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03.01.1997 - 

Jahresrückblick

1996: Das Internet verändert die IT-Welt

Juli

Fast schon vergessen sind die Olympischen Spiele in Atlanta, die nicht nur durch Weltrekorde und Busemänner, sondern auch durch Verkehrsprobleme, einen Bombenanschlag und eine nur mäßige DV-Versorgung von sich reden machen. Die IBM steht auf den eigenen Leitungen: Wettkampfergebnisse werden nur schleppend oder gar nicht übertragen, Sportler laufen mit falschen Rückennummern auf - einige entführen in ihrer Verzweiflung sogar einen Bus, um zur Wettkampfstätte zu gelangen.

Rund 40 Millionen Dollar läßt sich Big Blue das Ereignis kosten - ein überschaubares Risiko für einen Milliardenkonzern. Weniger übersichtlich ist die Marktsituation für Novell, dessen Erzrivale Microsoft mit Windows NT massiv in den Netware-Markt einzubrechen droht. Die Überlebensstrategie: Novell bietet jetzt Netware-Dienste wie Directory, Security-, File- und Print-Services auch für Unix- und NT-Umgebungen an.

Bereits in diesen Tagen ist spürbar, was sich zwei Monate später mit dem Rücktritt von Novell-Boß Bob Frankenberg offenbart: Die Netzwerker stecken nach dem Ausverkauf diverser Produktbereiche in ernsten Schwierigkeiten. Marktauguren sagen das Ende der Netz-Betriebssysteme vorher. Novell will diesem Trend mit "Intranetware" begegnen, einem um Web-Features erweiterten Netware 4.11.

Im Sommer zeigen sich renommierte Anbieter von ihrer schwachen Seite. Für die wohl größte Überraschung sorgt Hewlett-Packard: Die Ankündigung eines mageren dritten Quartals reicht aus, um den Aktienkurs um 15 Prozent fallen zu lassen und die High-Tech-Werte insgesamt nach unten zu treiben.

Einer Absatzflaute im PC-Geschäft sowie dem allgemeinen Preis- und Margenverfall in diesem Markt schreibt Digital Equipment seine "reduzierte Gewinnerwartung" für das vierte Quartal 1996 zu. Ein Euphemismus, wie sich schon bald zeigt: DEC verbucht im letzten Quartal des Fiskaljahres 1995/96 einen Verlust von 433 Millionen Dollar und verdirbt sich damit die Jahresbilanz (minus 112 Millionen Dollar).

Schlimmer noch erwischt es den deutschen PC-Discounter Escom. Ein ruinöser Preiskampf und die geringere Nachfrage zwingen den deutschen Anbieter in den Konkurs. Comtech übernimmt 90 von insgesamt 110 Filialen und rund 600 Mitarbeiter, die fortan in der Escom 2001 GmbH beschäftigt sind. Die Business Division geht an Schadt Computertechnik.

Während auch die Peacock AG Verluste hinnehmen muß, erweist sich Compaq als krisenfest. International zum Marktführer avanciert, setzt sich der PC-Anbieter zum Ziel, im Jahr 2000 zu den drei größten Computerunternehmen der Welt zu gehören. Neu gegründete Divisionen bedienen von jetzt an den Consumer-, den PC- und den Enterprise-Markt.

Zu den Verlierern in der Softwarebranche zählt Borland, deren hochgelobte Entwicklungsumgebung "Delphi" nicht den erwarteten Geschäftserfolg bringt. Hochrangige Entwickler verlassen das Unternehmen.

Hierzulande macht das Weinstädter Softwarehaus BIW von sich reden, das - vorerst nur zu 60 Prozent - in den Besitz der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft und Unternehmensberatung Schitag Ernst & Young übergeht. BIW-Chef Helmut Polzer hofft, mit diesem Deal seine Produkte weltweit vermarkten zu können.

