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19.12.1980 - 

Experte prophezeit "MVSE" als Native-Betriebssystem der IBM-Großrechner:

3081-Torso erst die Spitze des H-Berges

MÜNCHEN (cw/je) - Neue Funktionen bietet die 3081 nicht; sie verwendet dagegen ein behelfsmäßiges Kühlsystem und leistet - auf die Geldeinheit gerechnet - weniger als eine Amdahl 5860. Bob Fertig, amerikanischer Marktanalytiker, der sich derart kritisch über IBMs erstes H-Serienmodell äußert, erwartet andererseits innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate "einige dramatische Änderungen" im 3081-Bereich.

Nach einem Bericht in der zweiten Dezember-Ausgabe der amerikanischen Fachzeitung COMPUTERWORLD vertrat Fertig - er ist Präsident der Advanced Computer Techniques Corporation - kürzlich auf einem "Future Systems Forum" die Ansichten,- es deute alles darauf hin, daß die 3081 mit 32-Bit-Adressierbarkeit ausgestattet werde,

- die 3081 könne ein erheblich schnellerer Rechner werden, wenn eine besondere MVS/SP-Version als Native-Betriebssystem herauskomme, - der Durchsatz lasse sich noch weiter steigern, wenn IBM den 32-KB Pufferspeicher auf 64 KB erweitere.

Fertig bezeichnete die 3081 als Spitze eines Eisberges und Teil einer neuen Marketing-Strategie IBMs, zunächst abgemagerte "Krüppel-Zentraleinheiten" ("crippled CPUs") anzukündigen und diese dann schrittweise aufzustocken: Dadurch erhalte jedes Modell ein breites Band an Performance-Versionen, und den PCMs werde das Leben erschwert.

Hinsichtlich des Betriebssystems glaubt Fertig, daß einige tiefgreifende Änderungen bevorstehen und etwa OS/VS1 und DOS/VSE ohne zusätzlichen Overhead als MVS-Subsets lauffähig werden. Dieses neue, Migrationspfade eröffnende MVS (Fertig gab ihm den Namen MVS/E) soll neben der 32-Bit-Adressierung und dem Arbeiten mit virtuellem Speicher zunächst ein Interface zu OS/VS1, Später auch zu DOS/VS bieten.

Als Schlüssel zu MVS stellt der :Marktbeobachter die neue Facility SRD (System Repository and Directory) vor. Sie werde Steuer- und Überwachungsfunktionen bei der Kommunikation zwischen MVS/E und Subsystemen wie JES, IMS, TSO oder einem Datendiktionär wahrnehmen und außerdem die Systemsicherheit und -integrität von MVS/E fördern.

Im Hinblick auf die 3081-Hardware meint Fertig, sie liege mit 26 Nanosekunden Zykluszeit und 10,5 Mips im ersten Hinsehen doppelt so günstig wie die 3033 (57 Nanosekunden und etwa fünf Mips). Betrachte man die 3081 aber als Uniprozessor - entgegen der Darstellung von IBM, ein dyadischer Prozessor sei nicht teilbar - so komme für beide Rechner im großen und ganzen dieselbe Performance heraus.

Kritisch wertete Fertig das 3081-Kühlsystem. Zwar sei der "Thermal Conduction"-Modul (TCM) technologisch gesehen ein Fortschritt - ein Helium-gefüllter 61-Kubikzoll-Container beherbergt die einer 370-145 entsprechenden logischen Chips-, aus IBM-Sicht handele es sich aber um einen Fehler.

Ursprünglich nämlich hatte TCM die Kühlung autark besorgen sollen; als sich aber (wahrscheinlich erst in der Testphase) gezeigt habe, daß dies nicht zu erreichen sein würde, habe IBM auf das Konzept des von außen durch den TCM hindurchgeführten Kühlwassers zurückgegriffen. Fertig räumte ein, 3033-Anwender als die "aussichtsreichsten" 3081-Kandidaten verfügten ohnehin über einen installierten Wasseranschluß, eine große Enttäuschung sei das TCM-Debakel für IBM aber doch gewesen.

Er beeilte sich zu sagen, die 3081 weise auch einige Vorzüge auf, so beispielsweise mehr Mips pro Dollar (für den IBM-Anwender) und die Aussicht auf Leistungsverbesserungen. Verbessert habe man ferner die Ein-/ Ausgabeeinheiten (24 Kanäle für High-Speed-Multiplexing), zudem den Bedarf an Stellfläche, Energie und Kühlung im Vergleich zur 3033 verringert.

Der neue Rechner ist 370-Softwarekompatibel, zählte Fertig als weiteren Vorzug auf, und die Spekulation, IBM werde demnächst einen 3081-Native Mode ankündigen, wertete er als Indikator dafür, daß die 3033-Benützer "nicht draußen im Kalten gelassen" werden. Ein Pluspunkt für die 3081 ist nach seiner Meinung auch die verbesserte Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit, wie überhaupt einige hard- und softwaremäßige Qualitäten der 3081 durchaus vorzeigbar seien - bis hin zur Technologie der im Feld austauschbaren Systemkomponenten.

Differenzierter äußerte sich Fertig zu den Wartungskosten: IBMs Telefonservice für MVS werde sich gewiß kostensenkend auswirken; andererseits müsse darauf hingewiesen werden, daß die kürzlich angehobenen Servicekosten für die 3033 im Gegensatz zu den Kostensenkungen für eben dieses System stünden.