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04.11.1994

100Base-Ethernet-Produkte werfen ihre Schatten voraus Networld+Interop: Cisco-Deal polarisiert die Fronten weiter

PARIS (pg) - Nicht viele Highlights bot die zweite Auflage der "Networld+Interop" (N+I) im herbstgrauen Paris. Kurz nach der gleichnamigen Show in Atlanta warteten die Aussteller mit wenig spektakulaeren Produktneuheiten auf. Selbst ATM spielte auf der Messe, von den 25-Mbit/s-Ankuendigungen der IBM einmal abgesehen, keine dominierende Rolle. Lediglich der sich zuspitzende Wettbewerb im Internetworking sowie bei 100-Mbit/s-Ethernet sorgte fuer belebende N+I-Elemente.

Ein Jahr nach der Premiere in der franzoesischen Metropole hat die N+I - wie es scheint - von ihrem Anspruch, eine europaeische Messe zu sein, stark eingebuesst. Waehrend vergangenes Jahr ein internationales Flair die Messehallen praegte, stand diesmal franzoesisches Lokalkolorit im Vordergrund.

US-Messereigen als kuenftige Europa-Strategie

Fuer diese Entwicklung gibt es vor allem zwei Gruende: Erstens die Konkurrenz durch die N+I in Deutschland, die im Juni in Berlin stattfand und Paris potentielle Besucher weglockt. Zweitens der Umstand, dass viele der internationalen Aussteller ihre Staende lediglich mit franzoesischem Personal besetzten. Um diesem Trend zu begegnen, soll, so war aus Kreisen des Veranstalters zu hoeren, die Zeitspanne zwischen den beiden Events in Europa vergroessert werden. Dabei ist wie in den USA je eine Interop im Fruehjahr und Herbst angedacht.

Einer der Hersteller, die in Atlanta bereits ihr ganzes Pulver verschossen hatten, war Novell. Diktierte die Company auf der Interop in Uebersee durch ihren neuen Schmusekurs mit Microsoft noch die Schlagzeilen, reichte es in Paris lediglich zu einem bescheidenen Tuxedo-Announcement. Mit Hilfe des Standards OSI TP ist das Transaction-Processing-System von Novell jetzt zu TP- Monitoren von Unisys, Groupe Bull, ICL und SNI interoperabel. Mehr Aufsehen duerfte da schon die Aussage eines Novell-Insiders erregen, sofern sie stimmt. Derzufolge wird in Provo entgegen der Verlautbarung von Novell-Chef Robert Frankenberg an DOS 7.0 und Appware weiterentwickelt.

Waehrend es an der Seine um Novell und Microsoft relativ still blieb, sorgte diesmal Cisco fuer den Messetratsch schlechthin. Wie eine Bombe schlug auf der Interop die Meldung der Uebernahme von Ethernet-Switching-Spezialist Kalpana durch den Router-Giganten ein. Ueberraschend kam der Deal, den die Kalpana-Aktionaere noch absegnen muessen, vor allem deshalb, weil die Company mit IBM schon handelseinig schien. Big Blue, so wird gemunkelt, habe von Kalpana letztlich aber die Finger gelassen, weil Cisco mit 203 Millionen Dollar einen, am Marktwert gemessen, zu hohen Kaufpreis bot.

Tatsaechlich scheint das kalifornische Unternehmen im Kaufrausch zu sein. Nach der Akquisition von Crescendo Communications sowie Newport Systems ist Kalpana jetzt der Dritte im Bunde der Einverleibten. Der juengste Coup steht zweifellos im Zusammenhang mit dem sich abzeichnenden Showdown im Internetworking zwischen Cisco und seinen Verbuendeten auf der einen Seite sowie Synoptics und Wellfleet auf der anderen.

Letztere, die mit ihrem Merger of equals das Karussell in Gang brachten, praesentierten sich nach der juengst erfolgten Zustimmung der Aktionaere in Paris erstmals unter dem neuen Namen Bay Networks. Das jetzt vereinte Duo zeigte anlaesslich der Show mit "Baysis" (Bay Networks Switched Internetworking Services) seine gerade fertiggestellte Architektur fuer Internetworking auf Switching-Basis. Tragende Elemente von Baysis sind die sogenannten Transport-, Policy- und Operation-Services.

Die Transport-Services dienen laut Bay Networks dem Transport von Daten, Sprache und Video mit Hilfe eines komplementaeren Sets von diversen Internetworking-Techniken wie Routing, Switching sowie WAN- und Shared-Media-Connectivity. Baysis liegt dabei die Philosophie zugrunde: Switching wo moeglich, Routing wo noetig. Schon fuer 1995 kuendigte das Unternehmen Virtual Network Routing an, das heisst den Support von Routing-Services in geswitchten Internetworks.

UB Networks kuendigt Abkommen mit Wellfleet

Policy-Services sollen fuer den Netzadministrator eine neue Art des User-Access-Managements definieren und die End-to-end-Kontrolle durch alle Transportdienste sicherstellen. Mit den Operation- Services verspricht Bay Networks schliesslich ein plattformuebergreifendes Netz-Monitoring durch die Integration von Shared-Media-Hub-, Router- und Switch-Management. Ermoeglicht wird Baysis durch intelligente Software in den Netzkomponenten sowie integrierte Management-Applikationen.

