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22.11.1985

3090 kontra 308X - noch einiges hinter dem Sierra-Busch

Noch in diesem Jahr wird IBM 300 bis 500 Systeme 3090-200 weltweit installieren. Spätestens im ersten Quartal 1986 soll, so spekulieren Branchenkenner, der Uniprozessor 3090-100 angekündigt werden. Gleichzeitig rutschen die Preise für die 308X-Rechner. Nie zuvor verfügte der Kunde über ein derart verwirrendes Produktangebot, wie es ihm in den kommenden zwölf Monaten offeriert werden wird. Doch in Wirklichkeit ist es nur eine Alternative, die das Marktgeschehen beherrscht. Der Kunde muß sich entscheiden zwischen teurer, neuer Technologie oder preisgünstigen Gebrauchtmaschinen.

Schwierig wird diese Entscheidungssituation durch die bevorstehende Ankündigung von neuen Funktionen, mit der IBM ihre 3090-Serie aufwerten will. Sie sollen die 308X-Serie aber keineswegs alt aussehen lassen. Gegen hohes Entgelt wird IBM in Form von brandneuen Upgrades die 3090-Funktionalität auch den 308X-Anwendern zur Verfügung stellen. In diesem Beitrag wird die 3090 mit ihren Auswirkungen auf den Markt analysiert.

In den vergangenen Jahren hat sich IBM produktstrategisch völlig neu ausgerichtet. Die Auswirkungen dieser gewandelten Prioritäten sind weltweit spürbar: Big Blue ist nicht nur Massenproduzent, sondern verfügt heute auch über das mit Abstand größte Produktspektrum. Darüber hinaus senkt das Unternehmen seine Hardwarepreise jährlich um durchschnittlich 20 Prozent.

Jetzt hat der Computerriese seine Ziele neu formuliert. Er will in puncto Preis, Technologie und Massenproduktion der absolute Marktführer sein. Bei einem durchschnittlichen Wachstum von 16 Prozent im Jahr soll 1990 die Umsatzgrenze von 100 Milliarden Dollar überschritten werden.

Deshalb hat Big Blue seine Marketingpolitik auf breiter Front geändert. Nicht mehr das Mietgeschäft dominiert, sondern allein der Hardwareverkauf. Und das hat Auswirkungen auf die Ankündigungspolitik, den Auslieferungsmodus, die Verkaufsstrategie, das Wartungskonzept, die Vertriebswege und die Leasingstrategie .

Die Beziehung zwischen IBM, ihren Kunden und Wettbewerbern erhält damit eine völlig neue Grundlage, die beherrscht wird von der neuen Technologiepolitik, die IBM mit der erweiterten Architektur (XA) eingeschlagen hat und zügig ausbaut.

Die erweiterte Architektur hebt die bisherigen Restriktionen der /370-Architektur auf. Und diese Befreiung wird von den Kunden inzwischen rege in Anspruch genommen. Anwender, die sich 40,50 und 60 MB virtuellen Speichers nähern, sind keine Seltenheit. Doch damit taucht für sie wieder primär ein. Problem des verfügbaren Realspeichers auf. Diesen bietet in reichlichem Maß und auf dynamische Weise der neue IBM-Großrechner 3090.

Das System verfügt über drei Speicherstufen: 64 KB Cache, 64 MB Hauptspeicher, der in 64-MB-Stufen ausbaubar ist bis vielleicht sogar zwei Gigabyte, dem maximalen Adreßraum der erweiterten Architektur. IBM ermutigt mit guten Argumenten ihre IMS- und TSO-Kunden dazu, den Realspeicher rapide und großzügig auszubauen. Warum auch nicht? Beim TSO beispielsweise kann dadurch das lästige "Swapping" eliminiert werden.

Obwohl es derzeit nur die Online-Regions sind, die eine Aufhebung der Restriktionen beim virtuellen Speicher verlangen, sind es auch die VM/CMS-Anwender, die sich darüber beschweren, daß sie keine 31-Bit-Adressierung haben.

Der Grund: Time-sharing-Benutzer wollen, daß ihre "virtuelle Maschine" über mehr als nur 16 MB verfügt. Denkt man an den Einsatz von grafischen Anwendungen oder Information-Center-Produkten, so wird klar, daß 16 MB pro Benutzer einfach zu wenig sind.

