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12.02.1982 - 

Leistung des IBM-Jumbos geht kaum über die der 3033 hinaus:

3081 zeigt Performance-Schwächen unter TSO

STUTTGART/MÜNCHEN - Der IBM-Prozessorkomplex 3081 D hält nicht, was der Marktführer verspricht. Nachdem die ersten Maschinen nunmehr seit einigen Wochen im Einsatz sind, zeigen sich bereits gravierende Macken. Klagen kommen insbesondere über die schlechte Performance des Rechners bei Timesharing-Anwendungen unter TSO (Time Sharing Option) und bei der Benutzung des Datenbank-Systems IMS.3081-Spezialisten vermuten, daß IBM diverse Schnitzer im Kanalkonzept fabriziert habe.

Geradezu überschwenglich jubelten IBM-Benutzer, als Big Blue im November 1980 das erste Modell ( "D") der mit viel Vorschußlorbeeren versehenen H-Serie ankündigte. Erste Zweifel an dem neuen System wurden aber bereits laut, als der Marktführer nur wenige Monate später mit der 3081 "K" eine weitere Maschine (...)jedoch mit abweichender Systemarchitektur - präsentierte. Die Antwort auf diesen seinerzeit nicht ganz verständlichen Schritt scheint Branchenkennern nunmehr klar: Der im französischen Montpellier gefertigte Großrechner - losgelassen als Schnellschuß gegen die steckerkompatible Konkurrenz - war offensichtlich noch nicht ausgereift. Aus den USA kommende Gerüchte über eine schlechte 3081-Performance haben sich inzwischen hierzulande verhärtet: Der von der IBM mit dem Faktor 1,9 bis 2,1 gegenüber der 3033U angegebene Leistungswert, so meinen die Benutzer, liege teilweise mit 1,6 bis 1,7 gerade noch im Bereich der 3033 mit Anschlußprozessor (AP). Dem Vernehmen nach haben sich bereits fünf IBM-Großanwender (BMW, MBB, VW, Höchst und Grundig) zu einem "3081-Guide" zusammengeschlossen, um mit der IBM über die Schwächen des H-Jumbos zu diskutieren.

Die hiesigen "Early-Shipment"-Kunden (IBM-Lingo) decken einen Mantel des Schweigens über ihre 3081-Probleme. Sie haben gegenüber der IBM Deutschland GmbH ein Papier unterschrieben, das ihnen untersagt, gegenüber Dritten Angaben über ihr System zu machen. Dafür können sie, so wird gemunkelt, die Anlage sechs Wochen umsonst fahren.

Die über den blauen Jumbo verhängte Nachrichtensperre bezieht sich aber offensichtlich nicht auf die Schweiz. Victor Merkler, Chef der Abteilung DV-Technik bei der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich, gibt unumwunden zu: "Unsere Erwartungen in die 3081 wurden nicht erfüllt." Im Züricher Geldinstitut müßten jetzt die Verantwortlichen innerhalb der nächsten 14 Tage entscheiden, einen weiteren Rechner hinzuzunehmen. Die Eidgenossen bemängeln vor allem, daß die IBM eine Maschine ausgeliefert habe, deren wichtigste Features erst zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar seien. Das Schweizerische Bankhaus arbeitete bisher mit zwei IBM-Systemen 3033U und einer Amdahl 470V/8. Mit der 3081 wollte das DV-Team, laut Merkler, bis Ende dieses Jahres einen Rechnerverbund schaffen, der wesentlich über die bisherige Rechnerleistung hinausgehen sollte. "Wir müssen jetzt prüfen", gesteht der Züricher DV-Boß, "ob es nicht andere Wege gibt, unsere Vorstellungen von einer optimalen Konstellation zu verwirklichen." Die bisherigen Performance-Messungen seien überwiegend negativ ausgefallen. Merkler führt dies unter anderem auf Fehler im Channel-Design zurück. Dieser Problematik stünden selbst die IBM-Spezialisten ohnmächtig gegenüber.

"No Comment" vom Anwender

Die Schweizer können jedoch von Glück sagen, daß sich ihr H-Jumbo noch nicht in der Produktionsphase befindet. IBM-Beobachter wollen nämlich wissen, daß die Fürther Grundig AG und die Bayerischen Motorenwerke (BMW) in München bereits mit echten Kalamitäten kämpfen, denn dort seien die Rechner bereits voll im Einsatz. Beide Unternehmen hätten zusätzliche Schnellspeicher bei der Frankfurter Storage Technologie Corp. GmbH (STC) eingekauft, um halbwegs an die Leistung ihrer bisherigen 3033-Modelle heranzukommen.

Obwohl von BMW offiziell nur "No comment" zu hören ist, sickert dennoch heftige Kritik an dem neuen Großrechner durch. Bei den Münchnern besteht durch umfangreiche

Timesharing-Anwendungen ein hoher TSO-Anteil. Obwohl bei der DV-Crew des bayrischen Automobilherstellers noch nicht das Detailverständnis für die 3081-Mängel vorhanden sei, müsse davon ausgegangen werden, daß das anwendungsintensive TSO die Kanäle überlaste. Messungen hätten gezeigt, daß das Channel-Design der 3081 offensichtlich falsch angelegt worden sei, verrät ein BMW-Berater. Dadurch arbeiteten die Kanäle gar noch langsamer als die der 3033 AP.

