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20.03.1981

80 Prozent aller DV-Anwender bedienen sich der Service-Rechenzentren: Know-how-Deal schafft Wettbewerbsvorsprung

Die Service-Rechenzentren in der Bundesrepublik haben keine geschichtsträchtige Vergangenheit. Als sie sich vor rund 20 Jahren etablierten, folgten sie einer Marktnotwendigkeit insofern, als sie den Wettbewerbsvorsprung der Großunternehmen ausgleichen halfen, den diese durch den Einsatz von Universal-Computern erreicht hatten. Sie boten der mittelständischen Wirtschaft ihre Dienstleistung partiell, zeitweise und zu anteiligen Kosten an, so daß diese weitaus wirtschaftlicher fuhren als mit einer eigenen Kleinanlage.

Doch die Konkurrenz schlief nicht. Aus den Buchungsmaschinen wurden Buchungsautomaten, aus den Automaten wurden Klein-Computer, die sich zu der Mittleren Datentechnik mauserten, ein Begriff, den die Hersteller ihrerseits wiederum schnellsten vergessen machen wollten.

Alle diese Maschinen zielten ab auf den Erstanwender, genauso wie die Datenverarbeitung außer Haus.

20 Jahre sind gemessen an der Geschichte kurz, gemessen an der technologischen Entwicklung eine lange Zeit. Der Datenverarbeitung außer Haus, dem DV-Dienstleistungsgedanken, wurde vielerorts und häufig ganz bewußt ein frühes Ende prophezeit. Was allerdings auf der Strecke blieb, waren die Propheten. Wer spricht heute noch von der Mittleren Datentechnik? Sie, einstmals stärkste Konkurrenz der DV-Dienstleistungsbranche, ist tot. Die Firmen verendeten schlicht an Auszehrung oder starben auf dem Feld der Wettbewerbsehre. Die stärksten flüchteten sich unter die Kapitaldecke von Auto- oder Maschinenproduzenten.

Die Insellösung im eigenen Hause, abgekapselt von dem dauernden Input volkswirtschaftlicher Kenndaten, losgelöst von dem ständigen Know-how-Zufluß, angewiesen ausschließlich auf die Eigenbetreuung oder die des Herstellers, hatte sich als nicht lebensfähig erwiesen; sie war so nützlich wie ein Kropf.

Der Dienstleistungsmarkt heute

Die Service-Rechenzentren machten in der gleichen Zeit eine stetige Wachstumsentwicklung mit jährlichen Zuwachs-Raten von etwa 15 Prozent durch. Es verdient festgehalten zu werden, daß sie in der Bundesrepublik im Gegensatz zum Ausland durch ein besonderes Handikap benachteiligt waren: Es sind dies die extrem hohen Datenübermittlungskosten, die die Deutsche Bundespost im Bereich der Datenfernverarbeitung verlangt, Sie sind zum Teil fünfmal so hoch wie im benachbarten Ausland.

Darüber hinaus machte die auf Eigenständigkeit bedachte Grundhaltung mittelständischer Unternehmen, die in guten Zeiten eher geneigt waren, einen Klein-Computer anzuschaffen, als Daten außer Haus zu geben, der Branche zu schaffen. Diese unwirtschaftliche, ja kostenspielige Haltung ist in den letzten Jahren fast in allen Anwenderbranchen unter dem Druck des Rotstiftes einer immer größeren Bereitschaft gewichen, auch sensitive Daten des eigenen Unternehmens dem Service-Rechenzentrum anzuvertrauen, was ganz erheblich zum Aufschwung der DV-Dienstleistungsunternehmen beitrug.

Minis und Personal Computer: Konkurrenz oder Partnerschaft?

Wie die Service-Rechenzentren einerseits den Niedergang der Mittleren Datentechnik ohne Schadenfreude registriert haben, beobachten sie andererseits mit wacher Aufmerksamkeit den Preisverfall auf dem Hardwaremarkt ebenso wie die ständige Verbesserung des Leistungsverhältnisses der Minis und Personal Computer. Viele VDRZ-Mitgliedsunternehmen haben sich durch den Vertrieb von Mini-Computern ein zweites Beigeschaffen.

Sie installieren und warten softwaremäßig und technisch diese Kleinaggregate bei ihren Kunden, die mit ihnen die zeitkritischen Arbeiten vor Ort erledigen. Viele der kleinen Anlagen sind dialogfähig und können an den Universal-Computer im Rechenzentrum angeschlossen werden. Hier gibt es Zwischenlösungen unterschiedlicher Dialogstufen und Zeitversetzungen. Wesentlich ist, daß der Kunde zu schnellen, zutreffenden Ergebnissen auf möglichst wirtschaftlichem Wege kommt.

Die Preise der Mini-Computer sind so niedrig, daß der Hersteller keinen Service bieten kann. Bereits heute dürften durch die Service-Rechenzentren rund zehn bis 15 Prozent der Installationszahlen im Mini- und Personal Computer-Bereich verantwortet werden.

Als Insellösung - und hier gibt es eine Parallele zu der verflossenen MDT - ist auch der Personal Computer in den seltensten Fällen optimal. Ihm fehlt die Verbindung zum leistungsfähigen Großcomputer, seiner Datenbank, seinem Service.