Das Problem der Limitationen des virtuellen Speichers wird sich in den kommenden Jahren vervielfachen. Und das nicht nur beim Realspeicher, sondern auch im I/O-Bereich. Eine Maschine von derartiger Komplexität, mit derart umfassenden Eigenschaften, verlangt mit ihren 32 Kanälen ganz einfach nach neuen, modernen Peripheriegeräten.

Die technischen Anforderungen an Leistungsfähigkeit und Kapazität von Platten und Kanälen werden rapide steigen. Allein schon der Bedarf an Massenspeichern hat heute schon enorme Auswirkungen auf die verfügbare Installationsfläche in den Rechenzentren.

Der Platzmangel in den Rechenzentren einerseits und die Forderungen nach sinkenden Kosten pro Megabyte andererseits sind es, die die technische Entwicklung bei Magnetplatten bestimmen. IBM reagierte darauf mit der Ankündigung ihrer 3380-Massenspeicher mit jetzt doppelter Kapazität. Das Ergebnis: Je Zugriffsarm stehen jetzt mehr Daten zur Verfügung.

Was die Anwender indes wirklich brauchen, sind mehr Zugriffsarme für weniger Daten, konzentriert auf Magnetplatten mit höherer Kapazität. Doch dieser Anspruch kollidiert mit dem derzeitigen Leistungsvermögen der Platten; die von ihrer internen Struktur her eine solche Philosophie nicht tragen. Im Gegenteil: Ihr haben es die Massenspeicher zu verdanken, daß während des Betriebs stets 40 Prozent der "Actuators" stillstehen.

IBM entwickelt deshalb derzeit völlig neue Magnetplatteneinheiten. Was dabei dringend benötigt wird, ist eine Verbesserung der internen Datenpfade, die es erlauben, daß gegenüberliegende Zugriffsarme simultan, also gleichzeitig, arbeiten können.

Ebenso sind schnellere Kanäle notwendig. Und das wiederum hat Auswirkungen auf den Pufferspeicher in den 3880-Steuereinheiten, der mit den höheren Kanalgeschwindigkeiten einerseits und der Rotationsgeschwindigkeit der Platten fertig werden muß. Ohne die erweiterte Architektur mit ihrem dynamischen Reconnect läßt sich da gar nichts machen.

Die Anwender wären glücklicher, wenn IBM ihnen noch mehr Datenpfade eröffnete. Das würde bedeuten, daß aus einem AA4-Laufwerk als "Kopf" des Plattenstrangs eine AAAA4-Station wird, die nun über vier Datenpfade verfügt. Und genau darauf ist wiederum XA zugeschnitten: auf vier Datenpfade.

In den Entwicklungslabors des Computerriesen soll bereits an Übertragungsraten von 4,5 MB pro Sekunde gearbeitet werden. Dadurch ließe sich die Kapazität der 3380-Platten um weitere 60 Prozent steigern, was allerdings wiederum den Druck nach Verbesserung der Zugriffsgeschwindigkeit erhöht. Und so werden nicht nur Platten mit höherer Kapazität auf den Markt kommen, die einen Trend zum Archivspeicher haben, wie die derzeitigen 3380er, sondern auch Einheiten, die für hochfrequentierte Daten eine erheblich höhere Leistung bei weniger Kapazität aufweisen.

Spekulationen gehen dahin, daß IBM deswegen eine 3380-Platte mit einer "fixed block architecture" (FBA) und einfacher Dichte vorstellen wird, die diese höhere Übertragungsrate optimal nutzt.

Das Unternehmen möchte gerne die Effizienz der FBA verbinden mit den Vorteilen der Zugriffsmethode "count key data" (CKD).

Dies kann über einen Mikrocode erreicht werden, der entweder nach FBA oder nach CKD aufzeichnet. Diese Erweiterung würde Big Blue den Weg ebnen, den Anwendern beides zu bieten, ohne die Kundenbasis in zwei Lager zu spalten. Es wäre zudem ein weiterer Schritt in Richtung "hierarchical storage" und den damit verbundenen Einsatz des umstrittenen "Hierarchical Storage Master" (HSM).

