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30.06.1995

100 Router ueber Frame Relay verbunden Debis Systemhaus bildet SNA auf eigenem Multiplexer-Netzwerk ab

Von Angelika Schrader*

Mit einem Netz von 24 Stratacom-Multiplexern hat der Bereich Network Services im Debis Systemhaus auf Basis von 2 Mbit/s- Monopoluebertragungswegen eine Datenautobahn realisiert. Das Multiplexer-Netz liegt als schnelle Basisinfrastruktur einem X.25- und einem Router-Netz zugrunde und erlaubt den Aufbau von virtuellen privaten Kundennetzen, ueber die sowohl Sprachverkehr als auch Daten mit Frame Relay, SNA, X.25 und anderen Protokollen und Anwendungen uebertragen werden koennen.

Ziel der Network Services war seit der Gruendung des Debis Systemhauses 1990, standortuebergreifende, flaechendeckende und diensteintegrierende Kommunikationsloesungen fuer die Konzerngesellschaften und externe Kunden anzubieten. Zudem ging es darum, ein integriertes Gesamtnetz fuer den Daimler-Benz-Konzern aufzubauen und zu betreiben. Dabei sollte die Vielzahl der bestehenden Netze zusammengefasst und auf gewisse technische Strukturen und wirtschaftliche Ziele hin optimiert werden.

Das Gesamtnetz stellt sich in seiner Planung als ein Gefuege aus verschiedenen Technologien und Netzen dar. Die Uebertragungswege werden in Form von Datendirektverbindungen, Monopoluebertragungswegen, ISDN- oder Satellitenverbindungen von der Telekom angemietet. Auf diesen Medien setzen drei verschiedene Netzwerke mit unterschiedlichen Funktionalitaeten auf. Wichtigstes Kriterium bei der Gestaltung dieser Netze war, sie herstellerunabhaengig und offen auf Basis internationaler Normen anzulegen.

Als eine Art Datenautobahn, die aber auch fuer die Uebertragung von Sprache und Bildern genutzt wird, dient ein Multiplexer- Traegernetzwerk mit ATM-und mit Frame-Relay-Technologie. Daneben gibt es Multiprotokoll-Router- sowie X.25-Zubringernetze und - anschluesse in der Flaeche. Das X.25-Netz arbeitet mit Technologie von Northern Telecom, die etwa 100 WAN-Router sind von Cisco.

Das Traegernetz basiert auf IPX-Multiplexern von Stratacom, erklaert der Leiter Kommunikations-Services Klaus Weiler. Die Netztopologie unterstuetzt eine Reihe von Anwendernetzen, darunter ein SNA- Verbundnetz, verschiedene ueberregionale Terminalnetze, LAN- Kopplungen, Corporate-Voice-Netze und diverse Mehrwertdienste.

Die drei Uebertragungsplattformen werden SNS-mux, SNS-router sowie SNS-pac genannt und stellen eine universelle Basis fuer alle logischen Kunden- und Anwendernetze dar. Die IPX-Multiplexer erlauben eine protokollunabhaengige Uebertragung von Daten in Cell- Relay-Format nach dem Fast-Packet-Switching-Verfahren und sind mit einem ATM-Interface ausgestattet. Ausserdem verfuegen sie ueber eine Frame-Relay-Schnittstelle, wodurch die Flexibilitaet bei der Nutzung dieses Traegernetzes in Verbindung mit den strukturell darunterliegenden Router- und X.25-Netzen erhoeht wird.

Die Uebertragungsgeschwindigkeit im Backbone betraegt 2 Mbit/s. Fuer einen reibungslosen Netzbetrieb sorgt unter anderem eine automatische Re-routing-Funktion, die - fuer den Nutzer transparent - sehr schnell einsetzt und 16 Prioritaeten haben kann. Fuer den Netzbetrieb hat Stratacom folgende Traffic-Prioritaeten festgelegt: An erster Stelle steht Netzwerk-Management gefolgt von High-speed- Data, Low-speed-Data, Sprache und mit Prioritaet fuenf Frame Relay. Die IPX-Knoten unterstuetzen synchrone und asynchrone Daten - ebenso wie Voice- und Frame-Relay-Ports. Insgesamt sind 24 Multiplexer mit einer unterschiedlichen Anzahl von Ports im Einsatz. Sie sind sowohl an Kundenlokationen als auch in gesicherten Rechenzentren des Daimler-Benz-Konzerns installiert.

Die Stabilitaet und Verlaesslichkeit dieses Netzes bestimmen die Guete der gesamten Netzstruktur. Die Verfuegbarkeit der Knoten wird mit 99,99 Prozent angegeben. Debis hat laut Weiler aber zusaetzliche Sicherheitsmassnahmen getroffen. So sind die Knoten im Netzdesign gleichberechtigt geschaltet und voll vermascht. Fuer ausgefallene Trunks gibt es ein Backup, und die CPU, die Trunks sowie Netzteile sind redundant vorhanden. Darueber hinaus werden in den Knoten Schnittstellen-Ersatzkarten sowie ein zusaetzlicher Hardware-Pool vorgehalten. Ein voll ausgebauter Notfall-Knoten einschliesslich der erforderlichen Telekom-SNS-pac-Anschluesse minimiert das Risiko eines Ausfalls zusaetzlich.

