Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


26.09.1986

29. Änderungsverordnung: Flurbereinigung im Gebührendschungel

"Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die auch die Bundespost nicht kann." Dieser Spruch kennzeichnet die Stimmung, die derzeit bei den Anwendern herrscht, die von den Auswirkungen der 29. Änderungsverordnung der Fernmeldeordnung betroffen sind. Nach Ansicht des Geschäftsführers der Datakom GmbH, Paul Hoffmann, handelt es sich unter dem Strich um längst fällige, kleine Schritte der Post in Richtung Angleichung der Tarife für die verschiedenen Datenübertragungsdienste. Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Telecom, Leif Glanert, mißt lediglich zwei der insgesamt 69 Maßnahmen Bedeutung zu. Die Erwartung vieler Anwender richtet sich jetzt zunächst einmal auf die attraktiven Gebührensenkungen. Aber bisher hat noch kein Benutzer eine Fernmelderechnung mit den neuen Gebühren erhalten, konstatiert Glanert. Insgesamt gesehen besteht für Robert Hümmling jedoch kein Grund zur Hektik.

Leif Glanert, Stellvertretender Vorsitzender, Deutsche Telecom e.V., Köln

Die 29. Änderungsverordnung (ÄndVO) ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg, das Fernmeldewesen den technischen Veränderungen anzupassen. Die Freude der Anwender über die 69 Maßnahmen hält sich jedoch in Grenzen. Eigentlich gibt es nur zwei bedeutende Themen:

- Einführung von HfD, 64 KBit pro Sekunde und HfD, 1,92 MBit pro Sekunde, beide mit nutzungszeitabhängiger Tarifierung, was erneut die Diskussion über die Grundsätze dieser Tarifierung entfacht hat, sowie

- Senkung der Mietleitungsgebühren und Einführung neuer internationaler Festverbindungen mit nutzungszeitabhängiger Tarifierung.

Die Deutsche Telecom ist froh, daß hinsichtlich der Gebührensenkung die Empfehlungen unseres Arbeitskreises "Internationale Mietleitungen" endlich Beachtung gefunden haben. Als deutsche Vereinigung der Anwender der geschäftlichen Telekommunikation sehen wir darin ein gutes Ende nach langen und mühsamen Diskussionen mit der Post. Bereits am 13. April 1984 schrieb die CW über den ersten Statusbericht, als er in Köln einem internationalen Fachpublikum vorgestellt wurde: "Krasse Nachteile gegenüber anderen EG-Staaten."

Das hat sich ab 1. Juli dieses Jahres geändert. Aber bisher hat noch kein Anwender eine Fernmelderechnung mit den neuen Gebühren erhalten. Die Erwartung richtet sich dabei nicht nur auf die attraktive Gebührensenkung von bis zu 30 Prozent, sondern auch auf die Frage, ob dann die Zuordnung der Leitungen zu dem Bereich Mietleitung und Kostensenkung oder zu dem Bereich Festverbindung mit entsprechender Kostenerhöhung ausfällt. Einige Oberpostdirektionen fordern inzwischen recht forsch den Nachweis, welcher Personenkreis über Datenendeinrichtungen (DV-Anlagen) an internationalen Mietleitungen eine Verbindung initiieren darf und welche Bestimmungsadressen dabei erreichbar sind (siehe 25-Prozent-Regel, Amtsblatt des BPM, Verfügung vom 22. Mai 86, Seite 952, Absatz 3, internationale Festverbindungen). Es bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung vor Ort sich auswirkt. Die Deutsche Telecom geht für die Mehrzahl der von ihr vertretenen Firmen von einer konkreten Senkung der Gebühren für die bestehenden internationalen Mietleitungen aus. Details zu den Auswirkungen der 29. ÄndVO werden auf dem Telecom-Forum anläßlich des Orgatechnik-Congresses am 16. und 17. Oktober in Köln vertieft.

