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09.01.1987

1986 - DV-Leiters "Meckerstunde" hält sich in Grenzen

Einen offensichtlichen Mangel an relevanten Neuerungen am Markt, sprich eine kürzer gehaltene Ankündigungsfreudigkeit seitens der Industrie, und ein ausgewogenes Mittelmaß zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit - so präsentiert sich das abgelaufene Jahr 1986 den DV-Verantwortlichen in unserem Land. Was auf dem Hard- und Software-Sektor in den Unternehmen nach wie vor vermißt wurde, konnte weitgehend in Eigenleistung gelöst werden. Und auf diese Lösungen können die DV-Leiter sicherlich stolz sein, zumal sich die ihnen unterstellte Abteilung im Unternehmen oft genug Attacken anderer Abteilungen geschickt erwehren muß. So steht auch das organisatorische Problem zumeist im Vordergrund, während die Lösung technischer Probleme anscheinend von Platz eins der unternehmensinternen Prioritätenliste verdrängt wurden. Die Devise lautet: die DV in alle Richtungen verfügbar zu machen.

Willi Albrecht

DV-Leiter, Raab Karcher,

Bingen

Bei der Frage: Was mögen DV-Verantwortliche hierzulande am wenigsten an ihrer Arbeit, fällt die Beantwortung aus meiner Sicht wesentlich einfacher aus, als wenn spontan über das ausschließlich Positive gesprochen werden muß. Es gräbt sich, wie ich meine, vielleicht doch eher etwas Negatives ein. Bei der tagtäglichen Routinearbeit beispielsweise nimmt man die angenehmen Dinge letztlich nur noch zur Kenntnis, während man sich über Tätigkeiten, die einem weniger gefallen, mehr und vor allem auch langer aufregen kann. Ich bin jetzt seit 1964 DV-Leiter. Was aber immer unangenehm sein und bleiben wird, ist der gewisse Termindruck, der einem in einer solchen Position permanent im Nacken sitzt.

Der Bereich der Datenverarbeitung in jedem Unternehmen ist so gesehen ein Dienstleistungsbereich. Die gestellten Anforderungen kommen von allen Seiten, und - was noch gravierender ist - ohne so etwas wie eine Prioritätenliste wird die ganze Angelegenheit noch etwas problematischer. Jeder will eben gleichermaßen und insbesondere als erster drankommen. Da sich im Normalfall jeder als der wichtigste und in gewisser Hinsicht als unersetzlich präsentiert, muß man als DV-Verantwortlicher gut abwägen, um nicht in Mißkredit zu geraten. Natürlich läßt man keinen und niemanden gern warten, doch um ausführlich zu erläutern warum ausgerechnet im DV-Bereich irgendjemand immer bevorzugt werden muß, fehlt natürlich auch die Zeit.

Es wird wohl immer so bleiben: Derjenige, der zuerst drankommt, ist zufrieden; alle anderen, die warten müssen, die sind unzufrieden. Obwohl sich die DV im Hause alle erdenkliche Mühe gibt, einen reibungslosen Ablauf zu gewähren. Man muß demnach extrem viel arbeiten, um einen möglichst hohen Grad der Zufriedenheit zu erreichen. Die wichtigste Zielsetzung dabei lautet, zukünftig nach allen Richtungen die Dienstleistung DV verfügbar zu machen.

Worüber man sich auf der anderen Seite freuen kann, ist in diesem Zusammenhang nicht ganz so leicht zu beantworten. Ich frage mich deshalb eigentlich lieber, warum man ausgerechnet das geworden ist, worauf man nun schon rund 22 Jahre zurückblicken kann? Zieht man so etwas wie eine Zwischenbilanz, dann stellt man schnell fest, daß es in der Tat die Materie als solche ist, die einen so an diesem Beruf fasziniert. Man kommt als DV-Leiter beinahe zwangsläufig mit allen möglichen Abteilungen innerhalb seiner Firma in Berührung, was unter Umständen in anderen Abteilungen selten oder überhaupt nicht der Fall ist. Ich sehe außerdem nach wie vor die beiden Bereiche Organisation und Datenverarbeitung eng miteinander verknüpft. Also nicht den reinen DV-Leiter, der sich beispielsweise aufgrund seiner Fähigkeiten als Systemprogrammierer auszeichnet.

