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07.01.1983 - 

Die weiche Ware muß härter werden:

1983 wird ein Jahr der Software-Tools

Der Begriff "Software" scheint 1982 ein Omen für die Branche gewesen zu sein: "Hardfacts". wie man sie für 1982 erwartet hatte, die Wind in die weiche Ware bringen sollten, traten kaum in Erscheinung oder blieben gleich ganz aus. Zwar zeigte sich das vergangene Jahr für die bisher erfolgsverwöhnten Softwerker wirtschaftlich nicht gerade von der netten Seite. zwar gab es technologisch Neues auf dem Markt - aber ein Jahrhundertjahr, ob negativ, ob positiv, das war 1982 nicht.

Gekennzeichnet war 1982 von der allgemein angespannten wirtschaftlichen Lage, die sowohl auf der Anwender- als auch auf der Entwicklerseite zu einem Umdenken zwang. Für den "User" stand in diesem Jahr Kostenbewußtsein an erster Stelle

bei seinen Entscheidungen. Stark nachgefragt wurde Software, die in irgendeiner Form zur Rationalisierung innerhalb des Unternehmens eingesetzt werden kann - und deren Kosten nachvollziehbar sind. Daraus abgeleitet hat sich ein Käuferverhalten, daß zu einer anderen Qualität im Umgang zwischen Softwarehersteller und -anwender führte. Es sei festzustellen, daß die Bereitschaft, Projektverantwortung in die Hand nur eines (Fremd-)Partners zu legen, im vergangenen Jahr spürbar zugenommen hat, bemerkt Dr. Klaus Neugebauer von der Softlab aus München.

Die Kontakte der Anwender zu Systemhäusern würden auch im nächsten Jahr weiter zunehmen, hofft Dr. Neugebauer. Die neue Art des Umganges mit den Softwarespezialisten laßt aber gleichwohl auf ein stärkeres Anwender-Selbstvertrauen schließen. So berichtet Dr. Ullrich Schedl von der UBS aus München, daß in vielen Projekten die zu Beratenden auf dem Einsatz ihrer eigenen Verfahren und Tools bestanden hätten. Dadurch sei zwar auf der einen Seite die Arbeit der Berater erschwert worden, auf der anderen Seite hingegen habe sich gezeigt, daß die Beratungsqualität angesichts eines erfahrenen Partners allgemein besser geworden sei.

Den verstärkten Einsatz von Pflichtenheften beobachtete Paul Maisberger von der Bundesfachschule für Datenverarbeitung. Auch er hofft, daß sich im nächsten Jahr die systematische Bewertung von Alternativen und ein phasenorientiertes Vorgehen in der Abwicklung von Softwareprodukten stärker durchgesetzt. Damit steht ein Fazit fest: Der "body-verleaste" Cobol-Feld-Wald-und-Wiesen-Programmierer wird es im nächsten Jahr sehr schwer haben. Gefragt sind Topleute mit Flexibilität und Spezialwissen. Softwaretechnologisch wird sich in diesem Jahr wohl nichts Bahnbrechendes ereignen. So werden sich zum Beispiel auch die Sprachen der vierten Generation noch nicht in dem vielfach prognostizierten Rahmen durchsetzen.

Nicht nur Ernst H. Kelting von der MSP aus Rellingen sieht weiterhin Altbewährtes bestehen bleiben. An der Stellung von Cobol, Pascal, PL/1 und Fortran ist auch 1983 nach übereinstimmender Meinung aus der Branche nicht zu rütteln. Mehr als bisher allerdings wird die Kostenseite eine Rolle für die Softwaretechnologie spielen.

Effektivere Entwicklungstools sind gefordert, um die Kosten/Nutzen-Schere klein zu halten. Eine dringende Aufgabe für die nahe Zukunft sieht Kelting auch in der stärkeren Berücksichtigung des Software-Lebenszyklusses. Die maschinelle Unterstützung der Systemanalyse, der Daten- und Informationsanalyse erscheint ihm dringend erforderlich und auch realisierbar.

Ebenfalls aus Kostengründen wird sich der Trend zum Einsatz standardisierter Software verstärken. Schon 1982 ließ sich feststellen, daß die Anwender bereit sind, Kompromißlösungen, die ihnen durch Standardsoftware angeboten werden, zu akzeptieren. Aber auch hier wird sich der Softwarekäufer seiner stärkeren Position bewußt. Die Qualität der Standardprogramme stellt in der Auswahlentscheidung ein wichtiges Kriterium dar. Der Trend, den die Softwarehäuser auch bereits eingeschlagen haben, geht deshalb hin zu ingenieurmäßigen Entwicklungsverfahren.

Gefragt sind Produkte, die den Software-Erstellungsprozeß rationalisieren.

Tests im Aufwind

Die Bestrebungen gehen aber nicht nur hin zur effektiveren Entwicklung und Programmierung an sich, zunehmend wird 1983 auch das entwicklungstechnische Umfeld in Betracht gezogen. Automatisierte, projektbegleitende Dokumentationssysteme gehören hierzu ebensowie gute Testverfahren und Möglichkeiten der Qualitätssicherung. Sie werden die tägliche Arbeit des Spezialisten stärker als bisher beeinflussen, mitgestalten und kontrollieren.

Eine Verschiebung prognostizieren Kenner der Szene bezüglich des Einsatzbereiches der Softwareprodukte. Weniger Nachfrage als bisher wird es auf dem Sektor kommerzieller Programme geben. Hier stellt sich nach der Meinung vieler eine Beruhigung des Marktes ein. Renner hingegen versprechen Produkte aus dem Bereich der Prozeßsteuerung zu werden. Auf der Anwenderseite sieht auch der Softlab-Chef die Fertigungssteuerung und Prozeßautomation als den Problemkreis des nächsten Jahres.

Viel Aufmerksamkeit werden die Anwender zudem auf ihre Datenbanksysteme wenden. Ihnen ist bewußt, das die schnelle Verfügbarkeit von unternehmensrelevanten Daten entscheidend zum Bestehen gegenüber dem Mitbewerb beitragen kann. Einiges wird von findigen Köpfen auch hier verbessert werden aber der große technologische Schub scheint auch im nächsten Jahr nicht bevorzustehen.