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08.06.2001 - 

Itanium: Halbfertiges Windows gegen Linux und Unix

64-Bit-Windows - am Markt vorbei?

MÜNCHEN (CW) - Zeitgleich mit der offiziellen Vorstellung von Intels erster 64-Bit-CPU "Itanium" hat Microsoft seine Pläne für sein 64-Bit-Windows konkretisiert. Während derzeit lediglich Testversionen verfügbar sind, stellt sich gleichzeitig die Frage, ob am Markt überhaupt Bedarf für die neue Windows-Generation besteht.

Dass die Einführung von 64-Bit-Systemen relativ unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit vonstatten geht, ist kaum verwunderlich. Schließlich beschränkt sich der Bedarf an derartigen Maschinen auf einen kleinen Anwendungsbereich wie etwa große Datenbanken. Entsprechend wenig war bisher auch von Microsoft zu diesem Thema zu vernehmen. Fest steht nun immerhin, dass die Redmonder beim Start von Intels Highend-Modell mit "Windows 2000 Advanced Server Limited Edition" lediglich ein Vorserien-System anbieten können. Endgültige Versionen wird Microsoft, wie es heißt, erst im Rahmen einer breiteren Akzeptanz in der Industrie bringen. Die 64-Bit-Workstation-Variante "Windows XP" soll gemeinsam mit der offiziellen Markteinführung des 32-Bit-XP am 25. Oktober folgen.

Für die Gates-Company dürfte das 64-Bit-Engagement zunächst vor allem Prestigecharakter haben. Während Unix-Anbieter bereits seit längerem 64-Bit-Systeme auf Basis von Sparc, Alpha oder Power PC anbieten, fehlte den Redmondern bisher ein echtes Highend-Produkt. Noch ist es allerdings ein weiter Weg, um in diesem Markt Fuß zu fassen. Zum einen ist das neue Windows noch nicht marktreif, zum anderen fehlen auch die Anwendungen dafür. So hat das Projekt beim derzeitigen Stand in erster Linie einen Testcharakter wie auch Analyst Chris Le Tocq von Guernsey Research feststellt: "Mit der Zeit will Microsoft sicher mit den etablierten 64-Bit-Anbietern konkurrieren, derzeit sehen sie das Ganze aber in erster Linie als Testarena. Es geht vor allem darum, dass Entwickler für den Einstieg eine Plattform haben."

Wie bei jeder neuen Plattform besteht auch hier das Henne-Ei-Problem. Ohne zugkräftige Anwendung wird sich kaum ein Unternehmen Itanium-basierte Windows-Systeme anschaffen, ohne einen gewissen Verbreitungsgrad wird es wenige Entwickler geben, die für das System schreiben.

Diesen Fakten will Microsoft mit den üblichen Maßnahmen begegnen. So bietet 64-Bit-Windows eine volle Unterstützung für 32-Bit-Programme, zudem hat man in Redmond die Portierung der eigenen Anwendungen angekündigt. Mit der Abwärtskompatibilität ist es allerdings so eine Sache: Der Emulationsmodus beeinträchtigt prinzipbedingt die Leistung der 32-Bit-Anwendungen massiv, wie bereits einige Experten festgestellt haben. Somit dürfte es unwahrscheinlich sein, dass Unternehmen Itanium-Windows-Systeme allein wegen der Zukunftssicherheit kaufen und auf native Anwendungen warten.

Priorität hat bei den 64-Bit-Portierungen derzeit die Datenbank "SQL Server". Hierzu gibt es allerdings widersprüchliche Aussagen von Microsoft. Einerseits heißt es, dass bereits im Sommer eine Betaversion und im Herbst das Vollprodukt verfügbar sei, andere Stimmen besagen, es gebe noch keine konkreten Termine. 300 weitere 64-Bit-Anwendungen sollen sich derzeit in der Entwicklung befinden.

Klar ist, dass der Umstieg auf 64 Bit für Microsoft schwieriger sein wird, als der letzte große Plattformsprung von 16 auf 32 Bit. Die Einführung der 32-Bit-Unterstützung war ein Verkaufsargument für den Massenmarkt, weil sie schnellere und stabilere Desktop-Anwendungen bescherte. Gleichwohl vollzog sich dieser Umstieg über viele Jahre hinweg. Erste 32-Bit-Elemente wurden bereits in Windows 3.11 eingeführt, das berüchtigte 16/32-Bit-Mischsystem Windows 95/98/ME ist bis heute am Markt.

Für die Endanwender bringt der Umstieg auf 64 Bit überhaupt nichts, weil auf dem Desktop derzeit keinerlei Bedarf für derartige Anwendungen besteht. Experten rechnen hier erst ab 2006 mit einer Verbreitung.

Eine ähnlich lange Umstellungsphase wie von 16 auf 32 Bit werden sich die Redmonder bei 64 Bit nicht leisten können, dazu ist die Konkurrenz auf dem Markt bereits zu etabliert. Erschwerend kommt hinzu, dass mit der Itanium-Fertigstellung neben einem halbfertigen Windows bereits fertige Linux- und Unix-Systeme an den Start gehen. Bis Microsoft mit einer zuverlässigen Plattform und Anwendungen aufwarten wird, könnte die Konkurrenz schon auf und davon sein.