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16.12.1994

32 Bit und kein bisschen weise

Dieter EckbauerBei der Ueberschrift haben wir uns fuer eine vergleichsweise milde Wortwahl entschieden. "32 Bit und ein bisschen bloede" waere nicht zu hart ausgedrueckt. Da wird von den PC- Playern Microsoft und IBM ein Streit darueber inszeniert, wer das bessere 32-Bit-Betriebssystem hat. Damit wird die Machtfrage gestellt: OS/2 kontra Windows - wer beherrscht den Markt? Man sollte sich jedoch fragen, ob die Diskussion notwendig ist. Die Anwender brauchen sie nicht. Irritationen werden ausgeloest, die sich auf das Nachfrageverhalten negativ auswirken. Nur Naive koennen meinen, Microsoft und IBM wuessten das nicht. Dass sie sich selbst schaden, wenn sie den Markt verunsichern, wissen sie hoffentlich auch.Ihr Verhalten spricht nicht dafuer. Die Vorstellung, der Kampf um Marktanteile werde im Bereich der Betriebssysteme entschieden, ist offenbar aus den Koepfen der Anbieter nicht herauszukriegen. Sie war schon immer absurd, nur hatte das keine sichtbaren Auswirkungen. Zuverlaessig gemessen hat noch niemand, ob etwa die Monopolisierung im Mainframe-Markt durch die Betriebssystem-Politik der IBM (DOS/VSE, MVS etc.) zu- oder abgenommen hat. Sicher war in den sechziger und siebziger Jahren nur, dass sich der Anwender den Wechsel von einer proprietaeren Architektur zu einer anderen, ebenso proprietaeren gar nicht leisten konnte. Jeder lebte in seiner eigenen DV-Welt; Proprietaet mit den ihr innewohnenden Beschraenkungen wurde als normal empfunden. Das aenderte sich erst, als Unix-Systeme ins Rennen geschickt und damit die Wahlmoeglichkeiten fuer die Anwender vergroessert wurden. Seitdem ist es eine gesicherte Erkenntnis, dass es bei einem Krieg der Unix-Derivate keinen Gewinner geben kann. Man muss sich wundern, dass IBM, Microsoft & Co. nach wie vor an Betriebssystem-Wunder glauben. Der phaenomenale Erfolg des PCs ist ja nur zustande gekommen, weil der Streit um CP/M und MS-DOS Anfang der achtziger Jahre beendet wurde, bevor er in einen Glaubenskrieg ausarten konnte. Offenheit im Sinne einer Zielrechner-Unabhaengigkeit ist fuer den PC-Anwender die selbstverstaendlichste Sache der Welt, eine conditio sine qua non, die er nicht einmal mehr wahrnimmt, was andererseits bedeutet, dass die Betriebssystem-Arena fuer die Anbieter als Kampfplatz im PC- Markt ausscheidet. Diesen geradezu paradiesischen Zustand haben wir. Die 32-Bit-Betriebssystem-Bastler wollen ihn aendern - IBM in der ungewohnten Rolle des Herausforderers, Microsoft, weil der PC- Softwareriese Spass am Abkassieren gewonnen hat. Den MS-DOS-Erfolg neidet Bill Gates niemand. Was aber die Infrastruktur und die "Middleware" fuer netzwerkbasiertes Client-Server-Computing betrifft, wird er Abstriche machen muessen. Als Desktop-Marktfuehrer hat Gates die Macht - und auch die Verantwortung -, eine Standardisierung voranzutreiben, die auf einem Konsens beruht - eine Hausaufgabe, die die IT-Industrie noch machen muss. Mit Lippenbekenntnissen ist es nicht getan. Verstaendnis fuer ihre Middleware-Marotten duerfen die Anbieter nicht erwarten.