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05.01.1984

1984: Die Zeit der Sandkastenspiele ist vorüber

Die Informations- und Kommunikationsindustrie hat zur Jahreswende allen Anlaß, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Dieser Meinung ist Dr. Gerhard Adler von der Diebold Deutschland GmbH. Die vermehrte Investitionsbereitschaft der deutschen Unternehmen verbessere um ein weiteres den hohen Stellenwert dieses Wirtschaftszweiges. Außerdem hätten die in Deutschland ansässigen Hersteller durch den höheren Dollar-Wechselkurs größere Exportchancen. Komplexe Systemlösungen und langfristig angelegte DV-Konzeption stehen neben der Schnittstelle zu den Fachbereichen für Dr. Peter Bromann von der Kienbaum Unternehmensberatung GmbH ganz oben auf der Themenliste. Die große Stunde prognostizieren die Befragten schließlich dem Bildschirmtext. Viele Interessenten hätten bereits die Startlöcher gegraben, die Zeit der Sandkastenspiele sei 1984 endgültig vorbei.

Dr. Gerhard Adler, Diebold Deutschland GmbH, Frankfurt

Die informationstechnische Branche hat - als Gesamtheit gesehen - für 1984 allen Anlaß, optimistisch in die Zukunft zu blikken, denn sie findet ein günstiges Umfeld vor:

- Die Investitionsbereitschaft der deutschen Unternehmen ist generell gewachsen. Dabei erhält die Informationstechnik einen wachsenden Stellenwert.

- Der erhöhte Dollar-Wechselkurs hat die Exportchancen der in Deutschland ansässigen Hersteller verbessert.

Der wachsende Stellenwert der Informationstechnik bei den Anwendern hat mehrere Ursachen: Die Erkenntnis greift um sich, daß eine gut funktionierende informationstechnische Infrastruktur ein wichtiges Element der Wettbewerbsfähigkeit darstellt. Folglich entwickeln die Anwender ein verstärktes Bedürfnis, die Arbeitsplätze in den Fachabteilungen mit Computerintelligenz auszustatten und auch deren Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. Besonders aktive Großanwender investieren heute bis zu 25 000 Mark pro Büroarbeitsplatz.

Das hier erschließbare Investitionspotential läßt für verschiedene Teilmärkte gute Geschäfte erwarten: Im Vordergrund steht der Markt für Arbeitsplatzstationen, angefangen bei Bildschirmterminals mit und ohne Spezialausstattung (für bestimmte Branchen oder Grafik) bis hin zu den Personal Computern. Die PCs werden, seit der Verbund mit Großrechnern möglich ist, mit den traditionellen Bildschirmterminals zunehmend in Konkurrenz treten. Das umso mehr, als die Hersteller von Bildschirmterminals ihrerseits dazu übergehen, ihre Terminals mit PC-Qualitäten auszustatten. Die Tendenz, solche Endstationen auch bildschirmtextfähig zu machen, ist ein weiterer Faktor, der den Markt beleben wird.

Weiterhin übt das Bestreben Textverarbeitung und Datenverarbeitung in einheitliche Systeme zu integrieren, Nachfrageimpulse aus. Dieser Markt könnte sich noch lebhafter entwickeln, wenn die Brücke zum Teletexbetrieb schon Produktstandard wäre.

Die vermehrte Ausstattung der Arbeitsplätze mit Informationstechnik kann nicht ohne Rückwirkungen auf den Softwaremarkt bleiben, der mit Tools und neuen Anwendungspaketen erst die effiziente Nutzung dieser Geräte ermöglicht. Hinzu kommt, daß ein hoher Prozentsatz der vorhandenen Anwendungspakete veraltet ist (Stapelbetrieb) und der Modernisierung (Dialogbetrieb) bedarf. Der Aufbau von Daten- und Informationsbanken läßt die Nachfrage nach Datenbanksoftware steigen. Schließlich ist da noch der große Markt für PC-Software, der seit dem Eintritt von IBM in diesen Markt einen zuvor nie dagewesenen Aufschwung erlebt. Seit dieser Markt von IBM geprägt wird, wächst natürlich auch das Bedürfnis nach Software, die anderen Fabrikaten den Zugang zum IBM-Markt eröffnet.

In den Bereichen, die im kommenden Jahr auf verstärktes Anwenderinteresse stoßen, gehört auch der Fertigungsbereich. Vor allem die mittelständische Industrie hat erkannt, daß sie im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit Modernisierungen vornehmen muß. Stichworte wie CAD/CAM, Fertigungsplanung und Fertigungssteuerung markieren den Problemlösungsbedarf, wobei die Verbindung mit der kaufmännischen Datenverarbeitung eines der bedeutsamsten Anliegen darstellt.