Peinliche Schlagzeilen gelten Italiens IT-Konzern Nummer eins, Olivetti. Der wegen Beteiligung an einem betrügerischen Bankrott verurteilte Firmenchef Carlo De Benedetti zieht sich widerwillig zurück und übergibt das Ruder an Francesco Caio, der das Unternehmen zu einem weltweiten Telecom-Player umformen soll.

Caio steht vor einem Scherbenhaufen und muß der Öffentlichkeit ein katastrophales Geschäftsergebnis vermelden. Nach nur 70 Tagen räumt er den Stuhl für Roberto Colaninno, ein enger Vertrauter De Benedettis. Zu seinen Sanierungsmaßnahmen gehören der Rückzug aus dem PC-Geschäft, an dem später der US-Anbieter Centenary Interesse zeigt, und die Aufgabe diverser Beteiligungen.

Mit Online-Diensten Geld zu verdienen ist eine Kunst, die bisher niemand so recht beherrscht. Besonders schlecht ist die Stimmung im Münchner Burda-Verlag, wo alle finanziellen Zuschüsse für die Anschubfinanzierung von Europe Online gestoppt und ein Ausstieg aus der europäischen Dachgesellschaft in Luxemburg beschlossen werden. Wenig später bereitet der Konkursrichter dem Dienst ein jähes Ende.

Unter Hochdruck arbeitet Microsoft im Sommer 1996 daran, den Vorsprung des Internet-Erzrivalen Netscape aufzuholen. Abgesehen von einer mangelnden Java-Unterstützung und wenigen fehlenden Usenet- und Mail-Eigenschaften gelingt es Gates, mit Version 3 des "Internet Explorer" zum Konkurrenzprodukt "Navigator 3" aufzuschließen. Viel Beachtung findet die Ankündigung von Microsoft, den Windows-95-Nachfolger "Nashville" mit Browser-Eigenschaften auszustatten.

August

Die Auseinandersetzung zwischen Netscape und Microsoft findet nicht nur im Markt, sondern auch vor Gericht statt. Microsoft bediene sich unsauberer Geschäftspraktiken, um den Internet Explorer in den Markt zu drücken, behaupten die Net scape-Anwälte, die das US-Justizministerium um Hilfe bitten. Gates bringe seine überwiegend abhängigen OEM-Partner mit lukrativen Discounts, aber auch mit massivem Druck dazu, die Microsoft-Software zu vermarkten.

Errungenschaft oder Strafe? Immer mehr IT-Manager empfinden Umfragen zufolge das Internet als Geißel, weil es sie davon abhält, ihren eigentlichen Aufgaben nachzugehen. Von der Geschäftsführung und den Fachabteilungen wächst der Druck auf die IT-Mannschaften, die von Theoretikern beschworene neue WWW-Welt Wirklichkeit werden zu lassen. Niemand hat angesichts der Medieneuphorie mehr den Durchblick, was machbar ist - die IT-Profis sind die Leidtragenden.

Verwirrung herrscht auch bezüglich künftiger Objektstandards. Der von der Object Ma- nagement Group (OMG) entwickelte Common Object Request Broker Architecture (Corba) erwächst Konkurrenz seitens Microsofts. Gates möchte das Distributed Common Object Model (DCOM) durchsetzen und gibt dafür sogar die Internet-Objekttechnik Active X zur Standardisierung frei.

Die Wiederauferstehung der IBM nimmt ihren Lauf: Im zweiten Quartal 1996 wurde mit 18,2 Milliarden Dollar das Vorjahresergebnis deutlich übertroffen - Analysten feiern, die Börse reagiert euphorisch. Auch bei der SAP scheint die Welt noch in Ordnung: Mit einem Umsatzplus von rund 38 Prozent im ersten Halbjahr 1996 sieht sich Hopp vorerst "im Zielkorridor".