Die Mehrzahl der im VDRZ organisierten DV-Service-Unternehmen hat auf die Strategie "Alles aus einer Hand" umgeschaltet und sich für die Zukunft Akzente gesetzt:

1. Dialogisierung, soweit durch die Übertragungskosten wirtschaftlich vertretbar,

2. Full Service sowohl im Hardware- wie im Software-Bereich,

3. Rückbesinnung auf den Zentral-Computer mit Auskunfts- und Datenbank-Systemen.

Die Service-Unternehmen haben in den letzten beiden Jahren erhebliche Investitionen getätigt, um das Leistungsangebot weiter attraktiv zu gestalten. Die Entwicklung leistungsfähiger und zugleich preisgünstiger Mini-Computer und der damit verbundene Preisverfall im Hardware-Bereich hat ihnen erhebliche Zukunftschancen eröffnet.

Für zeitkritische Arbeiten werden dem Kunden die Geräte ins Haus gestellt, die die Faktura und ähnliche Auswertungen kurzfristig gestatten, während der gesamte Verwaltungsablauf im Service-Rechenzentrum erledigt wird. Über Datenfernverarbeitung, sei es nun im Dialog oder im Remote-Batch, verfügt der Kunde über den Großrechner des Service-Rechenzentrums in gleicher Manier, als stände dieser im eigenen Hause.

Drei Entwicklungen haben die Bedeutung der DV-Dienstleistung erheblich gesteigert:

1. Die Dialogisierung der Datenverarbeitung ermöglicht den Rechenzentren ein besseres Angebotsspektrum unter Berücksichtigung der zeitkritischen Auswertungen.

2 Parallel zum Hardware-Preisverfall stiegen die Löhne für qualifiziertes DV-Personal überproportional.

3. Die Entbündelung von Hardware- und Software-Kosten gestattet dem Anwender eine exakte betriebswirtschaftliche Betrachtung, ob die eigene DV mit oder ohne Anschluß an das Service-Rechenzentrum sinnvoll ist.

Aufgrund der unterschiedlichen Kundenanforderungen müssen die Rechenzentren sehr hohe Ansprüche an den betriebswirtschaftlichen Fundus und die geistige Flexibilität ihrer Mitarbeiter stellen, was sie in die Lage versetzt, jedem RZ-Kunden quasi den Mehrfachnutzen des einzelnen hochqualifizierten Mitarbeiters zur Verfügung zu stellen. Im DV-Service sind deshalb auch die ständige Aktualisierung der Programme, Anpassungen bei geänderter Rechtslage (Steuern etc.) sowie Programmpflege und -dokumentation selbstverständlich.

Allgegenwärtig dank Datex-P

Die soliden Chancen des DV-Service sind auch im Hinblick auf die Datenfernverarbeitung nicht unberechtigt. Die Möglichkeiten des kostengünstigen Datex-P-Dienstes der Deutschen Bundespost werden den Service-Rechenzentren künftig die entfernungsunabhängige Angebotspalette ermöglichen, die erhebliche Marktchancen eröffnet.

Wenn ein Service-Rechenzentrum aus Kostengründen heute noch überwiegend "um den Schornstein" arbeitet, kann es schon morgen praktisch zum Ortstarif - da volumenabhängige Berechnung - seine spezielle Auswertung - besonders bei Branchenauswertungen zutreffend - unabhängig von örtlichen Überlegungen zur Verfügung stellen.

Heute nutzen rund 80 Prozent aller DV-Anwender die Datenverarbeitung über das Computer-Dienstleistungsunternehmen. Insofern kommt dieser Branche eine, erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung zu. Zusammenfassend seien einige Vorteile der Datenverarbeitung außer Haus genannt:

1. Keine langfristige Bindung von Betriebsmitteln durch ersparte und nicht realisierte Investitionen.

2. Das Bereitstellen und Herrichten von EDV-Räumen entfällt.

3. Geringe Anlaufkosten während der Einführungsphase, da das Rechenzentrum

a) über leistungsfähige Computer verfügt,

b) ausgetestete Programme für die meisten Arbeitsgebiete mit den entsprechenden Belegen und Handbüchern bereitstellt,

c) mit erfahrenen Organisatoren die Umstellung durchführt und überwacht sowie die eigenen Mitarbeiter einweist,

d) eventuell notwendige Anpassungsprogrammierungen übernimmt.

4. Vermeidung von teuren Überkapazitäten, die sich wegen der Arbeitsspitzen nicht immer vermeiden lassen, aber ansonsten ungenutzt bleiben.

5. Keine Einstellung, Einarbeitung und laufende Schulung eines eigenen DV-Personals für Organisation, Programmierung und Operating.

6. Ständige Aktualität der Programme, da Anpassungen bei veränderter Rechtslage (Steuern etc.) sowie Programmpflege und -dokumentation vom Rechenzentrum vorgenommen werden.

7. Es sind weitere Anwendungen möglich, die aufgrund ihrer Verarbeitungsintensität nur auf einem Großrechner durchführbar sind.

8. Keine Probleme mit der Hardware, da Miete und Wartung Bestandteil des Werkvertrages mit dem Rechenzentrum sind, und dieses wiederum aus Wettbewerbsgründen gehalten ist, dem Kunden stets die

neueste und leistungsfähigste Hardware bereitzustellen.

*Dipl.-Ing. Peter Lange-Hellwig ist Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rechenzentren e. V. (VDRZ) in Hannover