Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

12.12.1975 - 

Das Riesengeschäft läßt auf sich warten

6000 Mini-Schulcomputer für 300 Millionen Mark

Wenn es nach der Empfehlung des Sachverständigenkreises "DV im Bildungswesen" beim Bundesforschungsministerium geht, steht den Mini-Computerherstellern das große Geschäft ins Haus: Rund 6000 Gymnasien und berufsbildende Schulen (Sekundarstufe II) sollen bis l979 mit Mini-Computern zum Durchschnitts-Stuckpreis von 50 000 Mark ausgestattet werden. Den Gesamtaufwand von 300 Millionen Mark und zusätzlich 165 Millionen Mark für Lehrerausbildung, Software, Grundsatzforschung und Nebenkosten sollen Bund, Länder und Kommunen gemeinsam tragen.

BONN - Die Empfehlung mit dem Titel "Der Computer als Werkzeug des Schülers in der Sekundarstufe II" hat allerdings aus Kostengründen kaum Chancen auf unverzügliche, mit der Lehrerausbildung beginnende Realisierung, wie das die neun Sachverständigen wünschen. Kommentar von Dr. Hans-Georg Rommel, zuständiger Ministerialrat im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft: "Wir bejahen die Empfehlung im Kern, sehen aber im Augenblick Realisierungsmöglichkeiten nur in Teilbereichen und eher lang- als mittelfristig: ab 1979 oder 1980." Mit den Teilbereichen meint das Bildungsministerium vor allem Computereinsatz in der beruflichen Aus- und Fortbildung. Rommel: "Hier besteht der größte Nachholbedarf."

Eine notwendige Entwicklung

Sein Kollege Dr. Hans Donth, Ministerialdirektor im Bundesforschungsministerium und "Oberkassenwart" bei der bisherigen Bundesförderung der DV im Bildungswesen (seit 1970 rund 60 Millionen Mark) meint: "Die Empfehlung umschreibt eine notwendige Entwicklung - und die wird auch kommen, wenn nicht direkt finanziert werden kann.

Die Sachverständigen allerdings befürchten, daß ohne "Generalstabsplan und gezielte Forderung mit dem richtigen Timing und der richtigen Systemsauswahl die gewünschte Effizienz nicht gesichert sei.

Neue Form des Analphabetentums

Die Empfehlung malt den Teufel an die Wand: "Die Nichtbeherrschung der Grundlagen der Datenverarbeitung würde zu einer neuen Form des Analphabetentums führen. Menschen würden die Schule verlassen, die nicht in gleicher Weise Informationen aus Computern aberufen und mit Computern verarbeiten können. Diese Bürger waren unfähig, sich im Zeitalter der Informationsflut und der Datenverarbeitung im Wirtschaftsprozeß zu orientieren und ihren Platz zu finden, da ihnen entscheidende Denkweisen fehlen würden."

Preisverfall einkalkuliert

Vom Werkzeug Computer haben die Sachverständigen konkrete Vorstellungen: Kleincomputer mit Anschluß von fünf "Dialogstationen" (Bildschirme, Blattschreiber), wünschenswert dazu die Terminalfähigkeit zum Anschluß an größere Verbundsysteme. Da sie davon ausgeht, daß die Hardware etwa 1978 zu rund 40 Prozent der heutigen Preise zu beschaffen sei, ergibt die Sachverständigen-Kalkulation pro Einheit 50 000 Mark. Jeweils rund 450 Schülern soll ein Computer zugeordnet werden: 6000 Anlagen wären insgesamt erforderlich.

Übrigens: die Experten empfehlen aus Kostengründen Kauf und nicht Miete (jährlich 75 Millionen Mark). Der Aufwand von 300 Millionen Mark scheint enorm. Die Sachverständigen rechnen anders herum. Nach ihrer Auffassung sind alle Kosten von 1975 bis 1979 mit 27 Mark pro Schüler und Jahr abzudecken. Und das - so meinen sie - sei doch wohl nicht zu teuer, um ein neues Analphabetentum zu verhindern.

Informationen: Hübner & Mergard; 6 Frankfurt 70, Gartenstr. 6