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20.12.1996 - 

Jahresrückblick

1996: Das Internet verändert die IT-Welt

Januar

Sorge und Euphorie mischen sich angesichts der rasanten Verbreitung von Internet-Techniken: Knapp 43 Prozent der Anwender, so ermittelt Dataquest in einer weltweit angelegten Umfrage, fürchten Sicherheitsprobleme, und 37,5 Prozent sind besorgt, Produktivitätseinbußen hinnehmen zu müssen.

Die Marketiers der großen DV-Unternehmen reagieren auf den Boom. SAP kündigt an, auf die Module für Vertrieb, Einkauf und Lagerhaltung werde binnen eines Jahres der Zugriff per WWW-Browser möglich. Um Internet-fähige Anwendungen zu erstellen, nimmt die größte deutsche Softwareschmiede die Programmiersprachen Java und Visual Basic Script in Lizenz.

Datenbankproduzent Oracle, seit der Comdex ´95 in der selbstauferlegten Pflicht, einen Network Computer (NC) herauszubringen, beauftragt den englischen Rechnerhersteller Acorn mit dem Bau eines Prototypen. Da mag Microsoft nicht zurückstehen: Pläne eines "Simply Interactive PC" dringen an die Öffentlichkeit. Was dahintersteckt, weiß noch niemand so genau - jedenfalls soll ein vollwertiger PC mit einem leichter zu bedienenden 32-Bit-Betriebssystem als den bisher bekannten verkauft werden.

Ebenfalls auf das Internet zielt Microsoft mit der Übernahme der US-Softwareschmiede Vermeer Technologies Inc.: Das WWW-Authoring-Tool "Frontpage", mit dem sich Web-Seiten gestalten lassen, soll zu einer Komponente der Bürosuite Office werden.

Schlagzeilen über Online-Dienste prägen das Bild der Fachpublikationen. Für Aufregung sorgen beispielsweise Sicherheitslücken in den Windows-Betriebssystemen, die es Hackern ermöglichen, Paßwörter für den Zugang zum Online-Dienst Compuserve aufzustöbern und auf Kosten anderer zu surfen. Wer nicht weiß, wie es geht, schaut einfach auf dem Data-Highway nach: Dort ist ein Basic-Programm zu finden, mit dem Anwender mühelos Compuserve-Paßwörter knacken können.

Compuserve selbst hat auch an anderer Stelle zu kämpfen: Unter Protesten aus der gesamten Online-Gemeinde sperrt der Dienst den Zugang zu rund 200 Internet-Newsgroups, weil dort illegales pornografisches Material zu finden ist. Sauer sind vor allem die amerikanischen Anwender, die Zensur und Verrat wittern. Äußerster Ausdruck des Protests: Deutsches Bier wird - so oder so - demonstrativ vernichtet...

Während die Internet-Welle noch anrollt, hat sich die Client-Server-Woge schon über die meisten Unternehmen ausgebreitet. Von der Hoffnung, ihre IT-Kosten reduzieren zu können, haben sich die Anwender allerdings verabschiedet. Es geht ihnen jetzt primär darum, organisatorische Abläufe zu verbessern, Geschäftsprozesse kontrollierbar zu gestalten und die Produktivität der Benutzer zu erhöhen. Auch wenn der Main- frame-Markt in diesem Szenario eine Renaissance erlebt, sind sich die Analysten der IDC sicher: Das Strohfeuer wird bereits kurz nach der Jahrtausendwende erlöschen.

Nachdem Novell angekündigt hat, sich von seiner Wordperfect-Division zu trennen, brodelt die Gerüchteküche. Verschiedene Übernahmekandidaten werden gehandelt, darunter die Bostoner Venture-Capital-Gesellschaft Bain Capital, die verschiedene Investoren vertritt. Auch IBM und Oracle sind im Gespräch, doch schließlich erwirbt der kanadische Grafikspezialist Corel den Geschäftsbereich rund um die Textverarbeitung. Im Gegenzug beteiligt sich Novell mit 20 Prozent an der Softwareschmiede aus Ottawa.

Die Softwarebranche steht zu Jahresbeginn gut da: Umsatz und Gewinn nahmen bei den Großen der Branche wie Microsoft, Computer Associates, Oracle oder Informix um teilweise bis zu 40 Prozent zu. Dennoch gibt es auch Softwerker mit existentiellen Problemen. So muß Datenbank- und Tool-Anbieter Gupta umstrukturieren und Mitarbeiter entlassen. Firmengründer Umang Gupta räumt den Chefsessel, und das Unternehmen kündigt an, sich künftig nach der neuen Produktlinie "Centura" zu benennen.

Hierzulande ist bei der Stuttgarter Strässle-Gruppe Feuer unterm Dach, denn der neue Geschäftsführer Burkhard Vogel kehrt mit eisernem Besen. Nach dem Kassensturz beschließt er, Software für Archivierung, Personal-Management und geografische Informationssysteme auszumustern und sich voll auf CAD/CAM, Fertigungssteuerung und PPS zu konzentrieren. Die Mitglieder der Geschäftsleitung Frank-Thilo Zimmermann und Gerhard Wendlik ziehen sich zurück.

