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Powerhouse als Basissystem

4GL unterstützt Abwicklung von Swap-Finanzgeschäften

01.11.1991

Wer glaubt, Finanzprogramme würden nur in Cobol geschrieben, ist nicht mehr auf dem aktuellen Stand. So wird am Markt inzwischen auch ein System zur Unterstützung sogenannter "Swap"-Geschäfte angeboten, das in eine 4GL-Umgebung eingebettet ist. Vorteile, so Klaus-Dieter Linsmeier

*, liegen in den kürzeren Entwicklungszeiten, dem höheren Integrationsgrad sowie in der zusätzlichen Konsistenz und Stabilität.

Je komplexer ein Finanzgeschäft, desto wichtiger ist die einheitliche Rechnerunterstützung. Im allgemeinen wird diese Anforderung nicht erfüllt. Die verschiedenen Abteilungen eines Finanzdienstleisters, etwa einer Bank oder einer Versicherung, verfügen meistens über besondere Systeme für spezifische Anforderungen. Inkompatibilitäten sind die Regel, Automation ist die Ausnahme.

Mitte der 80er Jahre begann sich neben den klassischen Finanzmärkten für den Wertpapier-, Devisen- und Geldhandel ein neuer Markt zu etablieren, der zwar lukrativ, aber auch sehr variantenreich und komplex in der Abwicklung ist - der Swap. Das Risiko, durch Schwankungen der Zinssätze oder Währungen bei Termingeschäften Einbußen zu erleiden, machte diese Rückversicherung notwendig. Individuelle und detaillierte Verträge

Der Swap läßt sich folgendermaßen erklären: Vereinbart ein Unternehmen A mit einer Bank B einen Kredit über eine bestimmte Laufzeit und in einer bestimmten Währung, wobei die Kreditsumme in sechs Monaten fällig wird, so können sich Zins- und Währungssätze in diesen Zeiträumen änderen. Um Risiken zuvermeiden, bemüht sich Unternehmen A um ein Swap-Geschäft mit einem weiteren Partner C. Führen Zins- und Währungsschwankungen zu einem Kapitalverlust, dann wird dieser von C um das vereinbarte Volumen ausgeglichen. Im anderen Fall erfolgt eine Zahlung an C.

Im Jahre 1986 gab es für reine Zins-Swaps auf dem deutschen Markt ein Volumen von 50 Milliarden Mark. Ende 1989 betrug die Summe bereits 300 Milliarden Mark. Jeder Vertrag in dieser Sparte muß individuell bis ins kleinste Detail ausgearbeitet werden, denn der Finanzmarkt ist überaus variantenreich. Zinsberechnungsmethoden können von Staat zu Staat verschieden sein. Gesonderte Regelungen sind zu beachten, falls Tilgungzahlungen an Feiertagen fällig werden. Ein Vertrag enthält biszu 80 Parameter. Entsprechend aufwendig sind Vorabanalysen und Ablauflkontrollen. Hinzu kommt, daß die Bearbeitungsschritte innerhalb des Dienstleistungsunternehmens aufgeteilt sind.

Anspruchsvoll sind auch die Forderungen nach einer Rechnerunterstützung: Wichtig ist ein Datenpool, der einerseits konsistenten Zugriff erlaubt und andererseits die interne Organisation widerspiegelt. Versuche, diese Anforderungen durch Modifikationen und Integration vorhandener Programme inhouse zu unterstützen, sind gescheitert.

Unser Unternehmen, seit zehn Jahren im Finanzdienstleistungsbereich tätig, hat auf Basis der 4GL "Powerhouse" von Cognos ein Abwicklungs-, Überwachungs- und Management-System entwickelt, das den Namen Swaps trägt. Es dient der Integration dieser prosperierenden Geschäftsart in die Unternehmensorganisation. Betroffenen Abteilungen wird die jeweils erforderliche Geschäftsinformation - und nur diese - mit einer durchgängigen Benutzerschnittstelle auf einem Unix-Rechner zur Verfügung gestellt.

Eine 4GL-Entwicklungsumgebung bedeutet beispielsweise daß die Definition von Relationen für die Datenbank und für alle darauf zugreifenden Module zentral im Data-Dictionary abgelegt wird. Das verhindert nicht nur Zeit und Kosten raubende Redundanz, sondern sichert auch die Konsistenz und Stabilität des Gesamtsystems.