Die hier skizzierte Erweiterung des Anwendungsfeldes führt in logischer Konsequenz auch zu einem verstärkten Bedarf an zentraler Rechnerkapazität, auch wenn die Ausstattung vieler Arbeitsplätze mit Vor-Ort-Intelligenz Entlastungen bringt.

Vom Bedarf her stehen somit die Zeichen günstig. Eine andere Frage ist, inwieweit die einzelnen Anbieter von diesem Bedarf profitieren. Einen großen Teil des Kuchens wird mit Sicherheit die IBM für sich beanspruchen. So darf man gespannt sein, wie groß der Rest bleibt und wieviel davon auf die einzelnen Anbieter entfällt. Unter diesen Vorzeichen ist ein harter Wettbewerb zu erwarten. Der Anwender, der ihn geschickt zu nutzen weiß wird dann davon profitieren.

Dr. Peter Bromann, Kienbaum Unternehmensberatung GmbH, Düsseldorf

Obwohl eine durchgängige Strukturierung des Marktes heute nicht mehr möglich ist, kann man im Mittel- und Großanwenderbereich mit eigener Softwareentwicklung andere qualitative Trendmerkmale erkennen als im Klein- und Erstanwendersegment.

Größere Unternehmen werden 1984 verstärkt in komplexere Systemlösungen wie Controlling, Marketinginformationssysteme, Produktionsplanung und -steuerung, Materialwirtschaft/Logistik investieren. Standard-Software wird vermehrt eingesetzt, da anders der Back-Log nicht, mehr zu verringern ist. Denn 69 Prozent der in 1983 von Kienbaum (siehe Gehaltsstrukturuntersuchung für Führungsund Fachkräfte in der Datenverarbeitung) befragten Unternehmen wollen ihren EDV-Mitarbeiterstand einfrieren,

nur 24 Prozent (im Vergleich zu 37 Prozent im Vorjahr) ausweiten, sieben Prozent verringern. Viele Anwender müssen bei der Planung von komplexeren Entwicklungsvorhaben erkennen, daß ihre Basissysteme mit der zugrundeliegenden Datenorganisation keine Verknüpfung und Dialogisierung zulassen. Vor allem relational orientierte Datenbanksysteme sind daher weiter auf dem Vormarsch.

Stärker ins Blickfeld rücken wird wieder die langfristige EDV-Gesamtkonzeption, da der Druck von Kleincomputern und die Möglichkeit der Büroautomation und Telekommunikation Entscheidungen von hoher Tragweite für das Gesamtunternehmen notwendig machen. Nicht zuletzt auch eine Bewährungsprobe für die Org./EDV-Leitung, ob sie den Herausforderungen des Informationsmanagements im Brennpunkt zwischen Unternehmensführung, Fachbereich, externen Kommunikationspartnern und Systemanbietern gerecht werden kann.

Gerade die Schnittstelle zu den Fachbereichen verschiebt sich merklich, da eigene Hardware und Benutzer-Programmiersprachen eine höhere dezentrale Eigenständigkeit bringen. Haben bisher teilweise Argumente gegen Fachbereichsrechner noch ihre Gültigkeit, wie etwa mangelnde Integrationsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit, so trifft dies für die PCs nicht mehr zu. Sie werden manches Unternehmen und damit auch manche DV-Führung überrollen.

Was den Bereich der Erst- und Kleinanwender betrifft, so gibt es keine Begrenzung mehr der Größenordnung für eine eigene DV-Anlage nach unten. Die besten Chancen haben Komplettangebote, die branchenbezogene Software-Pakete beinhalten. Erkennbar ist jedoch, daß in diesem Marktsegment die Anwender noch auf Jahre mit Lücken und Schwächen der Systeme rechnen müssen; sowohl das Beratungsals auch das Software-Angebot kann mit der Nachfrage -nicht Schritt halten. Da über den Nutzen von Systemen jedoch weniger die Hardware als vielmehr die Anwender-Software und die Einbindung in die Ablauforganisation des Unternehmens entscheiden, wird die Zahl der enttäuschten Nutzer relativ hoch sein.

Positiv die sich konkretisierenden Chancen für Klein- und Mittelbetriebe, mit begrenztem Aufwand über Btx den Standard der internen und externen Geschäftskommunikation zu erhöhen.

Die Mitarbeiter im EDV-Bereich werden 1984 recht unterschiedlich von den Entwicklungstrends berührt. Starken Einfluß auf die Gehälter haben unter anderem Unternehmensgröße und Ertragssituation. Es dürfte jedoch auch im nächsten Jahr schwer sein, im Durchschnitt reale Einkommenserhöhungen zu verwirklichen.

