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10.02.1995

13 Hersteller kuendigen auf der VG Net 95 Produkte fuer den 100VG-Vorschlag an Anwender loben die effizient nutzbare Bandbreite von Anylan

CW-Bericht, Juergen Hill

SAN FRANZISKO - Auch auf der VG Net 95 drehten sich die Diskussionen in Sachen LAN-Networking vor allem um die Bandbreite. Was den einen im WAN-Bereich mit ATM nur recht und billig ist, soll kuenftig auch fuer die gewoehnlichen User im LAN gelten: Bandbreite satt. Noch muessen sich die Anwender meist mit dem langsamen 10-Mbit/s-Ethernet herumaergern, dabei wollen doch gleich zwei miteinander konkurrierende Verfahren die ueberholte LAN- Technologie von gestern beerben.

Nachdem bisher die Fast Ethernet Alliance mit grossem Propagandawirbel fuer die Beachtung ihres Standardisierungsvorschlages sorgte, schlug nun das VG-Anylan- Forum auf der von HP gesponserten VG Net 95 zurueck: 100VG Anylan soll die Netz-Power fuer die Client-Server-Umgebungen liefern.

So haelt beispielsweise Chipcom-CEO Rob Held neue High-speed- Verfahren im LAN-Bereich fuer unverzichtbar, "wenn das Rennen um mehr Bandbreite, das mit der Einfuehrung von Client-Server- Applikationen begann, nicht vorzeitig beendet sein soll". Einhellig war denn auch die Meinung vieler VG-Net-Teilnehmer, dass nicht das oft beschworene Multimedia die Killerapplikation fuer die schnellen Netze sei, sondern sich diese vielmehr aus der zunehmenden Verbreitung von Client-Server-Architekturen mit komplexeren Applikationen ergebe. Verstaerkt sahen die Besucher diesen Trend durch die steigende Anzahl von Anwendungen, die ueber die LANs gefahren werden.

Um diesem wachsenden Bandbreitenbedarf gerecht zu werden, konkurrieren momentan neben FDDI und ATM vor allem zwei LAN- Verfahren um die Gunst der Anwender: Fast Ethernet und 100VG Anylan. Bisher schien es zumindest so, als ob VG Anylan nur ein Hausstandard von HP, IBM und AT&T ist, waehrend der Grossteil der Networking-Industrie wohlwollend Fast Ethernet unterstuetzte - namhafte Unternehmen wie Grand Junction, Intel, Sun, Cabletron oder Farallon, um nur einige zu nennen, hatten bereits Produkte angekuendigt. Mittlerweile konnte das VG-Anylan-Forum, das mit der zusaetzlichen Unterstuetzung von Token Ring wirbt, Boden gutmachen, denn auf der VG Net praesentierten 13 Hersteller neue Produkte der naechsten LAN-Generation.

Prominentester Newcomer im 100VG-Anylan-Lager duerfte wohl Motorola sein. Die texanische Microprocessor and Memory Technologies Group des Unternehmens will kuenftig Halbleiter fuer dieses LAN-Verfahren produzieren. Im Gespraech sind dabei Chips, die verschiedene Bus- Architekturen unterstuetzen und einen Transceiver gemaess IEEE 802.12 - so die offizielle Bezeichnung des VG-Standards - verwenden.

Auch Motorola will kuenftig Anylan-Chips produzieren

Auch die Applied Micro Circuits Corp. bekundete die Absicht, entsprechende Bausteine zu entwickeln. Erstes Produkt der Chipschmiede wird ein Transceiver sein. Mit Pericom Semiconductor Corp. bekannte sich ein weiterer Hersteller zu seinem Engagement in Sachen Silizium. Das Unternehmen will zunaechst einen Physical- Layer-Interface-Chip zum Bau von Hubs und Netzadaptern auf den Markt bringen.

In Sachen Hubs fuer 100VG Anylan, so hoerten die Besucher weiter, sind derzeit sechs neue Hersteller aktiv. Die Produktplaene reichen dabei von kleineren Hubs mit sechs Ports bis hin zu Geraeten mit 16 Anschluessen. Waehrend der Hub der Multimedia LANs Inc. ab sofort erhaeltlich ist, sollen die Produkte von Alfa Inc., Katron Technologies Inc., Ragula Systems, Thomas Conrad Corp. und Chipcom im Laufe des zweiten Quartals auf den Markt kommen.

Darueber hinaus wollen ausser Chipcom und Multimedia LANs alle Hub- Produzenten auch Netzwerkkarten fuer das schnelle Uebertragungsverfahren auf den Markt bringen. Des weiteren wird es von Racore und HP neue PCI-Adapter fuer VG Anylan geben, wobei HP mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 249 Dollar fuer den von 10 auf 100 Mbit/s umschaltbaren PCI-Adapter die Kosten in Sachen schnelle LANs wieder etwas herunterschraubte. Zudem kuendigte das Unternehmen mit dem "HP E2463A" eine der ersten Testplattformen fuer das schnelle Ethernet an, die im 2. Quartal 1995 lieferbar sein soll.

Um das Angebot abzurunden, bieten Compex Inc. und Plaintree Systems neue Switches an, die die Interconnectivity zwischen den unterschiedlichen LAN-Welten herstellen. Absichten, fuer den eigenen Switch ein 100VG-Anylan-Modul zu entwickeln, hat auch IBM. Ansonsten blieb die Rolle Big Blues in Sachen VG unklar. Das Unternehmen, eigentlich einer der Mitinitiatoren des Standards, machte im Gegensatz zu den anderen Herstellern als einziges keine klaren Aussagen fuer oder gegen 100VG Anylan.

