Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.11.1992 - 

Innovationen bei AS400-Peripherie

8-Millimeter-Bandlauf-Kassette wird Standard in Midrange-Welt

Rund 8500 Systeme IBM /36, 5800 Systeme AS/Entry und etwa 8000 sonstige AS/400-Rechner waren zum Anfang des Jahres 1991 in der Bundesrepublik Deutschland installiert. Diese vom Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDC herausgegebenen Zahlen zeigen das beachtliche Marktvolumen der mittleren IBM-Computerreihe.

Es ist wenig verwunderlich daß diese Dimensionen für unabhängige Peripherieanbieter von Interesse sind. Mit technisch besseren Produkten und günstigeren Preisen können sie die zumeist mittelständische Anwenderschaft der AS/400 und /3x-Systeme häufig überzeugen.

Kennzeichnend für die Peripherieszene für IBMs AS/400 und /3X-Systeme ist die technische Innovationsfreudigkeit. Auffallend ist allerdings, daß diese Neuerungen nicht von IBM selbst, sondern von den unabhängigen Anbietern von Peripherie für die mittlere IBM-Rechnerfamilie kommen. Die Innovationen finden derzeit vor allem auf zwei Gebieten statt: Kassetten-Bandlaufwerke und Plattenlaufwerke.

Allein der deutsche Markt für Peripheriegeräte von unabhängigen Herstellern für die mittlere IBM-Rechnerpalette wird von IDC auf rund 97 Millionen Mark Umsatzvolumen für 1990 veranschlagt. Hauptanbieter in diesem Markt sind - neben IBM selbst - Memorex-Telex, Guwa, Klud und Decision Systems.

Branche war zunächst skeptisch

Als die ersten Anbieter, Guwa und Klud, vor über einem Jahr mit Kassetten-Bandlaufwerken auf Basis der 8-Millimeter-Technik auf den Markt kamen, war die Branche noch skeptisch. Die Peripheriegeräte seien nur für Backup-Zwecke geeignet und nicht zuverlässig genug, waren die beiden häufigsten Kritikpunkte, die nicht zuletzt von der IBM selbst betont wurden. Die Vorstellung, Datenmengen im GB-Bereich auf einer 8-Millimeter-Kassette abzuspeichern, schien manch einem absurd. Mittlerweile hat sich diese Technik durchgesetzt, mit rund 350 Installationen in Deutschland ist sie sogar zu einem gewissen Standard geworden. Das ist nicht verwunderlich, wenn man sich die Vorteile der 8-Millimeter-Technik für den Anwender vor Augen hält.

Zweifellos ist es richtig, daß Kassetten-Bandlaufwerke für Backups sehr gut geeignet sind. Allerdings werden Magnetbänder im Midrange-Bereich generell zu rund 80 Prozent für Backups eingesetzt. Angesichts immer größerer Datenmengen, die möglichst einmal täglich (zumeist nachts) gesichert werden sollen, ist für die meisten Anwender solch eine Lösung von fundamentaler Bedeutung. Kürzere Sicherungs- und Rückspeicherzeiten, operatorloses Backup, eine höhere Verfügbarkeit, geringer Archivplatzbedarf, handliche Systeme und Speichermedien - die Wünsche der Anwender verlangen nach neuen Technologien.

Vor diesem Hintergrund hat sich die 8-Millimeter-Kassette als Speichermedium durchgesetzt. Sie ist kompakt - und zuverlässig. Auf einer Bandlänge von nur 112 Meter kann eine Datenmenge von 2,5 GB erfaßt werden. Die hohe Schreibdichte von 43.200 bpi (Bits pro Zoll) wird durch das Bandmaterial, das aus Reineisen besteht, möglich. Hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Aufzeichnung ist die 8-Millimeter-Technik herkömmlichen Bändern weit überlegen. Bei einer 8-Millimeter-Kassette wird im Durchschnitt lediglich eines von zehn Milliarden Bit, falsch aufgezeichnet. Bei einem traditionellen Markenspulenband ist hingegen bereits eines von hunderttausend Bits fehlerhaft, bei einem No-Name-Band sogar jedes 1000ste Bit. Der Grund für die erhöhte Zuverlässigkeit liegt nicht nur in der Materialgüte des Bands, sondern auch im Helical-Scan-Aufzeichnungsverfahren.

