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13.11.1974 - 

IBM 3850 - das Ende des Magnetbandes?

472 Milliarden Bytes im Direktzugriff

Das neue Massenspeichersystem 3850 wird von IBM als das Konzept des virtuellen Plattenspeichers vorgestellt. Es ist eine automatisierte Kassetten-Bibliothek mit einer maximalen Speicherkapazität von 472 Milliarden Bytes, bei der die Vorteile der Platten- und Magnetbandspeicherung kombiniert werden.

Das System 3850 besteht aus der Bibliothekseinheit Modell 3851, dem bekannten Magnetplattensystem 3330/3333 und der neuen Plattensteuerung 3830, Modell 3. Die Bibliothekseinheit enthält den Zugriffsmechanismus und die Lese/Schreibstationen für die Datenpatronen.

Die kleinste Einheit des neuen Systems ist die Datenkassette in einem patronenförmigen Gehäuse. Sie wird deshalb auch als "Datenpatrone" bezeichnet. Die Datenkassetten werden in Honigwaben-ähnlichen Zellen untergebracht. Jede Bibliothekseinheit besitzt eine Ein-/Ausgabestation. Hier werden die Bandkassetten von Hand eingelegt oder herausgenommen. Ein Kassettensensor teilt der Steuerung mit, wenn sich eine Kassette in der Station befindet.

Die Kassette (Ausmaße: 5 cm Durchmesser und 10 cm Höhe) speichert auf einem 7,5 cm breiten und 20 cm langen Band 50 Mio. Bytes. Der Kaufpreis für eine Datenpatrone beträgt 65 Mark in der BRD und $ 20, - in den USA. Das Band ist ähnlich einer Platte in 202 Zylinder mit 19 Spuren pro Zylinder und 13 030 Bytes pro Spur organisiert. Jeweils zwei Kassetten nehmen die Daten einer IBM 3330 auf und bilden zusammen einen "Massenspeicherdatenträger". Diese plattenähnliche Organisation erlaubt es, die Daten der Kassette auf 3330-Platten zu duplizieren.

Die Massenspeichersteuerung veranlaßt den mechanischen Transport der Patrone in die Schreib/Lesestation, wo das Band abgespult und gelesen wird, und die Datenübertragung in den Puffer der Plattensteuereinheit. Der Pufferinhalt wird dann auf den angeschlossenen Magnetplattenspeicher 3330 übertragen. Nach Zwischenspeicherung der Daten auf der Platte wird die Patrone wieder in ihre Honigwabe zurücktransportiert.

Das Hervorholen und Rücktransportieren der Datenpatrone aus den Waben erfolgt automatisch. IBM gibt folgende Werte für den mechanischen Transport an: Holen und Rücktransportieren einer Patrone 3-8 Sekunden, Laden und Entladen der Kassette insgesamt 10 Sekunden. Die Datenübertragungsrate beträgt 874 K Bytes pro Sekunde.

IBM bietet vorerst vier Ausbaustufen der 3850 an, von der kleinsten mit 35 Mrd. Bytes (706 Patronen) bis 236 Mrd. Bytes (4720 Patronen) Speicherkapazität. Zwei Basiseinheiten können an eine Zentraleinheit angeschlossen werden und ergeben zusammen eine maximale Speicherkapazität von 472 Mrd. Bytes (9440 Patronen). IBM hat die Anschlußmöglichkeit für die Systeme 370/145 bis zur 168 vorgesehen.

Das Massenspeichersystem 3850 arbeitet mit dem Betriebssystem OS/VS 1 oder 2. Dabei stehen dem Benutzer reale Plattenspeicher und virtuelle, auf Kassetten abgebildete Plattenspeicher zur Verfügung. Der externe Speicher stellt sich so dar, als ob er nur aus Plattenspeichereinheiten bestünde. Die realen Platteneinheiten dienen zur Speicherung des Betriebssystems sowie der wichtigsten im direkten Zugriff benötigten Daten, während die virtuellen Platten als Zwischenspeicher für die fast unbegrenzte Datenmenge der maximal rund 10 000 Datenpatronen bezeichnet werden können.

Eine erhöhte Datensicherung ist nach Angaben des Herstellers dadurch gegeben, daß die Dateien des Massenspeichersystems sich in einem abgeschlossenen Gehäuse, einer Datenpatrone befinden. Im Bibliothekssystem werden diese Datenpatronen nur mechanisch bewegt und somit das Risiko der äußeren Beschädigung und Fehlarchivierung vermindert. Ein zusätzlich möglicher Magnetfelddetektor verhindert, daß kassettenähnliche magnetische Objekte in die Bibliothek eingegeben werden können und dort Daten zerstören. Eine automatische Aufzeichnung von Fehlern erlaubt den rechtzeitigen Ersatz von abgenutzten Kassetten. Das System kann mit einer speziellen Ausrüstung versehen werden, um die Entstehung von Rauch und Feuer anzuzeigen. Da es sich bei der Bibliothekseinheit um eine selbständige vollautomatische Einheit handelt, kann sie der Benutzer in einem völlig isolierten Raum unterbringen und damit das Risiko einer äußeren Beschädigung erheblich mindern.

IBM gibt die Monatsmiete für die Bibliothekseinheit zwischen 36 000 und 106 000 D-Mark an.