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800 000 Mark für 1000prozentige Produktivitätssteigerung

26.03.1982

DÜSSELDORF (je) - Nach einer längeren Phase von Tests betrachtet die Düsseldorfer Cincom Systems GmbH & Co. OHG das "Total Information System" (TIS), wie CW bereits kurz berichtete, nunmehr als marktreif. Ähnlich wie zuvor in den USA soll TIS auch im deutschsprachigen Raum zu nächst "im kontrollierten Modus" eingeführt werden wie Cincom-Geschäftsführer Stuart B. Kenley es ausdrückt Kenley will auf diese Weise vermeiden, daß er aufgrund des personalintensiven Implementierungsaufwands in Manpowernöte gerät. Die Freigabe soll erst 1983 erfolgen.

Cincom bezeichnet TIS als Weiterentwicklung des Total-Datenbankkonzepts in Richtung auf eine vollständige gegenseitige - Unabhängigkeit von Datenstruktur, Programm und physischer Umgebung. Erläutert Kenley: Das "Directory", eine der TIS Komponenten, speichert die Datenverwandtschaften und ermöglicht dem "Logical User View" (LUV), einer weiteren Komponente, eine exakte Lokalisierung der Datenelemente, die für einen bestimmten Programmablauf benötigt werden.

Damit - so Kenley - sei die "relationale" Darstellung und Anwendung von Daten verwirklicht; die Anwendungsprogramme würden weniger komplex, kleiner und wartungsfreundlicher. Er legt Wert auf die Feststellung, TIS sei technologisch zwar durchaus ein qualitativer Sprung, andererseits verbaue ein Wechsel auf TIS nicht ein evolutionäres Wachstum bisheriger Systeme.

Man spricht Deutsch

Bedeutsam an TIS ist nach Darstellung Kenleys der hohe Integrationsgrad seiner Architektur, bedeutsam insoweit, als TIS angesichts der allgemein zu beobachtenden Tendenz zur Ausdehnung und Erweiterung von Datenbanksystemen dem Anwender einen neuartigen Zugang zur Programmierung biete. Dies äußere sich in der betont einfachen Art des Datenzugriffs sowie der Programmoder Listenerstellung.

Kenley selbstbewußt: "Wir haben ein Integrationsniveau vorgegeben, an dem sich andere neue Softwaresysteme in Zukunft werden messen lassen müssen." Er begründet dies damit, daß TIS Piloten überrascht gewesen seien von der Stärke und Flexibilität dieses Systems im Vergleich sowohl zu Datenbanken mit fixen Strukturen wie auch zu Codasyl- und "Invertierte-Listen" -Systemen.

Zurückkommend auf die Komponenten des Systems kündigt Kenley an, Cincom werde die TIS-Abfragesprache und einige weitere Systemteile in Deutsch anbieten, um damit Endbenutzerwünschen entgegenzukommen. Die LUV-Software will Cincom auch für andere Datenbankstrukturen offerieren, um DBMS-Benutzern den Einstieg in TIS zu ermöglichen. Kenley: "Die zweite Stufe der LUV-Online-Schemasprache erlaubt Benutzern von DL/t, Codasyl- und "Invertierte-Listen" -Systemen die Migration ihrer Datenbankanwendungen auf TIS ohne die Umstellung von Programmen."

Ob der Anwender nach vollzogener Migration sein altes DBMS weiterbenutze oder auf das TIS-DBMS umsteige, bleibe ihm freigestellt, meint Kenley. Er beschreibt das TIS DBMS als vollständig transparentes Modell mit Netzwerk-, hierarchischen, invertierten und relationalen Strukturen. TIS Anwendungsprogramme blieben vom physischen Aufbau des TIS-DBMS unberührt.

Wenn TIS ab Juni 1982 in Version 1.4 (kontingentiert) freigegeben sein wird, wird LUV nach Kenleys Angaben alle TIS-Komponenten unterstützen einschließlich des Programmentwicklungssystems "Mantis". TIS-/ Mantis-Benutzern soll dann Datenunabhängigkeit bis hinab auf die einzelne Feldlänge zur Verfügung stehen.

Kenley sieht darin eine einzigartige Möglichkeit, da Mantis eine interpretative Sprache sei, die bei Feldlängenänderung keine Neuumwandlung erfordere. Den einzigen annähernd gleichen Lösungsansatz hat, wie man bei Cincom vermutet, IBM gewählt, und zwar mit dem noch nicht erhältlichen System R und dem RPG III System /38. Für die IBM-Großrechner (unter CICS oder TIS/DC) sieht Cincom sich mit einer derart datenunabhängigen Software allein auf dem Markt.

Überhaupt spielt das Thema IBM für Cincom eine zentrale Rolle. So glaubt Cincom beispielsweise, der "Intellektualismus" von TIS sei für DOS-Anwender heute vielleicht noch zu groß, will diese Technologie aber andererseits diesen Benutzern - schrittweise, wie es heißt - zur Verfügung stellen.

Weiter: Die Zahl der DOS-Anwender, die auf OS umstellen wollen, sowie die Annahme, daß SSX für die kleineren IBM-Anlagen das Betriebssystem der Zukunft ist, veranlassen Cincom zu der Ankündigung, "sehr wahrscheinlich" werde das nächste TIS-Release verteilte Datenbanken auf OS/MVS und SSX unterstützen. (SSX, das "Small System Exekutive", wurde Ende vergangenen Jahres als Betriebssystem der neuen IBM-Rechner 4321 und 4331-11 angekündigt.

Zum höchsten Preis

Der Preis von rund 800 000 Mark den Cincom für das "directory driven" TIS mit DB/DC, LUV, Abfragesprache und Mantis-Unterstützung verlangt, ist nach Kenleys Mitteilung der höchste, den Cincom jemals für Systemsoftware berechnet hat. Er glaubt jedoch nicht, daß Anwender Schwierigkeiten haben, diesen Preis zu akzeptieren. Kenley argumentiert, durch den TlS-Einsatz

- steige die EDV-Produktivität um Tausende von Prozenten und

- würden sich im Laufe der Jahre einige CPUs erübrigen.

Cincom: Allein schon das TISDMBS ist, wie Benchmarks gezeigt haben, um über 800 Prozent effizienter als andere DBMS. Einstweilen wird Cincom den DOS/VS (E)- und SSX-Kunden sowie DB/DC-Erstanwendern mit OS/MVS weiterhin seine "dictionary driven" Serie 80-Reihe (Total, Environ/1 etc.) anbieten. TIS wird in der Praxis dann auf der Hannover-Messe vorgeführt.

Information: Cincom Systems GmbH & Co. oHG, Heinrichstraße 169, 4000 Düsseldorf 1, Telefon: (02 11)63 40 46.