Big Blue verfolgt eine neue Strategie, um den Standardsoftwaremarkt zu bearbeiten. Bereits seit zwei Jahren, so wird jetzt bekannt, arbeitet IBM an einer Serie von Applikations-Frameworks, die gemeinsam mit 50 anderen Herstellern unter der Bezeichnung "San Francisco" entwickelt werden. Dabei setzt die Gruppe die Programmiersprachen C, C++, vor allem aber Java ein. Auffällig viele Partner waren vorher an der MAS-90-Entwicklung beteiligt.

Gehen oder bleiben? Andy Ludwicks, CEO und President der Internetworking-Company Bay Networks, kann sich nicht so recht entscheiden. Nach dem Zusammenschluß von Wellfleet und Synoptics soll sich Ludwicks einige strategische Fehlentscheidungen geleistet haben, heißt es. Im Oktober wirft er schließlich nach einem schwachen Quartalsergebnis definitiv das Handtuch.

Von Kopf bis Fuß auf Componentware eingestellt zeigt sich die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI). Auf Basis der Entwicklungsumgebung "Comunity" sollen Anwender künftig im schnellen Objektverfahren ihre Programme stricken. SNI selbst nutzt die Entwicklungssoftware, um eine nagelneue Comet-Version herauszubringen. Für komplexe Client-Server-Anwendungen integrieren die Münchner das High-end-Tool "Composer" von Texas Instruments.

Während bei SNI Optimismus herrscht, geht die mehrheitlich vom Viag-Konzern gehaltene Computer-Großhandelsgesellschaft Computer 2000 schweren Zeiten entgegen.

Nach einer verschobenen Kapitalerhöhung kündigen die Münchner nun an, für 1995/96 werde keine Dividende ausgeschüttet.

Ganz klein erscheint eine Meldung in der internationalen Fachpresse - wohl, weil ohnehin niemand mehr etwas anderes erwartet hatte: Microsoft legt das jahrelang angekündigte objektorientierte Betriebssystem "Cairo" zu den Akten und behauptet, es habe sich stets nur um eine Vision und nie um eine ernstzunehmende Entwicklung gehandelt. Die Resultate der bisherigen Programmierarbeit sollen in die Betriebssysteme Windows NT, Version 4 und 5, eingebaut werden.

Apple kommt mit seinem Betriebssystem Mac-OS 8, besser bekannt unter dem Codenamen "Copland", ebenfalls nicht zu Rande. Da vor 1998 mit keiner endgültigen Version des Microkernel-basierten Systems zu rechnen ist, kündigt Apple für Januar die für den Internet-Einsatz optimierte vorläufige Version "Harmony" an, die allerdings noch kaum Funktionen aus der Copland-Entwicklung beinhalten wird. Diese sollen Mitte 1997 in das nachfolgende Release "Tempo" einfließen.

Datenbankkrösus Oracle strafft seine außeramerikanischen Aktivitäten und führt eine neue Organisation ein, die mit einem Machtverlust für nationale Geschäftsführungen verbunden ist. Als "starken Mann" an der Spitze des Europa-Geschäfts hat die Company mit Pier Carlo Falotti einen alten Hasen im Datenbankgeschäft angeheuert.

An der Unix-Front rüsten sich die Hersteller mit 64-Bit-Versionen ihrer Derivate gegen die Attacke von Microsoft mit Windows NT. Hewlett-Packard und SCO veröffentlichen Programmier-Schnittstellen (APIs), damit unabhängige Softwarehäuser ihre Produkte für das Netz- und System-Management auf die leistungsstärkeren Unix-Varianten portieren.

Der japanische Mischkonzern Softbank sichert sich durch die 80prozentige Übernahme der amerikanischen Kingston Technology Corp. eine gute Position im Markt für Speicherplatten. Es gibt fast nichts, was Softbank nicht macht: Softwaredistribution, Herausgabe von Computerzeitschriften und -büchern, Veranstaltung von High-Tech-Messen (Comdex), Beteiligung an Internet-Firmen wie Yahoo und Cybercash etc.