NCR is back - hinter dieser Parole des AT&T-Managements verbirgt sich die schlichte Tatsache, daß die Umtaufung der IT-Tochtergesellschaft NCR in "AT&T Global Information Solutions" (GIS) als Fehler erkannt wurde. NCR hatte sich mit dem neuen Namen schwer getan, mit Telecom-Gesellschaften zu kooperieren, die nicht zum AT&T-Konzern gehören - ein Umstand, der auch bei Kunden Unruhe auslöste. Zur Profitabilität ist die von Krisen erschütterte Traditionsfirma noch nicht zurückgekehrt.

Auch Apple steht das Wasser bis zum Hals - zum blanken Entsetzen der überaus loyalen Fan-Gemeinde. Quartalsverluste, Massenentlassungen, Stühlerücken im Management und eine Aktie im Sturzflug sind Fakten, die bei Mitarbeitern und Anwendern tiefe Verunsicherung hervorrufen. Zwar wird Apple nicht, wie bereits spekuliert, von Sun Microsystems oder IBM aufgekauft, doch der deutsche Geschäftsführer Michael Spindler - genannt "The Diesel" - muß für den Sanierer Gilbert Amelio das Feld räumen.

Die Beteiligungsverhältnisse von Debis und Cap Gemini klären sich - zumindest für Insider. Ersparen wir uns die quälenden Details und verraten nur soviel: Die Debis AG ist mit knapp 25 Prozent an einer reorganisierten Cap Gemini Sogeti beteiligt, die ihrerseits 19,6 Prozent am Debis Systemhaus hält.

Februar

Ein neuer Stern am Börsenhimmel geht auf: der US-Internet-Pionier Netscape. Seit dem Börsengang im August 1995 hat sich der Kurswert vervierfacht - und ein Ende des Höhenflugs ist noch nicht in Sicht. Von Euphorie kann dagegen bei der Software AG, insbesondere bei deren Gründer Peter Schnell, keine Rede sein. In Erwartung relativ schlechter Geschäftsergebnisse kündigt er seinen Mitarbeitern mit großer Geste an, zurückzutreten. Im Vorstand sei ein Generationswechsel notwendig er maße sich nicht an, den notwendigen Wandel im Alleingang bewerkstelligen zu können.

Von Sorgen geplagt ist auch Netzspezialist Novell: Nachdem Wordperfect an Corel abgegeben wurde und das Unix-Betriebssystem Unixware an SCO ging, wird nun mit "Tuxedo" der Prototyp aller unter Unix lauffähigen OLTP-Monitore an die US-Neugründung Bea Systems verkauft. Da Microsoft sich anschickt, mit Windows NT die Netware-Basis anzugreifen, kontert Novell mit einer internen Reorganisation und der Ankündigung, das Produktjuwel "Novell Directory Services" (NDS) auf diverse Plattformen zu portieren. Auch mit neuen Internet- und Intranet-Produkten will Novell dem übermächtigen Konkurrenten die Stirn bieten.

Eine andere Softwareschmiede macht durch Übernahmen in bestem CA-Stil von sich reden: Platinum Technology, Tool-Anbieter für Client-Server-Umgebungen - übernimmt die Softwarehäuser Prodea und Advanced Systems. Das Besondere daran: Es handelt sich um die Akquisitionen Nummer 26 und 27.

Datenbankhersteller Informix wappnet sich für die Zukunft: Analysten interpretieren die Übernahme des kalifornischen Softwarehauses Illustra als äußerst geschickten Schachzug. Als Anbieter eines Abfragesystems für komplexe Datenstrukturen ergänzt Illustra das relationale Datenbanksystem von Informix um Eigenschaften, die das Speichern und Wiederfinden von multimedialen Daten aller Art erheblich erleichtern. Offiziell wird die Übernahmesumme nicht mitgeteilt, inoffiziell ist von 400 Millionen Dollar die Rede - viel Geld für eine nur vier Jahre alte Start-up-Company mit nicht mehr als 150 Mitarbeitern...

Eine Frischzellenkur in Sachen Middleware verordnet sich derweil die IBM: Exakt 743 Millionen Dollar läßt sich Big Blue den System-Management-Spezialisten Tivoli Systems kosten. Allem Anschein nach kommt IBM mit der eigenen objektorientierten System-Management-Umgebung "Karat" nicht vom Fleck und kauft sich deshalb mit der innovativen "Tivoli Management Environment" externes Know-how. Auch im Smalltalk-Markt verstärkt die IBM ihre Präsenz - durch die Übernahme der kanadischen Object Technology International Inc.

Im Hardwaregeschäft kristallisiert sich eine erdrückende Marktüberlegenheit des Intel-Chips heraus. Überrascht nimmt die Branche ein Abkommen mit Compaq zur Kenntnis, wonach die Unternehmen gegenseitig für zehn Jahre ihre Patente lizenzieren und Compaq ankündigt, sich an dem Marketing-Programm "Intel In- side" zu beteiligen. Ob die Nibelungentreue Bestand haben wird, bleibt abzuwarten - noch im Vorjahr hatte sich Compaq bitter über Intels Geschäftspraktiken beklagt und offen mit dessen Konkurrenten AMD geflirtet.

