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25.01.1991 - 

Engagement auf unternehmensweite Netze konzentriert

3Com zieht sich aus dem Markt für Personal Computer zurück

Auf der Suche nach einem neuen Image und lukrativeren Einnahmequellen, als sie der LAN-Markt bietet, zieht die 3Com Corp. einen Schlußstrich unter das Kapitel PC-Orientierung: Der Hersteller will einen Großteil seiner bisherigen Produktlinie aufgeben und hofft, sich künftig als Anbieter von Komponenten für komplexe, unternehmensweite Netze behaupten zu können.

"Red October" heißt das Projekt in den eigenen Reihen, dessen Ziel es ist, das 3 + Open-Netz-Betriebssystem, die Maxess-Produkte (Gateways zur Verbindung von LANs mit der SNA-Welt) sowie PCs und LAN-Server abzustoßen. Auch rund 240 der weltweit 1953 Mitarbeiter fallen der Umstrukturierung zum Opfer.

Hierzulande sei der Personalabbau bereits abgeschlossen, berichtet Peter Weger, Geschäftsführer der in München beheimateten deutschen Tochter des amerikanischen Herstellers. Drastische Reduktionen habe es allerdings nicht gegeben: "Im vergangenen Sommer hatten wir 31 Mitarbeiter, jetzt sind es noch 26."

45 Millionen Dollar haben die 3Com-Oberen, allen voran der seit neun Monaten amtierende President und CEO Eric Benhamou, als Rückstellungen im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (31. Mai) eingeplant. Mit Produkten wie Adaptern, Verteilern, dedizierten Kommunikationsservern und der Konzentration auf den Ethernet-Markt sehen sie eine Chance, das Unternehmen künftig neu zu etablieren - "Renaissance" nennen die Akteure diesen Prozeß, der ihre unternehmerischen Entscheidungen in der nächsten Zeit prägen soll.

Die Vermutung, mit der Umorientierung strebe 3Com an, sich im Kielwasser von IBM mitziehen zu lassen, weist Weger entschieden zurück: "Wir wollen als unabhängiger Anbieter überall dort vertreten sein, wo Unternehmen weltweit über heterogene Netze kommunizieren."

Ein Zwischenziel bei der Produkt-Ausverkaufskampagne hat Benhamou jetzt erreicht: Microsoft kümmert sich fortan um sein Sorgenkind Nummer eins, 3 + Open. Das Netz-Betriebssystem, 3Coms Variante des LAN Manager, umfaßt im Unterschied zu der Microsoft-Entwicklung Dienste, die Macintosh-Anwendern sowie Usern von lokalen Netzen, die Novells Netware einsetzen, direkten Zugriff auf LAN-Manager-Ressourcen gewähren. Außerdem enthält es X.500-Directory-Services. Unter funktionalen Aspekten steht 3 + Open dem Konkurrenzprodukt aus dem Hause Novell näher als der LAN Manager.

Doch dieser "Zusatznutzen" schlug sich nicht, wie anfangs erwartet, in harten Dollars nieder. "Damit haben wir effektiv kein Geld verdient", gesteht Weger. Das Unternehmen habe viel in die Entwicklung dieses Produkts gesteckt. Doch die Resonanz der Anwender blieb aus: Laut 3Com-Gründer Robert Metcalfe konnte die im Oktober 1988 erstmals ausgelieferte LAN-Systemsoftware nie mehr als zehn Prozent zum Gesamtumsatz beitragen. Den Löwenanteil bestreitet nach wie vor die Hardware. Und seit Microsoft, gleichzeitig Lizenzgeber und Konkurrent, seine Vertriebswege erweitert hat und den LAN Manager inzwischen nicht nur über OEMs, sondern auch direkt über Distributoren anbietet, verstärkte sich für 3Com der Druck, dem anhaltenden Mißverhältnis von Software-Investitionen und -Einnahmen ein Ende zu bereiten.

