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19.12.1980

1980: Blick zurück ohne Zorn - doch voller Zweifel

Eine der wichtigsten Erkenntnisse in diesem Jahr war für Hans Joachim Kaul, Org/DV-Chef bei der Faber Castell KG, die sinkende Abhängigkeit von den Hardware-Anbietern sowie die zunehmende Abhängigkeit von Systemtechnikern und Software-Entwicklern. Über das IBM-kompatible Peripherie-Angebot hinaus, sei das Spektrum der IBM-kompatiblen Zentraleinheiten erkennbar gewachsen und die DV-Verantwortlichen hätten erstmalig im Hardware-Bereich den Rotstift ansetzen können. Positiv sieht Andreas Schild (Citizen GmbH, Hamburg) den Trend im Hersteller-Lager, Produkte direkt den Fachabteilungen anzubieten. Durch die zunehmende Personalknappheit in der DV trete nicht nur eine Entlastung ein, sondern es könne auch Verantwortung übertragen werden. Damit entfiele ein Grund für die Unzufriedenheit der Endbenutzer und der Eindruck der Bevormundung durch die DV werde kurzfristig abgebaut. ha

Hans-Joachim Kaul, Org/DV-Leiter, Faber Castell KG, Stein, (IBM 370/148 Im Systemverbund mit BASF 7/60)

Eine der wichtigsten Erkenntnisse im Jahre 1980 war für mich die abnehmende Hardware-Hersteller -Abhängigkeit und die zunehmende Abhängigkeit von Systemtechnikern (System-Programmierung, System-Pflege) und Software-Entwicklern.

Zur Hardware: Über das bereits seit längerem vorhandene IBM-kompatible Peripherie-Angebot hinaus wächst derzeit das Angebot auf dem kompatiblen CPU-Sektor. Durch totales IBM-Unbundling verlockt, versuchen Hersteller wie Nixdorf, BASF oder NAS sich rechtzeitig ein Stück von diesem großen Kuchen zu sichern. Mit dem Angebot dieser voll IBM-kompatiblen Zentraleinheiten wird die Hersteller-Abhängigkeit künftig noch weiter sinken.

Auch die nachrückende DV-Leiter-Generation ist nicht mehr so mainframe-hörig wie die DV-Verantwortlichen der Anfangsjahre und vor allem mutig genug, kleinere Nachteile in Kauf zu nehmen. Die Möglichkeiten des immer breiter werdenden Hardware-Angebotes veranlaßten die DV-Chefs im Jahre 1980, verstärkt den Rotstift bei der Hardware anzusetzen.

Mixed-Hardware und komplexere Systeme (zum Beispiel Netzwerke) stellten erhöhte Anforderungen an unsere System-lngenieure - um die eben gewonnene Unabhängigkeit vom Hersteller zu erhalten. Hier sind verbesserte Ausbildungsprogramme und breitere Berufsbild-lnformationen von Fachhochschulen oder Universitäten dringend erforderlich. Der Abbau der Unverträglichkeit von systemnaher Software ist ebenso notwendig wie die Reduzierung der Vielfältigkeit der Betriebssysteme.

Im reinen Anwendungssoftware-Bereich standen wir in diesem Jahr vor einem völlig leergefegten Arbeitsmarkt für qualifizierte DV-Organisatoren und vor allem Programmierer. Eine steigende Tendenz zum freiberuflichen Software-Entwickler zeichnete sich ab. Diese Entwicklung leistete einer verstärkten Abhängigkeit von den "Externen" Vorschub und erschwerte die Position der DV-Verantwortlichen. Das ingenieurmäßige Entwickeln von Anwendungssystemen in einer Gemeinschaft der DV-Anwender sollte daher in den nächsten Jahren verstärkt vorangetrieben werden.

Das Schlagwort des Jahres 1980 hieß "Mikroprozessor". Sein Image als Jobkiller wurde in nahezu allen Abteilungen der Unternehmen diskutiert. Es gibt heute schließlich kaum noch einen Betrieb, egal in welcher Größenordnung, der von der Computerei verschont bleiben wird. Jedes kleine Industrie-Unternehmen, jeder Handelsbetrieb kann und wird von den Mikroprozessoren "erobert" werden. In allen Fachbereichen - und hier liegen die Probleme der Zukunft - werden Angestellten-Arbeitsplätze in Frage gestellt. Denken wir bereits heute an ein Konstruktionsbüro so stellen wir fest, daß die Zeichenmaschine vom Zeichencomputer ersetzt wurde. Denken wir an die Textverarbeitungssysteme in den Schreibbüros oder an Distributed Data Processing. Hier kann am Ende dann nur die Frage stehen: Wie ergeht es dem Menschen und wie steht es dabei eigentlich um die Menschlichkeit?

