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An den Aktienmärkten wurde nur selektiv verdient:


11.01.1985 - 

1984 - ein Börsenjahr mit Haken und Ösen

MÜNCHEN (aw) - 1984 war ein schwieriges Börsenjahr. Nach den guten Ergebnissen, die seit Mitte 1982 zu erzielen waren, herrschte vor zwölf Monaten noch Euphorie. Viele Anleger glaubten, es werde über Jahre so weitergehen. Hier lag der Keim für die erheblichen Kursrückschläge bis zur Jahresmitte. Die meisten Anleger hatten 1983 investiert und sich mit zu starken Käufen verausgabt. Es fehlte daher in der ersten Jahreshälfte an flüssigen Mitteln für neue Käufe.

Auch monetär war es ein ungünstiges Jahr, da die Geldmenge in den meisten Ländern weniger stark wuchs als das nominelle Bruttosozialprodukt. Der Wachstumsprozeß verbrauchte Geld, das nicht in gleichem Maße von den Notenbanken wieder zur Verfügung gestellt wurde. Dieses Kapital fehlte der Börse. Die Politik des knappen Geldes wirkte disinflationär und die Inflationsraten sanken in den vergangenen zwölf Monaten. Die Zinsen gingen in gleichem Maße zurück, Dadurch veränderte sich der Realzins kaum.

Doch auch die Kurssteigerungen an den Anleihemärkten seit Jahresmitte waren kaum größer als die Kursverluste während des ersten Halbjahres. So notierte der Dow Jones Bond Average vor einem Jahr bei knapp 70, fiel im Juni auf 65 und steht heute bei 72. Der deutsche Rentenmarkt, der sich 1984 vom US-Zins loskoppelte, zeigte aufs Jahr Kurssteigerungen von über 1 0 Prozent.

Preise für Gold und Silber rutschen ab

Folge der disinflatorischen Entwicklung war ein Zusammenbruch der Sachwertpreise. Mit Ausnahme weniger ausgesuchter Lagen mußten Immobilieneigentümer erhebliche Wertverluste hinnehmen. Gold schickt sich an, die 300-Dollar-Marke zu unterschreiten, was auf das Gesamtjahr einen Wertverlust von über 25 Prozent bedeutet. Silber fiel unter sechs Dollar.

Der Zwang der Entwicklungsländer, die Produktion von Nicht-Edelmetallen (bei der zwangsläufig als Nebenprodukt Silber abfällt), auf möglichst hohem Niveau zu fahren, um wenigstens einen Teil ihrer Schulden (weltweit 900 Milliarden Dollar) mit Zinsen bedienen zu können, wird zu einem weiteren Verfall der Silberpreise führen. Während sich in der Vergangenheit die Rohstoffpreise während eines Konjunkturaufschwungs stark erhöhten (Inflation), erleben wir zur Zeit eine Abschwächung der Rohstoffpreise trotz konjunkturellen Wachstums (Deflation); die leichten Konjunkturabschwächungstendenzen in den USA werden diesen Trend noch verstärken. 1985 wird kein gutes Jahr für Sachwertanlagen werden.

An den Aktienmärkten konnte nur selektiv verdient werden. Der Dow Jones Bond Average stand zum Jahreswechsel bei 1250. Nach dem Tief von 1078 im Juli notiert er jetzt wieder über 1200 Marktbreitere Indices, wie der Index der American Stock Exchange, konnten die Kursverluste des ersten Halbjahres 1984 nicht wieder aufholen.

Symptomatisch ist die Entwicklung von IBM: Zu Anfang des Jahres notierte die Aktie bei 122 Dollar. Im Juni 100 Dollar. Heute 123 Dollar. Lediglich der Anstieg des US-Dollar während des gleichen Zeitraumes um 10 Prozent brachte für die deutschen Anleger hier Kursgewinne.

Der Index der US-Technologiewerte fiel deutlich zurück. Hierbei mußten insbesondere bei den Halbleiterherstellern Kurs-Verluste hingenommen werden. Die renommierten Anbieter von Hardware wurden von der Börse bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls deutlich niedriger bewertet als im vorangegangenen Jahr (siehe Tabelle).