In Hannover feiert die CeBIT Home ihr Debüt, ein gigantisches Medienspektakel für Home-Anwender, das vor allem Unterhaltungswert hat. Über 200 000 Besucher - Durchschnittsalter 21 - stürmen die Messehallen ein voller Erfolg, wie Messechef Hubert Lange in seiner Bilanz zu Protokoll gibt.

September

Der Rücktritt von Novell-Chef Bob Frankenberg bewegt die Gemüter. Seinen 6000 Mitarbeitern hinterläßt er ein abgespecktes, an Visionen armes Unternehmen, irritierte Kunden und eine Aktie im Keller. Alle Kräfte werden jetzt auf das Thema Intranet gelenkt - Microsoft und Netscape sind die Gegner, denen der neue President Joseph Marengi vehement Paroli bieten möchte.

Auf einer Kundenveranstaltung in Philadelphia stellt die SAP AG ihre Internet-Pläne und die neue R/3-Version 4.0 vor. Darin sollen Kernfunktionen von R/3 als Komponenten vorliegen, heißt es. Als solche werden Personalwirtschaft, Produktdaten-Management, Treasury, Reporting und Auftragsverfolgung bezeichnet. Außerdem wird es bis Ende 1997 rund 180 nur zum Teil selbstentwickelte Business-Objekte für die Abwicklung von Transaktionen im World Wide Web geben.

Allen Bemühungen zum Trotz gelingt es der SAP bisher kaum, in den Mittelstand vorzudringen. Die 29 deutschen R/3-Systemhäuser konnten in den vergangenen anderthalb Jahren nur 127 Kunden von den Vorzügen der betriebswirtschaftlichen Standardsoftware überzeugen.

Erstmals treten im Spätsommer Gerüchte auf, denen zufolge Apple an eine Übernahme der kalifornischen Softwareschmiede Be Inc. denkt. Deren Betriebssystem "Be-OS" gilt als großer Wurf es könnte die offenbar festgefahrene Copland-Entwicklung deutlich beleben, vielleicht sogar überflüssig machen.

Die Hardwarezukunft gehört dem Cluster - die IBM belegt dies mit ihrem "Phoenix"-Projekt. Dabei handelt es sich um eine Software, mit der ab 1997 bis zu 128 RS/6000-Systeme gekoppelt werden können. Die Software überwacht angeblich nicht nur Hardware-Ausfälle, sie kontrolliert auch das Betriebssystem und behebt bestimmte Applikationsprobleme.

Mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhält Big Blue jedoch für die offizielle Vorstellung des ersten Netzwerk-Computers (NC). Rund 700 Dollar soll die vom Terminalhersteller Network Computing Devices (NCD) gefertigte "Network Station" kosten. Windows-, Unix- und X-Window-Applikationen können angeblich auf dem Gerät laufen - dennoch positioniert Big Blue den NC erklärtermaßen als Terminalersatz. Eine eigene Geschäftseinheit, die sich um die Vermarktung der Network Station kümmern soll, wird wenig später ins Leben gerufen.

"Appfoundry" tauft Netscape eine Serie von zunächst 21 Java-Applets, die sich Anwender kostenlos samt Sourcecode vom Web-Server herunterladen können. Praxisnahe Lösungen stehen dabei im Vordergrund: zum Beispiel ein Reservierungsprogramm für Konferenzräume, ein unternehmensweiter Terminplaner oder eine Anwendung zur Überprüfung des Status einer Bestellung.

Siemens-Nixdorf will einen Strich unter das düstere "Comet"-Kapitel ziehen. Die Anwender der veralteten Standardsoftware sollen ab 1999 auf einen einheitlichen Release-Stand 3.2 gebracht werden - möglichst auf Basis einer Unix- oder NT-Rechnerplattform. Für Aufregung sorgt die SNI-Feststellung, daß sich die proprietäre Rechnerarchitektur "8870/ Quattro" für dieses Release, das allein den Wechsel in das Jahr 2000 ermögliche, nur noch "bedingt" eigne.

