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28.11.1986

36-Softwarehäuser fürchten Abteilungsrechner 9370 nicht

Aber diese werden nur die Ausnahmen sein." Ähnlich beurteilt Dr. Eduard Späth, Niederlassungsleiter der Polydata München, die Situation. Späth: "Die IBM hat in das neue IBM-Produkt DKS Debitoren-Kreditoren-Sachbuchhaltung für die /36, das wir entwickelt haben, sehr viel Geld investiert. Sie hätte dies nicht getan, wenn sie die /36 durch die 9370 ersetzen wollte."

Die Neuankündigung des Abteilungsrechners 9370 von IBM sorgt für einige Aufregung. Etliche Anwender befürchten, daß damit die /36 abgelöst werden soll. Optimismus dagegen bei Softwarehäusern und Beratungsfirmen, die Programme für das /36-System anbieten. Hans-Peter Kuny, Geschäftsführer der H.-P. Kuny Consulting & Software GmbH: "Natürlich sind Grenzfälle denkbar, in denen die beiden Rechnerfamilien als konkurrierende Alternativen gesehen werden könne.

Dr. Eduard Späth, Niederlassungsleiter der Polydata Deutschland GmbH, München

Wir als IBM-Vertriebspartner für die /36 Wund /38 sehen unser /36-Engagement und die Zukunft des Systems /36 durch die Neuankündigung 9370 nicht tangiert. Die IBM hat in das neue IBM-Produkt DKS Debitoren-Kreditoren Sachbuchhaltung für die /36, das wir mitentwickelt haben, sehr viel Geld investiert. Die IBM hätte dies nicht getan, wenn sie die /36 durch die 9370 ersetzen wollte.

Wir verkaufen das neue IBM-Produkt DKS Debitoren-Kreditoren Sachbuchhaltung für die /36 auch als eigenes System an Großkunden, weil solche und andere Anwendungen unabhängig vom Host laufen können. Hinzu kommt aber auch, daß DKS mit einer Lizenzgebühr von 13 950 Mark weit preiswerter ist als eine vergleichbare Fibu für die DOS/VSE beziehungsweise MVS-Welt. Wenn Groß-EDV-Fibus billiger würden, was wegen der vergleichsweise geringen, Stückzahl schwierig sein dürfte, sähen wir uns hier tangiert.

Aber wenn wir an die EG-Richtlinien und das EG-Bilanzrichtliniengesetz denken, dessen Zwängen DKS standardmäßig gerecht wird, und manche Groß-EDV-Fibu vielleicht nicht, kommen wir zu dem Ergebnis: Beim Einsatz von Standardsoftware zum Beispiel für unser /36-Spezialgebiet Fibu DKS, das erste IBM-Logo-Produkt, sehen wir auch bei Großanwendern gute Vermarktungschancen.

Für unsere typischen mittelständischen /36-Anwender ist die Investition in IBM-Logo-Softwareprodukte gut angelegtes Geld. Schließlich wird die IBM ihrer eigenen enormen Softwareinvestition nicht selbst in den Rücken fallen. Des weiteren haben mittelständische Kunden mit IBM-Logo-Produkten und der /36 niedrige Einstiegsmöglichkeiten und große Wachstumsmöglichkeiten. Dabei denken wir auch an künftige Software-Portabilität innerhalb der 3X-Welt.

Aus unserer Sicht als CIM-Integrator und BDE-Systemhaus bietet die 9370 die Möglichkeit bei Anwendern mit der /370-Architektur eine zusätzliche Rechnerebene mit gleicher Architektur zwischen dem Host und den für BDE und Materialfluß eingesetzten Systemen IBM-Serie /1, Industriecomputer und/oder anderen PC-Varianten einzuführen.

Bei unseren BDE-Materialfluß-Lösungen liegen wir mit der IBM-Serie /1, Industriecomputern und anderen PC-Varianten nach wie vor richtig. Insbesondere die Kommunikation zwischen verschiedenen Geräten und Maschinen im Bereich der Fertigung (Maschinendatenerfassung und anderes) sehen wir nach wie vor als Aufgabe unter der /370-Architektur.