Zumindest nach aussen geben sich die Verantwortlichen von Bay Networks gelassen, was die juengste Cisco-Aktivitaet betrifft.

"Die Akquisition von Kalpana wird auf unsere Produktpolitik keinen Einfluss haben. Wir werden weiterhin Kalpana-Technologien anbieten", sagte Senior Vice-President Ron Schmidt auf einer Pressekonferenz.

Ob es dabei bleibt, ist abzuwarten. Vermutlich beunruhigt durch die Wellfleet-Synoptics-Fusion, hat sich Hub-Spezialist UB Networks - ehemals Ungermann-Bass - mit Cisco verbuendet. Das Abkommen sieht nicht nur vor, gemeinsam Loesungen fuer die Hub- Router-Integration sowie Migrationspfade zur Switching-Technologie zu entwickeln, sondern auch weltweite Distribution. Das Pikante daran: UB Networks war bisher der groesste Vertriebskanal von Wellfleet, hat dieses Abkommen jetzt aber gekuendigt.

Morgenluft durch die komplizierte Verschmelzung von Synoptics und Wellfleet wittert auch Chipcom. "Es ist eine wunderbare Situation fuer uns, dass die Synoptics-Kunden in heller Aufregung sind", freute sich Rob Held, President von Chipcom in Paris. Sein Unternehmen habe die Uebernahme von David Systems und Artel Communications gut verdaut und sei bestens geruestet fuer die anstehende Hub-Router-Entwicklung sowie 100-Mbit/s-Ethernet, 100Base-VG und ATM.

Fast Ethernet: Konkurrenz beschleunigt Premieren

Stichwort ATM und Fast Ethernet: Waehrend in Sachen ATM lediglich IBM mit seiner 25-Mbit/s-Initiative (siehe Seite 6) auf der N+I groesser von sich reden machte, brachten die fieberhaften Entwicklungsaktivitaeten der beiden konkurrierenden 100- Mbit/Ethernet-Lager in Paris erste Produkte und Prototypen ans Licht. Der Anfuehrer der 100VG-Anylan-Gruppe, Hewlett-Packard, demonstrierte zum Beispiel den 15-Port-Hub "G 2610" sowie zwei Adapterkarten und bietet laut Networking Product Manager Larry Kopczak als einziger Anbieter bereits eine 100VG-Anylan- Komplettloesung an, die ab Januar auch Shielded Twisted Pair unterstuetzt.

Einen EISA-Adapter fuer 100VG-Anylan praesentierte ferner Thomas- Conrad. Das Produkt beherrscht laut Hersteller sowohl 10 Mbit/s als auch 100 Mbit/s. Mit "Thunderlan" kuendigte ausserdem Texas Instruments eine Architektur an, die 100VG-Anylan sowie Fast Ethernet realisiert.

Kopczak zufolge wird HP Mitte naechsten Jahres ein 100Base-VG- Switch vorstellen, zu einem Zeitpunkt, wenn auch die Konkurrenz aus dem Fast-Ethernet-Lager ihre ersten Switches auf den Markt bringt. Einen Vorgeschmack auf eines dieser Produkte konnte der Besucher bei Synoptics (Bay Networks) bekommen. Die Kalifornier fuehrten auf ihrem Stand den "Lattis Switch Model 28115" vor, der im ersten Quartal 1995 ausgeliefert werden soll. Da Full Duplex in Fast Ethernet noch nicht endgueltig standardisiert ist, arbeitet das Geraet zunaechst mit einem proprietaeren Verfahren.

Keinen Switch, sondern den 10/100-Mbit/s-Repeater "100Base-TX" fuer Level-5-Kabel zeigte 3Com, ebenfalls Mitglied der Fast Ethernet Alliance. Die Komponente ist fuer das erste Quartal 1995 angekuendigt, bereits im Januar moechte 3Com den Dual-Mode-Adapter "Etherlink 100" auf den Markt bringen. Im zweiten Quartal sollen dann der Hub "LANplex 6000" mit einem 16-Port-Switching-Modul fuer 100 Mbit/s sowie ein Modul fuer den Bridge-Router "Netbuilder II" in Collapsed-Backbone-Umgebungen folgen. Alle Produkte beruhen auf einem eigenen Chipsatz von 3Com.

Mit neuen Produkten fuer Fast Ethernet warteten in Paris ferner Grand Junction mit dem "Fast Switch 10/100 AG" und "NIC 100 EISA Adapter" sowie Lannet mit einem 100Base-T-Modul fuer seinen "LANswitch" auf. Insgesamt geben Marktbeobachter Fast Ethernet die besseren Chancen, weil diese auf dem traditionellen Ethernet- Verfahren beruhende Norm sowohl von der Industrie als auch den Entwicklern von Applikationen staerker unterstuetzt wird. Nachteilig koennte sich fuer 100VG-Anylan auch auswirken, dass IBM, Mitglied dieser Fraktion, bisher keine Ankuendigungen gemacht hat, obwohl diese Spezifikation neben Ethernet auch fuer Token-Ring-Netze geeignet ist.