Marketing ist das A und O - eine Binsenweisheit, die diesmal von Microsoft bestätigt wird. Die Workstation- und Server-Versionen von Windows NT unterscheiden sich technisch nur minimal. Der Preis für eine Server-Variante ist jedoch viermal so hoch wie der für ein Workstation-System. Mit dieser Enthüllung füllt Andrew Schulman von O'Reilly Associates das Sommerloch. Bei NT handle es sich generell um ein Betriebssystem, das in zwei unterschiedlichen Modi laufen könne.

Die Gates-Company selbst erhöht derweil die Schlagzahl im Rennen um die Vorherrschaft im PC-Server-Markt. NT 5.0 soll einen Verzeichnisdienst ê la Ban- yans "Streettalk" mitbringen. Bisher fehlten dem Betriebssystem die so wichtigen Directory-Services - der Grund, weshalb sich Novell bei den Netz-Betriebssystemen noch immer klar in Front wähnt.

In Sachen Komponententechnik bildet sich um die Hersteller IBM, Sun und Apple eine Opposition gegen Microsoft. "Opendoc" soll mit Suns "Javabeans" zusammengeführt werden, um einem durchschlagenden Erfolg der Microsoft-Alternative Active X entgegenzuwirken. Künftig lassen sich mit der Opendoc-Technik Internet-Inhalte wie Java-Applets, aber auch Active-X-Komponenten in Desktop-Anwendungen einbinden.

Oktober

Wie leicht sich ein Netzwerk-Computer aus dem Ärmel schütteln läßt, demonstriert Siemens-Nixdorf: Die Münchner verkaufen einen Pentium-basierten PC ohne Festplatte als Internet- und Intranet-Arbeitsplatzsystem. Einen Haken hat der "Scenic Pro Net" allerdings: Er kostet rund 2000 Mark. Dafür kann man einen vollwertigen PC kaufen - mit Festplatte..Für eine Überraschung sorgt Microsoft mit der Ankündigung, die Objekttechnik Active X einschließlich Sourcecode und Urheberrechten an die Standardisierungsorganisation The Open Group zu übergeben, um sie für andere Plattformen zu öffnen. Ein interessanter Schachzug, denn bisher stand die Open Group der Object Management Group (OMG) nahe, deren Corba-Spezifikation mit der proprietären Microsoft-Technik konkurriert. Nun ist völlig offen, welchen Standard die in Microsoft-Gegner und -Befürworter gespaltene Industrie akzeptieren wird. Seitens IBMs und Suns regt sich Widerstand in der Open Group. Der Vorwurf: Microsoft wolle längst vorhandene Standards wie DCE oder Corba aus höchst eigennützigen Gründen neu erfinden. Andererseits gesellen sich Netscape und Sun zu Microsoft, Intel und anderen, um an einem Standard für die Verwaltung heterogener Systeme, Netzwerke und Anwendungen per Browser mitzuarbeiten.

Gerüchte ranken sich um den Traditionsanbieter Wang Laboratories, der mit Kodak über den Verkauf seines Document-Imaging-Geschäfts verhandeln soll. Der nach IBM und Filenet größte Imaging-Anbieter würde damit das Herzstück seiner Produktpalette abgeben - ein Szenario, das Branchenkenner ratlos zurückläßt. Gerade das Bildverarbeitungsgeschäft war es, das Wang aus einer jahrelangen Krise geholt hatte.

Erstmals nach nur einjähriger Pause findet die DV-Messe Systems statt, doch viele Hersteller bleiben dem Ereignis fern. Hewlett-Packard, NCR, Compaq, Software AG, Seagate, Texas Instruments, Adobe und viele andere geben den Münchnern einen Korb und konzentrieren sich ganz auf die CeBIT.

