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20 000 Mark Belohnung fuer Hinweise auf Saboteur Aggressiver Virus segelt unter der Flagge des Media Marktes

18.04.1995

MUENCHEN (hi) - Mit einer neuen Form der Computerkriminalitaet beziehungsweise Sabotage sieht sich zur Zeit die Elektrofachmarktkette Media Markt, Muenchen, konfrontiert: Ein Unbekannter hat einen Virus in Umlauf gebracht, der am 9. September die Daten der von ihm befallenen Festplatten loescht und gleichzeitig das Media-Markt-Logo anzeigt. Das Perfide dabei ist, dass der Virus, falls keine entsprechenden Virenscanner eingesetzt werden, bis zum 9. September unbemerkt bleibt, da er im Gegensatz zu anderen Viren vor diesem Termin keine Manipulation an Daten oder Programmen vornimmt, mit denen er auf sich aufmerksam machen wuerde. Lediglich Netzverwalter koennen mit dem "Media-Markt-Virus" bereits vor dem grossen Crash im September Bekanntschaft machen: Unabhaengig vom Datum loescht der Virus naemlich die Partitions-Tabellen der Laufwerke G und P. Ansonsten handelt es sich laut Christoph Fischer, Leiter des Mikro-BIT Virus Center an der Universitaet Karlsruhe, eher um einen "primitiven Virus, der mit einem Virus-Construction-Kit gebaut wurde". Trotz der einfachen Bauart zaehlt Fischer den aggressiven Media-Markt-Virus zu den "30 unverschaemtesten Viren, wie beispielsweise auch Jack the Ripper, der unbemerkt Daten veraendert". Der Virus loescht die Festplatte unwiderruflich. Hinzu kommt, dass durch das unwiderrufliche Loeschen der Festplatte das Schadenspotential des neuen Plagegeists extrem gross ist. Nach Angaben des Virenexperten geht die Versicherungswirtschaft davon aus, dass pro MB geloeschte Daten (nicht Programme) Restaurierungskosten in Hoehe von 10000 Mark zu veranschlagen sind. Eher zur harmlosen Sorte rechnet der Uni-Mitarbeiter dagegen Boot- Sektor-Viren wie "Parity Check" oder den "Form"-Virus, der "in den meisten Unternehmen mittlerweile zum guten Ton gehoert". Allerdings wundert sich der Experte, dass diese Exemplare - 80 Prozent aller Viren zaehlen zur Gattung der Boot-Sektor-Viren - die zwar durch ihre Meldungen laestig fallen, aber keine Daten vernichten, nach wie vor zu den verbreitetsten Exemplaren gehoeren und auf Festplatten sehr haeufig zu finden sind. Denn einen Schutz vor diesen Stoerenfrieden bietet fast jeder moderne Rechner zum Nulltarif. "Sie muessen nur im BIOS das Booten von der Diskette abschalten", so Fischers Tip. Der Media-Markt-Virus, der zur Gattung der File-Infector-Viren gehoert und via Diskette oder Datennetz verbreitet wird, ist dagegen tueckischer, da er sich beim Aufruf eines infizierten Programmes unbemerkt auf die Platte kopiert. Schaetzungen zufolge duerfte der Virus, der hauptsaechlich im sueddeutschen Raum und der Schweiz verbreitet ist, noch auf ueber 10000 Rechnern unbemerkt schlummern. Aufgrund der stilistischen Elemente wie einem Totenkopf und mehreren Rechtschreibfehlern geht Fischer davon aus, dass es sich bei dem Taeter, der sich selbst als "The Wizard" bezeichnet, um einen Jugendlichen handelt. Ungeachtet dessen sieht Juergen Jacob, Geschaeftsfuehrer der Media Markt Management GmbH, in der Verteilung von Viren mit Firmennamen oder Logo bereits eine neue Form des Computerterrorismus. Nicht auszuschliessen ist zudem, dass der Taeter durch den Zusammenhang von Firmennamen und Virus das Unternehmen bewusst schaedigen will. Jacobs, der einen starken Imageverlust fuer die Fachmarktkette befuerchtet, geht nach Anzeigen beim Bundeskriminalamt und beim bayerischen Landeskriminalamt nun auch oeffentlich in die Offensive. Gegen eine Schutzgebuehr von einer Mark ist in allen Media-Maerkten die aktuelle Shareware-Version der Antivirensoftware "McAfee" erhaeltlich. Darueber hinaus kann die Software im Internet unter " http://www.media-markt.de" abgerufen werden. Zusaetzlich hat das Unternehmen eine Belohnung von 20000 Mark fuer Hinweise auf den Taeter ausgesetzt. Virenexperte Fischer warnt allerdings vor der truegerischen Sicherheit durch Antivirenprogramme, da diese bereits bei ihrer Auslieferung nicht mehr auf dem aktuellen Stand seien. Deshalb empfiehlt der Uni-Mitarbeiter, spaetestens nach einem Vierteljahr auf eine aktuellere Version der entsprechenden Programme umzusteigen.