Paul Hoffmann, Geschäftsführer, Datakom Ges. für Datenkommunikation mbH, Wörth

Kunden, denen ein Wechsel zu einem anderen Postdienst (Datex-L statt HfD zum Beispiel) finanzielle oder auch Performance-Vorteile bringt, müssen unter Umständen mit einem größeren Umstellungsaufwand rechnen. Das gleiche gilt auch für die Nutzung höherer Geschwindigkeiten, als sie bisher von der Deutschen Bundespost angeboten wurden, und zwar insbesondere dann, wenn die Endgeräte nicht entsprechend vorbereitet sind. Ist die Anschaffung neuer Endgeräte nicht ohnehin fällig, kann der Einsatz von Hochgeschwindigkeits-Multiplexern beziehungsweise digitalen Knoten, also die Aufsplittung eines Hochgeschwindigkeitskanals in einzelne Kanäle mit niedrigeren Geschwindigkeiten und Standardschnittstellen, Abhilfe schaffen.

Ist die Inanspruchnahme der nutzungszeitabhängigen Tarifierung nicht geplant, lassen sich die Preis- oder Performance-Vorteile relativ leicht ermitteln. Damit ist auch der Break-even-Point für die Anschaffung neuer Hard- und Software schnell auszumachen. Wer allerdings von der nutzungszeitabhängigen Tarifierung auf der Basis der beiden mit der 29. ÄndVO vorgestellten Meßmethoden profitieren will, der muß sein Netz schon gut kennen.

Ein anderes Problem ist das Thema Planungssicherheit. Die vielen Änderungsverordnungen der letzten Zeit, die für 1987 angekündigte Telekommunikationsordnung (TKO) und nicht zuletzt die oftmals falschen Erwartungen an ISDN erschweren die Entscheidung darüber, welcher Postdienst mit welchen Geschwindigkeiten und welcher Netzstruktur gewählt werden soll.

Die 29. ÄndVO bringt nicht nur Vorteile. Dort gilt auch für die Post die alte Weisheit: "Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst die niemand kann." Unter dem Strich handelt es sich jedoch um längst fällige Schritte, wenn auch kleine, in Richtung Angleichung der Tarife für die verschiedenen Datenübertragungsdienste bei gleichzeitiger Liberalisierung. Skepsis gegenüber der neuen Regelung im Hinblick auf ISDN basiert zumeist auf falschen Erwartungen an das ISDN-Konzept. Wer in Sachen Netzwerkdesign im Moment nichts tut, weil er auf ISDN wartet, sollte erst einmal feststellen, ob das, worauf er wartet, für seine Anwendungen überhaupt sinnvoll ist.

Die Post scheint so im Innovationsrausch zu sein, daß die dringend notwendige Aufklärungsarbeit darüber, was ISDN nicht kann, wieder einmal zu kurz kommt.

Übertragen auf die 29. ÄndVO und ISDN ist folgende Vorgehensweise empfehlenswert:

1. Prüfen, ob ISDN überhaupt für die eigene Anwendung geeignet ist.

2. Wenn ja, feststellen, wann für die einzelnen Lokationen mit einem ISDN-Anschluß zu rechnen ist.

3. Mit diesen Fakten kann dann die eigentliche Netzwerkplanung auf der Basis von ISDN oder anderen Postnetzen gemäß der 29. ÄndVO begonnen werden.

Punkt 2 dürfte allerdings schon jede Menge Probleme bereiten.

Was das Fernsprechnetz betrifft, wird erst die 30. ÄndVO mit der Genehmigung privater Modems große Änderungen bewirken. In welchem Ausmaß, hängt davon ab, welchen Preis man für private Modems zahlen muß und vor allem, welche günstigen Gebühren die Post den Benutzern privater Modems auferlegt. Die in der 29. ÄndVO enthaltenen Gebührensenkungen für ältere Postmodems und die Einbeziehung von Spanien und Portugal in den EG-Tarif dürfte nur für einige wenige Anwender Vorteile bringen.