Unter einem DV-Verantwortlichen stelle ich mir persönlich vielmehr jemanden vor - berücksichtigt man nun eine Unternehmensgröße wie die unsrige -, der sich in Personaleinheit nicht nur der DV widmet, wenngleich die Datenverarbeitung aus meiner Sicht immer noch das hervorragendste Organisationsmittel ist. Und genau das ist das, was eingangs mit dem Wort Faszination ausgedrückt werden sollte: Als DV-Leiter kommt man zunehmend mit beinahe allen Abteilungen in Berührung und wird demzufolge von diesen auch entsprechend gefordert. Das ist zwar zuweilen anstrengend und manchmal vielleicht auch etwas unbequem - aber interessant ist es trotzdem.

Umschreiben läßt es sich aus meiner Sicht so: Selbst, wenn man einmal mit dem Gedanken gespielt haben mag, irgendwann etwas anderes zu tun, beißt man sich doch immer wieder an der DV fest. Vielleicht kann man sogar behaupten, daß einem irgendetwas fehlt, wenn man eine Position wie diese aufgibt. Es gibt sicherlich Beispiele, wo Leute dann doch mit einer neuen Aufgabe in anderen Unternehmen nicht mehr ganz zurecht gekommen sind, da sie vorher als DV-Verantwortliche Aufgabenbereiche betreut haben, die jetzt nicht mehr vorhanden sind und sich in Form einer Lücke bemerkbar machen. Wer einmal in die "DV-Mühle" hineingeraten ist, kommt wahrscheinlich nicht mehr allzuleicht wieder heraus. Es liegt offensichtlich daran, daß es der Mehrzahl dieser Leute einfach Spaß macht, dispositive und kreative Tätigkeiten auszuführen.

Michael Lehnert

DV-Leiter, Houdek, Starnberg

Was war das Besondere am Jahr 1986? Wir haben beispielsweise im abgelaufenen Jahr erstmals mit Textverarbeitung angefangen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen auf diesem Sektor waren bis zum jetzigen Zeitpunkt mehr als positiv. Wir nutzen in unserem Unternehmen eine IBM /36 und haben uns nun erstmalig in diesen neuen Bereich vorgewagt. Bei dem Programmpaket handelte es sich um IBM-Text; eine Textverarbeitungs-Software, die auf /36er Maschinen unter der entsprechenden Betriebssystem-Software lauffähig ist und auch direkt durch die IBM ausgeliefert wird.

Was den bundesdeutschen DV-Leiter auf der anderen Seite "nerven" kann, ist meiner Ansicht nach die Tatsache des im Lauf der Jahre immer schlechter gewordenen Hersteller-Services. Es hat sich gezeigt, daß die gesamte Unterstützung des Anbieters respektive des Herstellers zum Teil extrem nachgelassen hat. In Einzelfällen darf man sogar argumentieren, daß die Supportmaßnahmen für den Anwender bei nahezu Null angesiedelt sind. Allerdings stehen wir mit dieser Meinung nicht alleine da. Es gibt eine Reihe von Kollegen, die diese Meinung teilen und ebenfalls mit den heutigen Serviceleistungen keineswegs mehr zufrieden sind - verglichen mit der Unterstützung, wie sie beispielsweise noch vor zehn Jahren herrschte. Fatalerweise erstreckt sich dieser negative Aspekt über die große Palette der Anbieter am Markt, so daß man einzelne Unternehmen gar nicht herausgreifen muß oder kann.