Letztendlich beschleunigt dies alles den Verkauf von mehr Hardware. Es kann niemanden wundern, wenn ein 3380-Plattenstrang bald rund eine Million Dollar kostet. Hinzu kämen höhere Einnahmen aus Softwarelizenzen wie etwa das Data Facilities Product (DFP), ohnehin schon eine Vorbedingung für die 3380er Platten. Da wäre dann noch die HSM-Lizenz und natürlich XA. Schließlich erzeugt dies alles einen noch größeren Bedarf an Hard- und Softwareunterstützung bei der vollen Integration von Magnetbandstationen.

Bei Magnetbändern tut sich in der Tat einiges bei IBM, die in ihren Entwicklungslaboratorien unter dem Codenamen "Jupiter" an einem Projekt arbeitet, das aus den neuen 3480-Magnetbändern einen besseren Archivspeicher machen soll. Die Kassetten sind in einem Karussellmagazin untergebracht, von dem aus sie dann in die Station eingespeist werden. Noch wichtiger ist das neue Softwarepaket "Library Access Method". Es wird Bestandteil des Hierarchical Storage Manager sein.

All diese Entwicklungen, die zudem voneinander abhängig sind, erzeugen eine völlig neue, sehr kräftige Anwenderdynamik, die auf dem ständigen Bedarf nach weiteren Neuerungen basiert.

Dadurch entsteht jedoch eine hektische Marktsituation, die geprägt ist von dem permanenten Wechsel zwischen alt und neu. Zum Beispiel: Die alten 3380er verfügen weder über den verbesserten Datenpfad, noch sind sie aufrüstbar zu den neuen Laufwerken mit doppelter Kapazität.

Es scheint Big Blues verstärkt angewandte Methode zu sein, Technologie von gestern für obsolet zu erklären. Sie wurde bereits sichtbar bei den 3380-Modellen 11 und 13, bei den Laserprintern und bei den 4245-Zeilendruckern. Die neuen 3480-Magnetbandstationen sind ebenfalls ein möglicher Kandidat, der dem technischen Fortschritt geopfert wird. Mitarbeiter im Entwicklungslabor in Tucson behaupten, daß eine Bandaufzeichnungsdichte von 38 000 bpi "gerade erst der Anfang" sei.

Da der Anwender für das Kopieren seiner 3380-Platten auf Magnetband höhere Kapazitäten benötigt, als die jetzigen 3480-Kassetten bieten, kann der Wechsel hier sehr bald kommen, zumal IBM durchaus in der Lage zu sein scheint, eine adäquate Technik anbieten zu können. Die Zahl der Spuren von derzeit 18 ließe sich ohne weiteres erhöhen. Ebenso kann die Aufzeichnungsdichte gesteigert werden.

Das alles beeinflußt die Investitionspolitik der Anwender, die deshalb ihr Augenmerk stärker auf die Wiedervermarktungsmöglichkeiten

gebrauchter Maschinen richten müssen. Vor allem langfristige Verpflichtungen gegenüber Leasinggebern geraten dabei zunehmend in den Mittelpunkt. Die Verträge müssen so gestaltet sein, daß sie bei IBM-Ankündigungen die Möglichkeit des vorzeitigen Ausstiegs bieten.

Der Zwang zum Wandel belebt den Markt ungemein. Er erhöht das Produktangebot und offeriert dem Anwender viele Möglichkeiten, sich genau mit der Hardware auszustatten, die er tatsächlich braucht. Dort, wo der Markt nur in sehr geringem Maße von neuer Technologie beeinflußt wird, ist es die IBM, die vornehmlich davon profitiert. Sie erhält erheblich mehr Eingriffsmöglichkeiten in den Markt. Hier sei nur an die Ankündigung der X-Maschinen in der 308X-Linie erinnert.

