgueltig der Vergangenheit angehoeren. Mit 28800 Bit/s bewege man sich, so Danke, im analogen Bereich "im Machbaren", mit 64 Kbit/s ueber das digitale ISDN "im derzeit fuer die Anwender Bezahlbaren". Und was die neue Online-Konkurrenz betrifft, uebt man sich in Gelassenheit. "Jeder hat in Deutschland das Recht, als Online-Service-Provider aufzutreten", wies Danke auf den fuer ihn in der Vergangenheit oft leidigen Btx-Staatsvertrag hin.