Zwar hat sich Compaq zum weltweit größten PC-Hersteller gemausert, doch ist die Konkurrenz hellwach. Die französische Groupe Bull stellt ihre PC-Tochter Zenith Data Systems unter die Leitung des amerikanischen Compaq-Herausforderers Packard Bell. Gleichzeitig erhöht der japanische Großkonzern NEC seine Beteiligung an Packard Bell auf gut 450 Millionen Dollar. Das Triumvirat entwickelt sich zu einem PC-Hersteller von Weltrang. Vier Monate später legen die NEC Corp. und Packard Bell ihre PC-Aktivitäten in dem Unternehmen "Packard Bell-NEC" endgültig zusammen.

Windows NT ist das Server-Betriebssystem, mit dem nahezu alle Hersteller von Rang, aber auch große Anwender kalkulieren - allen voran die Hoechst AG, die in den nächsten drei Jahren 60000 PCs mit dem Microsoft-Betriebssystem ausrüsten will. Zu den Herstellern, die NT für sich entdeckt haben, gehört auch die unter CEO Robert Palmer wiedererstarkte Digital Equipment Corp. Den Umsatz mit Alpha-Systemen unter NT konnte sie 1995 verdoppeln. Auch in zwei weitere Geschäftszweige setzt DEC große Hoffnung: Hochleistungsrechner auf Basis der 64-Bit-Alpha-CPU sind ebenfalls als Stütze des Geschäfts auserkoren, wie Internet-Produkte rund um das "Altavista Web".

Im Schatten von Windows NT gedeiht derweil das Unix-Pflänzchen Linux prächtig. Eine kommerzielle Variante der Freeware bringt die 1994 vom ehemaligen Novell-Chef Ray Noorda gegründete Software-Company Caldera auf den Markt. Caldera will bieten, worauf die Linux-Fans bisher immer verzichten mußten: einen professionellen Support. Nachdem der US-Konzern AT&T angekündigt hatte, sich in drei Gesellschaften aufzuteilen, ist nun klar, wie diese heißen werden: Das Telecom-Dienstleistungsgeschäft läuft weiter unter dem Namen AT&T, während das System- und Technologiegeschäft in die Gesellschaft Lucent Technologies ausgelagert wird. Die Computersparte firmiert wieder unter dem alten Namen NCR.

März

"Elefantenhochzeit im Hardwaremarkt" hätte die CW titeln können, als von der Übernahme der Supercomputer-Schmiede Cray Research durch die Silicon Graphics Inc. zu berichten war. Die 75prozentige Übernahme von Cray kostet SGI rund 570 Millionen Dollar und macht das Unternehmen - wenn auch mit zwei komplett unterschiedlichen Produktlinien - zur Nummer eins im Supercomputer-Geschäft.

Konzentration auch im Markt für Hochleistungsdrucker: Siemens-Nixdorf kündigt an, diesen Geschäftszweig für rund 800 Millionen Mark an den niederländischen Spezialisten Océ-van der Grinten abzutreten. Rund 2900 Mitarbeiter sind in diesem - profitablen - Geschäftszweig tätig. SNI trennt sich auch vom PC-Trainingsgeschäft allerdings wird dieses lediglich in eine eigene Tochtergesellschaft, die Com GmbH, ausgelagert.

Knüppeldick kommt es für die Escom AG, die für 1995 einen Verlust von 125 Millionen Mark ausweisen muß. Zum Jahreswechsel hatte die PC-Handelskette ihren Kunden und Aktionären noch versprochen, mit einem 45-Millionen-Mark-Defizit davonzukommen. Auch der Umsatz liegt mit 2,3 Milliarden Mark um rund 700 Millionen hinter dem gesteckten Ziel zurück. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob und wie sich die Beteiligungsverhältnisse zwischen Gründer Manfred Schmitt (zirka 50 Prozent), der Quelle Schickedanz AG (25,02) und SNI (zehn Prozent) verändern.

Pikantes von Microsoft: Noch vor zwei Jahren dementierte Bill Gates heftig, doch jetzt entschließt er sich dazu, seinen Softwarekonzern neu zu ordnen und dabei dem Internet-Boom Rechnung zu tragen. Fortan gibt es drei Divisions, eine davon beschäftigt sich ausschließlich mit Internet-Plattformen und -Werkzeugen. Die ehemals getrennten Geschäftsbereiche Desktop- und Business-Systeme werden verschmolzen.

Eigentlich sollte sich auch bei der IBM alles um das Internet drehen. CEO Louis Gerstner kommt seiner Vision eines Network-centric Computing näher, indem er die S/390-, AS/400- und PC-Server-Systeme jeweils mit Internet-Server-Produkten ausliefert. Interessanter ist jedoch für die meisten Kunden die Auslieferung des neuen Großrechnersystems OS/390, auf dessen Basis - im Gegensatz zum Vorgänger MVS/ESA - auch Unix-Applikationen laufen können.

Große Pläne hegt WWW-Spezialist Netscape: Nachdem Microsoft mit dem kostenlosen "Internet Information Server" die erste Runde in einem gnadenlosen Verdrängungskampf eingeläutet hat, kontert die Internet-Company mit dem "Fasttrack Server", zu dem ein kostenloses, über das Internet beziehbares WWW-Starter-Kit erhältlich ist.

