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08.08.1975

50 Mio. Ausweise für 600 Mio. Belege

Mit Hansjürgen Weimann, bei der Mannesmann Datenverarbeitung, Leiter des Projektes "Datenträger für Versicherten- und Leistungsdaten im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung" sprach CW-Chefredakteur Dr. Gerhard Maurer

- Ihr Projekt heißt "Entwicklung eines Datenträgers für Versicherten- und Leistungsdaten". Was steckt hinter diesem Titel ?

Auftraggeber ist das Bundesarbeitsministerium, die Mittel hat das Bundesforschungsministerium bereitgestellt. Das gesamte Auftragsvolumen beträgt 2 Millionen Mark für den Zeitraum vom 1. August 1974 bis zum 31. Dezember 1975. Davon haben wir den Anteil für die Personalleistung in Höhe von etwa 700 000 Mark.

- Was wird sich am heutigen Krankenscheinverfahren künftig ändern?

Der Versichertenausweis soll Rationalisierungsmöglichkeiten im Bereich der Krankenversicherung und der beteiligten Vertragspartner - also bei den Ärzten, Apotheken. Krankenhäusern - ermöglichen. Er soll als erstes in der Arztpraxis die manuelle Übertragung der Versicherten-Daten und Kostenträger-Daten auf alle Belege durch ein Umdruckverfahren ersetzen. Mit dem Versichertenausweis in Form einer geprägten Plastikkarte werden in der Arztpraxis alle relevanten Belege per Umdruck personifiziert und zwar maschinenlesbar für alle späteren Abrechnungen.

- Kann man bereist den Rationalisierungsgewinn abschätzen ?

Bei der Ausschöpfung aller Möglichkeiten, die sich aus diesem Verfahren ergeben, wird es sicherlich möglich sein, durch Kostengünstigere und exaktere Datenerfassung Beträge einzusparen.

- Wieviel ?

In der Arztpraxis werden zum Beispiel die Belege nicht mehr manuell personifiziert. Heute wird dabei für jeden Beleg etwa eine Minute gebraucht. In der Bundesrepublik werden jährlich etwa 600 Millionen Rezepte ausgestellt. Das sind im Jahr 600 Millionen Minuten. Bei einem Arzthelferinnen-Gehalt von 1300 Mark, was sicherlich nicht zu hoch gegriffen ist, macht das mindestens 55 Millionen Mark die volkswirtschaftlich anders zur Verfügung stehen werden.

- Warum haben wir dergleichen nicht schon längst?

Insgesamt gibt es in der Bundesrepublik 1500 Krankenkassen die keineswegs alle heute schon mit EDV arbeiten. Voraussetzung für die Einführung eines neuen Versichertenausweis ist, daß alle Kassen nicht nur die Mitglieder, sondern auch alle Mitversicherten EDV-mäßig führen, damit sie in der Lage sind, solche Ausweise auszugeben. Dies wird frühestens Anfang 1977 der fall sein.

- Wie wird denn nun das neue Verfahren für den einzelnen Versicherten aussehen?

Jeder Versicherte, also auch das Familienmitglied erhält einen Versichertenausweis von seiner zuständigen Krankenkasse. Wir gehen davon aus, daß dieser Ausweis in Form einer Scheckkarte ständig mitgeführt wird. In der Arztpraxis wird er dazu benutzt, sich zu legitimieren und die benötigten Formulare inklusive der Karteikarten bei neuen Patienten durch sogenannte "Imprinter" oder Umdrucker zu personifizieren. Gleichzeitig wird durch eine "Stationsplatte" im Imprinter die Arztnummer übertragen. Auf allen Originalbelegen wird dann die Codierzeile maschinell lesbar sein. Somit wird kein großer Erfassungsaufwand mehr verursacht.

- Ihr Konzept scheint immer noch davon auszugehen, daß große Belegleser die Rezepte und Rechnungen zentral verarbeiten. Nun gibt es auf dem Markt aber auch kleine Handbelegleser, - sogenannte Lesepistolen oder Wand-Geräte. Hat diese jüngste Entwicklung Sie nicht zur Revision ihrer Planungen gezwungen ?

Nachdem wir diese Handleser auf dem Markt ausgemacht hatten, haben wir unser Konzept umgestellt und gehen - wenn man mal von der Rezeptabrechnung absieht - davon aus, daß sowohl bei den kassenärztlichen Vereinigungen wie bei den Krankenkassen und wenn gewünscht - in Krankenhäusern in der Patientenaufnahme sowie eventuell auch in einzelnen Arztpraxen solche Hand-Leser stehen werden, - mit automatischem Zugriff über die Ausweis-Nummer auf entsprechende Versicherten- und Leistungsdateien.

- Wie sieht der Zeitplan für das neue Verfahren aus?

Im Herbst dieses Jahres werden zirka 50 bis 70 Ärzten die Imprinter für sogenannte Handling-Tests zur Verfügung gestellt. Anhand der Auswertungsergebnisse sollen die Geräte entsprechend verbessert werden, damit sie den Ansprüchen der Ärzte genügen. Das Verfahren selbst soll ab Juli 1976 bis März 1977 durch einen Ablauftest geprüft werden, bei dem in einer Region mit zirka 100 000 Versicherten und zirka Ärzten und mit allen rel (...)ten Fachgruppen das neue fahren zum Einsatz kommt. 1978 kann mit der Einführ (...) des neuen Verfahrens auf keinen Fall gerechnet werden. D Prägen von 55 Millionen Versichertenausweisen dürfte allein ein halbes Jahr dauern.

- Welche Nummer erhält der Bürger?

Vorgesehen ist, daß das Personenkennzeichen gewählt wird. Sollte aber 1978 das Bundesmeldegesetz und das Datenschutzgesetz noch nicht verabschiedet sein, und somit auch kein Personenkennzeichen zur Verfügung stehen, wird eventuell eine andere Kennzahl als Versicherten-Nummer verwendet werden.

- Eine solche Nummer schafft Identifikations-Möglichkeiten.

Bringt das nicht auch Probleme mit sich?

Die Probleme bestehen darin, daß es erstmals maschinell möglich sein wird, Arztabrechnungen und Rezeptabrechnungen personenbezogen zu erfassen.

- Sie sagen "erstmals", Sicherlich wissen doch die Kassen, was der Einzelne an Leistung in Anspruch nimmt.

Dies ist nicht so. Weder die Arztabrechnung noch die Rezeptabrechnung wird heute personenbezogen erfaßt.

- Werden künftig also mehr Daten erfaßt als heute.

Nein es sind die gleichen wie bisher.

- Welche Auswirkungen wird das neue Verfahren auf die derzeitige Kostenexplosion im Gesundheitswesen haben?

Unser Auftrag lautet, ein machbares Verfahren für einen neuen Versicherten-Ausweis zu entwickeln und damit die Rationalisierung in diesem Bereich zu ermöglichen. Der Grad der Rationalisierung und damit der möglichen Kostenersparnis hängt entscheidend davon ab, wie die Beteiligten die Möglichkeiten des neuen Verfahrens nutzen.