Der Computerriese selbst behandelte von Anfang an intern die alte und die neue 308X-Linie völlig gleich. Als indes die 308X-X-Serie im Februar 1984 vorgestellt wurde, entstand der von IBM durchaus gewollte Eindruck, als würden sich diese Maschinen in ihrer Funktionalität von der alten Serie unterscheiden. Doch mit der Vorstellung der IBM 3090 im Februar 1985 stellte sich heraus, daß sich in ihrer Funktionalität weder die alte und die neue 308X-Linie noch die IBM 3090 voneinander unterscheiden. Man sieht das zum Beispiel am VM-Mikrocode, der ebenso auf der zweireihigen 308X-Linie als auch auf der 3090 implementiert wird. Gleiches gilt für das mikrocodierte Sort-Package.

Selbst IBM-Topmanager erklären auf öffentlichen Tagungen, daß der Doppelreiher 308X völlig gleichbehandelt wird. Das zeigt sich auch in der Leistung, die bei beiden Maschinenreihen übereinstimmt. Als IBM für die frühere 308X-Reihe das "Speed-up-Feature" ankündigte, erhielten die Kunden damit denselben Mikrocode wie die X-Linie. Es gibt also keine Unterschiede in der Funktionalität.

Wird dies indes so bleiben?

Noch sind mögliche Unterscheidungsmerkmale zwischen 3090 und 308X gar nicht absehbar. Indes mit der neuen Hauptspeichererweiterung der Sierra hat IBM zumindest eines offengelegt: Die Schnittstellen zur Hauptspeichererweiterung sind so gestaltet, daß sie genauso wirksam arbeiten wie die zum normalen Hauptspeicher. Mehr noch: Hier finden keine I/Os statt. Die Hauptspeichererweiterung dient ausschließlich dem Paging (4 Kilobyte) mit dem Main-Memory, ohne daß dies über die Kanäle geht.

Ein anderer sich andeutender Unterschied liegt in der Kanalarchitektur. In der 3080 arbeiten hochspezialisierte und festprogrammierte Mikroprozessoren als Kanalsteuerung. In der 3090 hingegen arbeitet die Kanalsteuerung mit /370-Mikrocode. Das bedeutet: Der Channel-Director ist ein /370-Prozessor, was einiges an neuer Funktionalität erwarten läßt.

Eine der Überraschungen im Gefolge der 308X-Ankündigungen war die Entdeckung des dreistufigen Mikrocode: /370, XA und XAA. Letzterer, XA Assist, war in allen 3080-Rechnern vorhanden, und keiner wußte es. Nun ist es klar: Es war der Freiraum für den VM-Mikrocode.

Und hier kommt der Sort-Mikrocode wie die Mikrocodes aller weiteren Programme hin. Es ist die neue Art und Weise, die Mikrocode-Entwicklung zu standardisieren - über alle Rechnerlinien hinweg.

Die 3090 hat ebenfalls mindestens drei Mikrocode-Levels. Und da XA die Fähigkeit besitzt, derzeit mindestens 255 verschiedene Prozessoren zu unterstützen, mag es in der 3090 einen Vorrat von neuen Mikrocode-Stufen geben, die eingesetzt werden, um verschiedene Prozessoren (mit unterschiedlichen Aufgaben) zu steuern.

Wie kann IBM ein vertikales Wachstum durch Wegladen des Betriebssystems erreichen? Da gibt es zumindest eine Möglichkeit.

Das Handling des ersten Interrupt-Levels ist wohl der undurchsichtigste Teil in einem Betriebssystem. Wann immer hier etwas geschieht, muß man in diese Ebene einsteigen, um herauszufinden, was es war.

Diese bislang reine Softwareroutine besteht aus 50 Instruktionen, zu deren Abarbeitung 330 Maschinenzyklen notwendig sind. Big Blue hat nun dafür eine Mikrocode-Version entwickelt, die aus einer einzigen Instruktion besteht, die insgesamt nur 70 Maschinenzyklen benötigt. Das reduziert den Overhead erheblich.

Um IBMs Politik der permanenten Ankündigung zu verstehen, muß man ihre Großrechner-Produktion analysieren. Die 3090 beeinflußt den Absatz aller anderen Produkte - der neuen ebenso wie der bereits eingeführten. Und hier die Fertigungskapazität - den Wechsel von einer Rechnergeneration zur nächsten - so verlustarm wie möglich zu gestalten, darauf zielt ihre Politik der sukzessiven Ankündigung. Big Blue steuert gleichsam mit den Announcements den Markt.

