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06.06.1980 - 

Gutachten zeigt politischen Handlungsbedarf:

1985 sieben Prozent arbeitslos?

BONN/STUTTGART (gr) - Ohne Eingriff in den Arbeitsmarkt könnte die Arbeitslosenquote 1985 etwa sieben Prozent erreichen. Neue Techniken darunter auch die Mikroelektronik als wesentlicher Faktor, würden dann mindestens 1,65 Millionen Menschen arbeitslos machen. Zu diesem Ergebnis kommt die Protons AG, Basel, in einer Studie, die sie für die Bundesregierung angefertigt hatte.

Während das Bundeswirtschaftsministerium der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegenüber die von der Prognos und, in verstärktem Maße auch vom Ifo-Institut erstellte Prognose bestätigt hatte, legten die betroffenen Ministerien nach Bekanntwerden der Forschungsergebnisse durch einen Bericht der "Wirtschaftswoche" eine Denkpause ein. Das Wirtschafts-, das Ministerium für Forschung und Entwicklung sowie das Arbeitsministerium wollen sich nach Angaben der jeweiligen Pressesprecher auf eine gemeinsame Stellungnahme einigen. Bisher stehe in der ministeriellen Kritik der Zweifel im Vordergrund ob eine Vorhersage über einen Zeitraum von fünf beziehungsweise zehn Jahren überhaupt machbar sei. Siegfried Vogt vom Wirtschaftsministerium spricht von einem abgrundtiefen Pessimismus, der aber durch eine leichte Veränderung der Grundannahmen, auf denen die Studien basieren, abgewendet werden könnte.

Bei den beiden Studien handelt es sich dem Sprecher aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales zufolge um jeweils fünf Bände. Angesichts des Volumens habe das Kabinett beschlossen, eine Kurzfassung anfertigen zu lassen. Der Vorwurf der Geheimhaltung der Ergebnisse, den die "Wirtschaftswoche" dem Bundeskanzler macht, träfe nicht zu.

Die Forschungsberichte beider Institute, die sich mit den Folgewirkungen des technischen Fortschritts auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt auseinandersetzen, kommen dem Sprecher des BMFT nach zum Ergebnis, daß die Einführung neuer Techniken unvermeidlich, ja notwendig sei. Um unerwünschte Nebenwirkungen wie zunehmende Arbeitslosigkeit zu vermeiden, sieht das Ministerium eine verstärkte Förderung der betrieblichen Innovationstätigkeit als Lösungsweg.

Die beiden Gutachten als sich selbst zerstörende Vorhersagen betrachtet die Bundesanstalt für Arbeit (BfA), Stuttgart. "Die besten Gutachten sind so eindringlich formuliert, daß die Politiker anfangen zu handeln", stellt der Pressesprecher Eberhard Mann den Standpunkt der BfA dar. Durch eine Verkürzung der Lebensarbeitszeit, eine Aufstockung des Urlaubes pro Jahr oder in der Mitte des Lebens sowie ein Mehr an Bildung könne der Entwicklung begegnet werden, die die beiden Institute voraussagen. Es sei außerdem möglich, wenn auch heute nicht wahrscheinlich, daß die Vollbeschäftigung sichernde Wachstumsrate von fünf Prozent im Jahr bis 1985 wieder erreicht werde.

Dem Ifo-Bericht nach, den die "Wirtschaftswoche" wiedergibt, wird die Automatisierungsmöglichkeit in der industriellen Produktion durch den breiteren Einsatz der Mikroelektronik bis 1985 wirksam werden. Mit fühlbaren Auswirkungen der Industrieroboter-Systeme sei bis Ende der 80er Jahre zu rechnen.