Da Microsoft neuerdings die von 3Com entwickelten 3 + Open-Spezifika per Lizenz erworben hat, müssen sich die betroffenen Anwender mittelfristig an diesen Hersteller wenden, wenn sie Unterstützung benötigen. Während einer Übergangszeit, die nach 3Com-Schätzung etwa sechs bis zwölf Monate dauert, wollen beide Partner eng zusammenarbeiten. "Wir werden auch weiterhin Support leisten", verspricht Weger. "In Deutschland sind wir ja schon von der rechtlichen Seite her dazu verpflichtet." Ein Update von 3 + Open steht allerdings nicht mehr an. 3Com-Kunden soll mit einer der künftigen LAN-Manager-Versionen - sie wird derzeit unverbindlich als 2.X bezeichnet - ein Migrationspfad geöffnet werden. Wer heute die 3 + Open-Funktionalität haben will, kann sie momentan noch bei 3Com erwerben, allerdings nur in Kombination mit einem 3Server. Wie lange diese Regelung gilt, ist nicht abzuschätzen, denn auch für seine PC-orientierte Hardware sucht das Unternehmen einen Abnehmer, der bereit ist, einen entsprechenden Lizenzvertrag zu unterzeichnen.

Von der Zusammenführung der Microsoft- und 3Com-Entwicklungen könne die Anwendergemeinde nur profitieren, meint 3Com in den USA und empfiehlt seinen Vertriebspartnern in diesem Zusammenhang folgendes Argument: "Der Kunde muß sich fortan nicht mehr fragen, welchen LAN Manager er am besten kaufen soll." Damit werde Microsoft bei dem Vertrieb des Produkts unterstützt. Und das kann nur im Interesse des frischgebackenen Lizenzgebers 3Com sein.

Novell, Anbieter des zu 3 + Open und LAN Manager alternativen Netz-Betriebssystems Netware, betrachtet die Veränderungen allerdings aus einem anderen Blickwinkel. Langfristig werde 3Coms Rückzug aus dem LAN-Markt zwar keine Auswirkungen auf das eigene Busineß haben, vermutet Bernd Buchholz, der als Managing Director für Central Europe bei Novell auch die deutsche Niederlassung leitet. "Doch im Moment besteht die Gefahr, daß sich, die Distributoren und Händler zu stark auf die neue Situation konzentrieren. Das lenkt ihre Aufmerksamkeit möglicherweise von Netware ab."

Diese Sorge scheint begründet, denn bevor ein Distributor den Wechsel von 3 + Open auf den LAN Manager bieten kann, muß er mit Microsoft verhandeln. "Noch schützt der Hersteller seine OEMs und beliefert uns mit einer anderen Version des LAN Manager als diese Gruppe. Wir brauchen aber ein solches OEM-Paket, wenn wir die Migration von 3 + Open übernehmen wollen", erläutert Gottfried Bonleitner, Produkt-Manager für den LAN Manager bei der Adcomp Datensysteme GmbH.

Das in der Nähe von München ansässige Unternehmen gehört schon seit längerem zu den Novell-Partnern, die Händler mit Netware beliefern, und ist derzeit der einzige Distributor, den Microsoft in Deutschland für den Vertrieb des LAN Manager autorisiert hat. "Wir waren auch 3Com-Distributor und werden nach wie vor von dem Hersteller unterstützt. Aber der Umsatz mit 3 + Open war vergleichsweise gering", resümiert Bonleitner, der auf ein reges Interesse migrationswilliger 3Com-Kunden hofft.

Details zu der neuen Strategie oder nähere Hinweise auf das kommende Angebotsspektrum will 3Com noch nicht bekanntgeben. Auch das Schicksal der Maxess-Produkte bleibt weitgehend unklar. Die Aussagen zu dem LAN-SNA-Gateway klingen recht widersprüchlich. So heißt es: "Wir werden die Linie nicht aufgeben, sondern nur unsere Investitionen in Maxess drosseln." Zumindest bis Ende dieses Jahres will der Hersteller seine Maxess-Kunden noch unterstützen. In diesem Zusammenhang empfiehlt das amerikanische 3Com-Headquarter seinen Vertriebspartnern: "Ein Kunde, der mittelfristig höhere Anforderungen an eine LAN-SNA-Verbindung stellt, als es das Gateway heute bietet, sollte sich besser bei der Konkurrenz umsehen."

Vor dem Hintergrund, daß 3Com sich auf die Fahnen geschrieben hat, künftig in unternehmensweiten Vernetzungsprojekten eine entscheidende Rolle zu spielen, scheint dieser Rat allerdings nicht sonderlich konsequent.