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20.06.1981 - 

Vorteile gegenüber IBM-Langzeitmiete relativ gering:

/38-Leasing: Ab dem 63. Monat wird gespart

Der IBM-Datenbankcomputer System /38 wird nun endlich in größeren Stückzahlen installiert - in Sachen Finanzierung können sich die Benuzter zwischen der IBM-Miete und Leasing entscheiden. Welche Einsparungen durch Leasing beim System /38 realisierbar sind, untersucht Helmut Gross, Geschäftsführer der Planfinanz in Pfinztal-Berghausen. Sein Fazit: Erst bei einer Installationsdauer von 63 Monaten und mehr ist es günstiger, das System von Begin an im Rahmen eines Leasing-Vertrages zu nutzen.

Anfang Mai erhielt unsere Gesellschaft den Auftrag, das bei einem Kunden neu installierten Datenbankcomputer IBM System /38 dahingehend zu untersuchen, welche Finanzierungsform unter Berücksichtigung des Leasing-Modells und vor dem Hintergrund der heutigen Kapitalmarkt-Bedingungen am kostengünstigsten ist.

Die Ausgangsposition sah wie folgt aus:

Als Nachfolgemodell des zur Zeit noch im Rahmen eines Leasingvertrages genutzten Systems 3/12 wurde im April 1981 ein System /38 installiert und Ende April in Betrieb genommen. Die Anlage besteht zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus folgenden System-Komponenten:

Für die Bestimmung, ob IBM Langzeitmiete oder Leasing die kostengünstigere Alternative ist, werden die bekannten IBM-Preise für Kauf, Miete und Wartung herangezogen. Gleichfalls fließen die für die Leasing-Alternative von uns erfaßten Leasingkonditionen in die Analyse ein.

Voraussichtliche Standdauer des Systems

Eine Aussage über die voraussichtliche Standdauer von Systemen von allgemeiner Bedeutung für die Feststellung, ob der Einsatz von Leasing kostengünstiger ist. Die Standdauer, und damit die voraussichtlich mögliche Leasingdauer, bestimmt die Höhe der monatlichen Leasingraten. Da Leasingverträge im Datenverarbeitungsbereich meist echte kalkulatorische Vollamortisationsverträge sind, müssen beim Finanzierungsleasing die gesamten Anschaffungskosten für die Systeme zuzüglich den Aufschlägen für Zins und sonstige Kosten über die Leasingvertragslaufzeit verteilt werden. Spekulationen auf eventuellen nach der Mietdauer erzielbare Vermarktungserlöse gehen reine Finanzierungsleasinggesellschaften nicht ein.

Deshalb war es zunächst erforderlich, die mögliche Standdauer des Systems /38 zu beurteilen.

Bei diesem System handelt es sich um die neueste Generation , IBM-Bereich Basisdatenverarbeitung zu bieten hat. Das System wurde 1978 angekündigt; die ersten Auslieferungen, die für Ende 1979 geplant waren, wurden jedoch wegen nicht genannter Schwierigkeiten auf Oktober 1980 verschoben. Es ist damit zu rechnen, daß fast alle jetzt noch im Orderbestand der IBM befindlichen bis zum Frühjahr 1982 zur Auslieferung

kommen. Insofern ist die Frage, ob geleast werden soll, zum jetzigen Zeitpunkt besonders aktuell.

Ungeachtet des technischen Fortschritts und der Mikroprozessorenforschung, die sicher die IBM bereits heute in die Lage versetzen würde, die technische Konzeption eines enventuellen Nachfolgemodells für das System /38 zu präsentieren, wird die voraussichtliche Standdauer der Anlage im Wesentlichen von anderen Faktoren bestimmt.

Als entscheidende Einflußfaktoren für die Standdauer haben wir folgende Faktoren gesehen:

1 ) Den Produktzyklus der IBM-Anlagen,

2) das Preis-/Leistungsverhältnis, 3) den Umstellungsaufwand,

4) die technisch notwendige Standdauer.

Zu 1) Der Produktzyklus betrug beispielsweise beim System /3 rund zehn Jahre, von Erstankündigung bis zur Installation von Ersatzmaschinen. Beim System /38 kann man den Produktzyklus vorsichtig auf sechs bis acht Jahre schätzen, da weder aus technischer noch aus vertriebstaktischer Sicht ein Nachfolgesystem früher notwendig erscheint. Für die Beurteilung von Leasing-Alternativen ist diese Aussage wichtig. Geht man von einer durchaus üblichen Leasingvertragsdauer von 54 oder 60 Monaten aus, und kommt der Leasingvetrag zu Beginn eines Produktzyklusses zustande, ist das Risiko einer vor Ablauf der Leasingdauer erfolgende Installation eines Nachfolgesystems sehr gering.

