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07.03.1975

440 Millionen für Super-Datenbank

BONN - "Die wachsende Informationsflut erschwert den Kommunikationsprozeß. Wegen der immer weiter um sich greifenden Autonomie von Datenbanken und ihrer immer stärkeren Konzentration auf besondere Zielsetzung wird es zunehmend schwieriger, jenseits fachspezifischer Grenzen einschlägige Informationen zu ermitteln." So schreibt Forschungsminister Hans Matthöfer im Vorwort zu dem jetzt der Öffentlichkeit vorgelegten Förderungsprogramm "Information und Dokumentation" (IuD). Das bereits Mitte Dezember 1974 vom Bundeskabinett verabschiedete Programm geht davon aus, daß es weitgehend eine öffentliche Aufgabe ist, durch planende, organisatorische und fördernde

Maßnahmen die Voraussetzungen für ein leistungsfähiges Informationsgefüge zu schaffen, das den zunehmenden Kommunikationsbedürfnissen der modernen Gesellschaft genügt.

Die Informationslawine

Die Anzahl der Publikationen ist seit Beginn dieses Jahrhunderts explosionsartig angeschwollen. Um 1900 erschienen in der ganzen Welt schätzungsweise 9000 wissenschaftliche Zeitschriften. Heute sind es etwa 900 000. Jährlich erscheinen über zwei Millionen wissenschaftlich-technische Zeitschriftenartikel. Die Zahl der Bücher, Patente, Forschungsberichte und Dissertationen ist sicher nicht wesentlich geringer.

Die jährlichen Zuwachsraten liegen heute etwa bei sieben Prozent so daß sich unser Wissen alle zehn Jahre verdoppelt. Das Aufspüren einer Veröffentlichung die Antwort auf eine bestimmte wissenschaftlich- technische Frage geben kann, kommt somit der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen gleich.

Vor diesem Hintergrund ist das IuD-Programm der Bundesregierung zu sehen, für das bis zum Jahre 1977 aus Mitteln der Bundesregierung insgesamt etwa 440 Millionen Mark zur Verfügung gestellt werden. Die Aufwendungen, die von den Ländern und privaten Einrichtungen außerdem

noch aufgebracht werden müssen, lassen sich nur schätzen. Sie dürften nach Bonner Schätzungen ebenfalls in der Größenordnung von einigen hundert Millionen Mark liegen.

Der Schwerpunkt des Programms liegt auf dem wissenschaftlichen und technischen Informationswesen. Einbezogen werden dabei auch Informationen über wirtschaftliche, soziale, juristische und politische Gegebenheiten und Entwicklungen.

Fachinformationssysteme

Im Vordergrund des Programms steht der sukzessive Aufbau und Betrieb von leistungsfähigen Informationseinrichtungen. So sind etwa 16 Fachinformationssysteme vorgesehen, in denen die jeweils fachlich zusammenhängenden Aktivitäten zu größeren überregionalen Einheiten zusammengefaßt werden. Wie Minister Matthöfer in Bonn ausführte, sind Dokumentationssysteme unter anderem für das Gesundheitswesen, für Chemie, Energie, Physik, Elektrotechnik und Maschinenbau, Werkstoffe und Metallverarbeitung, Rohstoffgewinnung und Gewissenschaften, Verkehr, Raumordnung, Recht, Sozialwissenschaften und Auslandskunde vorgesehen. Die Fachinformationszentren stellen den Kern der jeweiligen Systeme dar. Sie werden die notwendigen Dienstleistungen wahrnehmen sowie für die interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit sorgen.

Ergänzt werden diese Fachinformationssysteme durch Informationseinrichtungen mit besonderer Zweckbestimmung (zum Beispiel Umwelt, Patente, technische Regelwerke, Forschungsinformationen).

Dieses engmaschige Kommunikationsnetz, das nur mit Hilfe modernster Anlagen der elektronischen Datenverarbeitung verwirklicht werden kann, soll nach den Vorstellungen des Bonner Forschungsministeriums einmal die ganze Bundesrepublik überspannen und mit den entsprechenden Systemen der Nachbarländer eng verflochten sein. Das Informationsnetz wird auch die bereits seit vielen Jahren bestehenden 200 Informations- und Dokumentationsstellen in überregionalen Institutionen zusammenfassen und zu leistungsfähigen Einheiten ausbauen. Eine weitgehende Nutzung Internationaler Informationssysteme soll schließlich sicherstellen, daß die Wirtschaftlichkeit und Effektivität der einzelnen Dienste gegeben ist. Der Benutzer der Dienstleistungen sollte beim Aufbau und Betrieb der Informationseinrichtungen entscheidend mitwirken können.

Infrastruktur-Maßnahmen auch für Verwaltung

Parallel mit dem Aufbau des bundesweiten Informationsnetzes soll eine leistungsfähige Infrastruktur von Information und Dokumentation geschaffen werden. Dazu gehört nicht nur der Ausbau der "Gesellschaft für Information und Dokumentation", die im Rahmen des luD-Programmes koordinierende Funktionen erhält, sondern auch die Förderung von Forschung und Entwicklung im Informationsbereich, die Normung und Vereinheitlichung sowie der Ausbau technischer Hilfen. Wie Minister Matthöfer auf der Pressekonferenz in Bonn betonte, müssen vor allem noch leistungsfähige Endgeräte entwickelt und erprobt werden. So will die Bundesregierung beispielsweise Mittel für die Entwicklung spezieller Datenein- und ausgabegeräte, Speicher für große Datenmengen und schnellen Zugriff, Datenübertragungstechnik sowie neue Technologien der Reprographie bereitstellen. Aber auch für maschinelle Verfahren in Information und Dokumentation, insbesondere für die maschinelle Indexierung, für Sprachübersetzen sowie für Untersuchungen über die Weiterentwicklung von Datenbanksystemen sollen in den nächsten Jahren Mittel aus der öffentlichen Hand bereitgestellt werden. Diese infrastrukturellen Maßnahmen sollen aber nicht nur den wissenschaftlichen und technischen Informationssystemen dienen, sondern auch den Verwaltungsdatenbanken und den anderen Informations- und Dokumentationseinrichtungen zugute kommen.