Bei einer Fertigungskapazität von 200 Rechnern des Typs 3090 pro Monat würde Big Blue innerhalb von drei Monaten den Primärmarkt sättigen. Es gibt derzeit weniger als 500 installierte 3084-Rechner, die zur Ablösung durch 3090 anstehen. Doch wenn sich die Tore dieser Anwender für die neue Linie geöffnet haben, soll nicht nur dieser Markt schnell befriedigt werden.

Denn dann müßte IBM anschließend die Fertigung runterfahren. Deshalb ist damit zu rechnen, daß bereits in der ersten Hälfte 1986 ein Uniprozessor der 3090-Linie angekündigt wird, der eine neue Nachfrage erzeugt. Und es ist auch kaum zu erwarten, daß IBM mit der Auslieferung ihres Top-of-the-line-Modells 3090-400 bis Mitte 1987 warten wird. Erste Auslieferungen stehen wahrscheinlich bereits Ende 1986 an.

Wenn IBM 1985 zwischen 300 und 500 ihrer neuen 3090-Serie ausliefert, wird dadurch eine große Anzahl von 3081ern frei. Diese Anlagen stehen dem Gebrauchtmaschinenmarkt zur Verfügung, in dem die 3081 dann 3083er ersetzen wird. Dies kann IBM nicht hinnehmen. Deshalb muß sie die 3090-Uniprozessoren eventuell noch früher ankündigen. Gleichzeitig wird sie jene 3090-Funktionen vorstellen, die die eigentlichen großen Unterschiede zur 308X setzen.

Mit anderen Worten - IBM wird die 308X über kurz oder lang als aussätzig deklarieren: "Vergiß 3080, kauf 3090" - so heißt dann die Devise.

Zum selben Zeitpunkt oder spätestens nachdem alle Geschäfte neu geregelt sind, wird der Computerriese erneut in die Trickkiste greifen: Er wird nun dem 308X-Markt völlig neue Upgrades anbieten, mit denen diese Anwender ihre installierten Maschinen mit den neuen 3090-Funktionsmöglichkeiten ausstatten können. Und diese Upgrades gibt's nur bei Big Blue. Auf dem Secondhand-Markt ist da nichts zu holen. Für IBM wird somit der Verkauf von Aufrüstsätzen zu einem höchst profitablen Geschäft.

Das Unternehmen verfügt in seiner Großrechnerstrategie über zwei Wachstumsschrauben, mit denen es seine Maschinen tunen und verstärken kann:

1. Vertikal: Durch Verlagerung von Betriebssystem-Overhead in den Mikrocode erhöht IBM das vertikale Leistungswachstum der Prozessoren.

2. Horizontal: Unter XA ist es möglich, die 3090-400 mit vier Prozessoren auf sechs oder acht auszubauen.

Die 3084 ist der erste Beweis für das horizontale Leistungswachstum innerhalb einer Produktlinie. Das klappt aber nur, wenn der Kunde über keine neuen Optionen verfügt. Und das ist genau der Dollpunkt.

Wenn nämlich ein neues Produkt angekündigt würde mit all seinen neuen Optionen, dann wollen die Kunden sie auch nutzen, und der Wert der noch in Produktion befindlichen "Altmaschinen" würde rapide sinken. Sie wären selbst für IBM unverkäuflich.

Aus dieser Situation hilft nur die schnelle Umstellung der Produktion durch Massenauslieferung der 3090. Wenn nun der Preis für die 308X-Linie sinkt, ist IBM längst aus dem Schneider. Aber solange das nicht der Fall ist, werden die neuen Optionen nicht vorgestellt.

Der Markt ist indes allein durch die 3090-Ankündigung in Bewegung geraten. Mit dem Preis von 540 000 Mark pro MIPS, der bis Mitte 1986 kaum fallen wird, ist die 3090 der teuerste Rechner. Bis dahin wird allerdings der Preis einer gebrauchten 3080 von 360 000 Mark pro MIPS auf 240 000 Mark gesunken sein.

