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4381-Betriebssystem ist eine Frage des nötigen Adreßraums

04.09.1987

DOS/VSE oder MVS für die 4381? Darüber sind die Anwender keineswegs einheitlicher Meinung. Die Rechnerfamilie nimmt nämlich eine gewisse Zwitterstellung ein. Viele Unternehmen schafften die 4381 als Nachfolgerin für eine kleinere 43er an; das Betriebssystem DOS/ VSE überlebte die Hardware-Aufstockung. Je nach Art der Anwendungen und dem dafür nötigen Adreßraum ist diese Lösung offensichtlich auch praktikabel und spart Umstellungsaufwand. Mother Blue macht jedoch keinen Hehl daraus, daß sie MVS favorisiert. Dafür spricht nicht nur der finanzielle Anreiz, auf den Theodor Wagner, Leiter DV/Organisation in der Rosenthal AG, Selb, hinweise. Wie Werner Rau, Leiter Systemanalyse/Programmierung beim Stuttgarter Verlag Das Beste, betont, ist auch "zur Zeit noch keine Rede davon, VSE in SAA einzubinden". Ob jedoch die VSE-Kundschaft geschlossen migrieren wird, ist fraglich. Dazu Rainer Bernhardt, RZ-Leiter der Frankona Rückversicherung, München: "Der Vorteil, den wir durch eine Migration erreichen würden, wäre unbedeutend."

Theodor Wagner, Leiter DV/Organisation, Rosenthal AG, Selb

Eine 4381 R 14 mit VSE ist einem Spitzenklasse-Auto mit Kleinwagenmotor vergleichbar. In beiden Fällen werden die potentiellen Möglichkeiten der Maschine nicht zureichend genutzt. Unserer Geschäftsleitung habe ich meine Argumente zugunsten einer Migration auf MVS bereits vorgetragen; die Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen.

Meines Erachtens ist DOS/VSE in puncto Entwicklung am Ende der Fahnenstange angelangt. Mehr wird man aus diesem Betriebssystem nicht mehr herauskitzeln können - weder an Performance-Verbesserungen noch an interner Steuerung. Daß wir unter VM fünf virtuelle Maschinen aufgemacht haben, ist eine Notlösung, die mittlerweile ebenfalls an die Grenzen ihrer Ausbaufähigkeit gestoßen ist. Eine sechste Maschine würde die Performance in unzumutbarer Weise verschlechtern.

Auch die IBM ist offensichtlich daran interessiert, Anwender, die bezüglich Größenordnung und Anwendungsschiene etwa auf unserem Level stehen, zum Wechsel auf MVS zu bewegen. Ein Indiz dafür ist die sogenannte Migrationshilfe, die darin besteht, die im Vergleich zu VSE höheren Lizenzgebühren während der ersten Monate ganz zu erlassen und anschließend für eine gewisse Zeit zu reduzieren.

Wer den Markt für Anwendungssoftware aufmerksam beobachtet, wird feststellen, daß auch die Entwickler in zunehmendem Maße, auf das neue, komfortablere Betriebssystem bauen. DOS/VSE ist mit einer ganzen Reihe von Restriktionen belastet; Beispiele dafür sind die Partition-Aufteilung und die interne Adreßraumbegrenzung. Ein weiteres Handicap ist, daß wir die Komponenten CICS, DL/ 1, MPS etc. in jeder der virtuellen Maschine vorhalten müssen. Im Endeffekt ist dann das System hauptsächlich damit beschäftigt, sich selbst zu verwalten.

Aufgrund ihrer Architektur bietet die Doppelprozessor-4381 wesentlich mehr an interner Geschwindigkeit und Kanalausnutzung, als sie uns jetzt zur Verfügung stellen kann. Der Anschluß gewisser Hardwarekomponenten, zum Beispiel der DFÜ-Steuereinheiten 3725, ist auch nur unter MVS möglich.

