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01.04.1994

82,5 Millionen Dollar fuer Unix V.4 Sun Microsystems kauft sich von Unix-Lizenzgeber Novell frei

MUENCHEN (hi/gfh) - Novell verzichtet kuenftig auf Unix- Lizenzgebuehren von Sun Microsystems. Damit gibt der Netzspezialist offenbar seine Ambitionen auf, als Unix-Eigner die Branche zu einen. Sun war die Unabhaengigkeit 82,5 Millionen Dollar wert.

Im Rahmen des jetzt abgeschlossenen Deals erwirbt Sun Microsystems das Recht, kuenftig den Unix-Code System V, Release 4, ohne weitere Gebuehrenzahlungen fuer das hauseigene Betriebssystem Solaris zu verwenden. Der Workstation-Spezialist hat damit jede Freiheit zur Veraenderung des Betriebssystems.

"Wir bleiben strikt auf Open-Systems-Kurs", dementierte Brian Aiken, Sunsoft-Chef Europa, bereits im Vorfeld alle Geruechte, wonach Sun mit Solaris eigene, sprich: proprietaere Ziele verfolge (vgl. CW Nr. 5 vom 4. Februar 1994, Seite 11). Sun-CEO Scott McNealy verspricht eine aggressivere Preispolitik: Die Einsparungen bei den Lizenzgebuehren sollen zumindest teilweise an die Kunden weitergegeben werden. Sun erwirbt zudem das Recht, Netware-Clients einschliesslich des IPX/SPX-Protokolls sowie den Netware-Code fuer Unix-Server zu lizenzieren. Damit hat der Workstation-Spezialist die Moeglichkeit, seine Server-Plattformen besser in bestehende Client-Server-Architekturen, die auf Novells Netware-LANs basieren, zu integrieren.

Fuer die Novell-Strategen stellt das Ausscheren von Sun aus der Lizenzverpflichtung einen weiteren Rueckschlag ihrer Unix- Ambitionen dar. Die Netzwerker hatten vor einem Jahr die Unix Software Laboratories (USL) fuer rund 321 Millionen Dollar erworben, um als Unix-Lizenzgeber die gesamte Branche gegen Microsoft zu einen. Diese Rolle haben ihnen vor allem die COSE- Initiatoren - zu denen auch Sun gehoert - streitig gemacht. Auf deren Druck musste Novell das Unix-Branding an X/Open abgeben. Seither bestimmen nicht mehr die Unix-Entwickler, sondern das Open-Systems-Konsortium, ob sich ein Betriebssystem Unix nennen darf. Hinzu kommt, dass sich das hauseigene PC-Unix "Unixware" nur schleppend verkauft.

Dank des Sun-Deals erhaelt der Netzwerkspezialist wenigstens einen Teil seiner Aufwendungen fuer den Kauf der USL zurueck. Angesichts der heftigen Akquisitionstaetigkeit in den vergangenen Jahren bedeuten die 82,5 Millionen Dollar von Sun eine willkommene Finanzspritze fuer Novell (vgl. Tabelle). Die Uebernahmen fuehrten die Netzwerker 1993 trotz eines Umsatzzuwachses von 20 Prozent in die Verlustzone. So konnte Novell die 1,4 Milliarden Dollar fuer die Uebernahme von Wordperfect und Quattro Pro nur in Aktien aufbringen. Nicht zuletzt aus diesem Grund setzt sich Novell mit seiner Akquisitionspolitik auch der Kritik der eigenen Aktionaere aus. Sie vermissen eine klare Linie. Wurden bisher vor allem Firmen mit systemnahen Produkten erworben, so handelt es sich jetzt erstmals um Anwendungssoftware. Brancheninsider deuten diesen Schwenk als Eroeffnung einer zweiten Front gegen Microsoft. Richtete sich Novells Unix-Engagement vor allem gegen das als Server-Betriebssystem posi- tionierte Windows NT, so gelten die Wordperfect-Produkte und Quattro-Pro als wichtige Konkurrenten von Microsofts Word fuer Windows und dem Excel-Spreadsheet.

Zur Abrundung des Angebots fehlt Novell jetzt allerdings noch ein Datenbanksystem. Dieser Kurswechsel bedeutet jedoch nicht unbedingt das Ende Unix-Engagements. So betont Novell, dass die Wordperfect-Produkte auch unter Unix laufen.