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31.08.1990 - 

Günstige Preise, neues Betriebssystem und mehr Leistung

/36-Look-and-feel soll Anwender auf die AS/400-Systeme locken

NEW YORK (CW) - IBM umwirbt seine etwa 250 000 widerspenstigen /36-Anwender jetzt mit allen Raffinessen. Neue Einstiegsmodelle der AS/400, Verbesserungen bei Netzwerk- und Kommunikations-Software, eine neue Version des OS/400-Betriebssystems und Leistungsschüben bei den Top-Modellen sollen Big Blue weiterhin Umsatzsteigerungen von etwa zehn Prozent im Midrange-Bereich bescheren.

Das neue Einstiegsmodell "AS/Entry 9402 Y10" - Code-Name "Yukon" - stellt eigentlich ein verbessertes Modell auf Basis der 136-Rechner dar und läuft unter dem SSP-Betriebssystem im Native Mode. Besonders wegen des zur AS/400 unterschiedlichen Betriebssystems sprechen Anwender wie etwa Rich Hollahan von der Georgia Pacific Corp. in Atlanta auch von einem Etikettenschwindel, mit dem die IBM die riesige Basis von einer Viertel Million /36-Benutzer anzapfen und in die AS/400-Welt herüberziehen will. "Irgendwann muß man eben die Kröte schlucken: Wer 136-Code unter dem 136-Betriebssystem laufen hat, der wird diesen wohl oder übel beim Wechsel auf die AS/400 umschreiben müssen", kommentiert Hollahan, daß IBM das neue Einstiegsmodell "als" aufrüstbar auf die AS/400-Systeme bezeichnet.

Das erweiterte /36-System Yukon ersetzt die vor einem Jahr vorgestellte AS/Entry, bei der es sich ebenfalls um ein /36-System - das Modell 5363 - handelte. Im Gegensatz zu diesem kann aber die AS/Entry 9402 Y10 durch einen Austausch der Prozessor-Boards auf das AS/400-Betriebssystem umgerüstet werden.

Neben dem neuen Rechnermodell stellt die IBM zwei weitere AS/400-Systeme vor, die im unteren Leistungsbereich angesiedelt sind. Außerdem soll Big Blue - obwohl genaue Angaben noch nicht zu erfahren waren - parallel mit den Modellvorstellungen auch eine aggressive Preiskampagne starten: Mit etwa 10 000 bis 15 000 Dollar soll der Anwender nach den Worten von Robert LaBant, Vice-President im Application-Business-System-Bereich der IBM, dabei sein, will er den Einstieg in die AS/400-Umgebung wagen.

Mit dieser attraktiven Preisgestaltung könnten die Armonker das Umsatzwachstum bei AS/ 400-Systemen von 19 Prozent im Jahr 1989, den weltweiten Umsatz von 13 und den Gewinn von einer Milliarde Dollar allein für diese Rechnerklasse weiter steigen.

Als Anreiz für /36-Anwender kann die IBM mit weiteren Neuerungen und Verbesserungen aufwerten: Die neue OS/400-Version bietet jetzt unter anderem die Option, Platten zu spiegeln. Ein besonders wohlinteressanter Aspekt für /36-Nutzer in der neuen Betriebssystem-Version könnte "Operational Assistant" sein: Dahinter verbirgt sich eine dem System-/36 gemäße Shell, die über das OS/400-Betriebssystem gelegt wurde, um dem an die SSP-Umgebung gewohnten Anwender den Umstieg auf die AS/400 zu erleichtern.

Darüber hinaus sollen die weltweit auf etwa 85 000 geschätzten AS/400-Benutzer durch neue Connectivity-Produkte für Multivendor-Netzwerke, Verbesserungen bei Netzwerk- und Kommunikationssoftware und durch Leistungssteigerungen beim Top-Modell 70 bei Laune gehalten werden. Brancheninsider sprachen auch von der Möglichkeit, daß Big Blue neue Versionen der Programmiersprachen Cobol, Fortran und C präsentieren wolle.

Außerdem wollen Insider wissen, daß die in den RISC-Modellen 6000 verwendeten schnellen Festplatten-Subsysteme auf AS/400-Versionen umgerüstet werden sollen. Im Zusammenhang mit den im April vorgestellten neuen IBM-Workstations und Servern machte LaBant eine interessante Äußerung: Nach seiner Meinung, die auch von anderen IBM-Managern geteilt würde, sehe er keine Gefahr, daß die RISC-Systeme 16000 der AS/400 Konkurrenz machen können. Wir glauben, daß die RS/6000-Rechner vor allem den technologisch-wissenschaftlichen Bereich abgrasen werden, wohingegen die AS/400 weiterhin erste Wahl ist, will der Anwender kommerzielle Transaktionsverarbeitung und sonstige hier angesiedelt Geschäftsabwicklungen", äußerte LaBant.

Warum diese Taschenspielertricks?

Client-Server-Topologien gewinnen in Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Die Vorteile der Aufsplittung in zentrale Datenhaltung und dezentrale Anwendung sind - je nach Anforderung - augenscheinlich.

In dieses Konzept verteilter Ressourcen paßt die AS/400 Prinzipiell sehr gut. Von Haus aus als Datenbankmaschine ausgelegt, eignete sie sich als Server in PC-Netzwerken. Schon vor geraumer Zeit hatte die IBM bekanntgegeben, daß über eine erweiterte Version der PC-Support-Software die Netzwerk-Eigenschaften von OS/400 unterstützt würden. Die AS/400 geriete so zum Zentrum eines Token-Ring-Netzes, in dem angeschlossene PCs unter DOS oder OS/2 Zugriff auf Büroautomations- und Datenbanksysteme des Midrange-Rechners haben.

"Zuliefer"-Softwarehäuser haben ferner Programme entwickelt, die es AS/400- und /38-Benutzern ermöglichen, RPG-III-Anwendungen auf IBM-PCs und Kompatible zu übertragen. Die Asna Ltd. aus Kalifornien bietet einen C-Compiler für die AS/400 an, mit dem in C geschriebene Unix- oder PC-Programme in IBMs Midrange-Welt eingesetzt werden können.

Man fragt sich deshalb, warum die Armonker ihre /36-Klientel immer wieder mit Taschenspielertricks in die AS/400-Welt hinüberlocken wollen. Bislang war eine Einstiegs-AS/400 für /36-Benutzer kein Thema, weil sich nur mit einem mittleren Modell wirklich ein Leistungsgewinn erzielen ließ Der Zwang nämlich, die /36-Software-Integrität beim Übergang auf die Midrange-Rechner durch Emulierung rotten zu müssen, hat nach Anwenderangaben zur Folge, daß bis zu 40 Prozent der Rechenleistung gefressen werden. Hier hielt sich die IBM mit Informationen bewußt zurück. Bleibt das Rätsel, warum eine eigentlich gute Maschine durch Ankündigungen von Rechnern wie den Entry-Modellen, die vorgeben zu sein, was sie nicht sind, immer wieder in Mißkredit gebracht wird.