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13.04.1990 - 

Fragwürdige Werbeaktionen einer österreichischen Softwarefirma

10 000 Mark Belohnung für ein unschlagbares Virus geboten

MÜNCHEN (gs) - Mit einer höchst fragwürdigen Werbeaktion versucht die österreichische Firma Ikarus auf sich aufmerksam zu machen: 10 000 Mark bietet sie demjenigen, der ihr ein Computervirus liefert, das sie nicht binnen zwei Wochen unschädlich machen kann.

Anlaß für die "einzigartige Wette", so Ikarus-Gründer Viktor Mayer-Schönberger, ist die Veröffentlichung der Version 2.0 seiner Virus-Utilities, nach eigenen Worten in Österreich das marktführende Viren-Bekämpfungsprogramm. Fachleute hätten behauptet, es sei das beste in Europa. Jetzt wolle er es genau wissen. Die Chancen für die Viren-Einsender stünden allerdings nicht besonders gut, tönt Mayer-Schönberger selbstbewußt.

Damit alles seine Ordnung hat, ist die "Wette" in einer zweiseitigen "Auslobung" präzise formuliert. Nach ersten empörten Reaktionen - der Hainburger Virenpapst Klaus Brunnstein drohte beispielsweise mit rechtlichen Schritten - wurden die Teilnahmebedingungen geändert.

Während in der ersten Fassung ausdrücklich diejenigen angesprochen wurden, die meinen, ein unschlagbares Virus erstellt zu haben, müssen die Einsender jetzt versichern, daß sie die Viren weder selbst programmiert noch wissentlich verbreitet haben. Erstaunlicherweise sollen sie aber weiterhin "auf alle Rechte an ihren eingesandten Programmen, Dokumenten und sonstigen Unterlagen" verzichten.

Laut Mayer-Schönberger handelt es sich bei der Revision nicht um ein im Nachhinein durchgeführtes Umkehrmanöver, sondern um die Korrektur eines bedauerlichen Mißgeschicks.

Unglücklicherweise sei versehentlich eine Konzeptfassung der Teilnahmebedingungen versandt worden. Während die Aktion in Österreich seit dem 1. April läuft, wurde sie in der Bundesrepublik deshalb vorerst abgeblasen. Ob sie, wie nunmehr geplant, am 1. Juni auch hierzulande startet, hängt vom Ergebnis eines schnell noch in Auftrag gegebenen Rechtsgutachtens ab.

Nochbesserung auf jeden Fall nötig

Mit dem "außergewöhnlichen Angebot" hofft Ikarus unter anderem, "vielleicht noch unbekannte Viren zu knacken, um den Computer-Anwendern wirklich hundertprozentige Sicherheit zu geben". Selbst wenn es eine hundertprozentige Sicherheit jemals geben sollte, eine Nachbesserung des Programms hält Günter Mußtopf, Herausgeber des Virus-Telex, in jedem Fall für nötig: "Laut Ikarus erkennt die Version 2.0 60 verschiedene Viren. Diverse andere Produkte erkennen derzeit bereits über 90."

Zwei Dinge will Ikarus mit der Aktion erreichen: "Zum einen, den Leuten eine Möglichkeit zu geben, ihr Virus loszuwerden, und zum zweiten, den Programmierern zu sagen: Wenn man jedes Virus innerhalb von zwei Wochen entfernen kann, hat es keinen Sinn mehr, Viren zu schreiben."

Eine Gefahr, zur Entwicklung neuer und noch raffinierterer Viren anzuregen, kann Mayer-Schönberger bei der "Viruswette" nicht erkennen: "Ich finde, das ist eine gute Aktion, weil ich meine, daß Offenheit, Transparenz, absolute Klarheit in solchen Dingen viel wichtiger sind, als die Probleme und Gefahren zu verschweigen, um ja keine Anreize zu bieten." Hier besorgt zu sein, ist seiner Ansicht nach "ein bißchen Angst vor Freiheit".