Die längst fällige Genehmigung, private Direktrufleitungen zu betreiben, kann das Problem grundstücksüberschreitender Verbindungen zwischen LANs beziehungsweise Rechner-Rechner-Kopplungen einigermaßen wirtschaftlich erschlagen. Ein Wermutstropfen sind dabei die angebotenen Geschwindigkeiten: Stimmen diese nicht mit der Geschwindigkeit des Netzes überein oder gibt es physikalisch bedingte Entfernungsprobleme, wird sich teure Gateway-Technik nach wie vor nicht vermeiden lassen.

Zu den Datex-P-Einsatzgebühren für den PAD-Zugang über das Fernsprechnetz folgendes:

Notwendig und schön ist, daß der Zugang im Fernbereich ab 100 Kilometer um den Faktor vier billiger wird. Die neunfache Verteuerung im Nahbereich ist jedoch ein gutes Beispiel dafür, wie es um die Planungssicherheit bestellt ist. Ein Großteil der 500 PAD-Benutzer hat sich schließlich mit niedrigen Gebühren in das Datex-P-Netz locken lassen.

Die Neuerungen und Änderungen zu den Diensten Teletex, Btx und Temex enthalten eine Menge Appetithappen. Bleibt abzuwarten, wie sich die Tarife entwickeln.

Robert Hümmling, Leiter der Abteilung Systemprogrammierung, GRZ Genossenschafts-Rechenzentrale Norddeutschland GmbH, Oldenburg

Die GRZ betreut in den Bundesländern Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg 530 Raiffeisen- und Volksbanken.

Die Mehrzahl dieser Bankplätze wird online bedient. Viele Banken haben bereits ihre Filialen oder Geschäftsstellen an den Online-Dienst angeschlossen.

Die Kosten aus diesem "Post-Netz" beziffern sich auf etwa sieben Millionen Mark per annum. Welche Planungsänderungen ergeben sich für unser Haus aus der 29. Änderungsverordnung?

Die von der Deutschen Bundespost prognostizierten Mindereinnahmen von gut 400 Millionen Mark im Jahr entfallen im wesentlichen auf die internationalen Verbindungen; somit sind für unsere Kunden und uns im Datenverarbeitungsbereich die Chancen auf Einsparungen schon sehr geschmälert. Glücklicherweise tauchen unsere Anwendungen aber auch bei den geplanten Mehreinnahmen nicht auf.

Eine weitere Durchsicht der Verordnung konzentriert sich also auf die Flurbereinigung im Gebührendschungel.

Die Gebührenänderung in den Bereichen SK 12 (Synchronknoten) und EKT (Empfangskanalteiler) sind technisch bedingt, jedoch nicht in dem Maße, daß daraufhin ganze Netze überarbeitet werden müssen. Knoten werden dort eingesetzt, wo es die Topologie erlaubt, vorausgesetzt sie sind preiswerter als direkte Verbindungen.

Interessanter ist da schon der Wegfall der sogenannten "dritten Stufe" im Ortsverbindungsbereich. Diese Veränderung bedeutet unseres Erachtens aber nur eine Rücknahme auf annähernd "alte" Werte. Gebührenänderungen ziehen hier aber automatisch keine Planungsänderungen nach sich. Bankfilialen werden nach Marketingstrategien online angeschlossen und nicht nach innerörtlichen Postgrenzen. Eine Gebühreneinsparung wird hier lobend entgegengenommen.

Wir betreiben seit April 1985 mehrere 64-KBit/s-Leitungen, die bisher per Einzelvereinbarung und Eigenmessung abgerechnet wurden. Wir gehen davon aus, daß unsere Eigenmessungen weiterhin zur Anrechnung kommen, um die Steigerung der verordneten Pauschalstundenansätze für die nächsten Jahre zu vermeiden.

Im übrigen ist erfreulicherweise die Beschaltung von Kanalteilern verordnet.

Diese neuen Möglichkeiten werden bei uns sicherlich Eingang finden, um die zukünftig benötigten Übertragungsleistungen für unsere Kunden bereitstellen zu können.

Insgesamt gesehen besteht kein Grund zur Hektik - die 29. Änderungsverordnung werden wir übergangslos verarbeiten.