Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.12.2005

2005: Abhaken

Das vergangene Jahr hat einige Firmen und Trends in der Versenkung verschwinden lassen - zu Recht.
Die Internet-Telefonie (VoIP) erlebt derzeit ihren zweiten Frühling, wie das CW-Archiv zeigt.
Die Internet-Telefonie (VoIP) erlebt derzeit ihren zweiten Frühling, wie das CW-Archiv zeigt.

Es ist eine dankbare Aufgabe, im Jahresrückblick über die Verlierer der vergangenen knapp zwölf Monate zu resümieren: Die Auswahlkriterien sind rein subjektiv, und man darf allen auf den Schlips treten.

Die Absteiger des Jahres 2005

Koloniale IT

2003 ein Aufreger, 2004 etabliert, 2005 egal: IT-Sourcing in Asien lockt keinen CIO mehr hinter seinem Blackberry hervor. Einige Unternehmen machen es, andere eben nicht. Das Zeitfenster für den Offshoring-Hype ist geschlossen, es herrschen wieder Angebot und Nachfrage. Nicht immer entscheidet der Preis über Sieg und Niederlage.

Feste Netze

Die Gelddruckabteilungen der etablierten Telcos haben ein Problem: Meine Mutter nutzt das Festnetz noch, meine Schwiegereltern hingegen sind schon in der Handy- und VoIP-Welt angekommen. Während sie einige Euro pro Monat sparen, spart sich die Deutsche Telekom 19000 Stellen. Der Trend zur Internet-Telefonie scheint vorerst ungebrochen.

Software auf Scheiben

Natürlich geht es SAP und Oracle gut, schließlich ist der Wettbewerb arg dezimiert worden. Natürlich lassen sich nicht alle Enterprise-Anforderungen mit einer Software aus dem Web abdecken. Natürlich sind die Zuwachsraten von On-Demand-Anbietern wie Salesforce.com und Rightnow höher, denn die Ausgangsbasis ist kleiner. Trotzdem ein spannendes Rennen.

Microsoft

Es ist absolut vermessen, einen Konzern mit einer Nettogewinnspanne von 31 Prozent als Verlierer zu bezeichnen. Allerdings schwankt der Aktienkurs der Redmonder seit drei Jahren zwischen 24 und 30 Dollar - kaum Phantasie. Und mit den Internet-Services "rollt der nächste Gezeitenwechsel auf uns zu", warnte Bill Gates zuletzt seine Mannen - wohl zurecht und nicht zu früh.

Linux

Linux geht es ähnlich wie Microsoft und dem Offshoring: Ist man erstmal etabliert, lebt es sich uninspiriert. Die alte Frage "Kommt nach den Servern der Desktop dran?" stellt sich inzwischen selbst die Presse kaum noch. Bei fundamentalistischen IT-Disputen ist Apple auf dieser Welt einfach nicht zu übertreffen. Und ein OS ist ein OS ist ein OS.

Zu den Fakten: Die Ausgabe 7 der computerwoche brachte die Verliererin des Jahres prominent auf den Titel, Hewlett-Packards Chefin Carleton Fiorina. Die ehemalige Vorzeigefrau der Branche wurde wegen Fehlbarkeit aus dem Amt vertrieben, was in den Medien nicht ohne eine gewisse Häme kommentiert wurde. In der gleichen Ausgabe blies Siemens "zur Aufholjagd" und gab sich im Handy-Geschäft "nicht geschlagen". Einige Monate später wurde die Jagd abgeblasen, und der Münchner Konzern gab den Taiwanern von BenQ etwas Geld, um das Problem aus der Welt zu schaffen.

Verlierer hat das Jahr 2005 viele hervorgebracht. Zumeist handelte es sich um Firmen, denen der eingeleitete Turnaround nicht gelungen ist: Unter Druck gerieten geronnene Geschäftsmodelle, starre Strukturen und unflexible Unternehmer. Parallel dazu stand traditionelle Software ebenso zur Disposition wie Mobiltelefone mit klassischem Vertrag und das fest verdrahtete Festnetz. Alles wurde 2005 mobil oder zumindest virtualisiert, und mit der Veränderung der Nachfrage kam auch Bewegung in die verkrustete ITK-Szene. Ein Beispiel: Fujitsu-Siemens (FSC) hatte zuletzt eine höhere Wachstumsrate als Dell. Wer hätte das im Vorjahr gedacht?