Börse glaubt an bessere Zeiten für DEC

Gut hielt sich im Konzert der Kursverlierer Digital Equipment (DEC), die im Verlauf des Jahres von knapp 80 auf 110 Dollar kletterten. Die Aktie nähert sich damit ihren Höchstkursen von Anfang 1983. Die Börse glaubt an anhaltend bessere Erträge bei DEC. Für das laufende Jahr wird ein Gewinn von 5,7 Dollar erwartet. Analysten schätzen gar 8,4 Dollar. DV-Fachleute bezweifeln allerdings, ob sich die durch den Kursanstieg vorweggenommenen Ertragserwartungen, die sich insbesondere auf die neuen Produkte Venus (VAX 8600) und Micro VAX II gründen, erfüllen werden. Positive Entwicklung auch bei Teledyne, die im Laufe des Jahres von 170 auf 300 Dollar (in der Spitze) kletterten. Es handelt sich bei Teledyne jedoch nicht um einen reinen DV-Wert, vielmehr um ein Konglomerat unterschiedlichster Beteiligungen, so daß die Entwicklung nicht typisch für die Branche ist. Untypisch ebenfalls der starke Kursanstieg bei Rolm, verursacht durch das Übernahmeangebot von IBM.

Auch der deutsche Markt bot ein abwechslungsreiches Bild. "Blue-Chip"-Siemens konnte den Ende 1981 begonnenen Kursanstieg fortsetzen und verbesserte sich im Jahresverlauf um 15 Prozent. Nach den guten Meldungen zum Geschäftsverlauf 1984 und der Ankündigung einer Dividendenerhöhung konnte sich die Notierung nicht weiter verbessern. Dies trotz bahnbrechender Erfolge im Bereich der Bürokommunikationstechnologie.

Siemens-Datentechnik machte Umsatzsprung

Siemens sah als Weltmarktführer für Telefon- und Fernschreibvermittlungssysteme (Weltmarktanteil 11 Prozent, Weltmarktvolumen rund 30 Milliarden Mark) eine besondere Aufgabe darin, ein System mit technischem Vorsprung vor den übrigen Anbietern zu entwickeln (Hicom). Der Unternehmensbereich Datentechnik konnte in den vergangenen drei Jahren einen Umsatzsprung um 50 Prozent auf 2,9 Milliarden Mark ausweisen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 14,5 Prozent.

Auch die Zusammenarbeit mit Corning Glass Works zur gemeinsamen Errichtung einer Produktionsstätte für Glasfasern erregte zum Jahresende Aufsehen. Die Fertigung, im neu zu errichtenden Werk Neustadt soll Anfang 1986 beginnen. Der Weltmarkt für Lichtwellenleiterkabel wird zur Zeit auf etwa 1,5 Milliarden Mark geschätzt. Das jährliche Marktwachstum in den nächsten Jahren wird laut Siemens etwa 40 Prozent erreichen. Die Aktie des Münchner Konzerns bleibt als Daueranlage interessant.

Ein großer Erfolg war die Jumbo-Emission von Nixdorf für die Deutsche Bank. Die Paderborner brachen 1984 alle Rekorde. Die Aktie wurde vielfach überzeichnet und schon vor der ersten Notierung am 12. Juni "per Erscheinen" um 100 Mark über dem Emissionspreis gehandelt.

Die seitdem erreichten Höchstkurse von 549,5 Mark konnten nicht gehalten werden. Der Kursrückgang auf 517 Mark scheint jedoch nur natürlich. Allerdings mehren sich die Stimmen, die dem Unternehmen zu optimistische Erwartungen bei der Ertragsentwicklung für die nächsten Jahre unterstellen. Die Aktie ist mit einem geschätzten Kurs/Gewinn-Verhältnis von 25 bis 30 nicht billig.

Wesentlich kleiner im Umfang war die Emission von dem Fachverlag Markt & Technik AG, plaziert von der Deutschen Bank im Frühjahr 1984. Die dabei gesteckten Planziele mußten im Oktober deutlich zurückgesteckt werden, was zu einem Kursrückschlag von 40 Prozent auf 300 Mark führte. Die Aktie scheint auch auf diesem Niveau keineswegs billig, Erst nach einer Stabilisierung der Ertragslage sollte hier zugekauft werden.

