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24.05.1996 - 

Prozeß- statt datenorientiert

Aachener Referenzmodell soll das PPS-Re-Engineering stützen

Das von fir-Mitarbeiter Jürgen Laakmann auf den Aachener PPS-Tagen vorgestellte Modell zur Umgestaltung der Auftragsabwicklung gliedert sich in vier Segmente: ein Aufgaben-, Prozeß-, Funktions- und Datenmodell. Während Aufgaben- und Prozeßmodell auf die organisatorischen Belange eines PPS-Projekts ausgerichtet sind, wird im Bereich Funktionen und Daten der DV-technische Aspekt berücksichtigt.

Das Aufgabenmodell strukturiert und beschreibt zunächst in einfacher Fom die mitarbeiterorientierte Funktion einer PPS, also unabhängig von der DV-Unterstützung. Unterteilt wird dabei in Kernaufgaben, die den Auftragsabwicklungsprozeß vorantreiben, sowie in Querschnittsaufgaben, die an unterschiedlichen Stellen des Prozesses wirksam werden. Entscheidend ist laut Laakmann, daß das Referenzmodell im Gegensatz zu bisherigen Lösungen auch die Bereiche Auftragskoordination und PPS-Controlling berücksichtigt.

Im Prozeßmodell werden diese Aufgaben zu einem Prozeß angeordnet. Dazu haben die Aachener Wissenschaftler vier unterschiedliche Abwicklungstypen (Auftragsfertiger, Lagerfertiger, Rahmenauftragsfertiger und Variantenfertiger) definiert. Da sich ein Unternehmen nur selten exakt in ausschließlich eines dieser Submodelle einordnen läßt, muß Laakmann zufolge eine möglichst praxisnahe Synthese aus mehreren Varianten gesucht werden.

Einen wesentlich höheren Detaillierungsgrad als die Aufgabenbeschreibung besitzt das Funktionsmodell. Hier werden den Aufgaben die DV-Funktionen zugeordnet. Um dabei eine sinnvolle Beziehung sicherzustellen, muß untersucht werden, inwieweit für die jeweiligen Teilprozesse Eingangs- und Ausgangsdaten vorhanden sind und ob diese auch von anderen Abläufen verwendet werden. Je größer die Überschneidungen sind, desto aufwendiger wird im konkreten Anwendungsfall auch die Konsistenzprüfung des Informationsflusses.

Laakmann betont, daß im Funktionsmodell noch keine Reihenfolge für die Abarbeitung einzelner Funktionen festgelegt wird. Dies sei im Rahmen eines Re-Engineering-Prozesses auch nicht sinnvoll. Von Bedeutung sei das Modell in der Hinsicht, daß ein Anwender bestimmt, welche Funktionen er für seine Aufgaben überhaupt benötigt.

Schließlich gilt es noch, ein Datenmodell zu definieren, das vergleichweise einfach strukturiert ist und im wesentlichen die möglichen Ein- und Ausgangsdaten der PPS-Funktionen beschreibt. Es enthält die für Prozeßabläufe erforderlichen Informationsobjekte. Dazu gehört die Entwicklung einer Objektstruktur, die Beschreibung der Objekte sowie die Zuordnung von Attributen.

Was die Unterstützung des Re-Engineering-Prozesses durch das Aachener PPS-Modell angeht, sieht Laakmann folgende Möglichkeiten: So läßt sich zum Beispiel mit Hilfe des Aufgaben- und Prozeßmodells der Untersuchungsbereich eines Projekts abgrenzen. Des weiteren unterstützt die Methode im Rahmen einer Ist-Analyse die Beschreibung der Auftragsabwicklungsformen. Ziel dabei ist es, möglichst schnell einen für das Unternehmen typischen Abwicklungsprozeß herauszukristallisieren und diesen für die gewünschten Soll-Zustände zu modifizieren. Ebenso geeignet sind die Prozeßmodelle zur Schwachstellenanalyse.

Eine Hilfestellung soll das Referenzmodell auch bei der Auswahl des PPS-Produkts bieten. Mit dem Verfahren lasse sich ein auf das Unternehmen zugeschnittener Anforderungskatalog erstellen, der eine signifikante Eingrenzung des breitgefächerten PPS-Marktes erlaube, so Laakmann. Keine Unterstützung bietet das PPS-Modell hingegen für sogenannte indirekte Kategorien, wenn etwa die Systemauswahl hinsichtlich eines DV-Konzepts oder der Benutzerfreundlichkeit erfolgen soll.

Abgrenzung des Aachener PPS-Modells

Nach Angaben des Forschungsinstituts für Rationalisierung der RWTH Aachen sind die meisten Modellverfahren in erster Linie dafür konzipiert, um Anwendungen zu entwickeln und zu implementieren.

- Das Aachener PPS-Modell soll dagegen auch den organisatorischen Re-Engineering-Prozeß und die Erstellung eines Profils für die benötigten DV-Funktionen unterstützen. Es unterscheidet somit zwischen sogenannten humanorientierten Aufgaben und DV-bezogenen PPS-Funktionen.

- Das Referenzmodell zeichnet sich durch die freie Zuordnung von Funktionen zu Aufgaben aus, wobei die Funktionen nicht in einen Prozeßzusammenhang gebracht werden. Gefordert wird lediglich, daß die Funktionen mit Input-Daten versorgt werden und der Output einer weiteren Verwendung zur Verfügung steht.

- Das Aachener Verfahren unterstreicht seine Prozeßorientierung auch dadurch, daß es im Gegensatz zu anderen, datenorientierten Methoden über ein nur einfach strukturiertes Datenmodell verfügt.