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19.12.1975 - 

Jahresrückblick 1975:

25 Highlights in 365 Tagen

Das Jahr begann mit dem Versprechen einer 7,5prozentigen Investitionszulage für Neuinvestitionen. Zur Jahresmitte war manche Order placiert. Das Versprechen um die Investitionszulage billiger einkaufen zu können, erfüllte sich allerdings nicht bei den Käufern von Xerox-Computern, die im Juli erfahren mußten, daß die Xerox Corp. aus dem Computer-Geschäft ausstieg. Wer danach vom Kaufvertrag zurücktrat, für den war die Zulage verloren.

Vorbei auch die Hoffnung auf die große europäische DV-Kooperation, die den Namen "Unidata" tragen sollte. Im April platzte die Bombe, daß die Unidata geplatzt sei. Erst stieg CII aus, vier Monate später auch Philipps. Die verschmähte Siemens-AG ("Wir kooperieren zur Abwechslung einmal mit uns selber") präsentierte selbstbewußt im November den neuen Siemens-Großrechner 7755 als Teil der Siemens-Serie 7000. Der Unidata-Schriftzug war endgültig ad acta gelegt. Parallel liefen Siemens-Verhandlungen mit denn japanischen Hersteller Fujuitsu die dadurch Würze erhielten, daß die mit Fujuitsu-Kapital ausgestattete Amdahl Corporation in den USA Ende Juni den ersten Amdahl 470 V. 6 Großcomputer in den USA auslieferte.

Im Februar sollte der Mammutprozeß des Jahrhunderts USA versus IBM beginnen. Zunächst einmal auf den 19. Mai verschoben, kam das Verfahren nur wenig über juristische Plänkeleien hinaus, bis im Herbst die ersten Zeugenvernehmungen beginnen konnten. Zweiter spektakulärer Prozeß des Jahres aus Anwendersicht war die Klage der Schweizerischen Bankgesellschaft gegen die Control Data Corporation, immerhin um 29 Millionen Dollar Schadenersatz wegen Nichterfüllung der Hersteller-Versprechungen.

Deutsche Gerichte beschäftigte ab Januar das Verfahren gegen 12 verdächtige Bundesbürger, die von den obersten Anklägern der Bundesanwaltschaft verdächtigt wurden, die bis dato in der DV größte Spionageaffäre zugunsten des Ostens inszeniert zu haben. Das Verfahren endete wie das Hornberger Schießen: Die Polizei fand zwar 86 000 Mark in der Hosentasche eines Beschuldigten, die Verfahren endeten jedoch letztendlich auf unterster Gerichtsebene wegen Bagatellsachen.

Sicher ins Kittchen wird hingegen Systemanalytiker Hartmut G. aus München kommen, der Ende November dabei ertappt wurde, daß er den ersten wirklichen Computerkriminalitäts-Coup tatsächlicher Programmanipulation drehen konnte, der ihm 200 000 Mark aufs Konto brachte, weil er sich dreimal auf die Gehaltsliste der Linde AG zu placieren vermochte.

Der Rechtschaffendste der Branche - sofern im CW-Wettbewerb "EDV-Chef des Jahres" vorgeschlagen - wurde 1975 indes auch festgestellt: Manfred Vaupel, Leiter des Bereichs Informationssysteme bei der SKF Kugellagerfabrik Schweinfurt, gewann den 5000-Mark-Preis, den er beim "EDV-Fest des Jahres" im heimischen Frankenland zum größten Teil wieder unter seine Mitarbeiter brachte.

WeItweite Schlagzeilen hingegen machte eine Ankündigung, die keine war. Am 14. Februar 1971 erklärte indirekt IBM-Boß Frank C. Cary, daß IBM die Ankündigung des Future Systems (FS) für mindestens bis Anfang der 80er Jahre verschoben hat Computerwoche-Überschrift: "Schonzeit für Anwender." IBM-Forschungslabors sorgten dennoch für Schlagzeilen: Sie kündigten im Juli an, daß bei experimentellen hochintegrierten Halbleiterschaltkreisen eine Verzehnfachung der Speicherdichte (775000 bit pro cm2) erreicht werden konnte. Ein 1-KB-Speicher-Chip nach dieser Technik hat einschließlich Anschlußkontakten nur noch eine Größe von 1,1 mal 1,6 mm, Zugriffszeit 90 Nanno-Sekunden.