Meine Entscheidung für MVS ist ganz klar eine strategische. Sie zielt auf unser Wachstum innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre. VM werden wir zunächst behalten, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen. Wenn die Einführung von MVS parallel zum VSE-Betrieb erfolgt, ist auch eine erweiterte Plattenkapazität notwendig. Wir rechnen damit, daß fünf bis sechs unserer Leute etwa ein dreiviertel Jahr mit der Umstellung beschäftigt sein werden.

Selbstverständlich kommt ein so mächtiges Betriebssystem wie MVS erst ab einer höheren Hardware-Größenordnung überhaupt in Frage. Es setzt eine gewisse Speicher- Power voraus, mit der es bei uns jedoch keine Probleme geben wird. Ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten des Systems sind aber sicher die Anwendungen, die gefahren werden sollen.

Ich bin davon überzeugt, daß es mit zunehmendem Dialog-betrieb für uns immer schwieriger wird, unter DOS/VSE eine vernünftige Rechnerauslastung zu bekommen. Wir werden also gar nicht umhinkönnen, schleunigst Schritte einzuleiten, um noch rechtzeitig auf den Zug aufzuspringen. Vorerst gilt es jedoch, die Geschäftsleitung davon zu überzeugen, daß es weniger aufwendig ist, den ohnehin notwendigen Schritt zu WS so bald wie möglich zu tun. Diese Entscheidung muß vom Vorstand mitgetragen werden - nicht nur wegen der anfallenden Kosten, sondern auch wegen des Entwicklungsstillstands während der Umstellungsphase.

Werner Rau Leiter Systemanalyse / Programmierung, Verlag Das Beste, Stuttgart

Wir setzen auf unseren beiden Rechnern der Serie 43XX das Betriebssystem VSE unter VM ein. Eine Umstellung auf MVS würde ein bis zwei Millionen Mark kosten - ganz davon abgesehen, daß das Produkt selber sowie die Anwendungssoftware wesentlich teurer wären. Außerdem schätzen wir, daß wir unter MVS mindestens einen Mann zusätzlich für die Systemprogrammierung einstellen müßten.

Last but not least wäre ein größerer Computer notwendig. MVS ist ein Betriebssystem, das allenfalls für die obersten Modelle - also 14 und höher - der 43XX-Reihe geeignet ist; eigentlich ist es aber ein System für die 30er Serie. Insofern haben wir wenig Lust, VSE aufzugeben.

Allerdings besteht momentan bei den Anwendern ziemlich viel Unsicherheit in bezug auf VSE innerhalb des SAA-Konzepts. Es ist zur Zeit bei der IBM noch keine Rede davon, VSE in SAA einzubinden. Was die Entwicklung angeht, schwimmen wir also nicht mehr vorne mit. Das sind die Nachteile, die wir in Kauf nehmen müssen, beziehungsweise: Hier muß man die Kosten gegen die Vorteile abwägen.

Eine andere Frage ist: Wie wird sich VM/VSE entwickeln? Aufgrund der Speicherbegrenzungen unter VSE von 16 beziehungsweise 40 MB sind wir gezwungen, im Online-Betrieb unter VM mehrere VSE-Maschinen zu betreiben. Diese virtuellen Maschinen können sich jedoch nicht ohne weiteres Daten teilen, so daß wir hier wiederum an eine Grenze stoßen.

Aber wenn man einmal genauer dahintersieht, dann ist das meiste von dem, was wir unter VSE vermissen, auch unter MVS nicht realisierbar. Das Problem ist folgendes: Zwar können die Daten zwischen zwei SQL-Datenbanken unter VM ausgetauscht werden, und die Verbindungen zu DB/2 sind auch angekündigt; aber die VSE/SQL-Benutzer sehen sich aus der Welt der verteilten Datenbanken ausgeschlossen. Allerdings ist unseres Wissens auch unter MVS eine gleichzeitige Nutzung von Daten aus der Online- und der Batch-Umgebung heute noch unbefriedigend gelöst.