Während in den USA die Internet-Kämpfe toben, steht hierzulande die CeBIT ´96 auf dem Programm. Dort sind unter anderem erste Prototypen des mit großem Ballyhoo angekündigten Network Computers (NCs) zu sehen. Allerdings rechnet niemand ernsthaft damit, daß der von Oracle, Sun und IBM beschworene Paradigmenwechsel die starke Allianz um Microsoft und Intel so bald gefährden kann. Nach Prognosen von IDC, Gartner Group und anderen Marktforschern hat der NC die Chance, zur Jahrhundertwende einen Marktanteil zwischen 15 und 25 Prozent zu erobern.

Die CeBIT ist für die Branche ein Muß - alle Firmen folgen dem Ruf der Messegesellschaft. Alle? Ein kleines unbeugsames Softwarehaus aus Ulm zeigt sich renitent. Die Wilken GmbH startet per Anzeigenkampagne eine Umfrage unter "Messe-Geschädigten". "Unsere Meinung: Zu groß, zu laut, zu viel, einfach unübersichtlich", ist dort zu lesen - und immerhin zwei Drittel der 220 antwortenden Firmen stimmen zu. Mit massivem Druck erreicht die Messegesellschaft, daß Wilken den Namen "CeBIT" nicht mehr öffentlich "diffamieren" darf - die Anzeigenserie geht jedoch weiter, der Name wird durch "xxxxx" ersetzt.

Am Ende wird alles wieder gut: Die Messe AG zählt nur noch die hochqualifizierten Fachbesucher, die Verbände VDMA, ZVEI, BVB etc. sind ebenfalls zufrieden, und die Besucher werden es wohl auch sein - warum sonst stürmen sie bei Eintrittspreisen von 50 Mark zu Hunderttausenden das Messegelände?

Bei der französischen Groupe Bull herrscht in diesen Tagen eitel Sonnenschein. Erstmals nach 1988 meldet der Konzern nach Abzug der Steuern für 1995 einen Reingewinn von knapp 306 Millionen Franc. Wermutstropfen: Der Umsatz ging im Vergleich zu 1994 von 29,9 auf 29,7 Milliarden Franc zurück.

Nicht ganz so fröhlich sind die Gesichter bei den Softwaretöchtern des schwer angeschlagenen Bremer Vulkan Verbundes. Die Geschäftsführer der Vulkan Software und Systeme GmbH (VSS) übernehmen sämtliche Anteile vom Mutterkonzern. Zur VSS gehören die Atlas Datensysteme, die wenig später in Konkurs gehende GfP Gesellschaft für Projektmanagement und die PS Systemtechnik.

Hierzulande tut sich auch das von ehemaligen Digital-Mitarbeitern gegründete Servicehaus Ditec schwer. Eine Umstrukturierung kostet 140 Beschäftigten den Arbeitsplatz. Mit nunmehr 900 Angestellten glaubt Geschäftsführer Klaus Lutz, profitabel arbeiten zu können. Besser in Form zeigt sich die Hamburger Star Division GmbH, die einen Kooperationsvertrag mit Siemens-Nixdorf und Apple abschließen kann. In der Version 3.1 verfügt das Büropaket "Star Office" bereits über Internet-Eigenschaften, die von den übermächtigen Konkurrenten Microsoft, IBM/Lotus und Corel erst noch implantiert werden müssen.

Für den Einstieg in das Corporate Business läßt sich Microsoft einiges einfallen. Die Back-Office-Produktpalette wird unter Volldampf weiterentwickelt und von der Konkurrenz immerhin so ernst genommen, daß die IBM ihren Gegenentwurf "Eagle" ankündigt. Außerdem bespricht Gates mit einem kleinen Kreis von Entwicklern Schnittstellen für die Cluster-Technologie "Wolfpack", mit der sich - irgendwann im nächsten Jahr - bis zu 16 Rechnerknoten zusammenschalten lassen sollen. Auch Digital, NCR, Tandem und Compaq arbeiten - selbständig oder gemeinsam mit Microsoft - an Cluster-Lösungen auf NT-Basis.

April

Einen herben Schlag müssen die SAP-Gründer Dietmar Hopp und Hasso Plattner einstecken, als die vor allem in den USA renommierte Marktforschungsgesellschaft Forrester Research das R/3-System als Museumsstück abqualifiziert und den Anwendern dringend empfiehlt, eine Ablösungsstrategie für die "Legacy Applications" zu erarbeiten. SAP selbst arbeite insgeheim längst an einem völlig neu konzipierten Nachfolgesystem für R/3, das spätestens 1999 vorgestellt werde. Anwender wie Börsianer sind nach dieser Mitteilung zutiefst verunsichert. SAP muß viel Arbeit und Geld investieren, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen und deutlich zu machen, daß kein R/4 geplant, man aber dennoch mit dem R/3-System auf der Höhe der Zeit sei.

Renommierte Firmen machen im April durch ausgewachsene Krisen auf sich aufmerksam: Apple muß den höchsten Quartalsverlust in der Firmengeschichte verdauen: 740 Millionen Dollar. Auch der französische Konzern Alcatel Alsthom SA steht einschließlich diverser deutscher Tochtergesellschaften mit dem Rücken zur Wand. Insgesamt 3000 Mitarbeiter sollen bis Ende 1997 entlassen werden. Alcatels Verlust belief sich 1995 auf die gigantische Summe von 25,6 Milliarden Franc.

