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IT im Maschinenbau/Großfirmen drängen Zulieferer zur einheitlichen Produktklassifizierung


11.04.2003 - 

160 Standards - welcher ist der richtige?

Große Unternehmen des Maschinenbaus und der Automobilbranche, aber auch andere, geben ihren Zulieferern mittlerweile vor, nach welchem Klassifizierungsstandard sie ihre Produkte zu beschreiben haben. Die Folge: Auch kleinere Unternehmen müssen überprüfen, ob ihre Produktklassifizierung diesen Anforderungen genügt. Von Michael Sauer*

Zurzeit existieren mehr als 160 Standards zur Beschreibung von Produkten nebeneinander. In zahlreichen Unternehmen sind sie uneinheitlich implementiert. Viele arbeiten sogar parallel mit mehreren Individuallösungen. Diese Klassifizierungsstrukturen sind mit den Jahren gewachsen. Oft zeichnen sie sich durch Uneinheitlichkeit und mangelnde Kompatibilität zu anderen Produktdaten-Management-Systemen aus. Versuche, die vorhandenen Produktdaten in ein Standard-Klassifizierungssystem "einzupressen", führten zu aufwändigen IT-Projekten, die letztlich nicht den erwarteten Erfolg brachten. In vielen Unternehmen ist die Frage der Ablage von Produktdaten nach Klassifizierungsrichtlinien deshalb zu einem Reizthema geworden.

Das Niveau der Datenhaltung richtet sich nach den praktischen Anforderungen und ist je nach Unternehmen unterschiedlich hoch: Auf der einfachsten Ebene werden bei der Produktdatenerfassung nur die kaufmännischen Stammdaten (eindeutige Nummer, Bezeichnung, Preis, Bestellinformation) oder die Daten in Bezug auf bestimmte Produktmerkmale wie Länge, Breite, Leistung, Farbe etc. festgehalten. Für den Handel mit Produkten wie Kopierpapier oder Glühbirnen reichen diese herstellerabhängigen Beschreibungen aus; bei komplexen Waren stoßen sie allerdings an ihre Grenzen.

Allein die Klassifikation der Produkte nach verbreiteten Standards wie E-Cl@ss, Elektronisches Informationsmodell (Etim), Proficl@ss etc. schafft eine einheitliche Kommunikationsgrundlage für alle Lieferanten und Hersteller, die Missverständnisse und Fehlbestellungen weitgehend ausschaltet. Diese eindeutige Beschreibung fördert natürlich auch die Verständigung zwischen den Abteilungen. Die Klassifizierungssysteme verfügen aufgrund ihrer eigenen Entstehungsgeschichte über individuelle Stärken. Im vergangenen Jahr wurden sowohl zwischen den Trägern von Etim und Proficl@ss als auch zwischen E-Cl@ss und Proficl@ss Kooperationsvereinbarungen getroffen, durch die eine Annäherung an einen gemeinsamen Standard vorangetrieben wird. Zukünftig kann sich so eine einheitliche Sprache entwickeln. Der geplante Weg ist langwierig, aber richtig.

E-Cl@ss ist ein vierstufiges, hie-rarchisches Merkmalgruppensystem. Es unterscheidet zwischen "Sachgebiet", "Hauptgruppe", "Gruppe" und "Untergruppe". Jede dieser vier Hierarchieebenen ist durch eine zweistellige Zahlenkombination definiert, so dass eine Klassifikationsnummer aus vier zweistelligen Zahlen besteht.

Auf der Ebene der Untergruppe generiert E-Cl@ss für jedes Produkt eine Merkmalleiste, die vordefinierte Attribute enthält. Es kann sich dabei um eine Standardmerkmalleiste, aber auch um anwender- oder herstellerspezifische Erweiterungen handeln.

Derzeit sind 12565 Basisklassen (Klassen der vierten Ebene) beschrieben. Es werden 5504 Merkmale zur Verfügung gestellt, um Wirtschaftsgüter zu beschreiben.

Stärke: E-Cl@ss ist branchenübergreifend einsetzbar und in der Lage, sowohl Produkte als auch Dienstleistungen zu klassifizieren. Die Weiterentwicklung wird durch Großkonzerne, wie Siemens und VW vorangetrieben.

Schwäche: Das Hinzufügen von neuen Klassen ist recht aufwändig. Ebenfalls nachteilig ist die Mehrfachverwendung von Merkmalen und -bezeichnungen innerhalb der aktuellen Version 4.1. Laut E-Cl@ss-Geschäftsstelle wird dieser Zustand aber in der Version 6 behoben sein.

