Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


06.04.1984

3270-Bürokratie

Mit einem wahren Ankündigungshagel halt die IBM die gesamte Konkurrenz in Atem - und verunsichert damit die Anwender. Viele meinen, vieles von dem, was da etwa aus dem PC-Lautsprecher dröhnt, schon einmal gehört zu haben.

Jetzt wird der IBM PC zum 3270-PC aufgerüstet (Seite 1), zu einer "intelligenten Datenstation", die die "interaktiven und kommunikativen Funktionen des Bildschirmsystems 3270 mit der Rechenleistung und den universellen Fähigkeiten des IBM PC verbindet" (O-Ton IBM, siehe aber auch IBM-DV-System-Handbuch aber den angejahrten Tischrechner 5100).

Nach diesem Announcement kann der deutsche Interessent unter drei PC-Menüs wählen. Da gibt´s den normalen PC als Tagesgericht, ferner den PC-XT, das opulente Mahl, und schließlich den 3270-PC, ein Sonderangebot für Hosts (Gastwirte) mit Anhang.

Noch einen Blick wert scheinen überdies die in Amerika bereits für den Vertrieb freigegebenen Modelle "PC Junior", "PC Portable" und "XT/370". Man sieht, die blaue PR-Welle rollt. Zuverlässig gemessen hat freilich noch niemand, ob die PC-Verkäufe hierzulande bereits einen für Big Blue kritischen Stand erreicht haben - im positiven oder im negativen Sinne. Sicher ist nur, daß die Zahl der Modelle zugenommen hat. Klar ist auch, daß nichts klar ist, was den Ausgang der Mikroschlacht betrifft.

Es soll einmal unterstellt werden, renommierte Marktforscher wie Diebold oder IDC konnten die Entwicklung in der "großen" Datenverarbeitung bisher hinlänglich genau vorhersagen. Das heißt, die veröffentlichten Prognosen wurden nicht umgehend durch die Wirklichkeit ad absurdum geführt. Mehr noch: Sie ließen die Anwender an Planungssicherheit glauben. Mit all dem war es nach der Einführung des IBM PC vorbei. Kaffeesatzlesen trat an die Stelle der ernsthaft betriebenen DV-Markt-Astrologie.

Ein theoretisches Potential von zehn Millionen Mikro-Benutzern in der Bundesrepublik läßt die Herzen der Apple-Marketiers höher schlagen - und auch Diebold scheint es auf eine Million, mehr oder weniger, nicht anzukommen. Ursächlich für den Zahlensalat ist vor allem die unpräzise Marktdefinition. Dabei hat das Mikro-Busineß drei typische Ausprägungen: den Heimcomputerbereich, das MDT-Segment (Zielgruppe "kleine und mittlere Unternehmen") sowie die Arbeitsplatzcomputerei in großen Organisationen.

Man darf den entscheidenden Durchbruch der Kraftzwerge bei Großanwendern in der Produktpolitik der IBM sehen, den PC kommunikationsfähig zu machen. Doch das ist - und hier bekommt der DV-Spezialist wieder etwas zu beißen - leichter gesagt als getan. Alarmiert berichtete Eddy Meyer-Rochow, DV-Leiter bei der Firma Sample: "Bei mehr als drei Mikros stirbt die Leitung" (CW Nr. 14 vom 30. März 1984, Seite 10). In der Architektur der Rechner und Betriebssysteme sei eben in der Vergangenheit nicht berücksichtigt worden, daß die Terminaleingaben einmal per Programm kommen würden.

Fazit: Das Konzept verteilter Intelligenz wird vor dem Hintergrund drohender Mikro-Bürokratie, wie von Meyer-Rochow so plastisch geschildert, neu überdacht werden müssen. Für die praktische DV-Politik im Unternehmen bietet sich jedoch, nicht zuletzt auch durch die neuen Terminalcomputer á la 3270-PC, ein sehr weiter Spielraum, den die DV-Verantwortlichen nutzen sollten. daß die Endbenutzer das Organisations- und Verteilungsproblem lösen könnten, ist eine absurde Vorstellung.

Dieter Eckbauer