Dr. Heinz Streicher, SCS GmbH, Hamburg

Der Ausblick auf das erwartete DV-Geschehen im neuen Jahr läßt sich immer weniger leicht in Kategorien, wie Hardware, Software und Personal einteilen.

Das drückt sich beispielsweise darin aus, daß der Einfluß der Hardware auf eine Anwendungsentscheidung ständig geringer wird, Das Thema Größe und Kapazität der Zentraleinheit dürfte 1984 im Zeichen der Kommunikation und Vernetzung eine geringer werdende Rolle spielen.

Der Trend zum immer raffinierteren, edleren, ergonomischeren, bedienungsfreundlicheren und farbigeren Bildschirm wird sich auch 1984 noch fortsetzen. Verglichen damit gibt es auf der Druckerseite noch einiges nachzuholen, wenngleich die Variationsbreite der Wiedergabe inzwischen bis nahe an die Satzqualität reicht.

Bei den Personal Computern ist zu erwarten, daß 1984 die IBM ihre standardprägende Wirkung eher verstärkt. Der harte Wettbewerb dürfte eher noch zunehmen, da der große mengenmäßige Durchbruch im gewerblichen und industriellen Bereich noch nicht kommen wird. Für das angepeilte Marktfeld des Kleingewerbes und des selbständigen Mittelstandes bedeutet der PC noch immer Neuland, die Unsicherheit wird nur langsam abgebaut. Die Literatur hat sich bisher, von Ausnahmen abgesehen, viel zu sehr an der Begeisterungsfähigkeit des Freaks und zu wenig an dem grundlegenden Informationsbedürfnis des nicht einschlägig vorgebildeten Erstanwenders orientiert.

Das starke IBM-Engagement im PC-Bereich wird mit Sicherheit den Durchbruch des Personal Computers fördern, da das themenspezifische Image und die Vertriebspower dieses Unternehmens auch Skeptiker neugierig machen können.

Das Softwareproblem bei den PCs ist voraussichtlich zunächst weiterhin die Unübersichtlichkeit und die häufig schwer zu beurteilende Qualität der Pakete. Mit dem Fortschritt der Standardisierung läßt sich jedoch auch dieses Problem reduzieren.

Generell dürfte das Jahr 1984 bei der Software folgende Haupttrends aufweisen: Für die computergestützten Tools als integrierte und umfassende Systeme könnte es das Jahr der Bewährung und - gegebenenfalls - des Durchbruchs auf breiter Front sein. Es ist auch höchste Zeit, da bei fast allen Anwendern alte Software auf die Erneuerung, aber diesmal im Geiste des Softwareengineerings, wartet. Die Standardanwendungssoftware wird 1984 weiter an Boden gewinnen. Ein interessantes Beispiel ist die Fertigungsplanung und -steuerung für Unternehmen mit Auftrags- und Einzelfertigung. Noch mehr Gewicht als bisher dürfte künftig Kommunikationssoftware erhalten. Netze von Rechnern und anderen Geräten, das Zusammenspiel von Produkten verschiedener Hersteller stellen hier hohe Anforderungen.

Die Vertriebsseite bleibt auch 1984 ein gemeinsames Problem aller Anbieter. Noch wird bei den Vertriebswegen auf breiter Front experimentiert, zumindest was den gewerblichen Einzelanwender und den privaten Kunden anbetrifft.

Bei den mittleren und größeren Unternehmen haben Mehrplatzmikros für professionelle Anwendung große Chancen. Die Mikros entwickeln sich übrigens klammheimlich von unten her in den Minibereich hinein, so daß auch an dessen "unterem Ende" wie bereits am oberen die Grenzen fließend werden.

Das Thema Btx soll im Orwell-Jahr seine große Stunde haben. Die Post ist am Zuge, der Mai 1984 kommt bestimmt. Viele Interessenten haben die Startlöcher gegraben, die Zeit der Sandkastenspiele geht zu Ende. Das "Involvement" von IBM wird dazu führen, daß IBM - neben der Post - ein wichtiger Promotor für den Btx sein wird, sicher eine Hilfe für diesen neuen Dienst. Für den PC-Absatz kann Btx ebenfalls befruchtend wirken, wenn rechtzeitig die notwendige Ausrüstung verfügbar ist.

Der Arbeitsmarkt für die DV-Leute hat - ähnlich wie bei anderen Berufsgruppen - die Nachfrageschwäche der Jahre 1982 und 1983 überwunden, für 1984 ist mit Sicherheit steigender Bedarf zu erwarten, allerdings sind die Zeiten des großen Booms vorüber. Der Ausbau der DV-Abteilungen wird auch bei wachsender Wirtschaft sicher mit größerer Vorsicht erfolgen, Rationalisierung und Endanwenderbeteiligung drücken auf den Personalbedarf.