Von den Möglichkeiten der Intranets ist überall die Rede. Die COMPUTERWOCHE will wissen, wie es deutsche Anwender mit dem firmenweiten Einsatz von Internet-Technologien halten, und startet eine Umfrage. Immerhin die Hälfte von über 440 antwortenden Firmen schmieden demnach konkrete Pläne, rund zehn Prozent betreiben bereits ein Inranet.

Trotz der drückenden Microsoft-Dominanz glaubt Wordperfect-Eigner Corel an eine Zukunft im Markt für Office-Suites. Die Kanadier übernehmen die PC-Datenbank "Paradox" von Borland, um ihr Angebot zu vervollständigen. Bisher konnte im Rahmen der Bürosuite "Corel Office Professional" lediglich eine in Lizenz genommene Paradox-Version offeriert werden.

Cui bono - diese Frage wird bezüglich des Internet immer häufiger gestellt. Die Antwort fällt leicht: den Herstellern. Das Internet-Engagement in den Unternehmen führt zu deutlich höheren IT-Budgets, so das Ergebnis einer IDG-Studie. Ein weiteres Resultat: In den USA werden höhere IT-Ausgaben genehmigt als in Europa und Deutschland.

November

Sogar den Boulevardgazetten ist die SAP in diesen Tagen eine Schlagzeile wert: Nach einem unerwartet schwachen Sommerquartal korrigieren die Walldorfer ihre Umsatzerwartung für 1996 von 3,8 auf 3,5 Milliarden Mark herunter - ein Vorgang, der mit einer rasanten Talfahrt an der Börse quittiert wird. Die SAP verliert rund ein Viertel ihres Unternehmenswertes. Deutlich bessere Zwischenergebnisse erzielen die Wettbewerber Baan und Peoplesoft, die allerdings umsatzmäßig weit hinter den Walldorfern herhinken.

Die Polarisierung der Branche hält an: Allen Hakeleien in der Vergangenheit zum Trotz üben Oracle und Netscape jetzt einen Schulterschluß, um Microsoft im Internet-Geschäft den Kampf anzusagen. Oracle will seine NCs mit dem Navigator ausliefern, im Gegenzug soll Netscape Oracles Datenbanksoftware "Universal Server" in eine Reihe von Softwarepaketen aufnehmen, die für Firmenkunden zusammengestellt wurden. Seinen eigenen "Power- browser" gibt Oracle auf und entscheidet sich für Netscapes Navigator als strategisches Produkt.

Das Thema NC läßt nun auch Microsoft nicht mehr kalt: Die Softwareschmiede konkretisiert ihre Pläne, einen "Simply Interactive PC" herauszubringen - im Kern ein 100-Megahertz-Pentium-PC mit Windows 95 oder NT. Offenbar will Gates im Vorfeld der Ankündigung von Suns "Javastation" signalisieren, daß die Forderung des Marktes nach einem bedienfreundlichen, preiswerten Endgerät auch bei ihm angekommen ist.

Der wenig später präsentierte NC von Sun basiert auf einer CPU vom Typ "Microsparc II" und kommt ohne Festplatte, Disketten- oder CD-ROM-Laufwerk aus. Die Javastation arbeitet mit dem Betriebssystem "Java-OS" und soll mit dem Programmpaket "Hot Java Views" beim Kunden ankommen. Für die Initiative des Wintel-Lagers hat Sun-Chef Scott McNealy nur Spott übrig: "Ich bezeichne ihn als PC in einem Korsett, mit fest angezogenen Schnüren und einem roten Gesicht."

Auch der kanadische Office-Spezialist Corel kündigt einen Network Computer an. Der "Corel Video NC" basiert auf dem Power-PC-Chip von Motorola und arbeitet mit der Java Virtual Machine von Sun.