Auch wurde 2005 (CW 19) das Ende des Corporate Computing eingeläutet. Kein Geringerer als Nicholas Carr ("Does IT matter?") prognostizierte, dass die IT in zwei Jahrzehnten nicht mehr zu den Aktiva von Unternehmen gehören, sondern lediglich als Service von außen bezogen wird. Die Mittel zum Zweck: Virtualisierung, Web-Services und Grid Computing. Damit wären so ziemlich alle Schlagworte aus dem IT-Backend in einem Konzept vereint. Es sollte nicht überraschen, wenn Carr eines Tages auf der Gehaltsliste eines großen amerikanischen IT-Konzerns als Business-IT-Utility-Evangelist geführt wird. Das Medienecho auf Carrs neue Thesen fiel dementsprechend leise aus.

Im ausklingenden Jahr geriet auch die Position des CIO ins Gerede - zumindest derjenigen CIOs, die ihre Rolle als Vermittler im diffusen Spannungsfeld zwischen Business und IT sehen. Sollte sich die Business-Perspektive in den Unternehmen durchsetzen, drohe die Spaltung der Mittelposition in einen Chief Operating Officer (vermutlich eher oben in der Hierarchie) und einen Cheftechniker (definitif nicht oben). CIOs müssen sich wohl oder übel gegen das Bit und für das Ebit entscheiden, damit sie nicht - sollte Carr mit seinen Thesen doch Recht behalten - zum "Koordinator Fremdbezug" (CW 41) degenerieren.

Große Überraschung: Softwerker wollen Geld

Verloren haben 2005 auch viele Anwender, und zwar den Überblick über die Lizenzmodelle der Lieferanten ihrer Unternehmenssoftware. SAP machte sogar ein "Geheimnis" daraus (CW 30). Über diesen steten Quell des Ärgers geriet die Kundenbeziehung in Mitleidenschaft, denn die Anbieter orientierten sich immer stärker am Ertrag - wer wollte es ihnen verdenken? Kontern können die Nutzer nur durch ein aufwändiges Lizenz-Management, denn der spontane Rauswurf der ERP-Software ist meist keine Option.

Dafür traf es auch 2005 wieder viele Arbeitnehmer der ITK-Branche: Siemens Business Services (SBS) kündigte Entlassungen an, IBM auch, SBS legte nochmal nach, die Telekom verkündete netto 19 000 Stellenstreichungen, und HP kappte nicht nur Fiorinas, sondern noch 15 000 weitere Jobs. Zudem trennte sich Apples "iPod Nano" von der Festplatte, EDS von A.T.Kearney, die New Yorker Börse von SGI, und Sun gab seine Softwarepalette in Open-Source-Hände ab; nur Microsoft-Anwender blieben "Windows 2000 treu" (CW 29). Der Nachfolger des Nachfolgers davon kommt zur Strafe später als geplant auf den Markt, was nicht überrascht. Im Gegensatz zur neuen Nomenklatur ("Vista"), womit Microsoft bei den Kunden Emotionen und die Lust auf ein Upgrade wecken möchte.

Ein Funkchip im BH macht noch keinen Sommer

Ihren Hype-Status eingebüßt hat 2005 endgültig die RFID-Technik. Die Funketiketten sind inzwischen selbst in italienischen Parmesan-Käsen (CW 28) und künftig auch in Büstenhaltern (CW 9) zu finden. Auch wenn die Funkchips damit zunehmend an interessanten Orten verwendet werden, setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass winzige Elektronik zur Bestandserfassung nicht wirklich spannend ist - selbst wenn RFID die Logistik "revolutionieren" wird (CW 17) oder die Chips weniger als zehn Cent pro Stück kosten.

Nicht eben unterhaltsam sind auch Projekte der öffentlichen Hand, deren Siechtum sich über Jahre hinzieht oder deren Zwischenergebnisse Meilen von den gewünschten Steinen entfernt liegen. Bestes Beispiel war 2005 das Ende des Fiscus-Projekts, einer bundesweit einheitlichen Software für Finanzämter, an der seit 1991 gearbeitet wurde (zwischenzeitlich - Ende der 90er Jahre - auch mit Hilfe von IBMs objektorientiertem und erfolglosem Framework "San Francisco"). Der Arbeitslosengeld-Rechner der Bundesanstalt für Arbeit wies gravierende Mängel auf, das Bundeswehr-Projekt Herkules wurde neu verhandelt, die Gesundheitskarte ist immerhin kurz vor dem Start einer Testphase angekommen.

Allen, deren Jahr 2005 nicht wie gewünscht verlief, bleibt zumindest die Hoffnung auf baldige Besserung: 2006 ist das Jahr der Informatik in Deutschland. Und beim Robocup, der Fußball-WM der Roboter im Juni, haben wir auch dank Heimrecht in Bremen Chancen auf eine gute Platzierung.