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4361-Nachfolgesystem ist erst Ende 1987 komplett verfügbar:


17.10.1986 - 

9370 hilft IBM nicht aus Stimmungstief

STUTTGART/MÜNCHEN - Um fast 15 Milliarden Dollar hat die IBM Corp. im vergangenen Quartal an Marktwert verloren. Die Aktie steht mit 122 Dollar auf dem absoluten Tiefpunkt der letzten 52 Wochen. Der Gewinn für das dritte Quartal ist bei stagnierendem Umsatz um 27 Prozent zurückgegangen. Mit einer drastisch vorgezogenen Produktankündigung versuche Big Blue die Auguren der Wall Street zu beruhigen - vergebens.

Um mehr als ein Viertel ist im dritten Quartal 1986 der Gewinn der IBM Corp. zusammengeschmolzen. Gegenüber 1,47 Milliarden Dollar im Vergleichszeitraum des Vorjahres erwirtschaftete der Konzern von Juli bis September nur noch knapp 1,08 Milliarden; der Gewinn pro Aktie lag mit 1, 76 Dollar meilenweit unterhalb der pessimistischsten Prognosen, die von den New Yorker Analysten während der letzten Wochen gestellt worden waren. Nach 2,40 Dollar im letzten Jahr hatte Wall Street für das dritte Quartal 1986 mit 2,20 Dollar gerechnet. Der Kurs der Big-Blue-Aktie sank in der Woche vor Bekanntwerden des Ergebnisses auf sein "52-Week-Low", den Jahrestiefststand: 122 Dollar. An einem einzigen Tag purzelte das Blue-Chip-Papier um über fünf Punkte nach unten. Seit dem 30. Juni dieses Jahres ist somit der Marktwert des größten Privatunternehmens der Welt von 87,7 auf 73,0 Milliarden Dollar gesunken.

Mit der vorgezogenen Ankündigung des "Informationssystems" 9370 (technische Details siehe Seite. 1) sollte nun "den Börseninsidern

Futter" gegeben werden, wie es der Sprecher eines Bürocomputer-Herstellers formuliert. Big Blue brauchte eine positive Nachricht, um den für die ganze Börse katastrophalen Verfall der Leitaktie IBM zu stoppen - ein Plan, der offensichtlich fehlschlug. Denn trotz des Announcements dieses Abteilungscomputers, der vollständig erst im vierten Quartal 1987 lieferbar sein Wird, sank der IBM-Kurs weiter.

Neben dem erhofften kurzfristigen Effekt auf den Wertpapiermarkt sehen Branchenbeobachter auch strategische Gründe für den Vorstoß der IBM, der manches Gerücht der letzten Wochen widerlegte - so hatte es noch bis zum Vortag der offiziellen Vorstellung geheißen, ein Modell 4301 unter einer Art Micro-VM-Betriebssystem werde angekündigt, ein Vax-Killer sei zu erwarten. Der für diesen Bereich zuständige Experte bei der Kienbaum-Unternehmensberatung, Herbert Harrell, meint: "Die Ankündigung war wohl fürs kommende Frühjahr geplant, wurde aber vorgezogen, weil es für IBM im Bereich der mittleren Systeme unerträglich geworden war. Die Ankündigung ist vor allem gegen DEC gerichtet." Daß die 9370 Digital aber entscheidend treffen könnte, glaubt Harrell nicht. Eher sei das System Big Blues Notbremse, da viele Anwender angesichts des "schlecht geordneten IBM-Sortiments" ihre DDP-Konzepte mit Rechnern anderer Hersteller realisiert oder geplant hätten. Michael Fischer, Marketingleiter bei DEC für High-end-Vax-Systeme und Vaxcluster, meint trocken: "Der Digital-Stil greift um sich. Er wird dadurch noch hoffähiger, als er ohnehin schon ist."

Kaum jemand in der Industrie und der Anwenderschaft erwartet von dem Pre-Announcement, der verfrühten Ankündigung, kurzfristige Einflüsse auf den Markt. Die Reaktionen sind eher skeptisch - schließlich versucht IBM nach der 8100 und dem System /36 heuer zum dritten Mal, einen Abteilungsrechner in den Markt zu drücken. Diesmal soll das Verkaufsargument "/370-Architektur" dafür sorgen, daß der Markt das Produkt annimmt (Kolumne).

Hier melden die Marketiers der Hersteller, die das Geschäft mit Abteilungsrechnern schon beherrschen, ihre Bedenken an. "Minicomputer sind im Gegensatz zu Mainframes arbeitsgruppenorientiert. Deshalb müßten mehr Funktionen in die Software integriert werden als bei der bisherigen IBM-Hierarchie", analysiert ein Manager aus dem Bürokommunikationsbereich die Schwächen des großen Konkurrenten. "IBM stößt in einem Markt, in dem ihre Mitbewerber schon exzellente Produkte und eine ganze Tradition haben. Wenn das nur ein Ablenkungsmanöver wegen der schlechten Ergebnisse ist, ist der Aufwand auf der Softwareseite eigentlich zu groß. Ansonsten werden in den Zeitung bald jede Menge IBM-Anzeigen stehen, in denen Softwareentwickler gesucht werden".

Ungeachtet der zurückhaltenden Resonanz in den Kreisen der Mitbewerber, von denen sich keiner sonderlich um seinen Kundenstamm zu ängstigen scheint, hat die deutsche IBM bereits eine Werbekampagne gestartet. Aus den ganzseitigen Anzeigen in der Tagespresse erfährt der Leser freilich nicht, daß er das System noch gar nicht kaufen kann. Nicht mal unter der Nummer von "Hallo IBM" ist zu erfahren, wann die Rechner auf den Markt kommen sollen. Dafür ist mit der Ankündigung bereits wie ein IBM-Sprecher zugibt, die alte 4361 tot. Es handle sich aber um eine "Ablösung der 4331 bis 4361 zu völlig neuen Preisdimensionen". In der Tat sehen viele Insider im Preis - er liegt zwischen 70000 und knapp einer halben Million Mark das wichtigste Verkaufsargument.

Die ersten Leasingfirmen haben das System schon geordert. Diesmal praktizierten die Stuttgarter das Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", berichtet der Hamburger Broker Bernhard Fuhrmann. So werden die Anwender, die bei der IBM kaufen wollen, warten müssen, bis die Leaser bedient sind. Fuhrmann rechnet damit, daß die tatsächliche Auslieferung einige Monate eher beginnen wird, als es die Verlautbarungen aus Armonk annehmen lassen also vermutlich im späten Frühjahr 1987.

Bis dahin soll ein neues Konzept ausgearbeitet sein, das die Zukunft der Serien /36 und /38 sichert. Nach offizieller IBM-Lesart werden diese kleinen Maschinen verstärkt an kleinere und mittlere Unternehmen herangetragen, die Klientel des "Mittelstandsexpreß". Mehr "Connectivity" dieser zu nichts anderem kompatiblen Systeme soll, wie aus Brokerkreisen zu hören ist, der nächste Schritt sein.