Eine Elefantenhochzeit am Telecom-Markt sorgt für Aufsehen. Nachdem Cable & Wireless nicht zu haben war, schickt sich British Telecom nun an, den amerikanischen Carrier MCI zu schlukken. Seit 1994 halten die Briten bereits 20 Prozent der MCI-Anteile. Das rund 22 Milliarden Dollar schwere Geschäft zählt zu den größten Fusionen aller Zeiten.

Wer vom Windows-NT-Boom profitieren will, muß Intel-Rechner verkaufen, oder er geht ein Risiko ein. So kündigt Microsoft an, die RISC-Plattform Mips nicht länger zu bedienen. Anwender eines RM-Servers von SNI müssen nun darüber nachdenken, auf die Intel-Systeme der "Primergy"-Server zu wechseln. Auch die Power-PC-Plattform steht demnächst nicht mehr für den NT-Einsatz zur Verfügung. Bleibt nur noch Digitals Alpha-Chip.

Die Software AG überträgt die Verantwortung für ihr PPS-Softwarepaket "Prodis" an die Tochtergesellschaft SAG Systemhaus GmbH und nährt damit die Befürchtungen der Anwender, daß diesem Produkt keine Zukunft beschieden ist. Längerfristige Release-Pläne gibt es nicht mehr - Anwender fürchten, selbst investieren zu müssen, um das System aktuell zu halten.

Vom Ausverkauf bei Olivetti profitiert die deutsche Mannesmann AG: Sie erwirbt für 432 Millionen Mark einen achtprozentigenAnteil am Mailänder Mobilfunk-Netzbetreiber Omnitel. Olivetti hält jedoch weiterhin über 50 Prozent an seinem Firmenschmuckstück. Die Mannesmann Eurokom GmbH trennt sich derweil ebenso wie die Deutsche Bank von ihren Anteilen an dem Internet-Service-Provider Eunet Deutschland, der nun zu 100 Prozent in Besitz der Uunet Technologies Inc. ist, einer Tochter des TK-Unternehmens MFS Communications.

Über die Tochtergesellschaft Lotus Development versucht Big Blue, Microsoft Paroli zu bieten. Mit dem Office-Paket "Smart- suite", das zu Dumping-Preisen (99 Dollar) angeboten wird, soll Gates das außerordentlich lukrative Geschäft mit der "Office"-Suite verhagelt werden. Auf diese Weise hofft IBM, Microsofts Aufstieg in die Unternehmens-DV behindern zu können.

Auf der Herbst-Comdex in Las Vegas dreht sich alles um Microsofts Betriebssystem Windows CE, ein für Handheld-Computer optimiertes 32-Bit-System. Wie immer braucht sich Gates keine Sorgen zu machen, daß es an Anwendungen oder entsprechenden Geräten fehlen könnte. Heiß diskutiert wird im Spielerparadies auch Netscapes "Constellation", die Universal-Oberfläche für Clients aller Art, die aus jedem Endgerät einen "Nettop" statt eines Desktops macht. Der "Universal Client" ist damit keine Utopie mehr.

Hierzulande ist in der Softwarebranche die rund 37 Millionen Mark teure Übernahme des Münchner Repository-Spezialisten R&O durch die Viasoft Inc. Thema Nummer eins. Die Amerikaner interessieren sich für das Produkt "Rochade", weil sie in ihren großangelegten Re-Engineering-Projekten zum Thema DV-Umstellung auf das Jahr 2000 ein System für die Verwaltung von anfallenden Entwicklungsdaten benötigen.

Seit Wochen verführt der Schauspieler Manfred Krug die deutsche TV-Gemeinde in Werbespots zum Kauf der Telekom-Aktie. Und tatsächlich stürzen sich die ansonsten eher risikoscheuen Anleger auf die T-Aktie und treiben den bereits hohen Ausgabepreis von 28,50 Mark am ersten Tag auf einen Kassakurs von 33,20 Mark. Kein Zweifel, going public hat sich für den Konzern gelohnt.

