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06.03.1981 - 

IBM-Betriebssystem-Macken auf dem Rücken der Anwender ausgetragen:

4300-Umsteiger über DOS/VSE vergnatzt

MÜNCHEN - Die Einführung des IBM-Betriebssystems DOS/VSE gestaltet sich für 4300-Einsteiger immer zum Drahtseilakt: Unausgegoren auf den Markt geworfene Releases sowie fehlerhafte IBM-Software führten nach Angaben der Betroffenen zu "chaotischen Zuständen" in den DV-Abteilungen. "E solch miese Umstellung", erbost sich beispielsweise DV-Chef Werner Jacob von der Ulmer Wieland Werke AG "habe ich während meiner ganzen 18jährigen DV-Tätigkeit noch nicht mitgemacht"

Das Jahresmeeting der internationalen IBM-Benutzergruppe Common, das im Oktober letzten Jahres in Amsterdam abgehalten wurde, zeigte, daß der Marktführer den Ernst der DOS/VSE-Lage erkannt hat: An den Betriebssystem-Diskussionen nahmen nicht nur die besten IBM-Systemspezialisten teil. Selbst höchste IBM-Honoratioren reisten aus dem amerikanischen DV-Mekka White Plains an, um emotionsgeladene Gemüter zu beschwichtigen. Wie aus Common-Kreisen zu erfahren war, zeigten die Amsterdamer Gespräche, daß nahezu alle anwesenden DOS/VSE-Benutzer mit massiven Problemen bei der Umstellung des Betriebssystems zu kämpfen hatten. Inzwischen hätten gar einige Common-Mitstreiter "harte Maßnahmen" gegen die IBM ergriffen: "Das, was die an IBM-Hardware rausschmeißen konnten, haben die rausgeschmissen."

In einigen Unternehmen, so ein weiteres Common-Mitglied, habe es bereits Trouble bis hoch zur Vorstandsebene gegeben. Inzwischen wurden von der Benutzergruppe zum Thema DOS/VSE Resolutionen vorbereitet, die demnächst der IBM übergeben werden sollen. (Lesen Sie auch den Erfahrungsbericht des Common-Mitglieds Frau Heidemarie Röhlke, Gretsch Unitas GmbH, Ditzingen.)

Bei den Oberrheinischen Mineralölwerken in Karlsruhe wird derzeit ein System 4331 unter DOS/VSE Release 2 gefahren. DV-Leiter Jürgen Lischka wirft der IBM bei diesem Release "totale Nachlässigkeit" vor. Es sei "völlig unausgegoren" auf den Markt geworfen worden und mit "gravierenden Fehlern" behaftet gewesen, die nach monatelangem Einsatz noch immer nicht beseitigt seien. Wie auch andere Benutzer bemängelt Lischka vorwiegend Probleme bei der Bandeinheit: "Es kamen Fehlernachrichten, die in keinem Zusammenhang zum eigentlichen Fehler standen."

"Voller Haken und Ösen"

Mit "grauenhaft" umschreibt DV-Chef Wolfgang Sigusch die Installation des DOS/VSE Release 1 bei der Düsseldorfer Sandvik GmbH. Die gesamte VSE-Software sei von der IBM nicht "sauber ausgetestet" und "strotze" geradezu von Fehlern. Besonders, kompliziert werden die Probleme, wenn CICS, DL/1 und Fremd-Software im Einsatz seien, erläutert Sigusch. Allein in einer Woche sei ihm fünfmal das gesamte System abgestürzt. Durch permanente Fehlerzeiten habe er Monate gebraucht, um einigermaßen stabil zu werden.

Selbst IBM-Techniker geben zu, daß mit DOS/VSE nicht alles in Butter ist. Gegenüber dem DV-Leiter der Elba Maschinen GmbH in Ettlingen, Gunther Klump, äußerten TA-Spezialisten der IBM, daß DOS/VSE Release 2 "voller Haken und Ösen" stecke. Es soll sogar schlechter sein als Release 1", verdeutlicht Klump. Indessen sei jedoch die neue Version B des Release 2 "einigermaßen sattelfest", wie er gehört habe. Bevor Klump von seinem Release 1 umsteigt, will er vorerst seine Anwenderkollegen "in Ruhe experimentieren" lassen.

Über das fehlerhaft ausgelieferte Release 2 beklagt sich auch der DV-Chef eines norddeutschen Foto-Konzerns. Die IBM habe ihn anfangs mit DOS/VSE "voll gegen die Wand" laufen lassen. Erst nachdem er mehrmals schriftlich sein Mißfallen gegenüber seiner Geschäftsstelle geäußert habe, sei die Unterstützung besser geworden. Bereits seit Herbst letzten Jahres laufe DOS/VSE bei ihm in der Produktion - aber erst jetzt sehe es so aus, als hätte man die Umstellung geschafft. Der Nordmann ist grundsätzlich von DOS/VSE enttäuscht: Release 1 sei trotz aller Schwierigkeiten nichts anderes als ein etwas aufgemotztes DOS/VS Release 34.

Wenn die Galle überläuft

"Das Basis-Lizenzprogramm VSE/ Power/RJE ist so miserabel, daß es sogar die IBM zugegeben hat", echauffiert sich Hans Reinecke von der Frankfurter Hochtief AG. Ihm sind Anwender bekannt, die von Release 2 Wieder auf Release 1 zurückgegangen sind, weil "gar nichts mehr funktionierte", Reineckes Essener Konzernkollegen sind auf Anraten ihres IBM-SE bei Release 1 geblieben -denn da laufe momentan wenigstens alles.

Fred Birk, Leiter Systementwicklung bei der McCann Erickson GmbH, Frankfurt, läuft nach eigenen Aussagen langsam die Galle über. Auf Dauer sei es auch seiner Geschäftsleitung nicht mehr zumutbar, Mieten zu zahlen, um sich mit Problemen rumschlagen zu müssen, die eigentlich Probleme der IBM seien. Birk bezeichnet es als skandalös, daß der Marktführer auf Kosten der Kunden seine eigenen Fehler bereinigen lasse.

Vollends vergnatzt ist Werner Jacob über die DOS/VSE-Macken: "Nachdem die erste Generierung voll in die Hose ging, haben wir ein neues Release erhalten, bei dem wiederum fünfzehn bis zwanzig Komponenten fehlerhaft oder gar nicht enthalten waren." Der Ulmer stellt im nachhinein fest, daß die gleichen bei ihm aufgetretenen Mängel bereits von anderen Anwendern bei der IBM angemahnt waren. "Hätte uns das die IBM vorher gesagt", empört sich Jacob, "wäre uns viel Ärger und Nachtarbeit erspart geblieben."

Ist VM die Lösung?

Der beste Weg, um auf DOS/VSE zu gehen, ist nach Ansicht von Wolfgang Behrens, DV/Org.-Leiter bei der co op Schleswig-Holstein in Kiel, der Einschub von VM. Dieses Betriebssystem laufe auf seiner 4341 hervorragend. Sind Kassensysteme angeschlossen, funktioniere DOS/VSE indessen überhaupt nicht. Das Problem beim VM-Einsatz liege jedoch im Bedarf von wesentlich mehr Speicherkapazität.

Der DV-Chef eines in Deutschland ansässigen skandinavischen Automobil-Konzerns ist überzeugt, daß DOS mit VSE von den Möglichkeiten der Weiterentwicklung her die absoluten Grenzen erreicht hat. DOS sei inzwischen viel zu alt und das ganze Konglomerat der unzähligen Releases zu verwalten, erweise sich als zunehmend schwierig für die IBM.

AU:Manfred Hasenbeck