Andreas Schild, Leiter EDV+Organisation, Citizen Europe Uhren-Handelsgesellschaft m.b.H., Hamburg (2xNixdorf 8870/6, OS-D)

Im Rückblick auf das Jahr 1980 hat sich ein Trend fortgesetzt, der sich in vergangenen Jahren abzeichnete und auch in Zukunft beständig erweitern wird: Die teilweise explosionsartige Entwicklung der Technologie hat zu einem breiten Angebot an Speziallösungen sowohl auf dem Hardware- als auch dem Software-Markt geführt. Diese Situation schafft besonders bei Anwendern im Bereich der mittleren Datentechnik ihre Probleme. Verfügen sie doch nicht wie ihre Kollegen in den größeren DV-Abteilungen über die notwendige Manpower um speziellen Richtungen mit der notwendigen Akribie folgen zu können. So steht ein DV-Leiter eines mittelständischen Unternehmens heute teilweise vor der (unlösbaren?) Aufgabe zum Beispiel Themen wie mobile Datenerfassug, Betriebsdatenerfassung und Mikrofilmorganisaton für das eigene Haus optimal zu lösen.

Dieses weite Spektrum ist sicherlich mit durch das gewachsene Selbstvertrauen der Fachabteilungen entstanden, der sich in Forderungen an einem EDV-Einsatz auswirkt. Der Grund liegt einerseits im gestiegenen Kosten und Wettbewerbsdruck der die Fachabteilungen zu rationelleren und organisatorisch verbesserten Verfahren zwingt, und andererseits oftmals darin, daß Abteilungsleiterpositionen in mittelständischen Unternehmen durch ehemalige Mitarbeiter aus Großunternehmen besetzt werden, für die der Einsatz von EDV eine Selbstverständlichkeit geworden ist.

War es bis vor einigen Jahren noch undenkbar, daß ein Unternehmensberater/Vertriebsbeauftrager sich zunächst mit der Fachabteilung zusammensetzt, so ist dies im Jahre 1980 keine Seltenheit mehr. Diese Vorgehensweise hat durchaus ihre positiven Seiten, ermöglicht sie es doch, die ach so knappe Personalkapazität auf mehrere Personen zu verteilen und Verantwortung auf die Fachabteilung zu übertagen so daß spätere Unzufriedenheit und der Eindruck der Bevormundung entfallen. Insofern kommt dem EDV/Org.-Leiter mehr die Gesamtkoordination von Fachabteilungswünschen zu als ihre Initiierung.

Zur Realisierung der Fachabteilungwünsche steht gerade den kleineren Unternehmen häufig nur der Weg über Softwarehäuser offen, die in vielfältigen Schattierungen - vom Einzelkämpfer bis zur Unternehmensberatung mit mehreren Dutzend Mitarbeitern -ihre Dienste anbieten. Alle verzeichneten im jetzt zurückliegenden Jahr einen ungebrochenen Boom, der sich bei der anhaltenden Fortentwicklung der Technologie wohl über weitere Jahre erstrecken wird. Dieser Zustand spiegelt zugleich eine Entwicklung wider, die beim Einsatz von Datenverarbeitung zunehmend nach ,"Integrierten Unternehmenslösungen" fragt. Hier meine ich insbesondere die Einbeziehung des Mitarbeiters in der Fachabteilung durch einen Bildschirmarbeitsplatz und das zur Verfügungstellen von Informationen nach diversen Auswahlkriterien, die manuelles Datenzusammenstellen in der Fachabteilung in den Hintergrund treten läßt und mehr die geistige Wendigkeit des Anwenders fordet, um für seine Entscheidung die richtige Abfrage an das EDV-System zu stellen.

Dieses zu realisieren fordert seine Zeit, die häufig nicht mehr in Mannmonaten zu messen ist und insbesondere mittlere Unternehmen und DV-Neulinge vor Probleme stellt. Daher ist in diesem Kreise der Rückgriff auf umfassende Softwarepakete verständlich und sinnvoll. In der Vorgehensweise hat aber auch ein Umdenken stattgefunden, wie sich aus einer Vielzahl von Inseraten des Stellenmarktes 1980 nachweisen läßt. Es wird heute nicht nur bis zum ersten Einsatz eines Standardpaketes gedacht sondern darüber hinaus an den folgenden Alltag mit seinen Unwägbarkeiten in der EDV (Systemfehler treten meistens dann auf, wenn komplexe Anwendungen laufen und die Zeit unter den Nägeln brennt) und weitere Wünsche der Fachabteilungen, die nach den ersten Erfahrungen durchaus berechtigte, zusätzliche Forderungen stellen. Um hier nicht in ständiger Abhängigkeit eines Softwarehauses und der damit verbundenen hohen Kosten zu stehen, denken viele zugleich mit der Anschaffung von Software daran, dieses Wissen durch eigene EDV-Sachverständige ständig griffbereit zu haben.