Und schließlich brennt es bei der Escom AG noch immer lichterloh, nachdem Unternehmensgründer Manfred Schmitt nach einem katastrophal verlaufenen Geschäftsjahr 1995 ausscheidet. Er räumt den Vorstandssessel für Helmut Jost, zuvor PC-Chef der deutschen IBM-Niederlassung. Wenig später plant Escom den Verkauf der Tochtergesellschaft Amiga an die Viscorp, Chikago, einen Hersteller von Set-top-Boxen.

In der Gerüchteküche brodelt es mal wieder. Werden British Telecom (BT) und Cable & Wireless fusionieren? Für rund 12,4 Milliarden Pfund, so spekulierte man in Finanzkreisen, könnte Cable & Wireless in BT-Besitz übergehen - allerdings zeigt sich schon bald, daß die jeweiligen internationalen Verflechtungen und der Einspruch der Regulierungsbehörden einen solchen Deal nahezu unmöglich machen würden. Auch die Deutsche Telekom bemüht sich um Cable & Wireless - vergeblich.

Während hier die Verlobungen platzen, fackelt Akquisitionsprofi Cisco nicht lange und marschiert gleich vor den Traualtar: Der Router-Marktführer investiert vier Milliarden Dollar in Stratacom, Hersteller von ATM-Equipment. Nicht weniger als acht Unternehmen hat Cisco in den letzten drei Jahren übernommen, darunter Spezialisten für ISDN, Fast Ethernet, Internet etc. Die Konkurrenten IBM, 3Com und Bay Networks sehen diese Entwicklung mit Sorge und schließen sich zur "Network Interoperability Alliance" zusammen. Kunden dieser Hersteller sollen ihr Telecom-Equipment künftig ohne Kompatibilitätsprobleme in einem unternehmensweiten Netz einsetzen können.

In den USA entsteht derweil aus der Fusion von Bell Atlantic und Nynex der zweitgrößte US-Telefonkonzern, und wenige Wochen später hat Europa seine nächste Telecom-Hochzeit zu feiern: AT&T und das Unisource-Konsortium gründen ein paneuropäisches Unternehmen für Telecom- und Multimedia-Dienste. AT&T-Unisource-Services soll 5000 Mitarbeiter beschäftigen und ist zu 60 Prozent in Besitz von Unisource, dem Joint-venture mehrerer europäischer Telecom-Gesellschaften.

Auch im Softwaremarkt scheint sich eine interessante Verbindung anzubahnen: McAfee möchte den Anbieter von Sicherheitssoftware Cheyenne schlucken und unterbreitet ein Angebot von 27,5 Dollar pro Aktie. Zu wenig, meint Cheyenne-President Reijane Huai, der in dem Virenspezialisten ohnehin nicht den idealen Partner sieht. Außerdem stehe sein Haus nicht zum Verkauf. Wie schnell Meinungen wechseln können, wird deutlich, als Computer Associates sich das Unternehmen wenige Monate später einverleibt. Viel Beachtung findet auch ein weiterer Zusammenschluß im Markt für Softwaresicherheits-Produkte: RSA Data Security, Anbieter von Verschlüsselungstechnologien für das Internet, wird für rund 200 Millionen Dollar von Security Dynamics gekauft.

Im Online-Geschäft verbrennt sich mancher Anbieter die Finger - zum Beispiel der Münchner Burda-Konzern mit seinem Dienst "Europe Online". Es fehlt an einer geschlossenen Abonnentengemeinde, und die Mitgesellschafter streiten um die Finanzierung. Burda will nicht mehr "der Zahlmeister sein", wie ein Unternehmenssprecher erklärte.

Seine Unabhängigkeit erklärt IT-Dienstleister EDS, der sich von der Muttergesellschaft General Motors (GM) abnabelt. Ein Aktientausch und eine Einmalzahlung von 500 Millionen Dollar an GM belasten den DV-Dienstleister erheblich. Dafür hat EDS nun freie Bahn, um auch mit solchen Konzernen Geschäfte zu machen, die vorher aufgrund der Verflechtungen mit dem GM-Konzern tabu waren - etwa die Automobilbranche. EDS reorganisiert sich als Holding-Gesellschaft, um mit vier Töchtern gezielt Branchenschwerpunkte setzen zu können.

Oracle-Chef Larry Ellison ist bekannt für seine überzogenen Prognosen. Im Juni 1992 hatte er prophezeit, die Benutzeroberfläche der Zukunft werde nicht Windows von Microsoft, sondern ein Pen-gesteuertes System sein. Im September 1994 trommelte Ellison, bis 1997 werde Oracle 35 Prozent seiner Einnahmen mit Applikationen verbuchen. Und im April 1996 gibt der Oracle-Chef auf der europäischen User-Konferenz zu Protokoll, schon im Jahr 2000 werde der NC-Verkauf den Absatz herkömmlicher PCs übertreffen. Behält Ellison ebenso recht wie bei seinen anderen Prognosen, muß sich die Wintel-Fraktion keine Sorgen machen...