Starke Beachtung fand die jüngste Emission der Commerzbank. ADV/ Orga wurde in den geregelten Freiverkehr an den Börsen Hannover, Bremen, Frankfurt eingeführt. Hierbei wurden 2 Millionen Mark stimmrechtslose Vorzugsaktien zum Preis von 250 Mark je 50-Mark-Aktie zum Kauf angeboten. Das Angebot wurde mehrfach überzeichnet und schon nach wenigen Stunden geschlossen. Erster Kurs 320 Mark. Zur Vorbereitung der Emission wurde das Stammkapital von ADV/Orga um 3 Millionen auf 13 Millionen Mark erhöht. Das Unternehmen ist zur Zeit zweitgrößter deutscher Anbieter von Software. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis beträgt etwa 20.

Zum Börsenflop 1984 geriet BCT. Unter den Fittichen der Münchner Vermögensverwaltungsgesellschaft Portfolio Management GmbH wagte die Gesellschaft im Februar 1984 den Gang an die Börse. Die Gesellschaft ist heute in Konkurs. Laut Auskunft des Konkursverwalters befand sich die BCT Computer AG schon zum Zeitpunkt der Börseneinführung in einer überaus angespannten Liquiditätslage. Mit dem Geld der neuen Aktionäre wurden nicht etwa, wie behauptet, das Wachstum der BCT AG finanziert, sondern Löcher der Vergangenheit gestopft. Diesen Eindruck hinterläßt zumindest der Bericht des Konkursverwalters. Die Börse quittierte diese Entwicklung mit einem Kurssturz von 230 auf zunächst 85 Mark (heute 11 Mark). Wolfgang Böhmer und Werner Dieck, Ex-Vorstände der BCT AG, sind als Geschäftsführer der Auffanggesellschaft BCT Electronics GmbH & Co. KG weiter am Werk.

Eine weitere Neuemission im Mai 1984 war Hegener und Glaser. Die Münchner Aktiengesellschaft wird die geschäftlichen Zielsetzungen für das Jahr 1984 erreichen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der neue Geschäftsbereich Business Computer entwickelt. Eine Verbreiterung des Produktangebotes über die anerkannten Schachcomputer hinaus ist wünschenswert.

Zwei Neuemissionen der vergangenen zwei Jahre gingen unterschiedliche Wege. Während Electronic 2000 nach dem starken Kursanstieg konsolidiert, ist das zukünftige Schicksal von Tewidata ungewiß. Electronic 2000, die in der Vergangenheit sehr stark von Lagergewinnen bei Halbleiterelementen profitierten, sollten trotz des Kursrückgangs von knapp 600 auf 460 Mark weiter abgegeben werden, da mit weiteren Preisrückgängen bei Halbleiterelementen gerechnet werden muß. Bei Tewidata ist nicht abzusehen, ob im kommenden Jahr schwarze Zahlen erwirtschaftet werden können. Nach der Irreführung der Aktionäre bezüglich der Entwicklung des Geschäftsjahres 1983 kam es bei Bekanntwerden des Verlustes im April beinahe zu einer Kursdrittelung. Die Kritik an der Informationspolitik führte zur Trennung der Tewidata AG vom Finanzvorstand. Der neue Vorstand weckte Erwartungen für ein ausgeglichenes Ergebnis 1984, die zwischenzeitlich wieder enttäuscht wurden. Ein neuer Kursrückgang auf 77 Mark war die Folge. Der Weggang des technischen Vorstandes Dölling war ebenfalls nicht dazu angetan, Vertrauen in die zukünftige Leistungskraft von Tewidata zu entwickeln.

Niedrige Inflation sorgt für Aufwärtstrend

1985 dürfte der langfristige Aufwärtstrend für Geldwerte genauso anhalten wie der Sachwertpreisverfall. Die Geldmengensteuerung der US-Notenbank läßt zur Zeit kein Aufflackern neuer Inflation zu. Die meisten Anleger haben dies noch nicht realisiert. Der hohe Realzins ist Spiegelbild der Skepsis der Anleger hinsichtlich einer dauerhaft niedrigen Teuerungsrate. Gerade diese Skepsis sorgt aber fundamentale und markttechnisch für ein Anhalten des Aufwärtstrends bei Geldwerten.

Die per Saldo ungünstige Entwicklung der Aktienmärkte 1984 war nicht der Beginn einer anhaltenden Baisse, sondern technische Reaktion auf die kräftigen Kurssteigerungen seit Mitte 1982. 1985 sollte es international bei Aktien wieder aufwärts gehen. Nach der Konsolidierung des US-Marktes während der vergangenen eineinhalb Jahre bieten viele US-DV-Werte wieder eine vernünftige Chance/Risiko-Relation.