Die Marktentwicklung wird dafür sorgen, daß die Wahl, vor der ein Kunde im Jahr 1986 steht, größer sein wird als je zuvor. Dabei wird sich zeigen, daß das CPU-Wachstum bei gleichzeitiger Kostenkontrolle mehr Flexibilität verlangt, als IBM derzeit anbietet.

Mit welchen Methoden kann nun ein Anwender aus diesem breiten Angebot genau das finden, was er für seinen Bedarf benötigt? Comdisco hat dazu drei Verhaltensmodelle entwickelt, die es dem Kunden ermöglichen, sich selbst eine Strategie zu suchen, mit der er souverän sein Hardwarewachstum managen kann.

Erste Strategie: New-Technology-Anwender.

Es ist dies der Kunde, der stets die neueste Technologie benötigt. Er erwirbt seinen neuen Rechner bereits mit der ersten Auslieferung. Er installiert also eine 3090, die wirklich neueste Technologie nebst allen Optionen beinhaltet.

Grund: Die IBM 3090 besitzt jenes Wachstumspotential, das in puncto Geschwindigkeit und Kapazität wohl von keinem anderen System geboten werden kann. Der Kunde hat die Aufstiegsmöglichkeit zum Modell 3090-400.

Zweite Strategie: One-Step-Back-Anwender.

Für diesen Kunden hat die neueste Technologie nur eine zweitrangige Bedeutung. Er erwirbt seinen neuen Rechner, wenn dessen Preis am Gebrauchtmaschinenmarkt seinen ersten großen Tiefpunkt erreicht. Er ist stets einen Schritt hinter der neuesten Technologie und kauft also 308X.

Grund: Im Dezember 1981 kostete eine neue 3033-S rund 4,3 Millionen Mark. Genau ein Jahr später war sie für 500 000 Mark am Gebrauchtmaschinenmarkt zu haben. Der One-Step-Back-Anwender wartet also, bis die Preise drastisch gefallen sind, bevor er kauft. Solche Kunden beschafften sich zum Beispiel 1984 ihre 4341 zu einem Viertel des Preises, den sie 1983 für eine neue Maschine hätten bezahlen müssen.

Für den One-Step-Back-Anwender mit 308X-Bedarf kommt die große Stunde 1986:

- Er sichert sich im ersten Halbjahr 1986 seine 3081 zur Hälfte des Preises, den er bezahlen muß für eine 3090-100, die zu diesem Zeitpunkt angekündigt sein wird.

- Für 1,75 Millionen Mark bietet ihm der Markt eine 3083-B, die er statt einer 4381-3 für rund 2,2 Millionen Mark installiert.

Und wenn sich der Preis für 308X auf niedrigstem Level eingependelt hat, kann der One-Step-Back-Anwender das Geschäft seines Lebens machen. Durch niedrige Leasingraten mit kurzer Laufzeit bekommt er so viel Spielraum in seinem Budget daß er jedes Wachstum finanzieren kann.

Übrigens: Jene aufwendigen Kostenanalysen "Leasing versus Kauf"

kann sich der One-Step-Back-Anwender schenken. Der Restwert ist so niedrig, daß Kauf von vornherein ausgeschlossen ist. Wenn er sich zudem Zugriff auf das große Portfolio einer Leasinggesellschaft sichert, dann kann er seine Maschinen je nach aktuellem Bedarf austauschen, ohne ständig unter Kauf- und Verkaufsdruck seiner installierten Systeme zu stehen.

Dem One-Step-Back-Anwender steht im kommenden Jahr auch der 3084-Markt offen, der dann mit Preisen von rund 7,5 Millionen Mark lockt. Das ist die Hälfte des Betrages den man für eine 3090-200 berappen muß. Wer die 3090-Funktionalität nicht braucht, sollte auch nicht dafür bezahlen.

Dritte Strategie: der "Bockspringer".

Dieser Anwender zwei Großrechner installiert, von denen er eine im Wechsel von zwei Jahren durch eine neue Maschine ersetzt. Das gibt ihm viel Flexibilität beim Wachstum und bei der Finanzierung.