Für typische Mittelstandsunternehmen werden wir weiterhin die Integration und Einführung verschiedener Software-Anwendungspakete realisieren. Die Anwender werden von uns, angefangen von der Buchhaltung über Produktionsplanungssteuerungssysteme bis zu BDE-Anwendungen, bei der Realisierungen ihrer CIM-Konzeption unterstützt. Unser Fazit ist: Wir sehen zwischen 9370 und 3X-Welt keine Kollision, sondern sinnvolle Ergänzungen in der IBM-Produktpalette.

Hans-Peter Kuny, Geschäftsführer der H.-P. Kuny Consulting & Software GmbH in Offenbach

Neuankündigungen von Computer Systemen waren schon immer Anlaß hitziger Diskussionen, insbesondere, wenn sie vom Marktführer kamen. Es wird nach Herzenslust gemutmaßt, spekuliert und prophezeit. So ist es verständlich, daß der 9370-Rechner die diskussionsfreudigen Gemüter erregt.

Soweit ist alles normal. Überraschend ist, wie weit die Meinungen über Koexistenz oder Wettbewerb der Systeme 9370 und /36 auseinandergehen. Extremisten sagen der Systemfamilie /36 das längst erwartete Ende voraus. Selbst auf die Gefahr hin, als konservativer Ignorant abgestempelt zu werden, halte ich diese Prognose schlichtweg für falsch.

Natürlich sind Grenzfälle denkbar, in denen die beiden Rechnerfamilien als konkurrierende Alternativen gesehen werden können. Aber diese werden nur die Ausnahmen sein, die die Regel bestätigen daß die beiden IBM-Produkte im Grunde unterschiedliche Marktbereiche ansprechen.

Dem System /36 sind zur Zeit noch drei Anwendungsbereiche zugedacht:

- kommerzieller Zentralrechner für mittelständische Unternehmen;

- Steuereinheit für Büro-Kommunikation (Office Automation);

- kostengünstiger Knotenrechner im Verbund mit Großrechner.

Den dritten Anwendungsbereich wird man bei der Vertriebsplanung für das System /36 ab Mitte 1987 wohl streichen müssen. Die "Small-in-Large"-Idee ist für die /36 durch das Announcement der 9370 wohl endgültig tot.

Von einer Gefahr oder auch nur von einer echten Einbuße für die /36 kann man meines Erachtens aber nicht sprechen. Bei den Anwendern der Groß-DV hat das System /36 noch nie so richtig Fuß fassen können. Dafür war und ist dieser Rechner zu weit weg von der /370-Architektur.

Das Informationssystem IBM 9370 wird die Funktion des Bürocomputers für Großanwender in geradezu idealer Weise erfüllen. Es ist von äußeren Bedingungen her anspruchslos, wirtschaftlich und vor allem in der Lage, die /370er System- und Anwendungssoftware zu nutzen. Das heißt, die gesamte Softwarepalette der /370er-Welt steht zur Verfügung, wenn auch nicht zu den Preisen wie sie für die /36-Welt üblich geworden sind. Aber noch wichtiger ist: Die /370er-Experten müssen nicht mehr in zwei Systemen denken.

Unbestritten, als Bürocomputer in der /370-Umgebung ist der Rechner 9370 im Vergleich zur /36 das bessere System. Auch gegen DEC und andere Computerhersteller wird es sich als scharfe Waffe erweisen. Trotzdem wird die /36 nicht von ihrem ureigensten Markt verdrängt werden.

Für die mittelständischen Unternehmen gibt es aus vielerlei Gründen kein besseres Computersystem aus dem Hause IBM als die /36, es sei denn ein System /38. Diese Aussage stützt sich nicht auf technische Erwägungen. Bei dem System /36 besticht weniger die Architektur, sondern vielmehr die Bedienerfreundlichkeit. Und das ist für einen Anwender, der nicht über ein mehrköpfiges Expertenteam mit teuer bezahltem /370er-Skill verfügt, von Bedeutung.