Der positive Aspekt ist natürlich auch vorhanden, wenn man das vergangene Jahr resümierend betrachtet. So ist die generelle Organisationsarbeit aus meiner Sicht das Entscheidende an der Arbeit als DV-Verantwortlicher - und dies bereitet auch entsprechend viel Freude. Als langfristige Zielsetzung könnte man sagen: Wenn immer mehr Teile des Unternehmens in die Datenverarbeitung integriert werden können, dann ist ein wichtiger Schritt getan, der einen selbst anspornt. Trennen muß man unserer Ansicht nach aber auch die Anforderungen, die unternehmensspezifisch abweichen können. Da sich unser Unternehmen zum Beispiel auf die Herstellung von Lebensmitteln beschränkt, sind neue DV-Aspekte wie CAD/CAM oder überhaupt neue Technologien eher weniger entscheidend, sofern sie nicht unmittelbar zu einem positiven Ergebnis beitragen können.

Heinrich Schmitz

DV-Leiter, Deutsche Altochem,

Bonn

Man ist in dieser Position natürlich bemüht, den Schwerpunkt dort anzusetzen, daß man insbesondere die Tätigkeiten öfter macht, denen man logischerweise einen gewissen Vorzug einräumt. Parallel dazu kann man grundsätzlich sagen, daß diejenigen Dinge, die eher das Attribut "unangenehm" aufweisen, möglichst geschoben werden. Mir selbst gefällt an der Aufgabe als DV-Leiter am besten, daß man gestalterisch tätig sein und gerade im organisatorischen Bereich etwas bewegen kann. Gemeint ist, daß man eben mehr und mehr Möglichkeiten hat, Dinge zu bewegen, je mehr auch parallel dazu die technischen Möglichkeiten zunehmen. Während man früher beispielsweise hauptsächlich im kommerziellen Bereich etwas bewerkstelligen konnte, hat sich dieses Potential nun auch auf den Sektor Technik verschoben. Dies sind Dinge, die mich in dieser Aufgabe bestätigen und mich in gewisser Weise sogar begeistern können.

Andererseits ist alles das, was zur Routine wird, weniger geliebt. Schreibt man zum Beispiel Reports über Dinge, von denen man von vornherein weiß, daß sich hier ohnehin nicht viel (oder zuweilen auch gar nichts) ändert, dann ist das eine Sache, die man lieber verdrängen möchte. Oder wenn man sich darum kümmern muß, personelle Löcher zu stopfen, die im Rahmen der üblichen Fluktuation gerissen wurden, Mitarbeiter also entsprechend einzuarbeiten; auch das ist eine Aufgabe, die - weil unter Umständen zeitaufwendig - nicht so gern praktiziert wird.

Was die Announcementfreudigkeit im abgelaufenen Jahr angeht, so hat es sich aus unserer Sicht eher im Rahmen gehalten, zumal auch wir unseren Bedürfnissen entsprechend Maßstäbe ansetzen müssen. Was allerdings für mich durchaus erfreulich war, ist die Tatsache, daß Farbbildschirme einen deutlichen Preisrutsch erfahren haben. Wir meinen, daß die farbige Darstellung von Grafiken, die von Daten des Großrechners herrühren und in aufbereiteter Form visualisiert werden müssen, zunehmende Bedeutung erlangen wird. Wir verfügen über ein IBM System /38, dem eine umfangreiche Peripherie angeschlossen ist. Parallel dazu haben wir auch Mikros im Einsatz, die jedoch nur für bestimmte Aufgabenbereiche zweckdienlich sind. So wird hierauf zum Beispiel die Analyseerstellung im Bereich des Rechnungswesens erarbeitet.

Wir meinen außerdem, daß die Großrechner den PC-Konzepten, die heute bekannt und auch verfügbar sind, überlegen bleiben. Gleichwohl verfügt der Mikro über die Möglichkeit, bestimmte kreative Lösungen freizusetzen - das intelligente Hardware-Tool in der Hand des Sachbearbeiters. Doch gibt es hier ein entscheidendes Manko: Es fehlt, wie man meinen möchte, derzeit noch an der Kompetenz bei diesen Leuten. Wir unterstellen in diesem Zusammenhang, daß voraussichtlich nur hochqualifizierte Fachkräfte mit entsprechender Vorbildung zukünftig in der Lage sein werden, mit Mikrocomputern wirklich sinnvoll umzugehen. Gleichwohl sollte ein klares Groß-DV-Konzept im Vordergrund stehen und nicht etwa die Vernetzung vieler Mikros.