Dezember

Ein voller Erfolg für die Anwender ist das jährliche Treffen der AS/400-Benutzervereinigung Common e.V. - für die IBM-Repräsentanten gerät es zu einem einzigen Spießrutenlauf. Die Kunden machen kein Hehl aus ihrem Ärger über ein fehlerhaftes OS/400-Betriebssystem, mangelhaften Support, überteuerten Service und den unnötig komplizierten Umstieg auf die neue RISC-Architektur.

Sorgen machen sich die rund 2800 Mitarbeiter der deutschen Digital-Dependance, nachdem aus der US-Zentrale die Order kam, die Kosten deutlich zu senken. Um den Wünschen der Muttergesellschaft gerecht zu werden, müßten eigentlich 400 Arbeitsplätze abgebaut werden - dies wollen das Management und der Betriebsrat jedoch unbedingt verhindern.

Besser gelaunt zeigen sich die Mitarbeiter von Novell: Allen Unkenrufen zum Trotz wird im dritten Quartal ein Gewinn von 59 Millionen Dollar bei Einnahmen von 384 Millionen Dollar eingefahren. Allerdings lassen sich Marktbeobachter von diesen Zahlen nicht blenden: Der Umsatz fiel im Fiskaljahr 1996 gegenüber dem Vorjahr um 33 Prozent, der Gewinn nach Steuern sogar um 63 Prozent. Kritiker fühlen sich in ihrer Annahme bestätigt, daß Novell dem Triumphzug von Microsoft mit Windows NT nicht viel entgegenzusetzen hat.

Um die Verbreitung von Java nicht zu behindern, wollen sich Microsoft und Netscape an einen Tisch setzen und eine einheitliche Scriptingsprache freigeben. Möglicherweise wird dies sogar Microsofts Makrosprache "Jscript", die sich - verschmolzen mit Visual Basic Script - als Standard etablieren könnte. Unbehagen bei der Konkurrenz verursacht dagegen Microsofts Interesse, einen Java-Compiler herauszubringen, der ausschließlich Windows-Code erstellt. Dahinter könnte der Versuch stecken, Java zu einer proprietären Sprache zu machen, argwöhnt der Wettbewerb.

Auf dem Wege zu einem Enterprise-Computing-Spezialisten hat sich Compaq bereits einige Netz-Companies einverleibt. Nun scheint der PC-Hersteller an der Tandem-Tochter UB Networks interessiert - allerdings werden Verhandlungen von Compaq weder bestätigt noch dementiert.

Nach zahlreichen Ankündigungen machen SAP und IBM endlich ernst: Großrechner mit dem IBM-Datenbanksystem DB2 können jetzt als Datenbank-Server in R/3-Umgebungen zum Einsatz kommen. Ob IBM-Mainframes demnächst auch als Anwendungs-Server dienen können, ist noch nicht entschieden.

"Autocad"-Anbieter Autodesk strebt in das Applikationsgeschäft. Die Übernahme der Softdesk Inc. soll dem Unternehmen die Rechte an diversen Anwendungen für die Architektur- und Ingenieurbranche sichern. Vorbehaltlich der Zustimmung von Softdesk-Teilhabern und US-Behörden wird der 72-Millionen-Dollar-Deal voraussichtlich im März nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Corel-Chef Cowpland

CW: Was halten Sie von Microsoft Active X?

Cowpland: Ich nenne es Captive X. Es läuft doch beispielsweise gar nicht unter Windows 3.x. Weltweit existieren aber noch rund 80 Millionen Anwender des 16-Bit-Betriebssystems. Active X hat einfach keine Chance gegen Java. Java läuft schließlich auf 28 Plattformen, Active X nur auf einer oder vielleicht zwei. Außerdem lassen sich Java-Programme innerhalb von sechs Wochen auf einen neuen Chip portieren. Versuchen Sie das mal mit Active X. Microsoft beschreitet mit Active X und Exchange wieder einmal einen sehr proprietären Weg, während sich die gesamte Welt nach offenen Internet-Standards richtet.