Außerordentlich positiv entwickelt sich der Arbeitsmarkt. Im ersten Quartal des Jahres lag die Zahl der Stellenangebote bei 11 076 - fast doppelt soviel wie im Vorjahr. Software-Entwickler, Systemspezialisten und Vertriebsprofis sind nach einer Erhebung des EMC Medienservice besonders gefragt. Vor allem an qualifizierten Softwerkern, die sich auf dem Gebiet der objektorientierten Programmierung auskennen, besteht ein großer Mangel.

An der Börse wird ein neuer Shooting-Star gefeiert: Ähnlich wie zuvor Netscape bringt jetzt die Yahoo Inc. die Anlegergemeinde um den Verstand. Am ersten Tag wird die Aktie mit dem dreifachen Wert des Ausgabekurses von 13 Dollar gehandelt. Die SAP dagegen hat unter den For- rester-Prognosen gelitten und muß ebenso wie Apple kräftige Einbußen hinnehmen.

Mai

Microsofts stürmischer Drang in den Midrange-Markt löst in der Branche zwiespältige Gefühle aus. Auf der einen Seite möchten alle Hersteller am Boom der Wintel-Plattformen partizipieren, andererseits mag es niemand riskieren, sich auf Gedeih und Verderb Microsoft auszuliefern. So ist es zu erklären, daß die Santa Cruz Operation (SCO) mit ihrem Versuch, Unixware als alternative Server-Plattform zu positionieren, zumindest auf dem Papier Erfolg hat.

Branchengrößen wie Compaq, Data General, ICL, Olivetti, SNI, NCR und Unisys verpflichten sich, neben NT auch Unixware zu unterstützen und die Softwarebranche dazu zu bewegen, ihre Applikationen auf die Alternativplattform zu portieren. Ironie am Rande: Intel selbst gehört zu den Herstellern, die am eifrigsten einem Unixware-Standard auf Pentium-Pro-Plattformen das Wort reden.

Im Softwaregeschäft ist ebenfalls ein heißer Kampf um Marktanteile entbrannt. Die niederländische Softwareschmiede Exact, die bereits im Februar mit dem Kauf der Münchner Bavaria Soft Datentechnik GmbH ein Bein in den deutschen Markt setzte, schickt sich an, zu einem der wichtigsten Anbieter von kaufmännischer PC-Software zu werden. Der Frankfurter Widersacher KHK wehrt sich, indem er das auf der Microsoft-Bürosuite Office 95 basierende Produkt "Office-Line" ankündigt. Microsoft hofft, auf diesem Weg weiter in den Markt für professionelle DV vordringen zu können.

Das Gerücht des Monats rankt sich um Italiens IT-Konzern Olivetti, der von Krise zu Krise stolpert. Wird die Groupe Bull Olivetti übernehmen? Erteilt Bull-Aktionär France Télécom die dazu notwendige Schützenhilfe? Wenig später zeigt sich, daß an den Spekulationen nichts dran ist.

Die SAP AG, noch immer geschockt von den Angriffen der Forrester-Research-Analysten, bekommt jetzt Schützenhilfe von Diebold. Es sei weder legitim noch fair, die bereits vorhandenen Produkte der SAP mit den Entwürfen der Konkurrenz zu vergleichen, meinen die IT-Berater. Forrester sei auf unseriöse Effekthascherei aus.

Trotz aller Probleme blickt SAP auf ein gutes Geschäftsjahr 1995 zurück. Der Umsatz stieg um 47 Prozent auf 2,7 Milliarden Mark und der Gewinn um 44 Prozent auf 405 Millionen. Für Unruhe sorgt SAP-Mitbegründer Hans-Werner Hector, der ohne vorherige Absprache mit den anderen Vorständen die ihm gehörenden rund 10,5 Prozent der gesamten Stammaktien an einen Trust auf den britischen Jersey-Inseln verkauft und auch die Stimmrechte überträgt. Damit haben unbekannte Kräfte die Chance, den SAP-Aktienkurs durch Massenverkäufe zu manipulieren.

Marktforschungsergebnisse sind nicht immer aufregend, aber in diesem Fall hat das Softwarehaus Hyperion durch eine Auftragsstudie Interessantes entdeckt: Finanzchefs entscheiden zwar über IT-Budgets mit, haben aber in der Regel keine Ahnung, welche Anschaffungen und Projekte sie bewilligen. Das Data-Warehouse wird für eine Lagerhalle gehalten, Client-Server für ein Informationssystem zwischen Anbieter und Kunde. Olap gilt unter anderem als Medikament.

Eine weitere Fusion im Telecom-Markt im Wert von rund zwei Milliarden Dollar gehen MFS Communications und der Internet-Service-Provider Uunet ein. Profiteur dieser Verbindung ist Microsoft, das zu den großen Aktionären von Uunet gehört und nach der Übernahme mit vier Prozent an MFS beteiligt ist. Das Internet-Lager befindet sich nicht mehr nur im Java-Taumel, Neugier weckt auch die AT&T-Tochter Lucent, die eine netzwerkfähige Alternative namens "Inferno" ankündigt. Zum Lieferumfang sollen neben dem Betriebssystem die Programmiersprache "Limbo" und die virtuelle Maschine "Dis" gehören.

