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23.03.1979 - 

HMINET im Berliner Hahn-Meitner-Institut fertiggestellt:

20 Rechner online zusammengeschaltet

BERLIN (CW) - Von der Erfassung einzelner Meßdaten bis zum Number-Crunching - über das Spektrum experimentorientierter Datenverarbeitung hinweg - reicht das ganze Rechnerverbundsystem HMNET I, das das Berliner Hahn-Meitner Institut (HMI) in Zusammenarbeit mit Siemens AG nach vierjähriger Arbeit zum Jahresende 78 fertiggestellt hat. Mit der Weitergabe des neugewonnenen Know-hows an private und staatliche Interessenten im In- und Ausland wurde bereits begonnen.

HMINET ist ein sternförmig angelegtes Rechneretz, in dessen Zentrum ein Siemens-System S 330 als Kommunikationsrechner fungiert. Es handelt sich um einen 16 Bit-Rechner mit 64 K Worte-Ausbau. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Nachrichten entgegenzunehmen und nach "Etikettauswertung" an den jeweiligen Zielrechner weiterzuleiten (Drehscheibenfunktion).

Als Zielrechner arbeiten 7.700-Serie-Großrechner von Siemens sowie Prozeßrechner von Siemens (Serie 300) und Digital Equipment (PI)P-10, die ihrerseits mit umfangreicher Peripherie bestückt sind. 20 Rechner sind in Berlin unter HMINET online zusammengeschaltet, 19 davon stehen auf dem Institutsgelände, ein weiterer im zehn Kilometer entfernten Umweltbundesamt.

Die den Benutzern zur Verfügung stehenden Dienstleistungen sind unabhängig von Größe und Typ der angeschlossenen Rechner. Auf der Basis eines Transportverfahrens (im sogenannten "datagram mode") können von jedem Programm eines beliebigen Rechners Nachrichten an ein aktives oder inaktives Zielprogramm gesendet werden; sie gelangen am Zielrechner zunächst in einen programmzugehörigen Speicherbereich, den "Briefkasten" oder die "mailbox" und sind von dort aus abrufbar.

Kommunikation - Zug der Zeit

Weitere Dienstleistungen auf gleicher Grundlage sind "File-Transfer (FT)"; - Funktionen (Dateien lassen sich von Speichermedien eines Rechners zu denjenigen eines anderen übertragen), "Remote-Data-Access"-Funktionen (satzweise Manipulation von Informationen, die nicht lokal gespeichert sind) sowie - mit Hilfe der FT-Funktion - "Remote-Job-Entry" - und "Remote-Spool"-Dienste (Ferneingabe von Programmstapeln und Fernspeicherung von Ausgabedaten).

Wichtige Komponente der "Netzsoftware" ist ein zentrales Auskunfts- und Verwaltungssystem, das über aktuelle Leitungs- und Rechnerzustände informiert und Meßdaten über den Netzverkehr sammelt. Zudem kann jeder Benutzer eines Prozeßrechnerterminals im "Dialogbetrieb" mit Programmen der Großrechner kommunizieren. Grafiksoftware wurde für verschiedene grafikfähige Geräte entwickelt und steht jedem Netzrechner zur Verfügung. "Cross-Software" erlaubt die Programmentwicklung für Kleinrechner auf einem Großrechner.

Full Action mit HMINET I

Da die Ausfallsicherheit eines Sternnetzes wesentlich von der Zuverlässigkeit des zentralen Knotens abhängt, ist ein am Netz angeschlossener Verarbeitungsrechner vom Typ S 330 mit Hilfe eines Schnittstellenumschalters innerhalb weniger Minuten als zentraler Netzknoten einsetzbar. Den Kommunikationsablauf innerhalb von HMINET regeln Siemens-Standardprotokolle, die für den PDP-11-Anschluß modifiziert wurden.

HMINET I bietet dem einzelnen Anwender keine Eintrittskarte in verbotene Dateien und Programme. Die Datenschutzmechanismen jedes beteiligten Rechners bleiben unangetastet. Die Zugangsberechtigungen zum Netz, zum Zielrechner und zur Datei werden jeweils über Paßwort geprüft.

Die weitere Entwicklung ist einerseits auf den Ausbau des Netzkonzeptes "Bernet" gerichtet (Ziel: Verbund zwischen sämtlichen wissenschaftlichen Großrechnern in Berlin), andererseits auf die Schaffung eines offenen Konununikationssystems (HMINET II) und die Erarbeitung neuer Protokoll-Standardisierungen innerhalb der PIX-Arbeitsgruppe.

"Öffentliche, postunterstützte Datenvermittlungsnetze werden kommen", davon ist Diplom-Ingenieur Berthold Butscher, Stellvertretender Projektleiter von HMINET I und II, überzeugt. Er definiert Kommunikation als "Zug der Zeit", den beispielsweise "auch IBM erkannt" habe: X.25-Schnittstellen für IBM-Rechner bietet der Marktführer etwa dem Düsseldorfer Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik und für Transpac-Anwendungen in Frankreich.

Mit Blick auf HMINET meint Butscher, die Bedeutung des Systems liege zum einen darin, daß es einen Beitrag zum Anschluß Deutschlands an die moderne Netztechnologie leiste und daß es zum anderen - ganz konkret - den HMI-Wissenschaftlern "Full Action" ermögliche, nämlich täglichen praktischen unmittelbaren Einsatz im Benutzerbetrieb.

An der Wiege von HMINET stand die Anfang der siebziger Jahre im HMI gemachte Beobachtung, daß Kapazität und Funktionsumfang der Prozeßrechner die gestellten Aufgaben nicht immer zu bewältigen vermochten. Man entschied sich jedoch nicht für Ausbau oder Ersatz der bestehenden Anlagen, sondern sah den besseren Weg darin, im Bedarfsfall auf leistungsfähige Hintergrundrechner zurückgreifen zu können.

Der daraufhin zwischen dem HMI und der Siemens AG geschlossene Kooperationsvertrag war Grundlage eines Antrags auf Gewährung öffentlicher Fördermittel. Das Bundesministerium für Forschung und Technologie subventionierte das Vorhaben auf HMI-Seite mit rund drei Millionen Mark unter der Auflage, dabei gewonnene Erkenntnisse und Ergebnisse Dritten zugänglich zu machen.

Das HMI investierte etwa zwei Millionen Bundes-Mark in Netzwerk-Spezialisten, die auf (Projekt-)Zeit angeheuert wurden. Die restliche Million ging in Prototyp-Entwicklungen (PDP-11-Interfaces für Siemens-Rechner).