Nach dem Mini-Chip kam der Hypercube. Die IMS-Associates Inc. (Insai) kündigte eine Serie von Multiprozessor-Rechnern an, die auf Basis von bis zu 512 Mikroprozessoren, Intel 8080, parallel verarbeitend, bis zu 256 Millionen Operationen pro Sekunde (MOPS) abwickeln und dabei in der Preisklasse ein Zehntel unter vergleichbaren Großrechner-Systemen liegen.

Dennoch blieb 1975 ein Jahr der Mikros. Aus der Bundesrepublik kam eine Software-Überraschung: Im Juli kündigte das Münchener Systemhaus Rexroth. & Szekessy ein Datei-Verwaltungs- und Management-System "Midis" an, das einschließlich der Hardware (16 KB Micral-Prozessor mit zwei Floppy-Disks) nur etwa 50 000 Mark kostet.

Die Software-Neuigkeiten kamen zum Jahresende: Im August wurden die öffentlichen Verwaltungen systemneutrale DB/DC-Schnittstellen vorgestellt die die Austauschbarkeit von Programmen für unterschiedliche Hardware und auch unterschiedliche DB/DC-Software gewährleisten sollen - ein erster Schritt in Richtung der von der EG-Kommission geforderten totalen Portabilität von Programmen. Im Oktober stellte der Schweizer Software-Wissenschaftler Dr. Reinhold Thurner einen Generator für strukturierte Programmierung ("Delta") vor, der als multifunktionales System die Vielzahl der heute in der kommerziellen EDV genutzten Generatoren vereinigt. Eine Woche später, rechtzeitig zur erfolgreichen Systems-'75-Messe, präsentierte Softlab München das interaktiv Programmentwicklungs-Terminal "PET", das auf Hardware-Basis eines Philip-Datensammelsystems in den Programierabteilungen standalone die interaktive Programmierung nach Methoden der strukturierten Programmierung - zu bis dahin nicht gekannten Preisen - ermöglichst.

"Heureka" hieß es in Hannover, als zum Jahresende die Hannoveraner Advis-Softwarepartner einen Prozessor zur Unterstützung fernwirkungsfreier strukturierender Programmierung ankündigten. Heureka - welch ein buntes Jahr.

Insgesamt gab es in der Computerwoche im Jahre 1975 mindestens 2500 Beiträge. 25 Meldungen sind nur ein Prozent dieser Gesamtheit. Leser der Computerwoche kennen die verbleibenden 99 Prozent. Darunter auch die Meldungen, die helfen, das Jahr 1976 besser durchzustehen.

Hardware-Ankündigungen des Jahres 1975

Januar - Ein neues IBM-Gefühl: System 32

- Der Anfang vom Ende: erstes kleines Unidata-System 450

Februar - Kombination von MKC-Technik und Floppies: Nixdorf 8830

- Der größte Mini vom größten Mini-Macher: PDP 11/70

März - Software muß der Kunde bringen: Eclipse C 300 und Interdata 8/32

- Neue Jumbos: Univac 1100/20 und 1100/40

- Im Terminaltrend: Nixdorf 8820 und 8864

April - Hannover-Messe-Thema: IBM ganz klein mit 32 - ganz groß mit Drucker 3800

Juli - Nach lautlosem Ableben der Eltern: Neues Kind Modell 12 der IBM-Familie System 3

September - Schon wieder IBM: In den USA der Tischrechner 5100

November - Lieber allein: Großrechner Siemens 7755

Dezember - Kriegserklärung an IBM: Honeywell-Kleinsystem 61/40