Der IT-Markt schwenkt in weiten Teilen auf Microsoft-Kurs um, vorbei die Vorsätze, das Unix-System zum offenen Standard auszubauen. Unternehmen wie Digital, Siemens-Nixdorf, Unisys oder Hewlett-Packard segeln auf Microsoft-Kurs, und auch Tandem, führender Hersteller von fehlertoleranten Systemen, wirft unter der Führung des neuen Chefs Roel Pieper das Ruder herum. Ein Intel-Server auf NT-Basis wird angekündigt, die Middleware an Windows NT angepaßt. Bisher hatte Tandem neben proprietären Himalaya-Systemen nur Unix-Rechner auf Basis des RISC-Chips von Mips angeboten.

Gegen die Microsoft-Society tritt eine Opposition an, die mit dem Internet-PC hofft, die Ära Gates vorzeitig beenden zu können. Wer hätte gedacht, daß die IBM, wenn auch nur aus Opposition zu Microsoft, zu einem vehementen Verfechter offener Systeme werden könnte? Tatsache ist jedoch, daß Big Blue gemeinsam mit Oracle, Sun, Apple und Netscape Standards festlegt, die gewährleisten sollen, daß NC-Anwendungen auf jedem Internet-PC laufen können, sofern sie dem "Reference Profile" entsprechen. Als Basissoftware ist Suns Programmiersprache Java vorgesehen, Microsoft-Techniken haben in diesem Szenario nichts verloren.

Für Apple scheint das Internet-Geschäft besonders wichtig: Nach 100 Tagen Regentschaft packt der neue Boß Amelio aus, wie er die Apfel-Company wieder auf Vordermann bringen will. Die Geschäftsbereiche Applesoft, Applenet und Appleassist sollen künftig für Software, Internet und Kundenservice zuständig sein. Auch die Hardwareseite wird komplett neu organisiert.

Anwender in Unternehmen interessieren sich in diesen Zeiten nicht nur für das Internet, sondern auch für Data- Warehousing. Immer deutlicher zeichnet sich jedoch ab, daß mit Hilfe intelligenter Analyse- und Abfrage-Tools aus Datenbeständen Informationen generiert werden können, die einem Datenschutzbeauftragten mehr als nur ein Stirnrunzeln abringen. Der gläserne Kunde ist das Ziel - dafür geben Unternehmen Millionensummen aus. Gerichte müssen nun klären, wo die Grenzen des Erlaubten liegen.

Escoms Fall ist nicht mehr aufzuhalten. Jetzt will die Kaufhauskette Hertie statt mit Escom mit der Schadt Computertechnik GmbH zusammenarbeiten. In 34 Hertie-Niederlassungen können die Stuttgarter auf einer Shop-in-Shop-Basis ihre Proline-Rechner verkaufen.

Die Online-Dienste geraten zunehmend unter Druck. Nach Microsoft, Prodigy und AT&T gibt sich auch Compuserve dem WWW geschlagen und kündigt an, den proprietären Client aufzugeben. Bis Jahresende sollen alle Compuserve-Dienste über die gängigen Web-Server erreichbar sein, heißt es. Allein America Online (AOL), der mit sieben Millionen Anwendern größte Online-Dienst, hält noch an einem proprietären Ansatz jenseits des WWW fest.

Unter Druck steht auch die IBM mit ihrem Desktop-Betriebssystem OS/2. Die Bayerische Vereinsbank plant, ab 1997 sämtliche OS/2-Systeme durch Windows NT zu ersetzen. Dieses Projekt unterstreicht, was Marktforscher längst prophezeien: OS/2 hat keine Zukunft.

Juni

Kriecht die IBM vor Microsoft zu Kreuze? Jedenfalls sollen künftig alle Softwareprodukte im Desktop-Bereich gleichermaßen für OS/2 wie für die Windows-Welt entwickelt werden. Um den Eindruck eines Kniefalls zu entkräften, betont IBM, OS/2 bleibe weiterhin ein strategisches System. Eine Öffnung in Richtung Microsoft sei unumgänglich, weil die Anwender von IBM forderten, unternehmenskritische Applikationen mit Berücksichtigung der Desktop-Systeme von Microsoft zu entwickeln.

Mit Motorola will ein weiterer Wintel-Opponent vom Windows-NT-Boom profitieren. Das Unternehmen stellt eine ganze Serie von Power-PC-Modellen in Aussicht, die sowohl unter dem Macintosh-Betriebssystem als auch unter Windows NT 4.0 laufen. Zunächst sollen nur Großkunden bedient werden, doch Motorola liebäugelt auch mit einem mittelfristigen Einstieg in den Massenmarkt.

Wenn Microsoft irgendwo Opposition zu spüren bekommt, dann im Internet-Geschäft. IBM vertraut dabei vor allem dem Groupware-Produkt "Notes" von der Softwaretochter Lotus Development. Es soll zu einer unternehmensweiten Client-Server-Plattform ausgebaut werden. Um Notes als Publishing-System für das Internet und Intranets zu positionieren, kündigt Lotus "Domino II" an. Dabei handelt es sich um einen Web-Server, der Anfang 1998 zeitgleich mit Notes 5.0 auf den Markt kommen soll und für E-Mail, Verzeichnisdienste und Sicherheit ausschließlich Internet-Standards nutzt. Ziel von Lotus ist es, Web-Clients mit Hilfe einer Konvertierungsroutine und entsprechenden Tools vollständig in Notes-Umgebungen einzubinden.

