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30.11.1990 - 

Information Builders gaben langfristige Pläne preis

4GL-Produkt Focus wird mit Expertensystemtechnik gekoppelt

WIEN (qua) - Das Expertensystem-Werkzeug Level 5 wird auf lange Sicht mit dem 4GL-Produkt Focus integriert. Das verkündete Gerald Cohen, Präsident der New Yorker Softwareschmiede Information Builders Inc. (IBI), anläßlich der europäischen Focus-Anwenderkonferenz, die heuer in Wien stattfand.

Zwar ging lediglich ein einstelliger Prozentsatz des im vergangenen Jahr eingebrachten Umsatzes von 160 Millionen Dollar auf das Level-5-Konto, doch macht Cohen aus seiner Vorliebe für die wissensbasierte Technik kein Hehl: "Expertensysteme werden in absehbarer Zeit um Größenklassen wichtiger sein als CASE", prophezeit der IBI-Präsident.

Die CASE-Technik, so urteilt der Software-Experte, sei vor allem darauf ausgerichtet, die Anwendungsentwicklung zu beschleunigen; den Nutzwert der so erstellten Systeme könne sie nicht erhöhen. "Kein Unternehmen wird sich am Markt halten können, nur weil es das bessere CASE-System hat", behauptet Cohen, "aber es kann sich das Überleben durch den Einsatz strategischer Expertensysteme sichern."

Cohens kritische Distanz gegenüber der CASE-Technologie rührt sicher nicht zuletzt daher, daß sein Unternehmen in diesem Markt keineswegs heimisch

ist. Zwar vertreibt IBI mit dem Focus Application Creation Tool (Fact) neuerdings ein Entwicklungswerkzeug, das unter dem Schlagwort Computer-aided Software-Engineering subsummiert werden kann, doch konstatiert der Mann aus New York unmißverständlich: "Wir sind kein CASE-Anbieter."

Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß IBI an dem Tool-Vendor-Programm teilnimmt, das die IBM im Dunstkreis ihres AD/Cycle-Konzepts ins Leben gerufen hat. "Unsere Kundenbasis setzt sich zu einem beträchtlichen Teil aus großen IBM-Anwendern zusammen," erläutert Cohen, "und denen garantieren wir, daß wir Focus voll kompatibel zum Repository machen werden; das ist alles."

Im Gegensatz zu CASE werden wissensbasierte Systeme den Kunden häufig noch als etwas Exotisches betrachtet. So wie IBM durch die AD/Cycle-Ankündigung die CASE-Technik erst gesellschaftsfähig gemacht hat, könnte der DV-Riese mit einem ähnlichen Commitment auch der Expertensystem-Technik zu mehr Akzeptanz verhelfen - zumal er mit einer Reihe von Produkten in diesem Markt vertreten ist.

"Die IBM schenkt den Expertensystemen nicht genug Beachtung", klagt denn auch der IBI Gründer, der - im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen im Softwaregeschäft - niemals auf der Lohnliste der Armonker gestanden hat. Zwar sei er sich der Tatsache bewußt, daß IBM eine ernstzunehmende Konkurrenz darstelle; doch würde die gesamte Branche expandieren, wenn der Marktführer seine, Expertensysteme ernster nähme.

Im übrigen seien wissensbasierte Systeme sehr viel weiter verbreitet, als es den Anschein habe. Viele Unternehmen würden einfach nicht über ihre Expertensystem-Anwendungen sprechen: "Aus irgendeinem Grund sind sie offenbar der Ansicht, es handle sich hier um etwas, das geheim gehalten werden muß," mutmaßte Cohen.

Außerdem hätten viele Unternehmen noch nicht herausgefunden, welche strategischen Perspektiven die Expertensystem-Technik ihnen eröffne. Als Beispiele für mögliche Anwendungen führt Cohen Diagnoseprogramme wie Risiko- und Vorteilsanalysen ins Feld.

Dazu ist die oft geforderte Integration von wissensbasierter und "normaler" Datenverarbeitung nach Ansicht des IBI-Präsidenten keineswegs erforderlich: "Mit Expertensystemen wird eine ganz andere Art von Problemen gelöst." Unter Umständen sei die Integration sogar hinderlich, weil die normale DV der Expertensystem-Technik einen Klotz ans Bein binde.

Nichtsdestoweniger will IBI seine Produkte Focus und Level 5 langfristig zu einem einheitlichen System verschmelzen. Wie der deutsche Geschäftsführer Mark Inskipp mitteilt, hat der Anbieter vor, die Expertensystem-Technik für den Anwender transparent in das 4GL-Produkt zu integrieren. Derzeit kann die Kommunikation zwischen Focus und Level 5 lediglich mit Hilfe eines "Consult Verb" hergestellt werden.

Das 1987 durch Aquisition erworbene Level 5 ist seit kurzem auch in einer "objektorientierten" Version verfügbar. Laut Anbieter wird Level 5 Objekt derzeit auf alle Hardwareplattformen portiert, auf denen die Grundversion des Expertensystem-Werkzeugs bereits läuft, nämlich auf VAX-VMS, Apple-Macintosh und Unix System V.

Auch Focus steht demnächst auf einer Reihe von neuen Plattformen zur Verfügung, darunter GCOS7, GCOS8 und DPX von Bull, Unix System 5 Version 4, DEC-Ultrix, MPE X/L von Hewlett-Packard sowie AIX für RS/6000 und OS/400 von IBM. Ebenfalls angekündigt wurde ein Write-Interface zu Tandem Nonstop SQL.

Noch für 1990 so Cohen, sei geplant, PC Focus Plus auf den Markt zu bringen; das Produkt soll umfangreiche Mainframe-Applikationen auf MS-DOS-Rechnern ablauffähig machen.