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30 Prozent mehr Stellenangebote fuer Fach- und Fuehrungskraefte, aber Noch reissen sich Krankenhaeuser nicht um die Datenverarbeiter

09.12.1994

MUENCHEN (CW) - Die Verabschiedung des Gesundheitsstrukturgesetzes (GSG) zeigt Wirkung. Wie die EMC-Stellenmarktauswertung belegt, schrieben die Traeger aus dem Gesundheits- und Sozialbereich in den vergangenen drei Monaten um 30 Prozent mehr freie Positionen fuer Fach- und Fuehrungskraefte aus als in der gleichen Vorjahresperiode. Fuer reine DV-Experten haelt sich die Zahl der Jobs allerdings noch in Grenzen.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 1994 hatten die Kliniken, Krankenhaeuser und Sozialeinrichtungen ihre Stellenangebote in den 33 untersuchten Zeitungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent reduziert. Mit den Zuwachsraten der vergangen Monate erreichten die Traeger, zu denen Kommunen, Verbaende, Vereine und private Unternehmen zaehlen, mengenmaessig das Vorjahresniveau.

Fuer Bernd Kuhlmann, Geschaeftsfuehrer der promt Medizinische Informationssysteme GmbH, einem Joint- venture der PMS Philips Medizin Systeme, kommt die Trendwende nicht ueberraschend: "Vor der Verabschiedung des GSG fuehlten sich die Krankenhausverantwortlichen in einer unsicheren Situation." Die moeglichen Konsequenzen aus den zu erwartenden gesetzlichen Regelungen liessen sich erst nach dem Inkrafttreten konkretisieren.

Dass etwas passieren musste, war den Beteiligten klar. Taeglich kostet die "Gesundheit", das heisst, das, was Aerzte, Apotheken, Krankenhaeuser und Patienten verbrauchen, rund 410 Millionen Mark. Die Leistungsausgaben der Krankenversicherungen stiegen in den letzten zehn Jahren von etwa 80 Milliarden auf 130 Milliarden per annum. Das 1993 der Oeffentlichkeit praesentierte Gesundheitsstrukturgesetz, das dann schliesslich am 8. August 1994 verabschiedet wurde, soll nun helfen, die Kostenlawine in den Griff zu bekommen.

Das Ziel haben die Traeger des Gesundheitswesens offensichtlich ernsthaft ins Auge gefasst. Von August bis Oktober inserierten sie im Vergleich zu den Vorjahresmonaten fuer Aufgaben in den Bereichen Finanz- und Rechnungswesen, Planung und Controlling um 35 Prozent mehr Stellenanzeigen.

Gefragt ist der Blick fuers Ganze

Die gesuchten Manager und Spezialisten sollen offensichtlich durch Schwachstellenanalyse und Effektivitaetsberechnungen dem Ausgabenwachstum Einhalt gebieten. Dieser Nachfrageboom ging am Markt fuer DV-Berufe bisher vorbei. "Wo frueher DV-Spezialisten gesucht wurden, die ein Controlling-System zu erstellen, zu programmieren, zu testen und einzufuehren hatten, da wird heute ein Controller gesucht, der ganz selbstverstaendlich die gesamte vorhandene DV eines Krankenhauses verstehen und bedienen muss", erklaert Kuhlmann. "Durch das GSG sind zumindest in den Krankenhaeusern keine traditionellen DV-Leute gefordert, sondern Personal mit fuer das Krankenhaus neuen Berufsbildern wie Betriebswirte oder Controller, somit Fachkraefte, die DV anwenden, um die Erfordernisse des GSG zu erfuellen."

Diesen Trend bestaetigen auch die Stellenmarktauswertungen. Explizit fuer Organisation und Datenverarbeitung wurden laut EMC kaum mehr freie Positionen als im vergangenen Jahr gezaehlt. Dabei ist der Anteil der Inserate fuer DV-Kernberufe mit zwei bis 2,5 Prozent vom Gesamtstellenangebot aus dem Gesundheitswesen seit jeher gering. Im gesamten oeffentlichen Dienstleistungssektor lag er in den ersten zehn Monaten dieses Jahres immerhin bei gut vier Prozent.

Auch auf die Bedarfssituation in der Software-Industrie hatte das GSG laut Kuhlmann bisher keine spuerbare Wirkung. "Die Anwendungsentwicklung setzt zunehmend Tools fuer ihre Produktion ein und legt demzufolge mehr Wert auf Mitarbeiter, die Erfahrungen in Anwendungen haben, die also die Forderungen des GSG im Sinne von Spezifikationen und Vorgaben umsetzen koennen."

Die festgestellte Zurueckhaltung bei der Nachfrage nach DV- Spezialisten haengt nach Meinung des Hamburger Managers auch mit der bestehenden Unsicherheit zusammen, die aus dem GSG resultiert. "Die Krankenhaeuser sind in der misslichen Lage, dass sie, sofern sie DV-Personal einstellen, diesem gar nicht sagen koennen, was es zu tun hat." Zahlreiche Durchfuehrungsbestimmungen des Gesetzes seien noch nicht geklaert.

Von diesem Manko ist auch die Softwarebranche betroffen, weiss Kuhlmann. Von ihr erwarteten die Anwender aus dem Gesundheitswesen Loesungsangebote, doch die IT-Anbieter wuessten wegen der unsicheren Gesetzeslage nicht, was sie programmieren sollen.