Ungeachtet dieser Ankündigung diskutieren Anwender auf der Konferenz der Deutschen Notes User Group, ob Internet-Technologien eine Bedrohung für traditionelle Groupware darstellen. Zuviel wurde bereits in die Plattform investiert, als daß man jetzt Internet-Lösungen sehen möchte, die für einen Bruchteil des Geldes eine ähnliche Leistung bieten.

Microsoft selbst stellt mit einiger Verspätung seine Internet-Strategie vor. Das "Beste vom Web soll mit dem Besten vom PC" zusammengefaßt werden, führt Senior-Vice-President Brad Silverberg in München aus. Die Win- dows-Betriebssysteme werden - je nach Modell - mit verschiedenen Internet-Servern und -Tools ausgestattet, Office 97 kommt mit Such- und Indizierungsmechanismen für das WWW, einem Modul zur Formularerstellung und einem schlanken E-Mail-Client. Ferner nimmt der Simple Interactive PC als Gegenmodell zum Network Computer Gestalt an.

Auch die IBM möchte den Markt für Internet-Server erobern und bietet zu eigenen Hardware- und Softwareprodukten wie RS/6000 und AIX die Internet-Server von Netscape an. Mit dieser Politik tritt Big Blue Gerüchten entgegen, in jedem Fall den Notes-basierten Web-Server Domino in den Markt drücken zu wollen.

Im Geschäft mit Speichermedien deutet vieles daraufhin, daß sich die IBM den langjährigen Kontrahenten Storagetek einverleibt. Zunächst erwirbt Big Blue jedoch nur exklusive Vertriebsrechte an den DASD-Plattenprodukten "Iceberg" und "Kodiak" sowie nicht exklusive Rechte an "Arctic Fox". Diese Systeme werden nun unter IBM-Logo angeboten.

Ebenfalls in diesem Monat stellt Gates die Internet-Entwicklungsplattform "Normandy" vor, mit der Online-Dienste auf Basis von Internet-Technologien aufgebaut werden können. Außerdem arbeitet Microsoft weiter an der Eroberung des Server-Marktes. Um die eigenen Windows-Plattformen besser in die Mainframe- und Unix-dominierte Unternehmens-DV integrieren zu können, entwickelt Gates mit "Viper 96" und "Falcon" Plattformen für die Transaktionsverarbeitung .

Sollte der DV-Begriff des Jahres gewählt werden, würde neben dem Internet oder dem WWW wohl auch die Programmiersprache Java zu Ehren kommen. Sie dient nicht nur zur Erstellung Internet-fähiger Applets, sondern wegen ihrer Plattformunabhängigkeit und ihrer Sicherheitsfunktionen auch als reguläre Programmiersprache in der Unternehmens-DV. Entsprechend kündigt Sun Microsystems´ Tochtergesellschaft Javasoft eine Reihe von Erweiterungen an, die Java noch besser zum professionellen Einsatz im Unternehmen befähigen sollen. Anbieter reißen sich unterdessen um das Betriebssystem "Java-OS", das den vielen angekündigten "schlanken Internet-Endgeräten" Leben einhauchen soll.

Wer ist das größte Softwarehaus im Land? Wie in jedem Jahr erscheint die Lünendonk-Liste, und wie in jedem Jahr wird sie von der SAP AG, Walldorf, angeführt. Mit großem Abstand folgen Microsoft, Software AG, Computer Associates, Oracle, CSC Ploenzke, Novell etc.

SAP macht in diesen Tagen auch mit einer veränderten Produktpolitik auf sich aufmerksam. Vize-Vorstand Plattner kündigt anläßlich der User-Konferenz in Wien an, die drei Komponenten Finanzwesen, Logistik und Personal-Management des R/3-Pakets würden künftig getrennt entwickelt und vermarktet. Die Pakete können fortan in unterschiedlichen Release-Ständen zum Einsatz kommen und somit leichter gepflegt werden. Die Rede ist außerdem von ersten Anwendungskomponenten, die Geschäftstransaktionen im Internet ermöglichen sollen. Reagieren die Walldorfer damit auf das disqualifizierende Urteil der Forrester-Analysten?

Einen richtungsweisenden Streit trägt die deutsche Digital-Geschäftsführung mit ihrem Betriebsrat aus. Die Arbeitnehmervertreter hatten das interne E-Mail-System dazu genutzt, den Mitarbeitern ihre Meinung zum Thema Überstunden und Arbeitszeitflexibilisierung mitzuteilen. Ein Rechtsbruch, urteilt die Arbeitgeberseite, die darauf beharrt, daß elektronische Post nur zum Zwecke der Nachrichten- und Informationsvermittlung zu verwenden sei.

Ungemach droht hierzulande auch der DB Soft AG, Anbieter kaufmännischer PC-Software. Händler beklagen sich über einen "Knebelvertrag": Sie müßten angeblich fehlerbehaftete Software binnen einer Frist von sechs Monaten losschlagen oder das Paket selbst kaufen.

Auch der Software AG geht es in diesen Tagen nicht gut, denn die Bilanz sorgt für lange Gesichter. Zwar stiegen die Einnahmen 1995 um knapp 13 Prozent auf rund 788 Millionen Mark, doch der Verlust nach Steuern lag mit 50 Millionen Mark deutlich über dem des Vorjahres (16,3 Millionen).

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