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22.10.2004

2005 kommt Leben in den Arbeitsmarkt

Laut European Information Technology Observatory (Eito) läuft der Wachstumsmotor der ITK-Branche Westeuropas bald wieder runder. Dann brauchen Unternehmen neue Leute.

Von CW-Redakteur Gerhard Holzwart

Bernhard Rohleder musste sich in den letzten Tagen als Geschäftsführer des deutschen ITK-Verbandes Bitkom mächtig ins Zeug legen. Zunächst hatte er in seiner Funktion als Chef des European Information Technology Observatory (Eito) am Dienstag vergangener Woche in Frankfurt am Main das aktuelle Update der Marktforscher zur Entwicklung des westeuropäischen ITK-Marktes präsentiert - um Tags darauf in der Wirtschaftspresse von einer "Reduzierung der Wachstumserwartungen" zu lesen. Das wollte Rohleder dann auf der Auftaktpressekonferenz zur Münchner Systems nicht stehen lassen und sprach dort von "sachlich nicht gerechtfertigten" Schlagzeilen.

Dies vor allem auch deshalb, weil Rohleder zufolge die fortdauernde Verlagerung der Wertschöpfung von der Hardware hin zu Software und Dienstleistungen spätestens 2005 auch wieder den deutschen IT-Arbeitsmarkt beleben dürfte. Dort könne man dann unter Umständen mit bis zu 10 000 offenen Stellen rechnen. Allerdings sei es fraglich, ob diese Positionen angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels, etwa im Bereich IT-Sicherheit, überhaupt besetzt werden könnten.

Was den Markt insgesamt angeht, musste das Eito indes in der Tat seine Erwartungen vom Frühjahr geringfügig nach unten korrigieren. Im März hatten die Marktforscher noch Wachstumsraten von 3,1 Prozent für 2004 beziehungsweise 4,4 Prozent für das kommende Jahr vorhergesagt; jetzt sollen es nur noch drei beziehungsweise vier Prozent Wachstum sein. Rohleder begründete die "marginalen Anpassungen" der Prognosen damit, dass sich die Hoffnungen, die durch die zum Jahreswechsel 2003/04 registrierten Auftragseingänge genährt wurden, nicht für alle Unternehmen "zur Gänze" erfüllt hätten. Insgesamt sei jedoch der "Wiederaufschwung nachhaltig", es gebe keinen Grund, von der grundsätzlich optimistischen Einschätzung abzuweichen. Dies gelte um so mehr, als der westeuropäische ITK-Markt bereits in diesem Jahr wieder deutlich schneller wachse als die westeuropäische Gesamtwirtschaft, die voraussichtlich nur ein Plus von 2,3 Prozent erreichen werde.

Auf Westeuropa entfallen dabei laut Eito mit einem Volumen von 611 Milliarden Euro rund 28,4 Prozent des weltweiten ITK-Marktes. Deutschland erreicht einen Anteil von sechs Prozent am weltweiten sowie 21,2 Prozent am westeuropäischen ITK-Markt und liegt damit knapp vor Großbritannien (5,8 und 20,5 Prozent). Rohleder machte deutlich, dass sich die weltweite Krise in der ITK-Branche im vergangenen Jahr in anderen Regionen noch weitaus stärker als in Westeuropa ausgewirkt hat. So mussten die USA und Japan 2003 eine Stagnation beziehungsweise ein Minus von 0,8 Prozent hinnehmen, während Westeuropa immerhin noch um ein Prozent wachsen konnte. "Der deutsche ITK-Markt hat 2004 entscheidend dazu beigetragen, dass die Branche in Westeuropa insgesamt nicht in eine Rezession geschlittert ist", behauptete der Bitkom-Geschäftsführer mit Blick auf die anhaltend schwache Marktentwicklung in Ländern wie Frankreich und Italien. Ungeachtet dessen müsse man hierzulande aber in den kommenden Jahren verstärkt das Augenmerk darauf richten, "wieder überdurchschnittlich zu wachsen". Rohleder bekräftigte in diesem Zusammenhang die erst vor kurzem veröffentlichten Prognosen des Bitkom, wonach der hiesige ITK-Markt nach den 0,2 Prozent von 2003 dieses Jahr um vergleichsweise ordentliche 2,5 Prozent und 2005 um weitere 3,4 Prozent zulegen werde. Im gesamten Westeuropa erreicht der IT-Markt laut Eito 2004 ein Volumen von 293 Milliarden Euro und erzielt mit 2,3 Prozent Wachstum erstmals seit zwei Jahren auch wieder ein Plus. In den Jahren 2003 und 2002 hatte es jeweils ein Minus von 1,2 beziehungsweise 3,4 Prozent gegeben. Im kommenden Jahr soll der Markt um weitere 4,2 Prozent auf dann 306 Milliarden Euro zulegen. Als stärkste Wachstumsregionen dürften sich dabei Großbritannien und die Benelux-Staaten mit Zuwächsen von 5,0 beziehungsweise 5,2 Prozent herauskristallisieren.