Insider deuteten dieses Verhalten bereits als eine Abkehr IBMs. Hinter vorgehaltener Hand war zu erfahren, IBM sei dem VG-Anylan- Forum nur beigetreten, um mit einer Implementierung der Token- Ring-Unterstuetzung die Zukunft der eigenen LAN-Topologie zu sichern, habe aber ansonsten wenig Interesse an dieser Technologie. Vielmehr, so ein Branchenkenner weiter, der nicht namentlich zitiert werden will, setze Big Blue seit dem Wechsel an der Fuehrungsspitze auf die eigene 25-Mbit/s-ATM-Entwicklung als LAN der Zukunft. Allerdings werde IBM aufgrund der prognostizierten Kundennachfrage in Sachen VG diese Strategie wohl bald wieder aendern muessen, so die weitere Vermutung des Insiders.

Anwender ziehen positives Resuemee

Glaubt man den Erfahrungsberichten der ersten VG-Anylan-User, koennte der Insider mit dieser Prognose durchaus Recht haben. Denn das Resuemee der Anwender in Sachen 100VG ist durchweg positiv. So lobt Robert Burnside vom Softwarehersteller Micrografx, der im Muenchner Buero 100VG als Backbone einsetzt, die Stabilitaet der Treiber und schaetzt die Technologie als eine kostenguenstige, verfuegbare Alternative zu ATM.

Gute Erfahrungen in Sachen Anylan machte auch die schwedische ABF Workers Educational Association. Bei der in Stockholm sitzenden Organisation errechnete man eine 96prozentige Effizienz fuer 100VG Anylan, waehrend man bei Fast Ethernet nur auf 50 Prozent kam. Noch eindeutiger waren die Ergebnisse im praktischen Test: Waehrend bei VG 80 Prozent der Bandbreite zur Verfuegung standen, erreichte die ABF mit 100Base-T nur 30 Prozent der potentiellen Uebertragungsrate von 100 Mbit/s.

Eine Transferrate, die fuer die Schweden eigenen Angaben zufolge untragbar war, da sich bei Multimedia-Uebertragungen im Netz ein Ruckeln bei der Bildwiedergabe einstellte, waehrend unter VG die Applikationen stoerungsfrei abliefen. Zudem entdeckten die ABF- Leute ein neues Problem. War frueher das Netzwerk in Sachen Performance ein Flaschenhals, so erwiesen sich nun die Festplatten der Arbeitsstationen als zu langsam: Manche Applikation lief schneller via Netz, als wenn sie auf der lokalen Platte des Desktop-Rechners gestartet wurde.

Diese Beobachtung kann Kevin Walsh von der University of California in San Diego nur bestaetigen. Er erzielte bei den gleichen alten Applikationen eine Leistungssteigerung um das Zehn- bis 25fache. Seinen Worten zufolge gilt dies insbesondere fuer grosse Files, wie sie bei Walsh zur Tagesordnung gehoeren. Denn die Hochschule haelt beispielsweise IEEE- oder ACM-Publikationen online zum Abruf bereit, wobei pro Seite etwa 1 MB an Daten anfaellt. Weiterer wesentlicher Beweggrund fuer Walshs Migration zu 100VG Anylan war die Ankuendigung von Router-Hersteller Cisco, diesen LAN-Standard kuenftig zu unterstuetzen, da die kalifornische Universitaet 14 AGS-Router betreibt.

Ein Gesichtspunkt, der auch Micrografx-Mitarbeiter Burnside noch Kopfzerbrechen bereitet, da sein Router-Hersteller noch keinen Support angekuendigt hat. Mancher Praktiker empfahl hier auf der VG Net den Einsatz einer vorgeschalteten Bridge. Ein weiteres Problem war fuer Micrografx bei der Implementierung die bestehende Verkabelung. Zwar behauptet HP, dass VG mit der vorhandenen Verkabelung auskommt, doch diese Aussage gilt nur fuer die in den USA weitverbreiteten vierpaarigen UTP-Kabel, nicht jedoch fuer die zu 75 Prozent vorherrschende Koax-Verkabelung in deutschen Netzen.

HP arbeitet an einer zweipaarigen Loesung

Doch auch in den USA musste HP in puncto Verkabelung heftige Kritik einstecken. Denn dort werden in der Regel die freien Leitungspaare zur Verdrahtung des Telefons verwendet. Fuer solche Problemfaelle hat Felipe Ortega, Product Line Manager von HPs Networks Division, eine Zwischenloesung parat: Der "Phone Tamer" von Global Data Supply erlaubt den gleichzeitigen Betrieb von Telefon und 100VG Anylan ueber das gleiche vierpaarige UTP-Kabel. Dieses Verfahren ist allerdings nur fuer den Uebergang gedacht, da HP laut Ortega bereits an einer zweipaarigen Loesung arbeitet. Entsprechende Produkte, so der HP-Manager weiter, sollen entweder noch in der zweiten Jahreshaelfte 1995 oder spaetestens Anfang naechsten Jahres auf den Markt kommen.

Auch die Skepsis mancher Betatester, VG Anylan eigne sich vortrefflich fuer kleinere und mittlere LANs, in groesseren lokalen Netzen empfehle es sich aber, auf ATM zu warten, mag der HP-Mann so nicht teilen. Denn wie Ortega aus dem Naehkaestchen plaudert, wird in den HP-Labors bereits an einer 400-Mbit/s-Variante der Anylan-Technologie gearbeitet. Das derzeitige theoretische Limit dieses Uebertragungsverfahrens sieht der Manager bei rund 600 Mbit/s.