Grund: Bei einer Installationsdauer von vier Jahren pro Maschine wechselt der "Bockspringer" normalerweise im Rhythmus von zwei Jahren jeweils ein System, so daß er zumindestens mit einer CPU stets auf dem neuesten Stand ist, die zudem 50 Prozent mehr Leistung bei gleichbleibendem Investitionsaufkommen bringt. Er ist also zugleich ein "New-Technology-" und "One-Step-Back-Anwender".

Vertauscht er die Rollen, so daß eine erst zwei Jahre alte Maschine ersetzt wird, während die andere noch zwei Jahre länger (also insgesamt sechs Jahre) installiert bleibt, dann kann er sogar mit demselben Betrag die Kapazität beider Systeme um insgesamt 100 Prozent steigern.

So ideal sich das anhört, dieser Anwender befindet sich dennoch nicht immer in einer optimalen Situation. Er muß alle zwei Jahre auf den Markt gehen und sich mit neuer Maschinenpower eindecken - vielleicht zu einen Zeitpunkt, in dem die Marktsituation keineswegs günstig ist. In dieser Lage kann sich zum Beispiel ein Anwender befinden, der aufgrund seines hohen Wachstums mehr Maschinenpower braucht und deshalb 1984 ein 3084-MES noch recht teuer kaufen mußte. Der Restwert der Maschine sinkt jedoch mit der Auslieferung der 3090 bis Mitte 1986 sehr schnell, so daß das ein sehr teures Investment wird - zumal dann, wenn der Kunde die Maschine Ende 1986 erneut austauschen muß.

Aber es ist durchaus möglich, daß dieser Anwender ganz einfach dadurch zwei Millionen Mark gespart hat, weil er mit seiner Investitionsentscheidung bis 1985 wartete. Und nun bekommt er das MES erheblich preisgünstiger, da IBM die MIPS-Preise ihrer Upgrades in Übereinstimmung bringt mit denen der neuen Technologie. Dies gilt auch für die Anwender von Systemen 3083-E und -B, die zu dem Modell J aufsteigen wollen.

Doch der Anwender, der sich heute dem Zwang ausgesetzt sieht, nach 3084 aufzurüsten, muß alles daransetzen, so schnell wie möglich die 3090 zu bekommen. Und er muß die Zeit bis zu deren Auslieferung irgendwie überbrücken.

In der Tat - wenn dieser Kunde seine 3090 früh genug erhält, dann kann er für seine 3081 noch sehr gute Preise am Gebrauchtmaschinenmarkt erzielen, und der Erwerb der 3090 wird nicht sehr viel teurer sein als der Aufstieg von 3081 zu 3084.

Dennoch ist möglich, daß die 3081-Preise derart schnell fallen, so daß es nicht viel Sinn macht, eine 3090 zu installieren. Doch dann müßte auch der Markt für gebrauchte 3084 sich so günstig entwickeln, daß es sich nun lohnt, die 3081 durch eine gebrauchte 3084 zu ersetzen. Auf diese Entwicklung können auch jene Anwender hoffen, die nicht mehr die Zeit bis zur Auslieferung einer 3090 überbrücken können. Sie könnten sich dann ebenfalls des mit lukrativen Angeboten vollgestopften Gebrauchtmaschinenmarktes bedienen.

Letzten Endes ist es indes immer eine Frage dessen, was man unbedingt braucht: Steht die verbesserte Funktionalität im Vordergrund, so liegt das Schwergewicht auf der 3090. Ansonsten können die Anwender ihr Wachstum über den Gebrauchtmaschinenmarkt innerhalb der 308X-Linie steuern. Hier steht die Minimierung der Kosten im Vordergrund.

Wenn die neue, zu erwartende Funktionalität der 3090 das wichtigste Entscheidungskriterium ist, dann sollte jeder Anwender äußerst vorsichtig sein beim Kauf einer 3080, der durch Upgrades ebenfalls diese neuen Funktionen aufgepfropft werden können. Finanziert er nämlich seine Hardware zum Beispiel mit IBM-Leasing, dann wird ihm der Hersteller nur den neuen Wachstumspfad innerhalb der 308X-Linie anbieten, der diese Funktionalität zu einem relativ hohen Preis beinhaltet.

*Volker Wöhrle ist Leasing-Experte der Comdisco, Stuttgart.