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21.12.2001 - 

Jahresrückblick/Massenentlassungen, Terroranschläge und ein wenig Hoffnung

2001: Zwölf Monate Unsicherheit (Teil 3 Juli bis September)

Juli

Unverhohlene Freude bei Microsoft Anfang Juli. Ein Berufungsgericht im Kartellrechtsstreit zwischen dem US-Justizministerium sowie 19 US-Bundesstaaten und der Gates-Company hebt das erstinstanzliche Urteil in einem wesentlichen Punkt auf: Der Konzern wird nicht zerschlagen. Zwar ergibt auch die juristische Revision, dass Microsoft eine Monopolstellung bei PC-Betriebssystemen einnimmt und sich gesetzeswidriger Geschäftspraktiken schuldig gemacht hat. Trotzdem feiern die Softwerker aus Redmond die Entscheidung wie einen Sieg. Für sie bleibt zusammen, was niemals getrennt gehört.

Das mit den kreativen Geschäftsabschlussgebaren hatten wir ja schon: Wie im Mai angekündigt, versuchen sich HP und Compaq jetzt in Sachen innovativer Bilanzierung. Sie schicken ihre Mannen in einen freiwillig zu nehmenden Urlaub. So bauen die Unternehmen bilanztechnisch völlig legal Schulden ab, die sie bei ihren Mitarbeitern haben, und entlasten ihr Ergebnis. Alternativ sollen bei HP die Mitarbeiter auf bis zu zehn Prozent ihres Gehaltes verzichten müssen dürfen.

Sie waren ja so avantgardistisch, sie waren hip, sie waren anders - sie hatten das Rad neu erfunden, die Gründer, Entrepreneure und auch die Mitarbeiter der so ganz andersartigen New Economy. Im Scheitern gleichen sie den Pleitiers alter Schule aber wieder erschreckend. Auf sehr rüde Weise macht das Berliner Startup-Unternehmen Cell Network Germany mitten im Sommer 2001 zwei Drittel der knapp hundertköpfigen Belegschaft klar, wie man sich deren Zukunft vorstellt - die Betroffenen werden ausgesperrt und kalt gefeuert. Vorbei die Betriebsausflüge ans Mittelmeer, kein Clubbesuch und kein Spaß mehr am ersten Montag jedes Monats auf Firmenkosten. Seit die Auftragslage lahmt, fällt den Managern der selbsternannten Vorzeigefirmen auch nichts anderes mehr ein als der banale Kahlschlag.

Schön sein ist nicht alles: Diese andere banale Wahrheit muss Apple erkennen, als es den preisgekrönten Beau unter seinen Rechnern, den "G4"-Würfel, aus dem Programm nimmt. Trotz mehrerer Preisanpassungen verkommt der "Cube" zum Ladenhüter und stirbt einen schönen Tod.

Die Tinte ist noch nicht trocken unter der Vereinbarung der Mitarbeiter Compaqs mit dem Management, freiwillig in Urlaub zu gehen, da können sich 1500 Angestellte gleich über den Tag hinaus erholen - sie brauchen und sollen wie die bereits im Frühjahr 2001 entlassenen 7000 Kollegen nicht mehr wiederzukommen.

Alan Greenspan, oberster Währungshüter der US-Notenbank und möglicherweise mächtigster Mann der Welt, sagt acht Wochen vor dem 11. September 2001: "Die wirtschaftlichen Perspektiven sind, gemessen daran, was schon passiert ist, sehr viel besser, als ich noch vor sechs, acht, neun Monaten vorhergesagt hatte." Zwei Monate später sind solche Erkenntnisse nur noch Makulatur.

August

Anfang August hält Compaqs Deutschland-Chef Peter-Mark Droste eine Blut-, Schweiß- und Tränenrede: Jetzt wird auch hierzulande kräftig entlassen. Rund 22 Prozent der Mitarbeiter sollen gehen. Zur gleichen Zeit meldet HP, es werde wegen rückläufiger Umsätze weltweit 6000 Mitarbeiter kündigen. Diese harte Politik entspricht überhaupt nicht mehr dem HP-Way, den die Gründer William Hewlett und David Packard einst als Credo ausgaben. Aber Firmenchefin Fiorina richtet das Unternehmen offensichtlich auf große Ereignisse aus.

Eine schillernde Figur der DV- und Hacker-Szene ist tot. Wau Holland, Mitbegründer und Ehrenpräsident des Chaos Computer Clubs (CCC), ist im Alter von 49 Jahren gestorben. Holland, mit bürgerlichem Namen Herwart Holland-Moritz, starb an den Folgen eines bereits im Mai erlittenen Schlaganfalls. Er war einer der ersten Hacker. Holland und der CCC wurden mit spektakulären Aktionen bekannt, mit denen sie die Anfälligkeit der Rechnersysteme von Unternehmen bewiesen. So infiltrierten sie in den 80er Jahren die Rechner der Hamburger Sparkasse (Haspa), um zu belegen, dass die Konten von Privatpersonen durchaus nicht vor Hackerangriffen sicher sind.