Rainer Eiermann, Leiter der fünfköpfigen Projektgruppe meint dazu: In einer 3GL deklarieren Sie ein Feld, etwa für den Zinssatz, als Dimension uvw, x Zeichen lang, davon y vor und z nach dem Komma. Das definieren Sie für die Datenbank, für jedes Ausgabemodul für Jedes Kalkulationsprogramm etc. Dabei verlieren Sie schon Zeit. Dann kommt irgend Jemand auf die Idee, etwas ändern zu wollen, und schon haben Sie ein Problem. Haben Sie auch nur eine Deklaration übersehen, so stimmt nichts mehr und das Programm stürzt ab. "

Welche Bedeutung Konsistenz und Stabilität haben, wird angesichts des komplexen Aufbaus der 4GL deutlich. Schließlich berücksichtigen nicht weniger als 300 Programme einerseits die Variantenvielfalt der Verträge und andererseits die internen Bearbeitungsorganisation. Neue Geschäfte müssen eingegeben, geprüft und gegebenenfalls bestätigt werden. Nach ihrer Freigabe erfolgt die Übernahme in den Bestand und damit die Weiterführung im Rahmen der Tagesgeschäfte. Zuständigkeiten von Bank an Bank verschieden

Zum Ablauf gehören auch Reports und die Pflege allgemeiner Daten wie Adressen oder Währungssätze. Die Zuständigkeiten für diese Aufgaben können von Bank zu Bank verschieden sein, abgesehen von einigen Richtlinien des Bundesaufsichtsamtes.

Zuständigkeiten lassen sich in der 4GL durch Zugriffsregelungen erfassen. Eine typische Struktur wurde zugrundegelegt, die aber per Menüfunktion vom Benutzer einfach umzukonfigurieren ist: Die Abwicklung tätigt die gesamte Geschäftseingabe, Bearbeitung der Tagesgeschäfte ist Sache der Kontrollabteilung. Alle Abteilungen - vom Handel bis zur Revision - erstellen Reports und können darauf zugreifen. Rost & Partner entschied sich für Powerhouse 4GL, eine Hauptkomponente der Powerhouse-CASE/ADE-Lösung (Application Development Environment) von Cognos. Die 4GL unterstützt die Entwickler vor allem in vier Punkten: Bei der Maskengenerierung, die einen benutzerfreundlichen Dialog ermöglicht, bei Datenbanktransaktionen, bei Kalkulationen sowie bei der Erstellung von Reports. Möglichst viele Funktionen auf deskriptiver Ebene

All diese Aspekte machen ein Data-Dictionary als zentrale Komponente unentbehrlich. Zudem sollten möglichst viele Funktionen auf deskriptiver Sprachebene zur Verfügung stehen. Dies hat den Vorteil, daß man zur Lösung eines Problems nur noch das gewünschte Ergebnis definiert. Die aufwendigeProgrammierung des Lösungsweges entfällt weitgehend.

In diesen vier Bereichen bot Powerhouse eine durchgängige Unterstützung im Gegensatz zu anderen Systemen, die deutliche Schwerpunkte etwa bei der Maskengenerierung haben und dafür keine Codierung der Reporterstellung zulassen, sondern lediglich 3GL-Generatoren bereithalten. Damit reduziert sich der Entwicklungsaufwand auf ein Minimum. Zu den Annehmlichkeiten gehört beispielsweise ein Feature wie Duplicate, das eine Zeile beim Ausfüllen einer Maske verdoppelt

Gehört diese Zeile zu einem Cluster, muß die Dimensionierung nicht konditional geprüft werden, denn im Data-Dictionary ist das Masken-Layout vollständig hinterlegt. Weiterer Vorteil: Die in C geschriebene 4GL läuft auf unterschiedlichen Plattformen. Cognos realisierte bereits die Unterstützung von HP-, DEC-, IBM- und Data-General-Systemen. Portierungen sind also in akzeptablem Zeitrahmen durchführbar.

Die Entwicklungstätigkeit bei Rost & Partner erfolgte unter dem Betriebssystem VMS von Digital Equipment. Swaps ist bereits auf einer Workstation mit 400 MB Plattenkapazität und 12 MB Hauptspeicher lauffähig. Im nächsten Schritt soll das System auf IBM/AIX portiert werden da der Markt in zunehmendem Maße Anwendungen verlangt die unter Unix ablauffähig sind.

Unsere Software wurde innerhalb von sieben Monaten entwickelt und vor kurzem bei einem ersten Kunden installiert In der täglichen Praxis der Finanzwelt wird jetzt erprobt. Ein Standardprodukt entsteht dabei sicher nicht, denn diese Branche lebt von individueller Anpassung. Aber das ist einer der wichtigsten Vorteile der 4GL-Umgebung. ____________

*Dr. Klaus Dieter Linsmeier ist freier Journalist in Heidelberg