Das Betriebssystem SSP ist eine überaus gelungene Umsetzung des "Eas-of-Use"-Gedankens. Und was die Anwendungs-Software betrifft, ist die /36 wohl der Rechner mit dem quantitativ und mittlerweile auch qualitativ besten Software-Angebot. Es gibt kaum noch eine Aufgabenstellung, für die nicht schon eine /36er-Lösung von einem der zahlreichen Softwarehäuser entwickelt worden ist.

Die Frage 9370 oder /36 wird sich wohl nicht allzuoft stellen. Wer sich in der Welt der /370-Architektur zurechtgefunden hat, wird nach der Ankündigung des Informationssystems 9370 wohl kaum noch mit einer /36er-Lösung sehr lange schwanger gehen. Andererseits sind die Unternehmen, die sich aus technischen Gründen den Einstieg in die /370-Architektur nicht unbedingt leisten müssen, mit einem Rechner der Systemfamilie /36 oder /38 bestens für die Zukunft gerüstet.

Wenn eines Tages - und nichts währt ewig - das System /36 doch einmal abgelöst wird, dann bestimmt nur von einer Rechnerfamilie, die mit der /36er System- und Anwendungssoftware zurechtkommt. Es ist nur zu begrüßen, das Gute durch etwas Besseres zu ersetzen, solange die Software-Investition der Anwender geschätzt bleibt.

Hanns Sedlmayr, Geschäftsführer, Sedlmayr & Partner Beratungsgesellschaft für Betriebswirtschaft und EDV-Anwendung, München

Sedlmayr & Partner bietet ein PPS-System (Produktionsplanungs- und Steuerungssystem) für die Systeme IBM /36 und /38 und ein Handelspaket für das System IBM /36 an. Die PPS-Systeme wenden sich an Mittelbetriebe. Wir können uns nicht vorstellen, daß für Unternehmen zwischen 100 und 1000 Beschäftigten die stark historisch geprägte /370-Architektur des Systems IBM 9370 eine Alternative zu der modernen Architektur der /38 oder zu dem einfach zu handhabenden Betriebssystem der /36 ist. Wir erwarten daher keine Beeinträchtigung unseres Marktes für PPS-Systeme.

Wir wissen auch, daß der Entwicklungsaufwand auf der /370-Architektur rund dreimal größer ist als auf dem System /38 oder /36. Damit würden Anbieter, die von der /370 kommen, schon aus Kostengründen nicht mithalten können.

Auch für unser Handelspaket sehen wir beim Einsatz in Mittelbetrieben keine Beeinträchtigung durch die 9370. Anders verhält es sich beim Einsatz von Teilen unseres Pakets zum Beispiel für Einkauf oder Angebotsbearbeitung in Abteilungen von Großunternehmen. Hier erwarten wir eine starke Konkurrenz von der 9370. Allerdings war dieser Markt für uns auch bisher sehr schwierig.

Wir erwarten ebenfalls keine Einschränkung beim Einsatz unseres Handelspakets in Vertriebsgesellschaften von großen Firmen im In- und Ausland. Die unhandliche und überaus komplexe /370-Architektur der 9370 dürfte auf energischen Widerstand der DV-unerfahrenen Vertriebsgesellschaften stoßen, und zwar auch dann, wenn im Konzern auf vorhandene Software zurückgegriffen werden kann. Bis heute wurde unser Handelspaket für das System IBM /36 rund 30mal im europäischen Ausland bei Vertriebsgesellschaften von deutschen und amerikanischen Firmen eingesetzt.

Bei den derzeit laufenden Verkaufsgesprächen über weitere Einsätze unseres Pakets bei Vertriebsgesellschaften von großen Unternehmen ist bisher die 9370 als Alternative nicht ins Gespräch gebracht worden.