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07.01.1994

1994 - das Jahr der Integratoren Dieter Eckbauer

Fuer die DV-Branche im allgemeinen und die IBM Deutschland im besonderen ist die Deutsche Angestellten Gewerkschaft (DAG) zuversichtlich, das Dilemma sei voruebergehender Art (Seite 4: "Mehr Leistung der Mitarbeiter soll IBM aus der Krise fuehren"). Davon gehen offensichtlich auch die Aktienanleger aus. Am IBM- Papier hatten sie zuletzt viel Freude - Turnaround-Spekulationen trieben den Kurs in die Hoehe. Mit der Wirklichkeit hat das nicht sehr viel zu tun. Daran ist nichts Geheimnisvolles oder gar Boeses - niemand missgoennt den Boersianern das Schnaeppchen. Doch die Kunden, die mit IBM-Systemen arbeiten, muessen andere Massstaebe anlegen. Ueber eine Auswirkung der IBM-Sparmassnahmen sollten sie sich im klaren sein: Eine "schlankere" IBM muss den Support einschraenken. Wer dies leugnet, beluegt sich selbst. Die Gefahr, die aus der Reduktion erwaechst, haelt sich freilich in Grenzen. Das DV-Personal beim Kunden vermag mehr, als ihm gemeinhin vom Management und von den Benutzern zugetraut wird.

Soll man sich also nicht sonderlich darum scheren, wie es mit Big Blue weitergeht? Genau, sagen Analysten, die dem Mainframer nahestehen: Eine IBM kann nicht untergehen. Auf diese Weise zu argumentieren koennte einlullend und gefaehrlich sein, wenn es nicht so erkennbar verblasen waere. In einem Markt, der eine IBM hervorgebracht hat, kann eine IBM auch untergehen. Dies muesste ein beunruhigender Gedanke fuer alle diejenigen sein, die wissen, dass sie von IBM abhaengig sind.

Davon ist etwas zu spueren, wenn der Chef eines grossen US-Konzerns oeffentlich Big-Blue-Boss Louis Gerstner eine glueckliche Hand bei der Sanierung wuenscht: Der Erfolg sei fuer sein Unternehmen als Anwender mindestens ebenso wichtig wie fuer die IBM selbst. Ehrlicher und entlarvender kann eine Abhaengigkeitserklaerung nicht sein. Gerstner muss sie wie ein Alptraum erscheinen. Falsches Loyalitaetsverstaendnis auf beiden Seiten hat Big Blue in die Bredouille gebracht. Nur durch einen Bruch kann eine Besserung herbeigefuehrt werden.

Dann waeren Instabilitaeten gewollt, die offene Systeme zunaechst mit sich bringen? Das trifft in jedem Fall auf Anwender zu, die ihre DV-Geschicke selbst in die Hand nehmen wollen. Wie sieht vor diesem Hintergrund die Prognose fuer den Mainframe-Marktfuehrer aus? Ist Big Blue geruestet fuer eine Zeit, in der sich Unternehmen aus freien Stuecken fuer oder gegen offene Systeme von IBM entscheiden koennen?

Bedenken sind angebracht, gleichgueltig, ob man den Open-Systems- Bekundungen der IBM Glauben schenkt oder nicht: Es mangelt ihr an Marktverstaendnis - Big Blue brauchte das nicht. Und es fehlen ihr Integratoren, die das Zusammenwirken unterschiedlichster Fremdkomponenten etwa in einem Client-Server-Netzwerk harmonisieren koennen. Die IBMer kennen ihre eigenen Produkte - und sonst gar nichts. Das ist vielleicht sogar noch gefaehrlicher als Unfaehigkeit. Spezialisten fuer die Feinabstimmung sind erst recht bei den Anwenderunternehmen gefragt: 1994 - das Jahr der Integratoren!