Das Helical-Scan-Verfahren stellt eine Alternative zur herkömmlichen Serpentine-Aufzeichnung dar. Helical-Scan ist ein herstellerunabhängiges Speicherverfahren für 4- oder 8-Millimeter-Medien in Streamern, das gute Chancen besitzt, sich zu einem Industriestandard zu entwickeln. Ursprünglich für die Aufzeichnung von Computerdaten bei der Satellitenbeobachtung vorgesehen, wird es heute von mehr als 30 Computerherstellern für die Speicherung von Massendaten eingesetzt.

Die Aufzeichnung erfolgt nicht parallel zur Bandlaufrichtung, sondern durch eine um 5 Grad geneigte, mit hoher Geschwindigkeit rotierende Trommel (1800 U/min). Auf dieser sind drei Köpfe für Schreiben, Lesen und Löschen angebracht. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, daß im Laufwerk die Mechanik weitgehend durch Elektronik ersetzt werden kann. So erfolgt beispielsweise die Spurfindung, elektronisch und vollautomatisch, eine Justierung ist überflüssig. Zudem kann durch das Drei-Kopf-Verfahren mit Schrägaufzeichnung die Bandgeschwindigkeit relativ niedrig gehalten werden.

Ein hauptnutzen der 8-Millimeter-Technik besteht darin, daß in kompakten Geräten hohe Datenmengen bedienerlos über Nacht gesichert werden können. So lassen sich beispielsweise mit einem Klud-Modell auf diese Weise bis zu 35 GB Daten speichern. Mit herkömmlicher Technik würde man hierfür 42 Magnetbandspulen benötigen.

Kostenseite besonders attraktiv

Besonders attraktiv ist dabei Kostenseite: Muß der Anwender bei einem Spulenband im Durchschnitt 150 Mark pro GB aufwenden, so belaufen sich die, Kosten bei der 8-Millimeter-Kassette auf lediglich 30 Mark. Das ist insbesondere für mittelständisch Unternehmen ein wesentliches Argument. Aber nicht nur im Kassettenbandbereich machen die Drittanbieter der IBM das Leben mit innovativen Alternativen schwer, auch bei Plattenlaufwerken ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten.

DV-Veteranen werden sich noch an den Anfang der IBM-Plattentechnologie und die "Remac 350" erinnern. Auf ganze 5 MB Speicherkapazität brachte es diese erste IBM-Platte, und das bei einem Stapel von fünzig 24-Zoll-Magnetscheiben mit einer Zugriffszeit von 60 Millisekunden. Auch heute noch ist die Kapazität der IBM-Plattensysteme für die mittlere Rechnerfamilie vergleichsweise gering - mit 857 MB (IBM 9336) bleibt sie unterhalb der Marke von 1 GB. Für die Anbieter steckerkompatibler Peripherie läßt dies ein weites Betätigungsfeld offen.

So werden heute Plattenspeicher mit 1,8 GB Datenvolumen für IBM-AS/400- und /3x-Rechner angeboten. Der Clou dabei: Durch kompakte Bauweise finden die 1,8-GB-Systeme in einem IBM-Rack mit nur drei EIA-Einschüben Platz. Die größte IBM-Platte mit 0,857 GB belegt hingegen fünf EIAs. Indes ist die Gehäusegroße nur ein Kriterium. Angesichts immer größerer Datenkapazitäten kommt der Zugriffszeit immer größere Bedeutung zu. Auch hier sind die Systeme der IBM-Wettbewerber dank der Array-Technik im Vorteil.

Bei dieser werden mehrere Plattenstapel mit geringem Durchmesser (5 1/4 oder 3 1/2-Zoll) in einem Laufwerk untergebracht. Dabei kommt jeweils ein Kopfarm mit mehreren Schreib-/Leseköpfen pro Plattenstapel zum Einsatz. So ist beispielsweise ein Guwa-System mit sechs 300-MB-Laufwerken mit jeweils einem Kopfarm ausgestattet. Daraus ergibt sich eine Gesamtkapazität von 1,8 GB bei einer durchschnittlichen Zugriffszeit von 19,45 Millisekunden.

Die Beispiele lassen vermuten, daß die Innovationen in der IBM-Peripherie auch künftig bei den Drittanbietern stattfinden. Allerdings wird Big Blue nicht umhinkommen, neue Techniken zumindest hin und wieder zu adaptieren, sollen die Anwender nicht scharenweise in die Hände der unabhängigen Hersteller getrieben werden. Dies gilt um so mehr, als das Peripheriegeschäft angesichts eines immer attraktiveren Preis-Leistungs-Verhältnisses bei den CPUs an Bedeutung gewinnt.

Ein Anwenderbericht zur Integration der AS/400 folgt in einer der nächsten Ausgaben.