Dass Microsoft seine Unternehmenslizenzverträge noch lukrativer gestalten will, hatten wir geschrieben (siehe Mai). Dieser Artikel hatte Folgen: Im August meldet sich die hohe Politik offiziell zu Wort und lässt durch ihre ausführenden Organe auf Bundes- und Länderebene mitteilen, in Bund und Ländern hätten die Microsoft-Pläne "zu einem Sturm der Entrüstung" geführt, wie es das zuständige Referat Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) ausdrückt. Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser schickt einen Brief an Bundesinnenminister Otto Schily, in dem er vor den finanziellen Auswirkungen der Lizenzpolitik Microsofts warnt.

In den USA und vor den Augen einer amüsierten Weltöffentlichkeit gerät derweil der Machtkampf bei Computer Associates zur medienoptimierten Schlammschlacht. Großaktionär Sam Wyly wirft in ganzseitigen Anzeigen dem CA-Management um CEO Sanjay Kumar und CA-Gründer Charles Wang Unfähigkeit und den Hang zur persönlichen Bereicherung zum Nachteil der Aktionäre vor. Natürlich kontert die Führungsspitze und bemängelt, Wyly führe eine Kampagne mit selektiven Offenlegungen, Unterstellungen und irreführenden Informationen.

Auch Sun Microsystems greift erstmals in seiner Firmengeschichte zu wirtschaftlich bedingten Kündigungen. Das Unternehmen redet aber nicht von Entlassungen, sondern von natürlichen Personalfluktuationen.

Erinnern Sie sich noch? Ein paar Absätze vorher schrieben wir über das vollmundige Versprechen des PC-Direktanbieters Gateway, die Angebote der Konkurrenz immer zu unterbieten. Im August gibt das Unternehmen bekannt, seinen europäischen Produktionsstandort in Irland schließen zu wollen und auch das Hauptquartier in London abzuwickeln. Grund wie immer: Die Umsätze brechen ein, statt eines erwarteten Gewinns muss der Hersteller einen Verlust von über einer halben Milliarde Dollar verbuchen.

Ende August ist es so weit: Microsoft bringt Windows XP auf den Markt - und fast keiner kauft es. 200 Millionen Dollar will der Softwarekrösus in den kommenden vier Monaten in die Vermarktung des neuen Betriebssystems investieren. Das wird auch nötig sein, denn zumindest professionelle Nutzer wie Unternehmen sehen keine Notwendigkeit zur Migration auf XP.

September

In der Nacht zum 3. September 2001 mitteleuropäischer Zeit kommt die IT-Meldung des Jahres über den Ticker: Hewlett-Packard will Compaq kaufen. Beide Unternehmen würden "sehr komplementäre Produktwelten und Firmenorganisationen" aufweisen, erklärt HP-Chefin Fiorina. Die steht seit längerem schon in der öffentlichen Kritik, weil ihr der geplante Kauf des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse-Coopers misslang, sie mehrere Fehleinschätzungen über die Entwicklung der Industrie ab-gab und HP ein Quartal nach dem anderen mit roten Zahlen abschloss und massiv Mitar-beiter entlassen muss - früher ein absolutes Tabu. Und auch Compaq-CEO Michael Capellas steht mit dem Rücken zur Wand und braucht einen spektaku-lären Erfolg. Aber fast alle Experten aus der Finanzwelt so-wie die Fachleute der IT-Szene können der Fusion keine positiven Seiten abgewinnen. Der Merger steht unter keinem guten Stern.

Dann ging die Sonne strahlend auf über einem tiefblauen Himmel und über Manhattan am 11. September 2001. Und wie immer man zu den USA und ihren weltmachtpolitischen Aktionen stehen mag: Die live auf CNN gesendeten und später wieder und wieder gezeigten Einschläge der von Terroristen gesteuerten Verkehrsflugzeuge in die Zwillingstürme des in Minutenfrist zusammenbrechenden World Trade Center - sie haben jedem am Fernseher sitzenden Menschen in der Welt die Wahrnehmung einer grundsätzlichen Verunsicherung eingebrannt, haben eine im Unterbewusstsein schlummernde Angst brutal geweckt.

Was immer an oft heuchlerischen, teils verlogenen Argumenten später im Zusammenhang mit diesem brutalen Terroranschlag missbraucht wurde, um etwa missratene Geschäftsergebnisse mit den Attentaten in New York, Washington und Pennsylvania zu erklären; was immer für rechtsstaatlich höchst bedenkliche Rufe nach dem starken Mann und einer Einschränkung der Freiheitsrechte überall in der Welt auch aufkommen - das Entsetzen in der Welt ist un-geteilt, ist echt und lähmt für Tage und Wochen das Denken und die Herzen der Menschen. Und es wird die globale Wirtschaft erheblich beeinflussen.