Der Klassifikationsstruktur Etim liegen vier elementare Einheiten zugrunde: Unter einer "Artikelgruppe" werden thematisch ähnliche Artikelklassen zusammengeführt. Unter "Artikelklassen" versteht Etim gleichartige Produkte verschiedener Hersteller, die über eine Liste von "Synonymen" miteinander in Bezug gesetzt werden. Viertens werden Produktmerkmale in Kategorien wie "Name", "Merkmalstyp", "Farbe", "Einheit" oder "Vorgabewerte" erfasst.

Stärke: Etim ist eine herstellerübergreifende Suche mittels Synonymen, weshalb Produkte leicht gefunden werden können.

Schwäche: Die Attributklassifikation geschieht zweistufig ohne hierarchische Gliederung, dadurch fehlt das "Browsen" durch Hierarchien, was für Benutzer zuweilen gewöhnungsbedürftig ist.

Die Standardprodukt- und Dienstleistungsklassifikation UN/SPSC ist eine hierarchische Produktklassifikation mit fünf Ebenen: "Produktsegment", "Produktfamilien", "Produktklassen", "Produktgruppen" und "Geschäftsfunktionen", in denen sich Informationen darüber festhalten lassen, ob man das Produkt nur kaufen oder auch mieten kann und welche Serviceleistungen geboten werden. Im Unterschied zu E-Cl@ss und Etim umfasst UN/SPSC keine Merkmale, Synonyme oder Herstellernamen.

Stärke: die internationale Ausrichtung des Standards. Ferner ist es vorteilhaft, dass man UN/SPSC nach Vorgaben selbst erweitern kann, auch über die zehnstellige Codierung hinaus.

Schwäche: Das System bietet keine Merkmale, Synonyme und Schlagworte an, die bessere Suchmöglichkeiten ermöglichen.

Proficl@ss ist ein hierarchisch aufgebautes System, welches in seiner ursprünglichen Fassung Produkte aus den Bereichen Bauen, Gebäudetechnik etc. klassifiziert. Zugrunde liegt eine dynamische Hierarchientiefe, die - anders als E-Class oder UN/SPSC - ohne Codierung auskommt.

Stärke: Für die Baubranche ausgelegter Standard, der E-Cl@ss um eine dynamische Hierarchiestruktur erweitert.

Schwäche: Die Ausrichtung auf die Baubranche sowie die fehlende Codierung von E-Cl@ss.

Bis die verschiedenen Systeme zusammengeführt sind und sich eine einheitliche Sprache durchgesetzt hat, müssen die Unternehmen vielen Anforderungen parallel gerecht werden. Eine mögliche Lösung bietet ein "generisches Datenbanksystem", mit dem man ohne großen Aufwand neue Elemente selbst erzeugen kann. Die Grundidee besteht in einer zentralen und medienneutralen Speicherung aller produktrelevanten Informationen, und zwar durch eine vollständige Trennung von Struktur und Inhalt bei der Produktdatenerfassung. Eine ausgefeilte Logik stellt dann die Verbindung her. Trägt man in der Strukturdatenbank ein neues Merkmal ein, steht es ohne Zeitverzögerung jedem Nutzer in seinem Anwendungsfall richtig zur Verfügung. Wenn Produktdaten auf diese Weise neutral gespeichert werden, können sie je nach aktueller Anforderung für die unterschiedlichen Abnehmer individuell aufbereitet und ausgegeben werden. (bi)

*Michael Sauer ist Projektleiter im Bereich "Business Engineering" bei Opitz Consulting in Gummersbach.

Die wichtigsten Klassifizierungssysteme im Überblick

E-Cl@ss

Standard für Materialklassifikation und Warengruppen, getragen von der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH in Köln.

www.eclass.de

UN/SPSC

United Nations Standard Products and Services Code, entwickelt vom United Nations Development Programme und dem Unternehmen D&B (Dun & Bradstreet Corp.).

www.un-spsc.net

Etim

Standardisierte Produktdaten für die Elektrobranche, getragen vom Etim Deutschland e.V., hinter dem zehn Elektrogroßhändler und Einkaufsgemeinschaften stehen.

www.proficlass.de

Proficl@ss

Initiative zur Klassifizierung von Produkten aus den Bereichen Bauen, Gebäudetechnik und Industriebedarf. Proficl@ss ist jedoch grundsätzlich auch für andere Branchen offen.

www.proficlass.de

Angeklickt

- Für die Klassifikation von Produkten muss auch im Maschinenbau eine einheitliche Sprache gefunden werden.

- Die Annäherung an einen entsprechenden einheitlichen Standard ist im Gang.

- Bis die verschiedenen Systeme zusammengeführt sein werden, bietet ein "generisches Datenbanksystem" eine praktikable Übergangslösung.

Abb: Implementierung eines idealen PDM-Systems

Bis sich ein einheitliches Produktklassifizierungssystem durchgesetzt hat, müssen die Unternehmen vielen Anforderungen parallel gerecht werden. Quelle: Pressto