Angetrieben werde die IT-Industrie überwiegend durch die starke Nachfrage nach Notebooks, hieß es weiter. Gleichzeitig kurbele die Vernetzung von Geschäftsprozessen über Unternehmensgrenzen hinweg den Markt für Software und IT-Services an. In den vergangenen Jahren hatten die Firmen wegen der schlechten Wirtschaftslage Investitionen in neue IT-Systeme immer wieder verschoben. Das ändere sich jetzt: "Der Investitionsstau in den Unternehmen löst sich auf", so Rohleder. Beispielsweise sei 2005 im Softwaresegment mit einem Plus von 5,6 Prozent das mit Abstand größte Wachstum zu erwarten. Der Bereich IT-Dienstleistungen soll mit 4,8 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich zulegen. Knapp 75 Prozent aller Umsätze im westeuropäischen ITK-Markt kommen bereits in diesem Jahr aus den Segmenten IT- und TK-Services sowie Software, der reine Hardwareanteil an den Geschäften gehe kontinuierlich zurück. Dies zeige, so Rohleder, dass die ITK-Branche mit inzwischen mehr als einer Million Beschäftigten im Servicesektor "längst den Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft vollzogen hat".

Netto mehr Jobs als bisher?

Zurückhaltend äußerte sich Rohleder zur aktuellen Diskussion um die Verlagerung von IT-Dienstleistungen ins Ausland. Mit der Offshore-Thematik machten die betroffenen Anbieter- und Anwenderfirmen nun die Erfahrungen, mit denen man sich in der Hardwarebranche schon vor 20 Jahren hatte auseinander setzen müssen. Bitkom und Eito gingen davon aus, dass sich der Verlust von IT-Arbeitsplätzen in Westeuropa durch die Offshore-Abwicklung von Projekten etwa in Osteuropa und Indien "in einem leicht fünfstelligen Bereich" bewegen werden. Genaue Prognosen seien derzeit jedoch "Kaffeesatzleserei". Auf längere Sicht werde es aber durch die vermehrte Präsenz neuer IT-Services-Anbieter eher einen Beschäftigungszuwachs in Westeuropa geben. Derzeit gebe es dort im ITK-Sektor rund drei Millionen Beschäftigte.

Hoffnungsträger Mobility

Neben dem Trend zu IT-Dienstleistungen setzen die Marktforscher des Eito-Instituts, das von mehreren großen Messegesellschaften wie dem CeBIT-Veranstalter Deutsche Messe AG, dem Bitkom sowie großen IT-Herstellern getragen wird, große Hoffnungen auf die Themen Mobility und konvergente Technologien. So seien die Wachstumsmotoren im TK-Sektor zum einen die Mobiltelefone der neuen Generation, wo besonders die Integration von Digitalfotografie und Farb-Displays die Nachfrage anheize. Gleichzeitig belebten neue Datendienste wie Mobilfunkportale und Multimedia Messaging (MMS) den Markt spürbar. Für die TK-Branche prognostizieren die Eito-Experten deshalb in Westeuropa für 2004 und 2005 annähernd gleiche Wachstumsraten von 3,7 beziehungsweise 3,8 Prozent. Demnach erreicht der Markt 2004 ein Volumen von insgesamt 318 Milliarden Euro und steigt 2005 auf Umsätze von über 330 Milliarden Euro.

Hier lesen Sie ...

- wie stark der europäische ITK-Markt wächst;

- wie das deutsche ITK-Geschäft im europaweiten Vergleich abschneidet;

- wie sich die Offshore-Problematik und das zu erwartende Marktwachstum auf den Arbeitsmarkt auswirken.

Abb.1: Services sind gefragt

Ein Teil der Umsätze hat sich vom Hardware- ins Software- und vor allem ins Dienstleistungsgeschäft verlagert. Quelle: Eito Update 2004 In Kooperation mit IDC

Abb.2: Tendenz steigend

Eito korrigiert seine Wachstumsprognosen für 2005 von 4,4 auf 4,0 Prozent herunter. Quelle: Eito Update 2004 In Kooperation mit IDC