Zu 2) Das Preis-Leistungsverhältnis

Das Preis-Leistungsverhältnis hat sich gegenüber dem System /3 erheblich verbessert. Durch den Einsatz neuester Techniken liegt der Kaufpreis einer 1-MB-Maschine heute bei zirka 25 Prozent der Hardwarekosten im Vergleich zu 1976/77. Des weiteren sind die Wartungskostenanteile für die nicht verschleißanfälligen Systemkomponenten stark gesunken.

Zu 3) Der Umstellungsaufwand

Der Umstellungsaufwand ist allgemein ein bei jeder Systemumstellung zu berücksichtigender Kostenfaktor. Besonders im Rahmen der Unbundling-Strategie der IBM ist festzustellen, daß die Mindereinnahmen im Hardwarebereich der IBM jeweils durch Mehreinnahmen im Software- und Systemservice-Bereich ausgeglichen, ja überkompensiert werden. Sofern man nicht von einer Eins-zu-Eins-Umstellung der bis dato auf der alten Anlage durchgeführten Jobs ausgeht, kann der über die Nutzungsdauer eines neuen Systems zu verteilende Umstellungsaufwand bis zu 50 Prozent der reinen Hardwarekosten erreichen, oder diese sogar übersteigen. Da die Einführung neuer Systeme nach der von der IBM geübten Praxis meist über eine Verbesserung des Preis-/Leistungsverhältnisses erfolgt, kann damit gerechnet werden, daß bei einem eventuellen Nachfolgesystem für die /38 die Umstellungs-, Software- und Programmservicekosten eher noch höher sind, als bei der jetzt durchgeführten Umstellung.

Bei dem von uns analysierten Sachverhalt macht der Umstellungsaufwand bereits fast 50 Prozent der Hardwarekosten aus. Dieser größtenteils aktivierungspflichtige Kostenblock ist - verteilt auf die jetzt ewartete Standdauer - relativ hoch und würde, je kürzer die tatsächliche Standdauer ist, zu einer progressiven Kostenbelastung (durch Sonderabschreibung oder Aufwand) führen. Dies ist eine der Begründungen dafür, daß der

Trend im EDV-Bereich zu einer längeren Amortisationsdauer geht.

Zu 4) Die technisch notwendige Standdauer

Diese wird einerseits bestimmt durch die Kapazitätsgrenze des Systems, dessen Ausbau- und Erweiterungsmöglichkeiten, sowie durch die seitens des Anwenders gewünschten Anwendungsmöglichkeiten, beziehungsweise bereits bestehende Anwendungen, deren Datenanfall und deren Wachstumsquote.

Das im vorliegenden Fall gewählte System ist nach heute erhältlichen Informationen sowohl im Zentralrechnerbereich, als auch im peripheren Bereich mindestens um das Doppelte erweiterbar. Es ist damit zu rechnen daß entsprechend der bisherigen IBM-Praxis der Zentralrechner in zwei Jahren auch über 2 MB hinaus erweiterbar ist, so daß, sofern kein expotentiell wachsender Datenanfall entsteht, eine ausreichende Leistungsreserve vorhanden ist.

Zusammenfassung

Das System wurde zu einem relativ frühen Zeitpunkt installiert, also zu Beginn des Produktzyklusses. Das Preis-/Leistungsverhältnis entspricht den heutigen Marktanfordernissen und liegt im Verhältnis zum System /34 sowie alternativen Systemen relativ günstig. Der Umstellungsaufwand, aus heutiger Sicht mit etwa 50 Prozent der Hardwarekosten anzusetzen, erfordert eine längere Installationsdauer. Die Leistungsreserven durch Systemausbau sind ausreichend. Insofern wird die seitens des EDV-Leiters des Unternehmens als möglich erachtete Standdauer von rund fünf Jahren als realistisch beurteilt. Die Zukunft wird möglicherweise zeigen, daß, durch die technische Innovation begründet, die Einarbeitungszeit auf das System etwa 18 bis 24 Monate dauern wird, so daß sich die Problematik eines Systemwechsels wohl erst im sechsten Installationsjahr oder noch später ergibt.

Voraussichtliche Erweiterungen des Systems während der Standdauer

Um das System dem wachsenden Datenanfall anzupassen, müssen in absehbarer Zeit Erweiterungen durchgeführt werden. Im Einzelnen sind dies:

Erweiterung der Anzahl der Datensichtgeräte zunächst um drei innerhalb des nächsten Kalenderhalbjahres. Erweiterung der Zentralrechnerkapazität um 512 KB gegen Jahresende 1981.

Über einen Betrachtungszeitraum von vier bis sechs Jahren könnte sich die Notwendigkeit ergeben, an das bestehende Plattenlaufwerk ein weiteres anzuhängen, die Anzahl der Datensichtgerate weiter zu erhöhen, sowie die Kernspeicherkapazität nochmals um 0,5 MB (beziehungsweise um 1 MB - sofern dann verfügbar) er erhöhen. Die Druckerkapazität scheint ausreichend zu sein, zumal verstärkt über Dialog gearbeitet wird und somit ständiger Datenausdruck entfällt.