Das ist zugleich die Chance vieler engagierter Organisationsprogrammierer, die zum Leidwesen vieler DV-Leiter auch im zurückliegenden Jahr wie die berühmte Stecknadel im Heuhafen gesucht wurden. Sie bieten zudem die Gewähr, daß bei einer Systemsoftware/Hardware-Umstellung - und diesem Lauf ist noch kein EDV-Anwender entronnen nicht wieder bei der Stunde Null begonnen werden muß. Ist es soweit, so ist der Wunsch eines jeden EDV-Leiters eine kontinuierliche Aufrüstung. Dieses ist auffallend im Jahre 1980 sowohl durch IBM mit der /38 als auch von Nixdorf mit der 8890 für ihre Aufsteigerkunden durchbrochen worden und wird sicherlich unruhige Stunden bei Umrüstwilligen auslösen.

In dieser Situation wird so mancher wünschen, einmal wie die Politiker im Jahre 1980 in Madrid handeln zu dürfen und die Uhr so lange anzuhalten, bis alle Probleme gelöst sind.

Ursula Ruegg, Mathematisch-technische Assistentin, Institut de Physiologie de l´Université, Fribourg (Schweiz)

In meinem Ein-Frau-Betrieb auf dem Abstellgleis Uni-Institut sind sicherlich keine weltbewegenden Erkenntnisse zutage getreten. Aber vielleicht unterscheiden sich ja meine Probleme gar nicht so sehr von denen anderer Programmierer? Ich habe seit fünf Jahren keinen regelmäßigen Kontakt mehr zu anderen Profis und bin nun - spät aber gründlich - zu der Erkenntnis gekommen, daß es so nicht weitergeht. HP fördert im Moment gerade den Aufbau von nationalen User-Groups, was sicherlich schon sehr hilfreich ist. Aber auch eine solche Gruppe, die sich vielleicht zweimal im Jahr trifft, kann das tägliche Gespräch mit anderen Programmierern in einem Rechenzentrum oder Programmierer-Team nicht ersetzen. Dieses "Neulich habe ich gelesen..." oder "Der X arbeitet doch an einem ähnlichen Problem..." kann einen manchmal auf einen Schlag Lösungen finden lassen, auf die man auch durch wochenlanges Grübeln im stillen Kämmerlein nicht gekommen wäre.

Was macht man nun aber, wenn man weder in einem Rechenzentrum zu tun hat, noch mit anderen Programmierern zusammenarbeitet? Man liest halt viel. Nur - tut mir leid, CW - sehr hilfreich ist das auch nicht. Da ist höchstens mal von Mannjahren die Rede, aber nie von den Menschen, die dahinterstecken, geschweige denn von ihren Problemen. Ich möchte hiermit nicht für eine Rubrik "Fragen Sie Frau Klara..." in der CW plädieren, aber mir schwebt ein Leser-Forum (ähnlich dem "Thema der Woche") vor, in dem Programmierer ihre Erfahrungen, Schwierigkeiten und Lösungsansätze offen diskutieren. Da gäbe es Themen wie "Schlechte Laune wegen Bugs", "Wie kann ich meinen Mini selber warten oder reparieren?", "Mein Verhältnis zu nichtprogrammierenden Kollegen" und viele mehr. Mag sein, daß diese Idee nicht gut oder nicht praktikabel ist, aber hat jemand eine bessere? Auf jeden Fall werde ich aktiv gegen meine Isoliertheit ankämpfen.

Ein weiteres Thema hat mich dieses Jahr beschäftigt. Die "Mikro-, Small-Business-, Personal-, Home- oder Tisch-Computer-Welle". Um gleich der These "Mini-Leute mögen Mikros nicht" entgegenzutreten: Ich finde es phantastisch, wie klein, ausbaufähig und powerfull viele der Mikrosysteme sind. Was mir nicht gefällt, ist die Art, wie sie angeboten werden. Die Mikrosysteme sind doch die Chance, sehr viele Leute mit einem Computer vertraut zu machen und Antipathien abzubauen. Statt dessen wird nach dem Motto geworben: "Bei uns geht alles wie von selbst - reinstecken und das Problem ist gelöst. Das hat fast gar nichts mehr mit dem Bild zu tun, das Sie vom Computer haben." Wozu muß denn dieses Konkurrenzdenken im Käufer angeheizt werden? Auch ein Mikro muß schließlich programmiert werden und spätestens wenn der gläubige Käufer in den "Bugs" steckt oder Assembler lernen muß, merkt er ja doch, daß er einen Computer gekauft hat. Diese Verkaufsmethoden, die anscheinend nur dazu dienen, daß in jedem Haushalt mindestens ein Mikrosystem steht, machen mir ein wenig Angst. Solange nur damit gespielt wird, geht es ja noch, aber wenn jemand wirklich Probleme damit lösen will, muß er doch ein "geborener Hard- und Softwerker" sein, um durchzuhalten. Wenn nicht die notwendige Anwender-Software genauso preiswert und zahlreich angeboten wird, fürchte ich daß wir bald eine Menge frustrierter Programmier-Anfänger haben werden, mit denen ein Gespräch noch weniger möglich ist als vor ihrem Computer-Experiment.