Als Hauptproblem wird in BMW-Kreisen aber die derzeitige Ausstattung der 3081 D angesehen. Die Maschine sei vom internen Prozessor Konzept her so "schnell" ausgelegt daß die derzeit verfügbaren 16 MB Hauptspeicher und die sechszehn Kanäle nicht ausreichten. Momentan werkeln IBM-Spezialisten an der Software, um den Rechner schneller zu machen. Der Münchner DV-Crew sei jedoch nur mit einer zweiten 3081 zu helfen, konstatiert ein BMW-Insider.

Vor vergleichbaren Problemen sieht sich auch die DV-Abteilung der Grundig AG. Kenner des Fürther Elektrokonzerns wollen wissen, daß sich das Management bereits ein Angebot über einen Hitachi-Rechner eingeholt habe, der die fehlende Leistung der 3081 ausgleichen soll. Daß Performance-Schwankungen auftreten, hört man auch von den Fürthern. Sie meinen allerdings, daß es sich um ein reines Hauptspeicherproblem handele, über das sie bereits vor Lieferung des Großrechners Bescheid gewußt hätten. Das Grundig-Team fuhr bisher zwei 3033 mit insgesamt 32 MB. Diese Rechner sollten durch die 3081 ersetzt werden. Aber schon bald hätten die Nordbayern gemerkt, daß sie sich insbesondere beim Einsatz von TSO gewaltig einschränken müßten, sagen Grundig-Insider.

Ebenso wie in Fürth sollte die 3081 bei der Messerschmidt-Bölkow-Blohm GmbH, Ottobrunn bei München, zwei 3033 ersetzen Das geplante Konzept ging aber nicht auf Wie aus MBB-Kreisen zu erfahren ist, liege die Leistung etwa 30 Prozent unter den von der IBM angegebenen Werten. Die derzeitige Auftragslage des Unternehmens mache den Hardware-Planern jetzt einen Strich durch die Rechnung. Der Geldhahn für die DV-Abteilung sei zugedreht worden und das MBB-Management nicht einmal mehr bereit, in zusätzliche Speicherkapazität zu investieren.

Zufriedenheit über die 3081 herrscht indessen beim Rechenzentrum Süd-West in Stuttgart. Das neue System bringe gegenüber der 3033 etwa 30 Prozent mehr Leistung, freut sich Franz Lang, zuständig für Hardware und Kapazitätsplanung. Die Stuttgarter fahren allerdings weder TSO noch IMS, sondern ausschließlich CICS. Lang meint, daß einige Benutzer bereits auf der 3033 erhebliche Paging-Probleme gehabt hätten, die sich jetzt auf der 3081 noch extremer äußern würden, zumal die CPU um einiges schneller sei. "Wenn die Designer das I/O-Konzept in der 3081 nicht richtig ausgewogen haben", erläutert Lang, "kann es zu Performance-Verlusten kommen." Einige 3081-User würden vor allem darunter leiden, daß ihre Maschine noch nicht über die angekündigten 24 MB verfüge.

Unter Brokern gilt schon heute die Warnung: "Vorsicht mit der 3081, die Kunden sind nicht sonderlich happy", behauptet ein Kenner der Szene. Bereits auf der 3033 habe sich das Betriebssystem MVS nicht sonderlich gut mit IMS und TSO vertragen. Trete jetzt eine Massierung dieser Anwendungen bei der 3081 auf, falle die Maschine von der Leistung her stark ab. 3081-Profis, die hier ebenfalls ein Kanalproblem vermuten, sind überzeugt, daß die augenblicklichen Kinderkrankheiten erst dann behoben seien, wenn dem Benutzer die "Floatingchannels" für den H-Rechner zur Verfügung stünden.

Die steckerkompatible IBM-Konkurrenz ist überzeugt, daß Big Blue das neuartige Dyadik-Prozessor-Konzept noch nicht richtig im Griff habe. So wie die 3081 heute betrieben werden könne, sei sie nichts anderes als eine herkömmliche "AP-Variante". In einer sehr intensiven Anwendung, wie etwa beim Timesharing, müßten die beiden Prozessoren permanent hin und her schalten, weil nur ein Prozessor über ein I/O-System verfüge und der andere als "Huckepack-Rechner" fungiere. Dadurch würden zwangsläufig Reibungsverluste auftreten. Andererseits meinen auch die PCM-Spezialisten, daß bei der immensen Prozessorleistung des IBM-Jumbos 24 Kanäle zuwenig seien, denn allein die 3033U sei mit 16 Kanälen schon voll ausgelastet gewesen.

Daß die CPU für die Anzahl der vorhandenen Channels zu schnell sei, hat auch ein süddeutscher 3081-Benutzer erkannt. Performance-Lücken würden insbesondere dann auftreten, wenn die Maschine "von Haus aus" über zuwenig Hauptspeicherkapazität verfüge. Bei kleineren Ausbaustufen wäre die Anlage immer irgendwo eingeschränkt, weil einige Komponenten überlastet seien. Witzelt der 3081-User: "Das ist so, als würde man einen Porsche mit Fahrradreifen herumkutschieren."

Auch die IBM-Deutschland spricht - wenn auch unter Vorbehalt - ganz offen über Performance-Probleme auf der H-Maschine. "In Einzelfällen ist es möglich", erläutert Pressesprecher Jürgen Sarfert, "daß die, 3081 nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt." Dies sei aber nur dann der Fall, wenn die Gesamtumgebung des Rechners nicht der gebotenen hohen Leistungsfähigkeit angepaßt sei. Dies könne dann durchaus zu Engpässen führen.