Beurteilung des Wertverlustes von Systemkomponenten über die geplante Einsatzdauer

Allgemein kann man feststellen, daß jede Form der Zurverfügungstellung von EDV-Anlagen charakteristische Vor- und Nachteile hat. Ein Großteil der geleasten EDV-Anlagen bei denen die Standdauer zunächst nur grob schätzbar ist, wird daher heute im Rahmen von kündbarer Mietverträgen über eine kalkulatorische Mietdauer von zum Beispiel 60 Monaten verleast. Das Charakteristikum dieser Verträge ist, daß bei vorzeitiger Kündigung der Vertrage normalerweise Abschlußzahlungen in Höhe der abgezinsten bis zum kalkulatorischen Ende des Leasing-Vertrages noch nicht gezahlten Leasingraten durch den Mieter zu entrichten sind. Auf diese Abschlußzahlungen wird, differenziert von Leasinggesellschaft zu Leasinggesellschaft, ein bestimmter Prozentsatz des Wiederverwertungserlöses angerechnet. Welche Leasinggesellschaft hier jeweils die besten Möglichkeiten bietet, kann nur im Rahmen einer genauen Untersuchung der verschiedenen Vertragsmodalitäten festgestellt werden. Entspricht daher die jeweilige Höhe der Abschlußzahlungen den aus heutiger Sicht als möglich anzusehenden Wiederverwertungserlösen, ergeben sich aus Leasing-Vertragsverhältnissen, die vor Ablauf der kalkulatorischen Mietdauer gekündigt werden, weniger Risiken. Die Praxis zeigt, daß der Wertverlust beziehungsweise die Wiederverwertbarkeit differenziert nach Systemkomponenten zu beurteilen ist. Hierbei sind im Wesentlichen folgende Werte zu berücksichtigen:

- maximaler IBM-Optionspreis,

- Höhe der Anrechnung der gezahlten Miete,

- Analyse-Zeitpunkt im Verhältnis zum Produktzyklus,

- geschätzte Standdauer,

- Abschluß von Wartungsverträgen, - Weiternutzungsmöglichkeiten,

- Verwertungsmöglichkeiten durch Verkauf an Dritte.

Im vorliegenden Fall legten wir folgende Schatzwerte zugrunde:

Vergleich IBM-Miete/Leasing bei Betrachtung des Gesamtsystems

Das wesentliche Kriterium für die Feststellung, welche Form der Zurverfügungstellung kostengünstiger ist, ist der Break-even-Punkt. In die Bestimmung dieses Punktes fließen folgende Daten ein:

- IBM-Langzeitmiete (LZM), - Wartungskostenanteil,

- heute maximal erzielbare interne Verzinsung einer Leasing-Alternative.

Der Break-even-Punkt wird dabei so bestimmt, daß dies die Standdauer in Monaten ist, ab der unter Berücksichtigung der genannten internen Verzinsung die Leasing-Alternative zu Kosteneinsparungen führt. Die interne Verzinsung beträgt im vorliegenden Fall 13,3 Prozent.

Hierauf aufbauend lassen sich folgende Schlüsse ableiten:

1) Unter Berücksichtigung eines Installationszeitraumes von fünf Jahren ist es nicht kostengünstiger, das komplette System ab sofort im Rahmen eines Leasing-Vertrages zu nutzen, da Einsparungen gegenüber der IBM-LZM erst ab dem 63. Mietmonat realisiert werden können. Berücksichtigt man hierbei noch die Einsparungen die sich aus der dreimonatigen Wartungsfreiheit ergeben, verändert sich der Break-even-Punkt zwar minimal auf 61,5 Monate, aber die Grundaussage bleibt gültig.

2) Verlängert man die geschätzte Installationsdauer auf 72 Monate und schließt hierüber einen linearen Leasing-Vertrag mit der genannten internen Verzinsung ab, ergeben sich monatliche Einsparungen in Höhe von rund 830 Mark, also kumuliert rund 60 000 Mark über 72 Monate. Diese Einsparung ist aber im Gesamtzusammenhang mit der Inflexibilität eines 72monatigen Leasing-Vertrages gegenüber der IBM-LZM relativ gering.

3) Wählt man trotzdem Leasing bei einer geschätzten Nutzungsdauer von 72 Monaten, sollte man einen auf 60 Monate kalkulierten Vertrag wählen, bei dem eine Mietpreisreduzierung in erheblichen Umfang ab dem 61. Mietmonat bereits heute Vertragsbestandteil ist. Hierbei sind zwar die während der ersten 60 Monate anfallenden Leasingkosten etwas höher als die momentane IBM-LZM, aber die Mietpreisreduzierung vom 61. bis 72. Mietmonat kann zu Gesamteinsparungen von rund 80 000 Mark und mehr führen.

* Helmut W. Gross ist Geschäftsführer der Planfinanz GmbH, Kaltenberg-Straße 26, Pfinztal-Berghausen.