Sowohl in Deutschland als auch in Grossbritannien betreibt Debis Systemhaus ein X.25-Netz. Dabei ist die Netzstruktur so gestaltet worden, dass das X.25-Netz in Deutschland fuer die Hauptwege, also die Verbindungen mit hohem Verkehrsvolumen, das Stratacom- Multiplexer-Netz benutzt. Die X.25-Knoten des Typs DPN-100 repraesentieren laut Debis Systemhaus die Standardtechnologie fuer Paketvermittlungsnetze wie Datex-P der Telekom oder anderer Carrier, was eine Kopplung der beiden Netze im Falle eines Joint- ventures vereinfacht. Als Backup fuer das vollvermaschte Paketvermittlungsnetz sowie fuer die Kundenzuleitungen wird das ISDN-Netz genutzt.

Das dritte topologische Element des Debis-Systemhaus-Gesamtnetzes besteht aus rund 100 Multiprotokoll-WAN-Routern von Cisco, die seit 1992 nach und nach installiert worden sind. "Auf dem Multiplexer-Netz haben wir die Router ausschliesslich ueber Frame Relay gekoppelt, was zu aeusserst effizienten LAN-LAN-Verbindungen fuehrt", erlaeutert Klaus Weiler das Konzept. Das Fast-Packet- Switching-Verfahren, das im Multiplexer-Netz angewendet wird, nutzt mit 24 Byte eine andere Zellgroesse als ATM (53 Byte), ist aber ansonsten ATM-aehnlich und ermoeglicht damit den hohen Durchsatz der Datenuebertragungen. Ausserdem sind diese Knoten durch Aufruestung mit ATM-Interfaces zur ATM-Technologie kompatibel, die Telekom oder andere Carrier im Backbone-Bereich anbieten. Die Router sind ferner ueber das X.25-Netz und durch eigenstaendige Telekom-Zufuehrungen vermascht, wobei Kundenzubringer ausserdem ueber ISDN-Backup abgesichert werden.

Der entscheidende Kundennutzen dieser Konfiguration liegt unter anderem darin, dass der Kunde sich in das Gesamtnetz ueber Router, ueber Frame Relay, aus SNA-Anwendungen heraus oder direkt ueber die Multiplexer einwaehlen kann. So steht dem Kunden ein weltweites SNA-Netz zur Verfuegung, das auf dem Multiplexer-Netz abgebildet ist. Weiterhin werden Class-A-IP-Adressen sowie ein OSI-Adressraum verwaltet, und das Router-Netz erlaubt den Zugang zum Internet mit den Services E-Mail, News, Telnet, File-Transfer sowie Domain- Name-Services.

Die Kombination der Uebertragungswege ist frei waehlbar und zwingt den Kunden nicht in eine bestimmte Technologie. Das Multiplexer- Netz stellt die Basis-Infrastruktur dar, deren Uebertragungsdienste durch die darueberliegenden und sich ergaenzenden weiteren Netzstrukturen wie X.25, Router, SNA, EDI und andere genutzt werden. Diese Konstruktion traegt zu einer Verminderung von Vermittlungsschritten im Vergleich zu engmaschigeren Netzen und damit zu einer hoeheren Geschwindigkeit bei - praktisch sind Punkt- zu-Punkt-Verbindungen moeglich.

Multiplexer-Netz: Basis fuer Daten und Sprache

Sie verschafft auch mehr Flexibilitaet fuer die Uebertragung verschiedener Anwendungen, weil die 2-Mbit/s-Bandbreite relativ einfach in bedarfsgerechte Bandbreiten aufgeteilt werden kann. Durch das Miteinander dieser verschiedenen Technologien, deren Eigner Debis Systemhaus jeweils ist, wird eine integrierte, effiziente Netzstruktur bereitgestellt. Der Mehrwert liegt auf verschiedenen Ebenen: zum Beispiel auf einer End-zu-End- Verantwortung bis in die Anwendung beim Kunden hinein.

Was die Sprachkommunikation im SNS-Netz betrifft, so wird als einheitliche Plattform fuer Daten- und Sprachuebertragung das Multiplexer-Netz genutzt, wobei die Sprachvermittlung ueber den Verbund digitaler PBX-Systeme erfolgt. Angestrebt wird ein sprachvermittelter Multiplexer auf Basis des QSIG-Protokolls, das Stratacom fuer 1995 in Aussicht stellt. Mit der aktuellen Loesung werden Corporate Networks fuer Kunden realisiert.

Gateways zu den Netzen von Big Blue und GEIS

Darueber hinaus laeuft eine Reihe von Anwendungen und Mehrwertdiensten. So betreiben die Network Services zum Beispiel ein Clearing-Center fuer Nachrichtenverteilung. Dort werden die Informationen ueber

Satellit, Modacom oder die Mobilfunknetze D1 und D2 via Gateway in oeffentliche und private Netze eingespeist. Diese Verteilung der Nachrichten inklusive Datenkonvertierung und -uebertragung erfolgt im Debis Systemhaus-Netz.

Die Netzinfrastruktur ist in diesem Fall nur ein Teil eines ganzen Geschaeftsprozesses: Die Verteilung der Nachrichten an unterschiedliche Empfaenger, die als Komplettloesung angeboten wird, macht den Mehrwert aus. Weitere Business Solutions beziehen sich beispielsweise auf die Automobilindustrie, wo unter anderem verschiedene Odette-Protokolle umgesetzt und konvertiert werden. Ausserdem gibt es Gateways zum IBM- und zum GEIS-Netz.

*Angelika Schrader ist freie Journalistin in Muenchen